Fear the Walking Dead 2x05

Die Fear the Walking Dead-Episode Captive setzt die Handlung nach der Geiselnahme aus der vorherigen Episode fort und zeigt dabei, wie unterschiedlich jeweils mit den Gefangenen beider Gruppen umgegangen wird.
Omaha-Steak vs Verhör
Alicia (Alycia Debnam Carey) genießt eine besondere Geste von Anführer Connor (Mark Kelly): Er bereitet ihr ein feines Omaha-Steak zu, das er für besondere Fälle in der Kühlung versteckt gehalten hat. Er erzählt auch, dass jeder bei ihm jeden Tag mindestens eine warme Mahlzeit bekommt. Statt dass Alicia also grob angepackt oder gefoltert wird, wird sie fürstlich behandelt. Einzig Vida (Veronica Diaz), die schwangere Dame aus der letzten Folge, scheint eifersüchtig und nimmt ihr das Essen weg, als Connor seinen Kochplatz verlässt, um nach der Stromversorgung zu schauen. Alles nur schöner Schein? Alicias erster und richtiger Reflex: Flucht. Zuvor gilt ihre Sorge ihrer Familie, über die sie jedoch keine Informationen erhält. Allerdings wissen wir bald, dass das Schiff, das als die Zentrale der anderen Gruppe fungiert, nicht im Wasser, sondern am Hafen positioniert ist. Jack (Daniel Zovatto) schließt bald zu ihr auf und scheint weiterhin an ihrem Wohl interessiert.
Von ihm erfahren wir, dass die Steak-Zubereitung gar nicht mal so typisch für Connor ist und dass dieser wohl ein paar Eigenarten hat, über die er jedoch nicht in Detail geht. Dennoch hat er Respekt oder sogar Angst vor ihm. Jack will Alicia, die wieder nach ihrer Familie fragt, beschäftigen und zeigt ihr bald die Vorgehensweise der Gruppe, die Schiffe zu kategorisieren. Auf dieser Grundlage werden dann die „Opfer“ erwählt.

Im Kontrast dazu kümmert sich Verhörexperte Daniel (Ruben Blades) um Großmaul und Waffennarr Reed (Jesse McCartney), der vor allem mit Trashtalk gegenüber Chris (Lorenzo James Henrie) Aufsehen erregt. Er bauscht vor den anderen seinen Anführer Connor (der, wie wir erfahren, auch sein großer Bruder ist) zu einem zornigen Mann auf, der angeblich eine große Menge an Ressourcen hat. Doch man fragt sich unweigerlich: Warum sollte er so dumm sein und seinem Gegenüber die Details zu Connors Arsenal verraten? Es scheint als wäre vieles heiße Luft, was aus Reeds Mund kommt.
Reed begeht einen großen Fehler, denn er droht Ofelia (Mercedes Mason) und provoziert Chris, der sich natürlich auch vergleichsweise leicht reizen lässt. Daniel bittet den jungen Manawa, draußen Wache zu schieben und sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben, doch wie wir Chris kennen, könnte das eine große Herausforderung für ihn sein. Ofelia, die weiterhin fast nur Statistin in der Serie ist, bietet ihrem Vater ihre Hilfe an, soll sich jedoch im Hintergrund halten, bis die Sache überstanden ist.
Madison am Steuer
Während Strand (Colman Domingo) sich von den Strapazen auf dem Rettungsboot erholt, hat Madison das Sagen an Bord der Abigail. Sie beschließt, dass die Rettung ihrer Familienmitglieder zunächst oberste Priorität genießt, während Strands Kumpel Flores (Arturo Del Puerto) sich über die Entscheidung wundert. Sehr öffentlich diskutieren Strand und Flores, dass ohnehin nur zwei über die Grenze kommen würden. Dabei bedenken sie nicht, dass auch der Anwesende Daniel ihre Sprache versteht, weswegen kurze Zeit später wohl wieder auf Englisch gesprochen wird. Strand möchte sich später um das Problem kümmern und gewährt Madison einen halben Tag, womit seine Schuld ihr gegenüber, nachdem sie ihm das Leben gerettet hat, allerdings beglichen ist.
Schiffe Versenken

