Fear the Walking Dead 4x03

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Good Out Here“ (c) AMC
Das bisherige Muster der vierten Staffel von Fear the Walking Dead lässt Episoden aus der Gegenwart mit solchen aus der Vergangenheit abwechseln, während vom anderen jeweils nur kleine Einschübe eingestreut werden. Entsprechend spielt Good out Here größtenteils in der grauen Gegenwart, die bisher ohne Madison (Kim Dickens) auskommt. Im Fokus der Folge steht diesmal ganz klar Nick (Frank Dillane), der in den kurzen Flashbacks in eine positivere, buntere Vergangenheit davon getroffen ist, dass seine gesamte Ernte unbrauchbar geworden ist, während seine Mutter ihn bei einem Ausflug davon überzeugen möchte, dass es sich lohnt die kleinen Dinge im Leben zu suchen und zu genießen. Denn die Welt ist auch so schon schlecht genug.
Im selben Team
In der Gegenwart haben Nick, Alicia (Alycia Debnam-Carey), Strand (Colman Domingo) und Luciana (Danay Garcia) die Gruppe rund um Althea (Maggie Grace), Morgan (Lennie James) und John (Garret Dillahunt) vermeintlich in ihrer Gewalt, allerdings ist Althea ein Entfesselungsprofi und lenkt zuvor mit Fragen rund um die Hintergrundstory ihrer neuen Begleiter ab, sodass sie die Situation zu ihren Gunsten drehen kann. Ganz nach Plan verläuft das jedoch wegen eines Kampfes im Truckinnenraum nicht und das Vehikel kommt von der Bahn ab, inmitten einer großen Gruppe Untoter. Die Bergung gestaltet sich als Herausforderung, weil die Räder tief im Matsch stecken.
Nicks Trauma manifestiert sich nach dem Aufwachen wieder und er scheint überfordert zu sein. Allerdings sieht Luciana ein, dass man an einem Strang ziehen muss und weiht Althea über einen Ort ein, der ein Rettungsseil und einen Abschlepptruck bereithalten könnte. Als Akt des Vertrauens werden alle, bis auf Nick, von ihren Fesseln befreit und unternehmen einen Ausflug zu besagtem Ort. Der verletzte Morgan achtet auf Nick und macht ihm schnell klar, dass ein lahmes Bein ihn noch lange nicht ungefährlich macht. Das gibt den beiden außerdem die Chance sich etwas näher kennenzulernen. Beide teilen beispielsweise ihre Vorliebe für Erdnussbutter und beide verarbeiten ihre zahlreichen Verluste, wobei diese bei Nick wahrscheinlich noch frischer nachhallen.
Wir können nur ahnen, dass etwas mit Madison passiert ist, denn die Episode bleibt uns weiterhin schuldig, dahingehend Licht ins Dunkel zu bringen. Aber es muss an der Gruppe namens „The Vultures“ liegen, die sich in der Episode zuvor beim Stadion postiert hat und wie die Geier darauf wartet, bis Madison und ihre Gruppe verenden.
In Altheas Truck findet Nick die Kamera und das Tape mit Morgans Geschichte darauf, wobei er natürlich nicht besonders ausführlich erzählt, was ihm widerfahren ist, aber zumindest kann Nick so sehen, dass etwas mit Morgan nicht stimmt.
Bo und Hammer
Morgans Wegweiser „The Art of Peace“ entdeckt Nick ebenfalls, während Morgan auch verletzt seine Aikido-Übungen ausführt - zumindest bis er ein Auto - einen blauen El Camino sieht - und Nick warnt unterzutauchen. Doch gerade besagtes Auto versetzt Nick in Aufruhr, denn es handelt sich dabei um das Gefährt von Ennis (Evan Gamble), dem Bruder von Vulture-Anführer Mel (Kevin Zegers). Hier vermischen sich beide Storylines wieder, denn im Rückblick ist es Ennis, der zusammen mit der kleinen Charlie die Gegend erkundet und Nick und Madison bei einer Kirche zuvorkommt, was das Sichern von Vorräten angeht. Nick lässt sich von ihm provozieren und bedroht ihn, sodass er am Hals blutet. Das dürfte der Beginn ihrer Fehde sein, der sich bis in die graue Gegenwart fortsetzt.
Nach einem Handgemenge mit Morgan nimmt Nick nämlich in der Gegenwart die Verfolgung auf und betätigt außerdem die Hupe des gestrandeten SWAT-Trucks, die nun dauerhaft Untote anlockt und Morgan beschäftigt - das alles ohne seinen Stock, den Morgan nach seiner Panik hat liegen lassen und den Nick ihm nicht zuwirft. Dafür plant Nick seinen Hammer, der in dieser Staffel wohl so etwas wie seine Waffe sein soll, gegen Ennis einzusetzen.
Bald gerät Nick in eine Notlage, aber Morgan schafft es aufzuschließen und ihn zu retten. Diesen Einfall lieben die neuen Showrunner offenbar, denn sie haben ihn auch schon bei John und Morgan in der ersten Episode eingesetzt. Immerhin kann so das Zusammenspiel der beiden fortgeführt werden. Zunächst gilt es aber, dass Morgan seine Wunde verarztet und es mal etwas ruhiger angehen lässt. Diese Verschnaufpause nutzt er, um den rachedurstigen Nick zu warnen, dass ein Mord nicht dafür sorgen wird, dass er sich dauerhaft besser fühlt. Das ist etwas, was Morgan aus erster Hand weiß. Er öffnet sich Nick gegenüber doch und berichtet über die Verluste der Familie, seiner Freunde und die Begegnung mit dem Cheesemaker Eastman (John Carroll Lynch) in der The Walking Dead-Folge Here is Not Here.

