Fear the Walking Dead 2x14

Fear the Walking Dead nähert sich mit der Episode Wrath der Zielgeraden, denn es handelt sich um die vorletzte Folge der zweiten Staffel.
Die Autoren haben Ofelia (Mercedes Mason) offenbar doch noch nicht vergessen und widmen sich ihr zuerst. Denn ihr Auto bleibt liegen und nur ein Blick unter die Motorhaube kann helfen. Doch das führt zu einer Unachtsamkeit und einem Angriff durch einige infected, die sie aber mit Hammer und Motorhaube erledigen kann, ehe sie sich entschließt, ohne fahrbaren Untersatz weiterzuziehen. Schon durch dieses Cold Open gibt es mehr Zombieaction als in den vorherigen beiden Folgen zusammen. Sie scheint über die Grenze zu sein, doch noch ist sie viele hundert Meilen von ihrem Liebsten in New Mexico entfernt und außer einem Kanister Wasser hat sie kaum etwas.
Durch ein Loch im Zaun kommt sie ihrem Ziel zumindest ein Stück näher, doch der Weg ist in mehrerer Hinsicht steinig - und bald wird sie beschossen. Den Angreifer versucht sie, mit einem Messer anzugreifen, doch dieser wehrt es ab und heißt sie sarkastisch (?) in Amerika willkommen.

Handelt es sich hier um Militärreste, um die Grenzpolizei oder um sonst eine Miliz? Die bewaffneten Männer in Uniform sehen wir in den beiden letzten Folgen der Staffel jedenfalls nicht zum letzten Mal. Warum genau sollte jemand die Grenzzone noch bewachen? Leben vielleicht ein paar Exmilitärs in einer Basis und verteidigen diese vor jedem Neuankömmling? Wir werden es spätestens in Staffel drei erfahren.
Nick, der Dealer
Nick (Frank Dillane) schleicht sich im Morgengrauen raus, holt sich bei Alejandro (Paul Calderon) ein paar Döschen gestrecktes Oxycodon und will zu Marco (Alejandro Edda), um einen Deal zu machen, in dem La Colonia glimpflich aus dem Konflikt kommt. Dort angekommen wird aber schnell klar, dass Marco nicht nur den Standort kennt, sondern auch die Sicherheitsmaßnahmen, die man aushebeln muss, um reinzukommen. Reynaldo (Cuauhtli Jiménez) spielt den Dolmetscher, doch der Angriffsplan steht schon längst. Nun gilt: Entweder die Bewohner verschwinden von dort oder sie sterben. Dass er keine halben Sachen macht, sieht man daran, dass er die flüchtige Familie umgebracht hat.
Nick tut das Richtige und möchte daheim dem Konflikt aus dem Weg gehen und die Leute retten, doch Luciana (Danay Garcia) und auch Alejandra versteifen sich in ihren Glauben, dass alles gut und sich von selbst lösen wird - also ohne Gegenwehr oder Flucht. Gerade dann kommt es zum Chaos in der Krankenstation, denn einer der Bewohner hat sich gewandelt, greift Nick an und beißt Alejandro sowie eine andere Frau. Den Übeltäter kann Nick instinktiv, aber extrem brutal per Augenquetschen aus der Welt schaffen. Doch die Menge an Blut auf dem Boden ist definitiv beängstigend. Ebenso wie die Tatsache, dass Alejandro nun mit der Wahrheit herausrücken muss.
Nicht immun

Während die anderen Gebissenen zur Wall gebracht werden und dort Teil der Herde der Untoten sind, bleibt Alejandro vorerst von diesem Schicksal verschont. Nick will gehen, aber nur, wenn seine Freundin mitkommt. Trotz des Geständnisses gegenüber Luciana, dass Alejandro nicht immun ist, sondern nur von dem Jungen gebissen wurde, den er retten wollte, will Nicks Freundin den Ort nicht aufgeben, sondern auf den Glauben vertrauen. Der Konflikt ist hier also Glaube an die Sache und die Community versus die frische Liebe - und den scheint Nick vorerst zu verlieren. Nick will aber nicht für einen Betrüger in den Tod gehen.
Der trauernde Travis
Travis (Cliff Curtis) hadert weiterhin damit, seinen Sohn Chris (Lorenzo James Henrie) mit Brandon (Kelly Blatz) und Derek (Kenny Wormald) ziehen zu lassen. Madison (Kim Dickens) versucht, die richtigen Worte zu finden und glaubt, dass er sein Versprechen Liza gegenüber eingehalten hat und dass der Junge besser bei Leuten aufgehoben ist, die ähnlich wie er ticken.
Kurze Zeit später bringt Alicia (Alycia Debnam-Carey) Travis etwas zu essen und entschuldigt sich dafür, weil sie glaubt, an Chris' extremer Entwicklung auch Schuld zu tragen. Doch endlich sieht Travis ein, dass sein Sohn mental nicht gesund ist und er ihr früher hätte glauben müssen.
Ugly Americans

