Fear the Walking Dead 2x02

Den Lagerkoller an Bord der Abigail verhindern die Autoren der Serie Fear the Walking Dead durch den neuen Schauplatz der Episode We All Fall Down. Mitsamt der Yacht legen sie eine kleine Verschnaufpause ein, um aus dem Visier der Verfolger zu geraten.
Dabei gibt es von Anfang an ein unvertrautes Bild: Kinder, die am Strand spielen, während die Untoten sich ihnen nähern und nur von einem Zaun aufgehalten werden. Alleine das Cold Open ist also schon vielversprechend, denn die Unschuld der Kinder wird mit dem Tod und dem Verfall der neuen Situation kontrastiert. Ein Bild, das hängenbleibt.
Immerhin werden die Ereignisse von der Episode Monster direkt angesprochen. Es ist vor allem die riskante Aktion von Nick (Frank Dillane), die Madison (Kim Dickens) zur Weißglut bringt. Im Logbuch steht, dass San Diego - das eigentlich Ziel der Gruppe - ebenso Opfer des Militärs wurde wie Los Angeles zuvor. Und da der letzte Eintrag nur einen Tag alt ist, kann man darauf wohl vertrauen. Strand (Colman Domingo) kombiniert derweil, dass man, um das Boot zu versenken, eine ziemlich feuerstarke Waffe brauchen würde, die außerdem befestigt sein muss. Er betont zudem, dass man nicht mit jedem Fremden alle taktischen Informationen teilen sollte.
Das taktische Herangehen und die Offenheit der Gruppe in der Besprechung gefallen mir in dieser Situation sehr gut. Hätte man zuvor schon Tacheles geredet, hätte man sich eventuell Ärger gespart (aber dann wäre auch die erste Episode überflüssig gewesen).
Selbstversorgung
Da Madison in der Nacht ein Licht sieht, steuern sie auf Land zu und legen an. Ofelia (Mercedes Mason) und Daniel (Ruben Blades) bleiben derweil bei Strand auf der Yacht als back up, um sicherzugehen, dass er keinen Unfug treibt. Der Rest der Patchwork-Familie Manawa-Clark schaut sich derweil um und versucht es mit einem netten Bitten bei dem Haus, von dem das Licht kam. Empfangen werden sie vom kleinen Harry, der mit einer Steinschleuder bewaffnet vorprescht. Tatsächlich wird er eingelassen und so lernen sich die beiden Familien kennen. George (David Warshofsky) ist das Oberhaupt und bietet Travis (Cliff Curtis) nach kurzer Verhandlung ein Bier an. Der Mann hat sich schon mehr als Travis damit abgefunden, dass die Welt vor die Hunde gegangen ist, und weiß, dass er nun Zeit für alles mögliche hat. Travis meint dafür keine Zeit zu haben. Aber was will er sonst tun? Sich nur in seinen Gedanken flüchten? George bietet ihm deswegen Bücher seiner Wahl an.
George ist zudem ein Menschenkenner. Er weiß sofort, dass sie aus Los Angeles stammen und versorgt Zuschauer und Gruppe gleichermaßen mit wertvollen Informationen. So sind große Städte wie Portland, Seattle, Vancouver und San Diego komplett zerstört worden und auch die Grenze wurde dicht gemacht. Demnach gibt es keinen Weg nach draußen. George hat aber keine Probleme damit, denn er hat seiner Familie die Selbstversorgung beigebracht. Sie sind nicht auf die Außenwelt angewiesen. Tatsächlich heißt es an einer Stelle sogar, dass George womöglich schon eine ganze Weile nicht mehr außerhalb des eigenen Anwesens war.
Parallelen - The Kids Are All Right?

Melissa Geary (Catherine Dent) spricht derweil ausgiebig mit Madison, da auch sie im Lehrwesen tätig war und dort mit einigen Schülern aus ihrer Schule zu tun hatte. Das war allerdings, bevor sie George kannte und die Kinder hatte. Derer gibt es drei: Seth (Jake Austin Walker) ist der älteste, der auch am ehesten nach seinem Vater kommt und mit Flinte und Axt formidabel umgehen kann. Dann wären da noch die beiden jüngeren, die wir schon im Vorspann gesehen haben: Harry (Jeremiah Clayton) und Willa (Aria Lyric Leabu), die Nick, Alicia (Alycia Debnam Carey) und Chris (Lorenzo James Henrie) mit einer PSP, Malzeug und mehr bespaßen. Weniger spaßig scheint die Erwähnung von Pillen zu sein, die die Kinder schlucken, um sie „gesund“ zu bleiben. Nick hat eine böse Ahnung, der er auch bald nachgeht. Chris ist derweil in dieser Kindergruppe nicht gut aufgelegt, weshalb er sich lieber an Seth hält, der am selbst aufgebauten Zaun die Beißer zur Strecke bringt (Und alle so: YAAAAS! Zaunzombies are back!)