Jack erklärt Alicia derweil die Vorgehensweise der Gruppe, die jedem Gefährt eine Nummer zuweist und aufgrund der Zeit, der Geschwindigkeit und der Position bestimmt, ob es als potentielles Ziel in Frage kommt. Dabei merkt Jack bald, dass die Abigail auf ihre Position zuschippert, weswegen er den Unmut Alicias auf sich zieht und mit einer blutigen Wunde leben muss. Außerdem gibt er zu, dass nicht Connor die Gefahr ist, sondern Reed, also gilt es etwas zu unternehmen.
Ghost of Travis immediate past
Travis (Cliff Curtis) findet sich, anders als seine Stieftochter Alicia, in einer recht schäbigen Zelle wieder. Dort ist er, wie sich herausstellt, auf den Wunsch einer anderen Bewohnerin des Schiffes. Denn es gibt ein Wiedersehen mit Alex (Michelle Ang), die sichtlich mitgenommen aussieht. Ich muss zugeben, dass ich sie auf den ersten Blick gar nicht erkannt habe. Nachdem Strand die Seilverbindung von ihrem Boot zur Abigail getrennt hatte, ging es mit ihr und Jake den Bach runter. Fieber, Wasserknappheit und der Mord an Jake waren die Folge. Einen Schritt, den sie gehen musste, um selbst zu überleben. Man könnte sagen, damit waren ihre Mühe und Morde zuvor so gut wie umsonst.
Gefunden wurde sie von Connor, der aber wissen wollte, was sie denn zu bieten habe. Ihre Antwort: Die Abigail. Daher kannten sie beim Überfall also die Namen der Passagiere. Als Gegenleistung wollte sie Travis, den sie für ihr Schicksal verantwortlich macht. Dieser Part der Episode ist mein persönliches Highlight, denn hier wird sehr schön demonstriert, wie eine kleine, unterbewusste und selbstsüchtige Entscheidung das Leben eines anderen komplett verändern kann.
Travis versucht Sympathie bei ihr zu wecken, als er von seiner eigenen Situation mit Liza (Elizabeth Rodriguez) erzählt, die er ebenfalls umbringen musste, weil ein Untoter sie erwischt hatte. Somit kann er ihren Verlust nachvollziehen und gibt ihr mit auf den Weg, dass dabei immer auch ein Teil von einem selbst stirbt. Allerdings spricht Alex einen Punkt an, der Travis zu denken geben sollte: Sie konnte in seinem Gesicht sehen, dass er die Wahl hatte, doch er entschied sich für die unmoralische Variante, weil er dem Befehl Strands unterworfen ist. Er bereut es innerlich aber immens, weil er prinzipiell ein anderer, ein aufopferungsvoller und hilfsbereiter Mensch ist. Ist Alex zuvor auf Rache aus, scheint ihr seine Geschichte zu Chris die Augen zu öffnen. Statt sich von Connor instrumentalisieren zu lassen, will sie offenbar ihr eigenes Ding machen und lässt Travis in Ruhe.
Madison is calling the shots
Strands Schwäche will Madison ausnutzen, um ein paar Dinge klar zu stellen. So etwa, dass Nick (Frank Dillane) fortan nicht mehr seine Selbstmordmissionen ausführen soll. Dabei scheint Strand allerdings deutlich besser Nicks Potential als Überlebender zu erkennen, als die in diesem Fall überfürsorgliche Mutter. Es kann eigentlich nur gut sein, wenn er lernt, auf sich selbst Acht zu geben, auch wenn es richtig ist, dass Nick eine Tendenz zu dummen Einzelaktionen hat. Ohne Frage ist Nick in der Serie bisher eine der fähigsten Charaktere überhaupt, der sich die Schwächen der Untoten zu nutzen machen kann und schon mehrfach dafür gesorgt hat, dass die Gruppe voran kommt.
Darum weigert er sich wohl auch später, ihr explizit zu versprechen, dass er keine Dummheiten mehr machen wird. Das wäre völlig entgegen Nicks Charakter. Stattdessen lädt er lieber die Pistole, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Madison arrangiert einen Austausch mit Connor: Sein Bruder gegen ihre Familienmitglieder, wobei Connor jedoch betont, dass sein Bruder gesund sein soll, womit man natürlich nicht dienen kann.
Reed spielt derweil weiter seine Psychospielchen mit Chris und bohrt in alten Wunden bezüglich dessen Mutter und seines Status als Waisen, bis Nick dazukommt und ihm versucht zu vermitteln, dass er sich nicht auf die Provokation einlassen sollte. Chris gibt sich die Schuld für die Misere, denn wäre er härter und entscheidungsfreudiger, hätte er die Geiselnahme verhindern können, doch dazu gehört auch, dass er auf eine Schwangere hätte zielen müssen... Kurz darauf ist es jedoch zu spät, denn Chris hat auf Reed geschossen, was den Austausch in Gefahr bringt.
Körpertausch