Madison schaut bei den Obdachsuchenden vorbei, um die Andrés (Raul Casso) sich medizinisch kümmert und dabei fallen zwei amerikanische Jugendliche negativ auf. Nicht nur wegen ihrer fremdenfeindlichen Sprüche, sondern auch, weil sie aufgrund ihrer Herkunft eine Sonderbehandlung verlangen. Es handelt sich um die bereits erwähnten Brandon und Derek, wobei Brandon eine ausgerenkte Schulter hat, die ihm Schmerzen zusetzt. Wie schon in der letzten Episode angedeutet, als sie am Hoteltor erschienen, ist Chris nicht bei ihnen und die Indizien sprechen dafür, dass ihm etwas passiert sein muss, denn sie geben zu Protokoll, dass der Fahrer es nicht geschafft habe - der Punkt, an dem bei den Zuschauern schon die Alarmglocken schrillen...
Statt zu Travis geht Madison mit ihrem Wissen zu Strand (Colman Domingo), der in alter Strand-Manier versucht, die Situation so zu drehen, dass Travis nichts davon erfährt. Denn er weiß genau, dass die Hoffnung oder die Suche nach jemandem Grund genug ist, sich ans Leben zu klammern. So ist es bei Alicia mit Nick und so dürfte es auch bei Travis mit Chris sein.
Der Plan ist es also, dass sie einzeln verhört werden, was aber die anderen Hilfsbedürftigen aufbringt und genau den gegenteiligen Effekt hat wie erhofft. Travis sieht also, wen Madison und Co da haben und konfrontiert die beiden, denn er will wissen, wo sein Sohn ist.
Travis, the Terminator

Unter der Voraussetzung, dass sie behandelt werden und ein Auto erhalten, wollen Brandon und Derek die Wahrheit sagen. Doch dabei verheddern sie sich in einem Netz von Widersprüchen. Fakt ist: Chris ist gefahren, weil er seinen Wert beweisen wollte, auch wenn er keinen Führerschein hat und das Fahren erst kürzlich von Travis beigebracht bekommen hatte.
Dabei gab es einen Unfall und das Auto wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen - Chris allerdings auch. Und statt ihn zu behandeln oder am Unfallort zu lassen, haben sie Chris auf der Stelle erschossen. Als die Wahrheit schließlich ans Licht kommt, gibt es bei Travis kein Halten mehr. Er schließt sich mit den Jungs ein und teilt kräftig aus, muss aber auch einstecken. Nebenbei verletzt er außerdem Oscar (Andres Londono), der schlichten möchte, schwer.
In seiner Wut lässt sich Travis allerdings von nichts stoppen, auch Madisons verzweifelte Rufe können da nichts ausrichten.
Die Sicherung in Travis' Kopf ist nach dieser Geschichte endgültig durchgebrannt und er ermordet beide Jugendliche kaltblütig. Es scheint, als wäre der alte Travis nun nicht mehr - von dieser Tat gibt es kein Zurück.
Fazit
Nach mehreren vergleichsweise friedlichen Episoden von Fear the Walking Dead eskaliert Wrath gleich auf mehrenen Ebenen so richtig. Wir haben es mit einer der brutalsten Folgen der Serie zu tun, was die Mensch-gegen-Mensch-Gewalt angeht, denn in Travis platzt ein gewaltiger Knoten. Wie man das Ableben von Chris nach so einem großen Aufbau inszeniert, überrascht mich als Zuschauer dann doch. Wir erfahren die Geschichte hauptsächlich aus zweiter Hand und sie ist fast nur ein Mittel zum Zweck, um den Wandel in Travis zu entfachen. Gleichzeitig ist es eine der kontroversesten Figuren der Seriengeschichte und man hat tatsächlich ein wenig Mitleid mit ihm.
Travis war zwar nicht da, als Madison die Regeln zum Mord festgelegt hat, aber Konsequenzen sind nun nicht zu vermeiden. Dazu aber dann wohl mehr im Staffelfinale.
La Colonia steuert derweil auf eine Katastrophe zu, die vielleicht nur noch Nick entschärfen kann. Dabei stößt er aber auf viel Gegenwind von Alejandro. Dass dieser nicht immun ist, dürfte keine Überraschung sein, wenn man Robert Kirkmans Standpunkt zu dieser Angelegenheit kennt. Dennoch stellt seine Geschichte einen netten Exkurs dar, wie weit (Irr-)Glauben führen kann, wenn man es zulässt - und für eine lange Zeit hat dieser viele Menschen in Sicherheit leben lassen.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 3. Oktober 2016(Fear the Walking Dead 2x14)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 2x14
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