Fear the Walking Dead 2x06

Fear the Walking Dead 2x06

Die Fear the Walking Dead-Episode Sicut Cervus prÀsentiert ein Kapitel der Zombiesaga, das besonders religiös gefÀrbt ist. Die Handlung steuert derweil auf mehrere dramatische Höhepunkte zu. Ist ein Gruppenmitglied noch tragbar?

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“ „Sicut Cervus“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“ „Sicut Cervus“ / (c) AMC

Wer sich fragt, woher der Episodentitel Sicut Cervus kommt, muss wĂ€hrend des Intros in der Kirche genau zuhören. Das dort gesungene Lied basiert auf dem Psalm 42 und ist der passende Einstieg fĂŒr diese sehr religiös eingefĂ€rbte Folge von Fear the Walking Dead.

FĂŒr mich sind diese Bilder ihrer Symbolik wegen sehr interessant. Wir wohnen einer katholischen Messe bei und lauschen der Predigt einer Glaubensgemeinschaft, die nach der Kommunion bereit ist, in den Kampf gegen die Untoten zu ziehen. Denn der Glaube wird auf eine harte Probe gestellt. Doch dann kommt Thomas Abigail (Dougray Scott) - und das marienhafte Aus-den-Augen-Bluten beginnt. Es soll eine Weile dauern, bis wir erfahren, was es genau es damit auf sich hat. Die Bilder des Intros sind jedenfalls schon einmal stark - wie der Rest der Episode auch.

Szenenfoto aus der %26bdquo;Fear the Walking Dead%26ldquo; %26bdquo;Sicut Cervus%26ldquo; © AMC
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Chris the Menace

Ein großer Strang der Episode dreht sich um Chris (Lorenzo James Henrie) und seiner Aussage bezĂŒglich Reed, der angeblich kurz vor seiner Wandlung gestanden haben soll. Darauf spricht ihn nicht nur Vater Travis (Cliff Curtis) an, sondern spĂ€ter auch Alicia (Alycia Debnam Carey).

Hide and Shoot

Doch zunĂ€chst soll Strand (Colman Domingo) seinen Deal machen, um ĂŒber die mexikanische Grenze zu kommen. Bevor es dazu kommen kann, mĂŒssen die Familien von Madison und Daniel (Ruben Blades) kurzzeitig unter Deck, damit alles glatt lĂ€uft. Denn abgemacht sind nur zwei Personen. Der bewaffnete Daniel spielt den Übersetzer fĂŒr die Gruppe und stellt fest, dass Interesse daran besteht, wie viel das Schiff kostet und warum ein so großes GefĂ€hrt nur von zwei Personen genutzt wird. Ein paar Goldbarren sollen die Besitzer wechseln, doch als geprĂŒft werden soll, ob das Boot frei von Untoten ist, fallen SchĂŒsse. Luis (Arturo Del Puerto) geht schwer verletzt aus der Situation heraus, wĂ€hrend es auf der Gegenseite ebenfalls Opfer zu beklagen geht. Im Endeffekt war das also keine Transaktion, sondern ein Showdown.

Daniel rĂ€umt flugs an Bord der Abigail auf und will dafĂŒr sorgen, dass es keine untoten Überraschung gibt. Einzig Flores bittet darum, nicht in den Kopf gestochen zu werden, weil das wohl dem Familienglauben entspricht, wie wir spĂ€ter noch erfahren sollen. Nachdem Nick (Frank Dillane) und Ofelia (Mercedes Mason) dazukommen, lĂ€sst sich Daniel dazu breitschlagen. Allerdings will er Mutter Flores nicht die EulenmĂŒnze geben, die er stattdessen ins Meer wirft. Der Beschuss hört auf, sobald sich die Abigail dem Land nĂ€hert. Denn das, was dort auf sie wartet, dĂŒrfte den Job erledigen.

Sicko de Mayo

Das Wortspiel auf den Nationalfeiertag Mexikos muss mir an dieser Stelle verziehen werden. Denn auf was die Gruppe rund um Strand hier trifft sind die Infected und deren Leichen, die von Hunden gefleddert und von Fliegen umkreist werden. Und schon bald sehen wir die Kirchentruppe wieder, die nun der Abigail-Crew nach dem Leben trachtet.