Chris' Grund für den Schuss auf Reed ist einfach: Er meint, dass das verletzte Großmaul sonst zum Zombie geworden wäre, doch Chris scheint noch nicht begriffen zu haben, dass nur ein Schuss durch das Gehirn eines Menschen beziehungsweise Untoten diesen endgültig aus dem Verkehr zieht.
Als Flores das mitkriegt, will er den Austausch abbrechen, doch Daniel und Co. bleiben ihrer Linie treu, denn Chris hat zwar Reed getötet, jedoch weiß das sein Bruder noch nicht. Daniel hat die Idee: Er will Zombie-Reed für die Finte nutzen und setzt ihm einen Sack für den geplanten Austausch auf den Kopf. Dabei scheinen ihn allerdings ein paar Geisterstimmen zu verfolgen, die sicherlich an anderer Stelle noch eine Rolle spielen werden.
Chris realisiert derweil, dass seine Tat die Gruppe den Deal gekostet haben könnte, doch Madison und Co. werden lediglich zum Improvisieren gezwungen. Statt Nick erneut der Gefahr auszusetzen übernimmt sie den Job also selbst und ganz allein. Hier fragt man sich kurz, warum denn nicht wenigstens der geübte Schütze Flores oder meinetwegen auch Daniel den Gegner beobachtet.
Der Austausch läuft für die Abigail-Crew relativ glatt, nur eben für Connor nicht, der sofort von seinem Bruder gebissen wird, während Travis sich mit dessen Begleitung ein Handgemenge liefert. Alicia hat derweil ein Duell mit der Schwangeren, welche sie in eine Zelle einsperren und dann selbst entkommen kann. Dabei enttäuscht sie jedoch Jack, der von Alex gehört hat, was sie mit ihr gemacht haben, dennoch entscheidet sich Alicia für ihr eigenes Blut statt den Jungen, der ihr verfallen ist und rutscht in Richtung Boot der Eltern. Ein kurzes Zögern ist sicherlich vernehmbar und eine Diskussion wird wohl nicht ausbleiben. Ihre Wahl ist allerdings nachvollziehbar, schließlich galt ihre Sorge immer ihren Verwandten, während sie Jack eher als Mittel zum Zweck genutzt hat, um ihm einige wertvolle Informationen zu entlocken.
Nun bleibt die Frage, was aus der anderen Gruppe wird. Connor und Reed sind weg, was eine neue Führungsriege ermöglicht. Jack und Alex wären hier durchaus vorstellbar. Man fragt sich nur: Ist Alex Travis Geschichte wirklich schon genug um ihren Zorn zu besänftigen oder drängt sie doch noch auf Rache? Und wie geht Jack mit Alicias Verrat um? Zudem wissen wir nicht, wie groß die Crew wirklich ist. Gesehen haben wir maximal zehn Personen. Mit diesen dürften die Passagiere der Abigail, wenn es hart auf hart kommt, eigentlich fertig werden. Offen bleibt auch, ob die Überfahrt nach Mexiko gelingt oder Strand die Familie dort ihrem eigenen Schicksal überlässt.
Fazit

Die zweite Staffel von Fear the Walking Dead legt weiterhin ein schönes Erzähltempo vor und nutzt das Setting für durchaus spannende Ideen. Auch wenn es vielleicht schon etwas früher als gedacht kommt, gehört für mich das Wiedersehen mit Alex zu den Highlights.
Der Geiselaustausch rund um Reed und Travis erinnert Comicleser wahrscheinlich an eine gewisse Situation im The Walking Dead-Comic, der hier ausnahmsweise mal angezapft wurde. Wirklich interessant ist der Fakt, dass die Macher momentan mit nur wenigen Zombies (teilweise nur einem pro Episode) dennoch eine große Spannung erzeugen können und zeigen, dass die Menschen viel unberechenbarer sind als die wandelnden Toten. Ich bin wieder einmal sehr gespannt, wie es weitergehen wird und freue mich auf die kommende Episode.
Serientrailer zur Episode Sicut Cervus der Serie Fear the Walking Dead (2x06):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 9. Mai 2016Fear the Walking Dead 2x05 Trailer
(Fear the Walking Dead 2x05)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 2x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?