Fear the Walking Dead 2x01

Mit der Episode Monster meldet sich Fear the Walking Dead aus der Pause zurück und liefert den Auftakt zur zweiten Staffel, die fast dreimal so lang sein wird wie die erste, dafür aber auch in der Mitte unterbrochen.
Zieht man nach der Sichtung der Episode ein blitzschnelles Kurzfazit, dann fällt auf, dass alle drei Nervteenager weiterhin maximal nervige Angewohnheiten und auch die Erwachsenen nicht unbedingt den Durchblick haben - mit ein oder zwei Ausnahmen vielleicht. Dennoch bietet die Ausgangslage der ersten Episode Stoff für spannende Situationen in dem eher als Charakterdrama angelegten The Walking Dead-Ableger.
Was bisher geschah ...
Zur Auffrischung: Unsere Gruppe ist am Ende der ersten Staffel von Victor Strands (Colman Domingo) Anwesen in Richtung der Yacht Abigail aufgebrochen. Zuvor gab es zwei Opfer zu beklagen: Griselda Salazar (Patricia Reyes Spindola), Ehefrau von Daniel (Ruben Blades) und Mutter von Ofelia (Mercedes Mason), sowie Liza (Elizabeth Rodriguez), die Mutter von Chris (Lorenzo James Henrie) und Ex-Frau von Travis (Cliff Curtis), die immerhin medizinische Erfahrung mitgebracht hat und von einem Zombie gebissen/gekratzt wurde. Bevor die Gruppe weiterging, bat sie ihren Ex-Mann, sie zu erschießen. Nebenbei hat die Armee den Befehl für Operation Cobalt gegeben, die den Großraum L.A. und vielleicht noch mehr mit Bombardements überzieht.
Cobalt in Action
Zu Beginn dieser Episode sehen wir, wie die Gruppe zur Abigail aufbricht. Im Schlepptau ist dabei Lizas Leiche, die Sohn Chris hütet wie seinen Augapfel. Nick (Frank Dillane) und Strand fahren derweil schon einmal vor, um die Yacht klarzumachen.
Begleitet wird das Treiben durch Untote, die am Strand angreifen und Travis und Madison belagern, während Chris einfach noch zu geschockt ist, um zu realisieren, wie lebensgefährlich für alle sein Verhalten ist. Außerdem ist das Militär immer noch unterwegs und macht die Gegend platt. Trotz des Verlustes müsste Chris also mal merken, dass Zögern ihn umbringen könnte.
Trotz allem nehmen sie die Leiche mit an Bord der Abigail. Der hektische Schnitt der Szene unterstreicht die chaotische Situation, in der Madison und Travis nur knapp mit dem Leben davonkommen.
We're on a boat! Meet the Abigail!

Die Abigail in ihrer vollen Pracht ist sicherlich ein ziemlich tolles Gefährt in so einer frischen Zombie-Apocalypse. Mit ihr kommt man bis zu 3000 Meilen weit, wenn denn alles gut geht. Da segelt es sich gleich viel entspannter mit dem brennenden Los Angeles als Canvas im Hintergrund. Nun stellt sich die Frage, wohin man denn schippern soll. Dafür hat Strand auch schon die passende Idee. San Diego könnte eines der ersten Ziele sein. Nein, nicht der Comic-Con wegen, sondern weil dort die Borderpatrol stationiert ist, die vielleicht Notfallpläne kennt.
Die Abigail sieht auf den ersten Blick ziemlich schick aus, man erkennt aber stellenweise den Computereinsatz doch recht deutlich. Immerhin hat man sich die Mühe gegeben und auch mal einen Shot des ganzes Prachtexemplars gezeigt. Mal sehen, ob das Budget in den kommenden Folgen noch einmal dafür ausreicht. Übrigens wurde diese Auftaktepisode in zehn statt der üblichen acht Tagen gedreht, wie Produzentin Gale Anne Hurd bei der Deutschlandpremiere in Berlin verkündete. Man hatte also durchaus Zeit für ein paar aufwendigere Drehs, und das sieht man auch.
Helfen oder nicht helfen?

