Fear the Walking Dead 4x05

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Laura“ (c) AMC
Warum schauen manche Zuschauer Fear the Walking Dead? Für die meisten dürfte es die Faszination sein, Leute dabei zu beobachten, wie sie sich in Extremsituationen wie einer Zombie-Apokalypse verhalten. Ich persönlich schaue besonders gerne solche Episoden, wie Laura. Hier ist der Fokus auf ganz wenigen Figuren, wobei der Alltag gezeigt wird, welche Mittel ergriffen wurden und wie man sich beim Überleben behilft. Da wir über John (Garret Dillahunt) bislang wenig wissen, bietet er sich als Kandidat für eine solche Episode förmlich an. Seitdem wir ihn kennengelernt haben, wissen wir, dass er früher Polizist war, sehr gut mit Revolvern umgehen kann, eine Person namens Laura vermisst und in Gesprächen einen ganz eigenen naiven Charme an den Tag legt. Außerdem ist er eine sehr treue Seele, die stets hilfsbereit ist, wenn man sich in sein Herz gespielt hat, was beispielsweise auch Morgan (Lennie James) schon in kurzer Zeit mehrfach das Leben gerettet hat.
John home alone
Zunächst also gibt es den Alltag von John zu sehen, der sich eine kleine Überlebensoase in einem Haus am See inmitten des Waldes eingerichtet hat. Um das Grundstück herum ist ein kleiner Graben (schlau!) und ein Brett fungiert als sein Steg. Die Untoten, die angespült werden, kann man also recht früh hören und sehen. Schwimmen können sie bekanntlich nicht, aber sie werden immer wieder angetrieben, wenn auch in der Regel einzeln, was ihre Beseitigung überschaubar macht.
Ansonsten kann sich John Normalität bewahren mit dem immer gleichen Song aus dem Wecker, mit dem singenden Fisch, Scrabble und Frühstück inklusive Karamelbonbons und Eiern, denn er hat ein Paar Tiere, die ihn damit versorgen. Außerdem gibt es einen Wassertank, der ihn diesen Luxus erhalten lässt.
Eines Tages wird nicht ein Untoter angespült, sondern eine Frau: Naomi/Laura (Jenna Elfman), die verwundet ist, was ihn sofort handeln lässt. Alle Zweifel daran, ob John eine dunkle Vergangenheit verbirgt, werden mit dieser Folge wohl aus dem Weg geräumt, denn das meiste was John tut, deutet darauf hin, dass er einer der nettesten und hilfsbereitesten Menschen ist, dem man bisher in der „TWD“-Geschichte begegnet ist. Er würde für andere sein letztes Hemd geben, wenn er ihnen damit eine Freude machen könnte.
Naomi hingegen bleibt auch bei einem Muster: Sie will abhauen, doch der Wagen springt nicht an, weil die Batterie hinüber ist. Ein weiterer Running Gag, der uns schon in der vorherigen Folge begegnet ist. Statt aber wütend zu werden, bietet er an, ihr auch noch Essen und Trinken mit auf den Weg zu geben und die Wunde richtig zu säubern, bevor sie wieder allein durch diese Welt wandelt.
König der Fischer

