Fear the Walking Dead 2x07

Der Umgang mit den Toten ist in den letzten Episoden von Fear the Walking Dead zum zentralen Thema geworden. Es gibt dabei momentan zwei große Strömungen: Celia (Marlene Forte), die den Tod nur als Neuanfang für einen anderen Lebensabschnitt sieht, und Daniel (Ruben Blades), der verfolgt wird von seinen Opfern und den Verstorbenen Seelenfrieden bringen will, indem er sie nach dem Tod direkt ins Jenseits schickt.
Daniel ist in dieser Episode eine zentrale Figur, was damit beginnt, dass wir seinen Alptraum erleben. Und das im doppelten Sinne. Wir werden über seinen ersten Mord eingeweiht, der mit einem eindringlichen Bild von schwimmenden Leichen in einem Gewässer untermalt wird. „Inception“-mäßig wird er aus dem Traum gerissen, nur um in einem anderen Alptraum zu landen. Darin verliert Tochter Ofelia (Mercedes Mason) durch die verschleppte Infektion ihre Haut. Als er dann tatsächlich aufwacht, ist die Situation nicht unbedingt weniger angespannt.
You love no one

Denn Celia sieht, was Strand (Colman Domingo) mit seinem Lover Thomas (Dougray Scott) gemacht hat. Statt gemeinsam mit ihm zu einem Untoten zu werden, hat er ihm die Wandlung verweigert und kassiert dafür von dessen Ziehmutter eine Backpfeife. Strand und seine Begleitung sind nicht länger willkommen, einzig Nick (Frank Dillane) kann ihre Sichtweise nachvollziehen. Strand verteidigt sich damit, dass Thomas den Wunsch hatte, beerdigt zu werden. Er stichelt, dass Thomas nicht ihr echter Sohn war, auch wenn sie sich jahrzehntelang um ihn gekümmert hat. Damit hat er es sich nun endgültig verscherzt. Bis Sonnenuntergang sollen sie ihre Sachen packen und weg sein. Doch Nick sucht nach einer Lösung.
Madison (Kim Dickens) ist pragmatisch und will für den Ernstfall gewappnet sein. Deswegen sollen alle sich marschfertig machen und ein paar Vorräte einpacken. Noch ist jedoch offen, wie es mit dem fortgelaufenen Chris (Lorenzo James Henrie) weitergeht. Travis (Cliff Curtis) will ihn nämlich ausfindig machen, auch wenn Alicia (Alycia Debnam Carey) keinen Finger krumm macht, um den Psycho-in-the-Making zu suchen. Travis verleugnet weiter, dass er irgendwem - und vor allem ihr - wehtun könnte. Muss denn wirklich erst jemand zu Tode kommen, damit er einsichtig wird?
Everybody should hate Chris

Chris bringt seinen Vater Travis in Gefahr, weil er an einem ihm völlig fremden Ort mitten in der Nacht ausbüxt und Travis sich natürlich verpflichtet fühlt, ihn zu finden. Dabei trifft er auf eine Leiche mit Messer im Kopf, die signalisiert, dass trotz Celias guter Führung auch draußen Zombies herumlaufen. Das Messer kommt ihm aber als Verteidigungsmittel gelegen, während Chris sich eine Pistole sichern konnte.
Als Travis zu einer kleinen Hütte kommt, wird er von dem Bewohner zunächst überrascht, dann allerdings mit Wasser versorgt. Dabei sieht der am Fuß verletzte Travis, dass es sich bei seinem Gastgeber ebenfalls um einen Familienvater handelt, der nach eigener Aussage kein Englisch spricht. Ein englisches Buch auf dem Bett verrät ihn aber, und Travis bemerkt, dass hier etwas nicht stimmt. Chris hat nämlich den kleinen Sohn als Geisel und der Mann soll Travis ablenken und wegschicken.
Psycho-Chris kommt zum Vorschein, als er seinen Vater mit dem gefundenen Messer ernsthaft verletzen will. Travis soll ihn Ruhe lassen. Aber Travis will seinen Sohn nicht aufgeben.
Geist der Vergangenheit