Ein Motiv dieser Episode ist die Frage, wem man in dieser Situation helfen soll. Unsere Protagonisten, vor allem die rund um die Patchwork-Familie, wurden in der ersten Staffel in wechselnden Abstufungen mal hilfsbereit und mal egoistisch gezeigt. Vor allem bei Madison (Kim Dickens) hat das stark fluktuiert und folgte keiner klaren Linie. Das scheint sich nun zunächst gewandelt zu haben. Als etwa eine mittelgroße Gruppe auf einem Boot verzweifelt nach Hilfe ruft, nimmt die Besetzung der Abigail es zur Kenntnis und die Familie Clark scheint auch helfen zu wollen. Doch das letzte Wort hat Strand, dessen erste drei Regeln klar aussagen, dass es sein Boot und sein Wort Gesetz ist. Da hilft weder der Versuch von Travis noch von Madison oder Nick. Er bleibt standhaft und findet, dass er schon für die sieben Personen, die er bereits gerettet hat, Anerkennung verdient.
Strand wirkt wie der Mann mit einem Plan, kann aber im Endeffekt auch nur wie die anderen ins Blaue raten. Wobei klar ist, dass er irgendwoher Insiderinformationen hat. Sonst hätte er nicht darauf bestanden, das Luxus-Appartment zu verlassen, um auf dem Wasser das Glück zu versuchen. Das entgeht auch Madison und Daniel nicht, die ihm zwar ihr Leben verdanken, aber ihn aber trotzdem im Auge behalten.
Die Frage nach der Rettung der anderen treibt zumindest zeitweise einen Keil zwischen die Familienmitglieder. Travis würde, wenn es nach ihm geht, wohl alle mitnehmen und wirft auch Madison vor, dass man die Nachbarn und Bekannte im Stich gelassen habe. Doch beide wissen, dass es primär darum geht, die eigene Familie zu schützen, wobei auch das schon nicht ohne Opfer einhergeht.
Apocalypse DJ

Auch die Jugendlichen machen im Auftakt mit dieser Problematik Bekanntschaft, wobei hier vor allem Alicia (Alycia Debnam Carey) zu nennen ist, die von Travis den Auftrag bekommt, den Funk zu überwachen. Man möchte sagen: Typisch Alicia, denn bald entdeckt sie einen Kanal, bei dem ein nett klingender Junge Musik auflegt und fragt, ob ihn da draußen jemand hört. Obwohl sie es eigentlich besser wissen sollte, meldet sie sich zurück und vertraut sich dem Mann, der sich als Jack vorstellt an.
Zunächst geht es dabei darum, Geschichten über die Erfahrung im Weltuntergang auszutauschen, später wird es dann doch reichlich detailliert: Nahrungsvorräte, Lagersituationen, Verluste und auch Ressourcen werden offen - von Alicia gar zu offen - angesprochen. Selbst als er dann offen um Transport nach Hawaii bittet, wittert Alicia noch immer keine mögliche Falle, sondern glaubt an ein Hilfegesuch. Der paranoide Strand schlägt verständlicherweise Alarm und schon bald taucht auch das Boot, dem zuvor nicht geholfen wurde, wieder auf - nur sind eben alle Insassen tot oder wieder lebendig.
Trauerbewältigung