Unsere erste richtige Gruppenkampfszene, in der alle Gruppenmitglieder involviert sind, erzĂ€hlt mehrere Geschichten. Nicht nur wegen der Symbolik mit den GlĂ€ubigen, Kindern und Messdienern. Sondern auch weil Nick, der zuvor wenig Probleme mit Zombiefights hatte, hier psychologisch an seine Grenzen gefĂŒhrt wird, wenn er kleine MĂ€dchen bekĂ€mpfen muss. Chris scheint derweil bereit Madison, (Kim Dickens) ĂŒber die Klinge springen zu lassen, als ein Untoter sie ĂŒberwĂ€ltigt. Es ist Alicia, die das sieht und tĂ€tig werden muss - was noch Konsequenzen nach sich zieht. Daniel kommt wegen seiner Vergangenheit als Folterer ebenfalls ins Zögern, wobei seine Tochter ihn aus der TrĂ€umerei holt.

Celias Mansion

Szenenfoto aus der %26bdquo;Fear the Walking Dead%26ldquo; %26bdquo;Sicut Cervus%26ldquo; © AMC
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Mit dem von Thomas Abigail bei der Kirche gelassenen Auto geht es fĂŒr die Gruppe nach dem Kampf in Richtung des Anwesens von Celia (Marlene Forte), das nicht nur an eine gewisse Flashback-Sequenz von Breaking Bad erinnert, sondern auch wie der wahr gewordene Traum eines Hershel aus The Walking Dead. Celia hat ein massives Eingangstor, Felder, ZĂ€une, Dornen und Fallen, die sich im Eingangsbereich zudem mit einer Art Irrgarten prĂ€sentieren, ehe man zum Haupthaus kommt. Kurz gesagt: die womöglich perfekte Zuflucht.

Die Gruppe wird mit Freundlichkeit und offenen Armen empfangen und soll eine Tour bekommen, sofern die Waffen draußen bleiben. Einzig Daniel hat damit ein Problem, weil er glaubt, dass man immer eine zur Hand haben sollte. Mit viel ZĂ€hneknirschen und nach einigen Worten seiner Tochter willigt er ein.

Mutter Flores akzeptiert derweil, dass ihr Sohn es nicht geschafft hat. Aber sie hat ohnehin ein anderes Konzept von Leben und Tod wie es scheint. Thomas ist nach seine Begegnung mit der Glaubensgemeinschaft dem Tode nahe und wurde offenbar gebissen, wie der Verband an seiner Hand suggeriert. Es ist anzunehmen, dass der Telefonkontakt deswegen so dringlich klang und Strand unbedingt zu ihm wollte. Allerdings verwundert dann, dass er Madison einen halbe Tag fĂŒr die Rettungsaktion eingerĂ€umt hat.

Romeo und Romeo

Szenenfoto aus der %26bdquo;Fear the Walking Dead%26ldquo; %26bdquo;Sicut Cervus%26ldquo; © AMC
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Die Interaktion der beiden ist herzallerliebst. Strand will die letzten Stunden mit seinem Liebhaber verbringen und ihm den Abschied so angenehm wie möglich gestalten. Dabei hilft er dem geschwÀchten Industriellen auch ins Bett.

Madison lĂ€sst es sich ebenfalls nicht nehmen, vorbeizuschauen und etwas Verpflegung zu bringen. Ihr Blick sagt dabei, dass sie Angst davor hat, dass Strand vor Liebe aus den Augen verlieren könnte, dass ein Toter auch Gefahr fĂŒr die Familie bedeuten könnte. Strand lobt sie dafĂŒr, dass sie resolut ist. Thomas ringt ihr ein Versprechen ab: Sie soll sich um ihn kĂŒmmern, wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt. Madison scheint die Go-to-Person fĂŒr solche Versprechen zu sein (wir erinnern uns an Liza).