Ein weiteres Thema zieht sich durch die Episode, denn zu Johns Fähigkeiten gehört das Fischen mit allen Facetten. Nachdem er ihr Fischsuppe kocht, verschafft er ihr Privatsphäre und nimmt dafür mit der Couch vorlieb. Dabei kommt heraus, dass er ohnehin mit wenig bis kaum Schlaf auskommt, was auch erklärt, wie er in der ersten Folge der Staffel so schnell bei Morgan war. Stattdessen reinigt er häufig fast schon rituell seine Revolver.
Dienstags steht derweil der Trip mit dem Boot zum Kaufladen an, der nur um das Nötigste erleichtert wird, was irgendwie auch typisch John ist. Er denkt an andere und an nachhaltiges Leben. Der starke Kontrast zu den gierigen Vultures, dürfte also noch spannend werden, sollte es dazu bald kommen. Seine Revolver benutzt er ohnehin nur im Notfall, zum einen wegen einer persönlichen Tragödie und zum anderen, weil das Töten mit einem Messer weniger andere Untote anlockt und Pistolen somit mehr Probleme auslösen, als beseitigen.
Nebenbei verbessert er seine Umgebung, wenn ihm etwas auffällt, wie löchrige Zäune, um sich seine Vorteile zu erhalten und diese nicht an die Untoten, die diese Orte überrennen können, zu verlieren. Naomi betont immer wieder, dass sie nicht vorhat lange zu bleiben. Ihre Verlustängste kommen voll durch, als John am Abend einen Film anmacht und sie sich zu ihm gesellt. Man sieht, dass sich beide mögen, wobei Naomi aufgrund des Verlusts ihres Kindes vorerst auf Distanz bleibt und wir vielleicht mehr wissen, warum sie stets so flatterhaft ist.
Trotzdem bittet sie tags darauf darum, dass John ihr das Fischen beibringt, was ohnehin eine sehr gute Fähigkeit für diese Welt ist. Eine schöne Montage später sehen wir, wie sie beginnt das Gelernte zu verinnerlichen und das Scrabble zum Ritual der beiden wird.
Die Harmonie der beiden wird gestört, als sie bei einem Konstruktionsausflug von einem Untoten gestört werden und John sich weigert zu schießen und deswegen ausrastet und beide mit dem Zombieblut besudelt. Als Krankenschwester hat Naomi nämlich offenbar schon gesehen, dass das dazu geführt hat, das Menschen umgekommen sind, was wiederum eine kleine Anspielung aus eine Storyline aus der achten Staffel von The Walking Dead ist.
I love you, too. I'm sorry.

Es kommt, wie es wohl kommen muss und das Auto, das die beiden auf der Brücke verlassen haben, wird nach dem Krach von Untoten umstellt, die es verschieben können und dann nach und nach ins Gewässer fallen und bei John angespült werden. Diesen Zufall muss man in dieser sonst starken Episode und Staffel wohl einfach hinnehmen, ebenso wie die teilweise sehr düsteren Szenen, die es teilweise schwer machen, das Geschehen zu verfolgen, was man bisher besser im Griff hatte.
Dabei zeigen sich dann auch die Schwächen von Johns Domizil. Bei größeren Walkergruppen fallen die zwar wie beabsichtigt in den Graben, ermöglichen anderen dann aber auch als untote Brücke den Übergang zu ihrem potentiellen Opfer. Immerhin können sich John und Naomi vorerst gut zur Wehr setzen, bis John gezwungen wird, Naomi im Pistolero-Stil zu retten.
Nach diesem Schrecken kann John ihr vorerst nicht unter die Augen treten und will auf die Veranda flüchten. Sie möchte aber wissen, was los ist. Dabei kommt heraus, dass er in sie verliebt ist und ihren Tod nicht hätte verkraften können. Da John einfach ein netter Typ ist, bietet ihr ihr sogar an, das Haus zu übernehmen, wenn sie allein sein will, weil er eine Welt braucht, in der sie am Leben ist. Sie erwidert seine Gefühle am Abend, tritt aber am nächsten Morgen die Flucht an und hinterlässt neben der Botschaft, dass sie ihn liebt und es ihr leid tut auch die alten Schuhe, die sie vorher partout nicht abstreifen wollte. Entsprechend hatte John bislang alle Hoffnung darin gesetzt, sie irgendwann wieder zu sehen, wobei Alicia und Luciana diese jüngst in der Gegenwart zerstört haben. Kann man sich sicher sein? Sind die Autoren so hart, dass sie diese Figur einführen und sie dann direkt wieder sterben lassen?
Morgan zerstreut seine Zweifel daran, ob John ihr seine Liebe hätte gestehen sollen, denn man muss jede Chance nutzen, die sich ergibt. Gemeinsam wollen die beiden am Leben bleiben und keine weitere Sekunde verlieren. Statt einer Romanze lebt also diese Bromance weiter. Und wer weiß, vielleicht hat es Naomi doch irgendwie geschafft...
Fazit

Laura ist eine intime und leise Episode von Fear the Walking Dead, was aber der Qualität (bis vielleicht auf die Vorbereitung für die finale Zombieszene) keinen Abbruch tut. Ich bin ein Fan solcher Einblicke in Einzelschicksale und wurde entsprechend gut unterhalten. John Dorie katapultiert sich schon seit Beginn der Staffel in mein Herz und ist ein von Grund auf guter Typ, doch haben solche Menschen noch einen Platz in dieser düsteren Welt?
Trailer zur „Fear the Walking Dead“-Episode Just In Case (4x06):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 14. Mai 2018Fear the Walking Dead 4x05 Trailer
(Fear the Walking Dead 4x05)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?