Worte, wie „All life is precious“ reichen Nick jedoch nicht, denn schon der bloße Anblick des Autos und von Ennis lassen Nick durchdrehen, sodass Morgan mit dem Bo versucht ihn aufzuhalten. Weil er jedoch nicht bereit ist Nick zu töten, macht er den Weg frei. Nick und Ennis liefern sich einen Zweikampf, an dessen Ende Nick ihn aufspießen kann und zuschaut, wie das Leben aus ihm entweicht.
Mission of Benevolence

Die andere Gruppe kümmert sich derweil um die Materialien, die für das Bergen des SWAT-Trucks notwendig sind. Dabei wächst der Respekt untereinander relativ schnell, denn es kristallisiert sich heraus, dass die Überlebenden alle zielorientiert handeln und die wichtigsten Dinge schnell auftreiben können. Altheas geübtes Auge entgeht dabei nicht, dass etwas mit Strands Hand geschehen sein muss, was er verbirgt.
Luciana redet derweil mit John darüber, wie sie Nick einst verlassen hat, was John wohl an seine Angebetete Laura erinnert, die ebenfalls verschwunden ist. Althea interessiert sich dafür, dass die Wahrheit erhalten bleibt und zumindest einmal ausgesprochen wird. Wie genau sie dabei bewerten kann, dass man sie nicht anlügt, bleibt vorerst ihr Geheimnis. Denn dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, bezweifelt auch Luciana, die zusammen mit John bereits in Richtung Nick aufbricht.
Wie schon zuvor bietet Al einen Deal an: Sie verrät, wo sie die Flagge gefunden hat, wenn man ihr bei ihrem Truck hilft. Strand handelt das Ganze zusammen mit Alicia dahin hoch, dass sie gemeinsam zu dem Ort fahren und sich einander helfen, was eingerichtet werden kann.

So kämpft und kriecht Alicia für die Rettung des Trucks, während Althea die Untoten erschießt und Strand den Rettungstruck koordiniert. Die Situation ist spannend, ohne auf billige Tricks zurückzugreifen, dabei ist die Inszenierung der Abläufe klar und trotz des Graufilters verständlich. Das klappt bei „TWD“ nicht immer so gut, wie hier.
RIP Nick Clark
Die Rettungsaktion glückt und der Truck sammelt John und Luci ein. Morgan gibt Nick sein Friedensbuch weiter und obwohl es schon zu spät ist, weil seine Rache vollzogen ist, schaut er sich die Worte an. Allerdings ist es wirklich zu spät, denn ein Schuss fällt und trifft Nick. Es ist Charlie, das Mädchen, das man im Stadion aufgenommen hatte, auf das Madison und Nick Hoffnung gesetzt haben und das man aus den Klauen der Vultures befreien wollte. Sie gehört, wie Ennis schon gesagt hat, offenbar mit Haut und Haaren zur Gruppe und rächt nun den Tod ihres damaligen Retters.
Nach dem Tod von Travis in der dritten Staffel überraschen die Showrunner wieder einmal mit einem Tod einer Hauptfigur, die lange Zeit als unantastbar galt. Wie oft ist Nick schon dem Tod von der Klinge gesprungen? Suchtrückfälle, das Einschmieren mit Zombieinnereien, gewagte Mutproben und Konfrontationen mit Psychopathen- das alles hat er überlebt, doch nun beendet eine vermeintlich unschuldige junge Frau sein Leben.

Durch die aktuelle Struktur bedeutet das noch nicht, dass wir Nick niemals wiedersehen. Außer man verabschiedet sich bald von den Rückblicken. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die Autoren darauf verzichten zu zeigen, wie die Gruppe von über 40 auf vier reduziert wurde und wo genau Madison steckt respektive was mit ihr passiert ist. Dass seine Mörderin ausgerechnet Charlie ist, funktioniert schon nach zwei Episoden überraschend gut. Da dürfte es auch noch mehr Story zu entdecken geben. Zudem beenden die Macher die Episode mit einem schönen Bild rund um die Bluebonnets, die Madison Nick als Hoffnungsschimmer bei ihrem gemeinsamen Ausflug zeigt. Nick wird definitiv fehlen, allerdings hat man ohnehin eine Vielzahl von Figuren eingeführt, die die Serie in interessante Richtungen bringen können. Der Fokus auf weniger Charaktere war schon immer ein Vorteil von „FTWD“ gegenüber dem bisweilen übervollen „TWD“.
Fazit

Good out Here ist über lange Zeit eine Episode, die die Zuschauer in eine Richtung lenkt, nämlich dass Nick zu Morgans Protegé werden könnte, wie er es einst bei Eastman war, nur um kurz vor Schluss den Teppich direkt unter den Füßen wegzuziehen. Man kann mittlerweile annehmen, dass er nicht das einzige Opfer bleiben wird, zu auffällig ist dafür sein Verhalten und das Fehlen von Madison in der Gegenwartszeitlinie. Damit geht allerdings auch ein Fanfavorit der ersten Stunde verloren und die Serie verabschiedet sich weiter von dem, was sie einst aufgemacht hat.
„FTWD“ ist in der vierten Staffel eine Experimentierfläche für die Autoren, wo sie sich einmal austoben können, die Einschaltquoten werden auch hier nicht mehr höher ausfallen als zum Crossover mit der Mutterserie, also kann man es wagen, noch einmal alles zu probieren. Bis jetzt geht das Experiment auf. Die Ära nach Nick könnte zur bisher größten Prüfung für die Neuausrichtung werden.
Trailer zur Fear the Walking Dead-Episode Buried:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 30. April 2018Fear the Walking Dead 4x03 Trailer
(Fear the Walking Dead 4x03)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?