Fear the Walking Dead 3x02

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „The New Frontier“ / (c) AMC
Schaute es am Ende von Eye of the Beholder noch so aus, als würde die Familie Clark-Manawa (oder was von ihr übrig ist) glimpflich aus ihrer Auseinandersetzung an der Grenze rauskommen, ändert sich das in der Fear the Walking Dead-Folge The New Frontier überraschend schnell.
Turbulenzen
Denn die Crew aus dem Helikopter, zu der Luciana (Danay Garcia), Alicia (Alycia Debnam-Carey) und Travis (Cliff Curtis) sowie Soldat Jake Otto (Sam Underwood) gehören, gerät in Turbulenzen und wird aus der Ferne beschossen. Ein Schuss trifft Travis in der Halsregion, was ihn dazu verleitet, sich abzuschnallen und zum Schutz der Mitreisenden aus dem fliegenden Vehikel stürzen zu wollen. Tatsächlich ist Travis aus seinem Gruben-Royal-Rumble nämlich nicht unbeschadet davongekommen und hat sich auch im Abdomen eine heftige Verletzung zugezogen. Mit dieser Entwicklung habe ich nach seinem großartigem Kampf in der vorherigen Woche nicht gerechnet und tatsächlich wirft er sich aus nicht überlebbarer Höhe aus dem Hubschrauber.
Zwar gilt fast immer die Regel, dass man erst eine Leiche sehen muss, um zu wissen, dass jemand gestorben ist, aber „FtWD“ bricht diese Regel bei dem Manawa-Klan des Öfteren. Außerdem sind seine Verletzungen final. Davon gibt es kein Zurück. Travis ist also kurz nach seinem Sohn Chris nun auch Geschichte und auch wenn wir uns in Reviews und Podcasts oft über die Figur beschwert haben, wurde ihre Reise doch etwas zu früh beendet. Das ermöglicht nun aber, wie die Folge gerade zum Ende hin zeigt, eine düstere Entwicklung. Offen bleibt derweil, wer auf die Gruppe geschossen hat. Dass eine solch zentrale Figur stirbt, stellt die Dynamik der Serie vollständig auf den Kopf.
Die Arztlüge
Beim Hotel treffen wir wieder auf Elena (Karen Bethzabe), Hector (Ramses Jimenez) und Victor Strand (Colman Domingo), die weiterhin mit Obdachsuchenden zu tun haben, die Hoffnung auf einen Arzt haben. Strand rettet Elena und Hector, als die Zaungäste handgreiflich werden und verspricht mehr, als er eigentlich bieten kann. Er behauptet nämlich, ein Arzt zu sein und will alle Hilfesuchenden aufnehmen, um die angespannte Lage zu entspannen. Das klappt zwar bei einem verletzten, sprich angeschossenen Jungen, bringt ihn aber schon bei einer Schwangeren an seine Grenzen.
Da die Arztlüge die anderen gefährdet, soll Strand nach einem letzten schweren Fall gehen. Ein Auto soll er nicht kriegen, dafür aber immerhin etwas Verpflegung. Die Patientin verweigert die Nahrungsaufnahme und Dr. Strand soll mal schauen, ob er da seine heilenden Hände auflegen kann. Es handelt sich um Ilene Stowe (Brenda Strong), die Brautmutter, von der Strand vor einiger Zeit angeschossen wurde und die inzwischen zurückgezogen in ihrem Zimmer lebt und ausgemergelt aussieht.
Strand scheint durch das Wunder des Lebens wieder neuen Lebensmut getankt zu haben und öffnet ihre Balkontür, damit etwas Luft hereinkommt - als „FtWD“-Zuschauer weiß man: Diese Tür wird schnell zur tschechow'schen Tür...
Sie bedankt sich dafür mit etwas, was eigentlich ein Hochzeitsgeschenk (es handelt sich um Autoschlüssel) sein sollte und tritt schleunigst den Weg Richtung Balkon an, um ihrer traurigen Existenz ein Ende zu machen, während Strand offenbar weiß, wo er hin will.
The Ranch