Chris schmollt beziehungsweise trauert an Bord der Yacht und kann durch das gemeinsame Angeln und den Austausch mit Daniel, der bekanntlich auch einen Verlust zu verkraften hat, zumindest etwas aus seinem Schneckenhaus herauskommen. Der junge Manawa bedauert, dass er sich nicht verabschieden konnte, wobei Daniel meint, dass das keinen Unterschied gemacht hätte. Immerhin sorgt der gefangene Aal für ein potentiell schmackhaftes Abendessen für die Fischfreunde an Board.
Ofelia zieht sich über die Episode auch ziemlich zurück und hat nur einen nennenswerte Interaktion mit Nick, der ihr Tipps zur Schmerzbewältigung und dem Pflegen ihrer Wunde gibt. Sein bester Tipp: Wodka! Ganz viel Wodka.
Ob Strand jemanden verloren hat, wissen wir derzeit noch nicht. Aber dass auch er nicht komplett unzurechnungsfähig ist, sieht man, als ihn Madison bei Selbstgesprächen belauscht, die er auf die Übermüdung zurückführt. Auch in der Mutterserie hatten wir eine Figur mit einem ähnlichen Problem, bei der dies durch Einsamkeit aufgetreten ist: Michonne (Danai Gurira) hat kurzzeitig Selbstgespräche geführt und dann durch die Gemeinschaft doch wieder zu alter Stärke gefunden.
Als das Schiff in 44 Meter tiefem Gewässer ist, entschließt Madison dann, dass es an der Zeit ist für die Trauerfeier. Dabei darf Travis ein paar Worte zu Lizas ehren an seine Gruppe richten, die ihre Figur, wie wir sie kennengelernt haben, treffend zusammenfasst. Dabei betont er auch, dass der gemeinsame Sohn Chris das Beste sei, was beide gemeinsam geschafft haben. Doch dieser ist offenbar gar nicht erfreut und kürzt die Zeremonie dadurch ab, dass er die Leiche seiner Mutter plötzlich über Bord gehen lässt.
Der Streit der danach folgt ist emotional, heftig und endet mit einem Faustschlag, den Travis kassiert, weil sein Sohn ihn für ihren Tod verantwortlich macht. Später versucht Madison bei ihrem Ziehsohn auf Vernunft zu stoßen und bittet ihn, am Essen teilzuhaben. Und siehe da, er schaut sich die gedeckte Tafel auch an, entscheidet sich aber für ein spontanes, gefährliches und unüberlegtes Bad auf offener See. Der impulsive Nick springt hinterher, wobei es bei ihm so aussieht, als habe er die Intention, ihn retten zu wollen. Dabei trägt er aber aus irgendeinem Grund seine „Opa-Jacke“ weiter, die ihm aber auch Auftrieb gibt.
Als Alicia Jack mitteilt, dass sie ihm nicht helfen können, klingt der zuvor so liebe Funkpartner plötzlich ziemlich feindselig und sagt ihr, dass man sich bald sehen würde und zufällig tauchen auch genau da die nun toten Hilfesuchenden wieder auf. Will seine Gruppe gar nicht nach Hawaii, sondern nur die kaum in Wert zu fassende Yacht?
Während Chris auf die warnenden Worte seiner Familie hört, meint Nick genau in Richtung Gefahr schwimmen zu müssen, denn im Wasser treiben nun zahlreiche Walker, äh, Floater. Im umgekippten Boot findet Nick einen Yacht-Log und einen Zombie, den er irgendwie ohne Gewalt fortschubsen kann? Ich habe mir die Szene mehrfach angeschaut und frage mich, was ich da übersehen habe. Ist es nur der Schubser? Warum kann Nick unbescholten entkommen? Ist es der Geruch der Jacke? Antworten bitte in die Kommentare.
Panik ist dennoch angebracht, denn Strand vernimmt auf seinen Gerätschaften (auch hier können mich Experten zu den Namen aufklären! Ist es ein Sonar?), dass Gefahr im Anmarsch ist und Madison glaubt, dass die Mörder des Bootes zurückkehren werden. Handelt es sich dabei um Jack oder wird der junge Mann falsch eingeschätzt?
Fazit

Nicht Zombies on a boat sind das Problem in Monster, der Auftaktepisode zur zweiten Staffel von Fear the Walking Dead, sondern viel mehr unkontrollierbare und irrationale Teenager, die ihre Gefühle nicht im Griff haben. Ohne deren teilweisen strunzdummes Verhalten, wäre diese Episode aber sicherlich auch nur halb so spannend.
Ein weiteres Spannungsfeld dürfte die Frage nach dem Anführer sein, denn hier bilden sich gleich vier mögliche Alpha-Tiere heraus. Bisher sind Strand und Madison dabei noch die wahrscheinlichsten Kandidaten, während Travis nicht mal seinen Sohn in den Griff bekommt und Daniel als Spion wahrscheinlich mehr taugt denn als Anführer.
Interessant wird auch sein, wann die Gruppe ihren ersten Zwischenstopp machen muss und wie weit sie kommt, ehe sie auf feindliche Menschen oder Piraten trifft. Die Prämisse dieser zweiten Staffel ist also durchaus spannend. Nun müsste die Spannung aber bitte auch aus einer anderen Quelle als Teenagernaivität kommen.
Ausblick auf die zweite Staffel von „Fear the Walking Dead“
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 11. April 2016Fear the Walking Dead 2x01 Trailer
(Fear the Walking Dead 2x01)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 2x01
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