Immerhin schlägt sich Chris bei dieser Aufgabe überraschend gut und hat zum ersten Mal seit dem Tod seiner Mutter ein wenig Spaß. Nur Travis scheint besorgt und will nicht, dass sein Sohn verroht wie George oder Seth. Fragt sich nur: Warum sollte er nicht wollen, dass er diese Skills hat? Eigentlich müsste er beiden dankbar sein, dass sie ihm helfen, sein eigenes Überleben und wahrscheinlich auch das seiner Familie zu sichern. Seth leert Chris immerhin, dass man leise vorgehen muss, weil sonst immer mehr Untote erscheinen und das man diese Arbeit regelmäßig leisten muss, da sonst der Zaun nicht hält. Zombiekilling 101 quasi.
George verrät Travis dann, das er sich besser mit den veränderten Begebenheiten anfreunden sollte, denn so wie früher wird es sicherlich kaum wieder werden. Da hilft auch der sehnsüchtige Blick in Richtung Vergnügungspark nichts.
Derweil lässt Nick seinen Optimismus durchscheinen. Seiner Schwester verrät er die netten Seiten der Situation: Es gibt keinen Lärm, keinen Smog und nur noch die Sterne. Außerdem fragt er sich, wie die Kinder mit dieser Situation klarkommen, sofern sie noch Leben. Die Kinder der Gearys jedenfalls werden mit der harten Realität konfrontiert, was er schade findet. Aber immerhin haben sie so noch eine Chance auf Zukunft. Er glaubt nicht, dass es sich hierbei um das Ende der Welt handelt, dennoch meint er, dass bei den Gearys etwas falsch läuft.
Adapt or die
Ofelia Salazar beginnt derweil langsam die veränderte Welt um sich herum zu verstehen - und somit auch ihren Vater und seine Weltsicht. Trotz der Situation lebt er nach einem Code, der beispielsweise die Gearys nicht dazu zwingen würde, sie aufzunehmen. Ofelia erscheint abgeklärter, härter, kompromissloser. In dieser zweiten Episode der Staffel hat sie von allen Figuren aber erneut am wenigsten zu tun. Zudem ist ihre Wunde weiterhin auffällig oft Gesprächsthema. Verbirgt sie etwas?
Daniel schaut derweil Strand auf die Finger und versucht seine Motive auszuleuchten. Nebenbei erfahren wir, dass die Abigail ein 10-Millionen-Dollar-Boot ist und alle aus bestimmten Gründen dabei sind, Daniel etwa als Versorger, Beschützer und Angler.
Als Travis und Madison weiter mit ihren jeweiligen Gegenüber reden, wird auch ihnen klar, dass hier nicht alles so ist, wie es scheint. Madison äußert schließlich ihrem Partner gegenüber den Verdacht, dass Melissa die Gruppe mit Absicht zu sich gelockt hat. Tatsächlich versucht sie ihren Status Quo aufzubrechen, allerdings ihrer kleinen Kindern wegen, denen sie anderswo besser Überlebenschancen ausrechnet. Zumal sie selbst unter Multipler Sklerose leidet, die sie zwar nicht sofort dahinraffend wird, aber doch in naher Zukunft. Tatsächlich will sie aber nur die Kleinen fortgeben, da Seth so sehr nach seinem Vater kommt.
Die Story ist meiner Meinung nach herzzerreißend und macht klar, was für einen Potential in den Serien Fear the Walking Dead und The Walking Dead liegen kann. Zwar sind solche Einschübe nicht immer unbedingt brillant, aber doch oft genug Schicksale, die man so sonst nicht sehen könnte, wenn man sich nur auf das Kernpersonal konzentrierte. Diese Familie bietet nun aber einige Spannungsfelder, die es sich zu vertiefen lohnt.
Powerpills

Die sogenannten Vitamine stellen sich durch Nicks Recherche als etwas ganz anderes heraus. Nick teilt das zwar den anderen mit, aber es ist unklar, ob die kleine Willa selbst vorher wusste, wann, ob und wie viele Pillen sie nehmen darf. Denn sie nimmt eine Überdosis - und stirbt daran. Daran kann auch der Bruder nichts mehr ändert, der sie leblos vorfindet. Wie schon in der Mutterserie wird hier eine tragische Geschichte rund um ein Geschwisterpaar erzählt, die zu Herzen geht. Prompt wird auch die unvorsichtige Mutter gebissen und das Schicksal nimmt seinen traurigen Lauf.
George erlaubt Madie, Travis und Nick ,Harry mitzunehmen. Doch Bruder Seth hat etwas dagegen, weswegen er ihn wieder von der Abigail holt. Die Männer der Familie sind nun auf sich alleingestellt und fristen ihr einsames Dasein. Immerhin endet es nicht mit dem Exodus der gesamten Familie. Denn Seth weiß, dass es für seine Mutter keine andere Rettung als die Erlösung durch den Kopfschuss gibt. Daniel jedenfalls schreitet nicht ein und lässt ihn selbst abdrücken.
Keine Selbstgespräche

Strand hat derweil abgewartet, dass Daniel ihn in Ruhe lässt, und nutzt dann die Gelegenheit, um zu telefonieren. Mit wem, das bleibt unklar. Doch es scheint eine fest Verabredung zu geben. Die andere Person könnte am längeren Hebel sein, weil sie sich womöglich über die Verzögerung beschwert. Wohin geht es also? Steckt Strand mit den Mördern unter einer Decke? Mit Jack? Mit einer unbekannten dritten Gruppe? Warum macht er so ein Geheimnis daraus? Kann er sein Geheimnis vor Madison und Daniel bewahren oder wird der Folterer demnächst zuschlagen?
Fazit
Die Episode We All Fall Down zeigt, dass Fear the Walking Dead mit einfachen Mitteln gleich sehr viel spannender und abwechslungsreicher werden kann. Und schon nerven auch die Teenager nicht mehr. Die Geschichte um die selbstversorgende Familie gibt den Figuren wichtige Informationen zum Überleben und den Zuschauern einen netten kleinen Exkurs zu einem anderen Schicksal in dieser noch jungen Apokalypse. Meinetwegen können solche Randgeschichten öfter eingestreut werden, um etwas Abwechslung zu schaffen. Ich jedenfalls finde die Folge stark und wünsche mir in Zukunft mehr davon.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 18. April 2016Fear the Walking Dead 2x02 Trailer
(Fear the Walking Dead 2x02)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 2x02
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