Madison und Nick kommen derweil trotz nerviger Musik im Auto, die natürlich von Troy kommt (der wohl das Nerverbe von Chris antritt), auf der Ranch des Vaters an. Allerdings herrscht direkt Unruhe, als herauskommt, dass der Heli noch nicht gelandet ist, weswegen Nick und Madi erst einmal draußen warten müssen. Nick fällt derweil in frühere Muster zurück und wird unruhig, er will den Rest seiner Gruppe sofort suchen, doch Madison mahnt zur Ruhe, denn sie könnten ja noch nachkommen - und der verabredete Treffpunkt ist die Farm, was sonst wieder zu unnötigen Trennungen führen würde. Für den Fall, dass sie nicht erscheinen, hat Madison eine Pistole besorgt, die sie Nick während einer viel zu langen mütterlichen Umarmung fühlen lässt. Es scheint, sie bereitet sich immer öfter auf den Worst Case vor.
Nick hat jedoch ein Problem damit, ausgerechnet bei den Menschen zu bleiben, die sie kurz zuvor noch umbringen wollten (Goddamnit Troy!), während Madison bereit ist, die Gastfreundschaft auszunutzen, aber immer mit Vorsicht und bedacht. Schon bald kommt der Ranchbesitzer Russell Otto (Dayton Callie) auf sie zu, was sie jedoch nicht gleich merkt. Er sorgt sich natürlich um seinen anderen Sohn und sein Patenkind und will wissen, ob Travis womöglich den Helikopter entführt haben könnte. Doch mit Alicia und Luciana an Bord würde er das nie machen. Als das halbwegs geklärt ist, werden sie reingelassen und erhalten eine kurze Führung.
Es handelt sich um einen Ort, der gut bewaffnet ist und in dem die Leute durch Nahrungsmittelanbau nicht auf andere angewiesen sind. Russell scheint nichts anderes als den Wiederaufbau der Nation zu planen und wundert sich, warum Madison so wenig Begeisterung zeigt, hier Asyl zu bekommen (bei dem Psychosohn aber wenig verwunderlich).
Im Laufe der Folge werden nicht nur wegen des Patriarchen, sondern auch wegen dessen Einstellung einige Erinnerungen an die Farm aus The Walking Dead und Hershel wach, wobei bislang die religiöse Komponente fehlt, aber die hatten wir in „FtWD“ ja bereits bei anderen Gruppierungen zur Genüge gesehen. Allerdings müssen wir noch etwas mehr Infos sammeln und hoffen, dass das nicht solch einen erzählerischen Stillstand wie in der zweiten „TWD“-Staffel bedeutet.
Nick macht derweil seinem Unmut weiter Luft und ist wieder impulsiv und unvorsichtig. Eine Eigenschaft, die er eigentlich abgelegt hatte, aber sie beruht offenbar auf seinen Schuldgefühlen, denn er glaubt, für den Fall der Colonia und die Verletzung Lucinas sowie für die Familiensituation Schuld zu tragen.
Das Lagerfeuer
Alicia freundet sich derweil mit Jake an, denn beide haben Problembrüder, der eine einen Junkie, der andere wohl einen mörderischen Masochisten. Schon bald ertönt das Pfeifen der weiblichen Begleitung, was auf Gefahr hindeutet und Jake stolpert eine Anhöhe runter (wieder etwas, was wir zu gut aus „TWD“ kennen). Das jedoch nur, um dort von ein paar Untoten konfrontiert zu werden, die sich offenbar an seiner Bekannten vergriffen haben. Sein Gewehr hat allerdings eine Ladehemmung und Alicia hat er aufgetragen, dem Weg zur Ranch zu folgen. Glücklicherweise tut sie nicht immer, was man ihr sagt, und so rettet sie ihn. Er muss sich aber noch darum kümmern, dass seine Begleitung nicht zum Beißer wird. Nun haben sie neben schwierigen Brüdern auch noch den Verlust einer ihnen nahestehenden Person gemeinsam.
Kurz darauf bündeln sie ihre Kräfte, um die schwer verletzte Luciana in Sicherheit zu bringen. Doch Troy macht schon wieder Stunk und will sie nicht reinlassen, weil die Regel besagt, dass ein Puls da sein muss, denn sonst ist die Gefahr zu hoch, dass es ein böses Erwachen gibt. Troy will Luciana erschießen, was Nick ihm ausredet und so tut, als würde er diese Aufgabe übernehmen wollen, doch der die ganze Zeit schon angekratzte Nick, richtet die Waffe auf Troy, der überhaupt erst für die Verletzungen gesorgt hat. Der Ranchbesitzer muss die Lage beruhigen und beruhigt Nick und nimmt Luci auf, da sie einen Puls hat.
Ein Leben ohne Travis
Madison erhält zwischenzeitlich die Hiobsbotschaft bezüglich Travis und bricht zusammen. Später, als sie für sich trauern will, kommt Russell wieder zu ihr und weiß um die von ihr gestohlene Pistole. Statt sie jedoch wegen beider Vorfälle rauszuschmeißen, bittet er sie, die Waffe in einem Katalog zu notieren und nimmt die Familie bei sich auf.
Als Madison und ihre Kinder dann in ihrem neuen Heim unter sich sind, macht die Mutter klar, dass sie zunächst einmal hier bleiben werden und es sich heimisch machen - zur Not übernehmen sie die Ranch einfach selbst. Madisons Wandel wirkt wie die Geburt einer Schurkin - oder wie Rick in Alexandria.
Fazit

Es wird noch interessant zu sehen sein, wie Madison sich ohne den Rückhalt von Travis entwickelt, wobei auch Strand als Stütze eventuell bald wieder ins Spiel kommen könnte.
Vielleicht aber lenkt die Serie auch doch mehr in Richtung des Comics, als wir dachten. Eine Theorie, die durch die Entwicklung nun an Nährboden gewinnt, könnte vielleicht eintreten, falls Madison sich zu einer gewissen Schurkin im Comic wandeln sollte. Wir werden sehen...
Die ersten beiden Folgen der dritten Staffel von Fear the Walking Dead lenken die Serie jedenfalls in eine interessante Richtung, die wieder einmal so oder so ausgehen könnte. Hoffentlich orientiert man sich nicht allzu sehr an der Farm-Storyline, sondern bringt etwas Neues. Eine gebrochene Madison birgt jedenfalls viel Potential.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 5. Juni 2017(Fear the Walking Dead 3x02)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 3x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?