Als sie wieder allein sind, sieht Strand, dass es mit Thomas Abigail bald zu Ende gehen wird. Kurzzeitig schlĂ€gt er vor, dass er mit ihm in den Tod geht, weil es nichts mehr auf der Welt fĂŒr ihn gĂ€be, was die Welt lebenswert macht. TemporĂ€r rĂ€tselt man also, ob wir nun ein „Romeo & Romeo“ zu sehen bekommen - wobei die beiden als Zombielover weiterleben könnten.

Doch tatsĂ€chlich kommt es anders. Zwischenzeitlich findet Daniel nĂ€mlich heraus, dass Celia in einem GefĂ€ngnis die Untoten hinter Gittern lagert, die die Lebenden dann Besuchen können, wie ein kleiner Junge es mit seiner verstorbenen Mutter tut. Die GlĂ€ubigen hat sie zudem per Hostien vergiftet. Etwas, das sie auch Thomas und Strand anbietet. Kurz darauf wĂ€scht Celia ihren Ziehsohn, wie Jesus vor der Kreuzigung, mit einem Schwamm und singt ihm das Lied vor, das ihn frĂŒher immer zum Einschlafen brachte, als er noch Angst vor der Dunkelheit hatte. Die Symbolik hört einfach nicht auf.

Doch Strand verstĂ¶ĂŸt gegen die Regel, dass man die Untoten wandeln lĂ€sst und schießt Thomas mit einem KissenschalldĂ€mpfer in den Kopf. Er entscheidet sich fĂŒr das Weiterleben. Vorerst zumindest.

Diese Storyline ist kraftvoll und emotional erzÀhlt, aber aufgrund der Bury your Gays-Trope leider auch nicht ganz unproblematisch. Eine homosexuelle Beziehung ist nach wenigen Episoden durch den Tod eines Partners wieder beendet. Das ist wirklich sehr schade, auch wenn der Weg dorthin spannend und packend erzÀhlt ist.

Der heilige Niklaus?

Szenenfoto aus der %26bdquo;Fear the Walking Dead%26ldquo; %26bdquo;Sicut Cervus%26ldquo; © AMC
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Nick sucht bei Mrs. Flores Input und kann sich von der Seele reden, was ihn belastet. Das Töten, das Verlieren von Menschen. Sie selbst glaubt, dass die Menschen ohnehin nur Besucher auf der Erde sind und dann im nĂ€chsten Leben wieder weiterwandeln. Glauben extrem, der klar vom mexikanischen Glauben und dem  DĂ­a de Muertos (Tag der Toten - siehe auch das Intro von „Spectre“ oder diverse Cold-Opening-Szenen von Breaking Bad) beeinflusst ist. Der Tod ist dabei nur ein Zwischenstopp. Die Toten wandeln - diesem Glauben nach - immer unter den Lebenden, nur kann man sie eben nicht sehen. Nun ist das anders. Ein starkes Bild und eine interessante Metapher, die die Autoren hier prĂ€sentieren.

Madison aber macht Nick wieder kleiner, als er ist, wÀhrend auch Celia wieder mehr in Nick erkennt. Das beginnt langsam zu nerven. Was muss noch passieren, damit Madison im ihren Sohn nicht nur den Junkieversager sieht?

The Book of Daniel

Das Sprechen mit den Angehörigen wird auch durch den Fotoschrein unterstrichen, der sowohl von Celia als auch spĂ€ter von Ofelia, aber nicht mehr von Daniel genutzt wird, der offenbar von seinem Glauben abgefallen ist oder nicht weiß, wo er steht. Denn das gemeinsame Essen lĂ€sst er ebenfalls ausfallen.

Als Daniel dann das GefĂ€ngnis entdeckt, muss man das Schlimmste fĂŒrchten.Schon in der ersten Staffel hat er sich die Untoten zunutze gemacht, damals aber, weil massive Gefahr drohte. Wird er dies wiederholen? Er findet nĂ€mlich auch heraus, mit welchen Mitteln Celia operiert, schreitet aber zunĂ€chst nicht ein.

Back to normal?