Daniel ist nach seinen Träumen und Visionen besonders paranoid und sorgt dafür, dass er zumindest eine kleine Klinge als Waffe hat, wenn ihm schon seine Schusswaffen genommen wurden. Nick holt derweil nach Strands Fauxpas den Untoten Luis von der Abigail und nutzt dabei wieder mal die Zombieinnereien. Damit erkauft er seiner Gruppe wenigstens etwas Zeit - und Celias Anerkennung. Strand soll dennoch gehen, wenn es nach Celia geht, doch auch für ihn setzt sich Nick ein. Für die Taten der anderen auf dem Anwesen soll nun Nick bürgen.

Während Strand ein Grab aushebt, versucht Daniel ihm klarzumachen, dass sein Freund so keine Ruhe finden wird, weil das ein unheiliger Ort sei. Als er Ofelia mit Nachdruck herausbringen will, macht er von seiner Klinge Gebrauch, verletzt einige Männer und wird dafür von Celia gefangen und weggesperrt.
Madison scheint eventuell zu erkennen, was Nick vollbringen kann, als er sich den Zombiematsch abduscht. Er hat Celia nur das gebracht, was sie wollte: ihren Sohn. Und er würde das auch für Madison tun und Travis suchen. Vielleicht wird Nick aber auch etwas zu selbstbewusst und unvorsichtig, denn er glaubt, dass er unantastbar ist, inmitten der Untoten. Als er unter den Untoten wandelte, hat er keinen Hass und keine Angst gefühlt.
Madison wird sich ebenfalls nicht mit der Philosophie Celias anfreunden und spricht mit Strand über dessen Pläne nach der Beerdigung. Er möchte - sofern es noch da ist - wieder aufs Boot und bietet auch Madison an, mitzukommen. Doch die will ohne Travis nicht gehen. Das kennen wir doch irgendwoher ...
Celia spricht bei Thomas' Beisetzung davon, dass sie ihn wie einen eigenen Sohn großgezogen habe, und fordert kurz darauf Strand auf, zu gehen. Denn der Weg im Dunkeln ist lang und beschwerlich. Ofelia erlaubt sie zudem nicht, ihren Vater zu sehen. Dafür widmet sie sich ihm und bringt ihm Essen, das er vorsichtshalber nicht isst, weil es vergiftet sein können.
Was Celia jedoch das Recht gibt, von ihm eine Beichte zu verlangen, erschließt sich mir nicht. Dafür meint sie zu spüren, dass er stirbt. Wie kommt sie darauf? Sind die Stimmen Zeichen für eine Erkrankung? Ist das ihre Verbindung zu den Toten? Daniel hört die Stimmen, die das spiegeln, was auch Celia zu ihm sagt. Eine davon ist Griselda (Patricia Reyes Spindola), wie sich bald herausstellt.
Der Geist von Griselda spricht ebenfalls von seiner Madness, seinem Wahnsinn. Demzufolge weiß er selbst, dass es um seinen Geisteszustand nicht sonderlich gut bestellt ist. Ihm gelang es bisher allerdings ausgezeichnet, sich im Zaum zu halten - wenn man von den Momenten absieht, wo die Toten zu ihm sprechen. Seine Frau - beziehungsweise sein eigenes Unterbewusstsein - nimmt es ihm übel, nicht beerdigt worden zu sein. Dafür hat er ihr alle seine Sünden anvertraut, darunter auch den ersten Mord an einem Mann, der bereits verletzt war.
Chris can't come back
Super-Ninja-Zombieschmiere Nick findet Travis tatsächlich bald. Dabei bittet ihn Travis aber, Madison zu erzählen, dass er ihn nicht gefunden hat. Travis will sich um seinen Sohn kümmern. Wie, ist offen. Immerhin hinterlässt Nick ein weiteres Messer, womit sie sich vor etwaigen Untoten verteidigen können. Und das war es auch mit Chris und Travis in der Episode.
Hinter Gittern