Szenenfoto aus der %26bdquo;Fear the Walking Dead%26ldquo; %26bdquo;Sicut Cervus%26ldquo; © AMC
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Alicia vertreibt sich die Zeit im Anwesen damit, Fernsehen zu schauen, wird jedoch bald von Chris konfrontiert, der fragt, ob sie ihm böse sei. Nach seiner Aktion gegenĂŒber Madison ist die junge Frau das natĂŒrlich. Doch Chris will das um jeden Preis geheim halten und rechtfertigt sich damit, eingefroren zu sein. Etwas, das wir so oder so Ă€hnlich nun schön öfter von ihm gesehen oder gehört haben. Chris entwickelt sich in eine ziemlich unangenehme Richtung. Erinnerungen an Shane oder Lizzie aus The Walking Dead werden wach. Gewisse sozio-pathische Tendenzen blitzen immer wieder durch, so auch im weiteren Verlauf dieser Episode.

Alicia lĂ€sst sich jedenfalls nicht einschĂŒchtern und vertraut sich ihrer Mutter an, die kurz darauf auch mit Travis spricht. Die Entwicklung ihres GesprĂ€chs ist ein wenig merkwĂŒrdig. ZunĂ€chst will ihr Partner die Warnung bezĂŒglich Chris so gar nicht wahrhaben, bringt dann aber seine UnterstĂŒtzung bei Nick ins Spiel, dem er nachgefahren ist und zur Reha gebracht hat. Denn Travis war es, der an Besserung glaubte. Er will, dass nun auch Alicia ihm bei Chris hilft, und hat es satt, dass Madison rigoros trennt, wenn es um die Kinder geht. Travis meint, dass es ihre Familie sei und man deswegen an einem Strang ziehen sollte. Dennoch entscheidet sie, dass Alicia ihren Beistand und ihre Gesellschaft in der Nacht braucht, was sich als richtige Entscheidung herausstellt.

In der Nacht schleicht er sich von seinem Vater davon, stellt sicher, dass Alicia schlÀft und greift sich ein Messer mit der Intention, Madison zu töten. WTF? Alicia schreit ihn aus dem Zimmer wie ein Reh, das im Scheinwerferlicht steht, wÀhrend Madison nur verwundert schauen kann und nun noch mehr Grund zur Sorge hat.

Fazit

Die FTWD-Episode Sicut Cervus trifft bei mir in vielen Bereichen ins Schwarze. Die Figuren und ihre Konflikte erwarten sich in teilweise gÀnzlich unerwartete Richtungen, manche aber auch in solche, die langsam vorbereitet wurden. Chris wird zum Problem, das nicht weiter totgeschwiegen werden kann. Die Villa ist eigentlich ein Ort, an dem man verweilen könnte. Doch im The Walking Dead-Universum ist es oft so, dass die Ankunft einer Gruppe auch den Untergang der ZustÀnde vor Ort einleitet. Wird es diesmal auch so sein oder sollte man mit der Abigail weiter zu neuen Ufern aufbrechen?

Die religiöse Symbolik, die die konventionelle katholische Kirche mit dem mexikanischen Kulturkreis kontrastiert, wertet die Episode in meinen Augen ungemein auf und bietet einen neuen Aspekt rund um die Thematik mit den lebenden Toten, die The Walking Dead so bisher nie diskutieren konnte.

Schade ist derweil, dass die Beziehung zwischen Strand und Thomas Abigail nur so kurz in den Fokus gerĂŒckt wurde und nun wieder auf unschöne Weise ein Ende findet. Da wĂ€re mehr drin gewesen. Genauso wie in der Figur des Luis Flores.

Shiva der Serie Fear the Walking Dead (2x07):

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 16. Mai 2016

Fear the Walking Dead 2x06 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 6
(Fear the Walking Dead 2x06)
Deutscher Titel der Episode
Wie ein Hirsch
Titel der Episode im Original
Sicut Cervus
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. Mai 2016 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. Mai 2016
Autor
Brian Buckner
Regisseur
Kate Dennis

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 2x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?