Madison versucht bei Celia ein gutes Wort für Strand einzulegen, denn ihre Kinder verdanken ihm ihr Leben. Doch sie meint, dass er ihren Sohn auf dem Gewissen hat. Die Frage ist nur, welchen sie meint. Oder wirft sie Luis und Thomas in einen Topf? Als die Gruppe angekommen ist, reagierte sie bekanntlich relativ gelassen darauf, dass Luis gestorben ist. Nun versucht sie bei Madison auf Verständnis zu stoßen, doch die findet es nicht gut, dass sie Nicks Gedanken mit ihrer Philosophie füllt. Nick verdankt Madison aber, dass sie überhaupt noch geduldet und nicht wie Strand fortgejagt werden.
Gemeinsam besuchen die Frauen das Totengefängnis, wo Celia sie fragt, was sie nicht für ihre Kinder tun würde. Die Antwort ist wenig überraschend: Sie würde alles tun. In einem sehr leisen, aber doch effektiven Moment schließt sie die Gefängnistür hinter Celia, die damit zum Tode verdammt wird. Sie macht keinerlei Lärm, sondern findet sich mit diesem Schicksal ab. Und auch Madison lenkt keine Aufmerksamkeit darauf. Sie könnte ja durch Lärm die Untoten anlocken. Sie tut das aber nicht, sondern geht. Eiskalt. Dafür, dass sie stellenweise so passiv dargestellt wird, ist Madison in diesen Momenten einfach nur abgebrüht.
Ähnlich Daniel, der seinem manbun-tragenden Wärter, der einen erneuten Versuch startet, ihn zu füttern, mit einer Kopfnuss angreift, seinen Stuhl zerstört und sich aus seinen Fesseln befreit. Daraufhin schnappt er sich Benzin und zündet das Gefängnis samt Untoten und sich selbst an, wobei die Benzinfässer noch dazu beitragen, dass sich der Brand ausweitet. RIP Daniel, außer du hast verborgene Flash-Fähigkeiten ... Schade um eine faszinierende Figur, aus der vielleicht noch mehr herauszuholen gewesen wäre. Nun dürfen wir uns also sehr wahrscheinlich mit seiner trauernden Tochter herumschlagen, die hoffentlich anders reagiert als Chris.
Der zurückkehrende Nick traut seinen Augen nicht, doch unsere Gruppe ist ohnehin fernab vom Feuerinferno und relativ nah bei Strand, der per Auto in Richtung Abigail losfahren wollte. Alicia, Ofelia und Madison schließen sich ihm an, während Nick wie ein lebender Toter marschiert. Sollen wir wirklich glauben, dass Madison ihren Sohn zurücklassen würde, wenn sie schon ihren Mann und Stiefsohn nicht dabei hat?
Nick meint jedenfalls, dass Celia recht hatte und seine Gruppe alles zerstört. Das kommt uns von der Mutterserie The Walking Dead auch bekannt vor.
Fazit
Tun sie es oder tun sie es nicht? Vier Figuren sind entweder tot oder verschollen. Wobei Daniels ableben noch am klarsten ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man auch noch Nick, Chris und Travis rausschreibt. Durch irgendeinen Zufall begegnen die Manawa-Männer dem Rest der Gruppe und auch Nick wird zur Vernunft kommen. Die am besten auf die Zombie-Apokalypse vorbereitete Figur wird nicht einfach so verabschiedet.
Die Folge viel etwas weniger spannend und spektakulär aus als gedacht und nimmt erst in den letzten zehn Minuten richtig Fahrt auf. Durch das offene Schicksal der Figuren soll man sich natürlich fragen, wie es weitergeht. Fest steht hier für mich: Etwas muss mit Chris passieren. Er hat nun schon drei Familienmitglieder tätlich angegriffen. Das wäre beim Fußball eine dunkelrote Karte. Entweder kriegt er im nächsten Staffelteil die Kurve, muss ins Exil oder sterben.
Die nächste Fear the Walking Dead-Folge gibt es am 21. August 2016 in den USA und am 22. August in Deutschland.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 23. Mai 2016Fear the Walking Dead 2x07 Trailer
(Fear the Walking Dead 2x07)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 2x07
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