Downton Abbey 5x02

Gleich zu Beginn der Episode werden die Auswirkungen des Feuers auf Downton Abbey sichtbar. Doch weitaus bedenklicher als die verkohlte Einrichtung in Lady Ediths (Laura Carmichael) Zimmer ist der Umstand, dass Anna (Joanne Froggatt) und Mrs. Hughes (Phyllis Logan) das Foto der kleinen Marigold im Bett entdecken. Im Laufe der Handlung riskiert die unglückliche Lady Edith darüber hinaus immer mehr die Aufdeckung ihres Geheimnisses: Sie wird Patin ihres unehelichen Kindes. Bisher schöpfen weder Lord (Hugh Bonneville) noch Lady Grantham (Elizabeth McGovern) Verdacht - doch die Bäuerin, Mrs. Drewe (Emma Lowndes), ist alles andere als begeistert von der Idee ihres Mannes (Andrew Scarborough), Lady Edith zur Patin der kleinen Marigold zu ernennen.
Why is it called wireless when there are so many wires?
Für unterhaltsame Szenen und die wie immer sehr gut geschriebenen Dialoge sorgt vor allem das Thema der Innovationen Mitte der 1920er Jahre. So zieht sich die Verbreitung des Radios durch die gesamte Episode - besonders Lady Rose (Lily James) ist natürlich völlig angetan von den Möglichkeiten des Geräts. Erst als bekannt wird, dass der König von England selbst eine Rede im Radio halten wird, lässt sich auch Lord Grantham auf die Anschaffung ein. Bislang waren weder er noch Carson (Jim Carter) sonderlich begeistert über den technischen Fortschritt. In einem kurzen Austausch zwischen Mrs. Hughes und Carson wird der Wandel der Zeit perfekt pointiert: „Downton is catching up with the time we're living in.“ / „That is exactly what I'm afraid of.“ („Downton holt auf mit der Zeit, in der wir leben.“ / „Das ist genau das, wovor ich mich fürchte.“)
Als Lord Grantham zuvor jedoch Carson um Rat bittet, wird relativ schnell klar, dass die beiden nicht mehr wirklich über den König und das Radio sprechen, sondern über ihre Differenzen bezüglich des Kriegsdenkmals: „Are you saying that the king is a weak man, Carson?“ / „Never that, my lord. But even kings must bow the pressure sometimes.“ („Wollen Sie damit sagen, dass der König ein schwacher Mann ist, Carson?“ / „Das würde ich niemals, my Lord. Aber sogar Könige müssen sich manchmal dem Druck beugen.“) Carson spielt in dieser Szene in seiner typischen Art auf die unterschiedlichen Ideen in Bezug auf das Kriegsdenkmal an: Während er und das Komitee eine Art Park planen, zieht Lord Grantham ein sichtbares Denkmal mitten im Dorf vor. Erst als sich Mrs. Hughes auf die Seite des Lords schlägt, lässt sich auch Carson von der Idee überzeugen - nicht zuletzt, weil er, wie er sagt, keine Unstimmigkeiten zwischen ihm und Mrs. Hughes erträgt.
Als dann schließlich alle gespannt vor dem Radio sitzen und auf die Ansprache des Königs warten, belustigt vor allem die Reaktion von Old Lady Grantham (Maggie Smith), die mehr oder weniger aufspringt, als sie die Stimme des Königs hört - so, als könne der König sie und die Bewohner von Downton Abbey sehen.
Wer sich schon immer einmal gefragt hat, wie vor der Erfindung der Pille verhütet wurde, bekommt die Antwort in dieser Episode. Lady Mary (Michelle Dockery) plant eine Art „Liebesurlaub“ mit Lord Gillingham (Anthony Foyle). In den Gesprächen zwischen ihr und Anna wird nicht nur klar, was die beiden genau vorhaben, vor allem aber wird das sich im Wandel begriffene Bild von Eheschließung und Beziehung thematisiert. Die arme Anna wird dann schließlich beauftragt, das Mittel zur Verhütung in der Apotheke zu kaufen. In diesen Szenen wird nicht nur gezeigt, wie offensichtlich unwohl sich Anna fühlt, sondern auch, wie mit dem Thema Verhütung zu dieser Zeit umgegangen wurde. Selbstverständlich ist die Benutzung eines Diaphragmas nur geduldet, wenn ein Ehepaar aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen kein weiteres Kind mehr bekommen kann. Erst, als Anna einen der genannten Gründe anführt, zeigt die Apothekerin Verständnis - zuvor wurde Anna prompt zur Enthaltsamkeit geraten.
Gefährliche Ideen von einer „Rosa Luxemburg für Arme“
Tom Bransons (Allen Leech) Freundin, die Dorfschullehrerin Miss Sarah Bunting (Daisy Lewis), sorgte schon in der vorangegangenen Episode für Wirbel. Und auch dieses Mal beeinflusst sie sowohl direkt als auch indirekt das Geschehen auf Downton Abbey. So wird sie durch den Einfall von Mrs. Patmore (Lesley Nicol) zur Nachhilfelehrerin von Daisy (Sophie McShera), die sich sichtlich über ihre Lernerfolge in Mathematik freut. Eine der ersten Unterrichtsstunden findet zeitgleich mit einem Dinner statt, bei dem unter anderem auch Charles Blake (Julian Ovenden), der zweite Verehrer von Mary, anwesend ist. Rose ermutigt schließlich Tom, Sarah ebenfalls einzuladen - diese lehnt jedoch dankend ab. Vielleicht wollte sie einer erneuten, unangenehmen Begegnung mit Lord Grantham entgehen - zu Recht, wie wir in einer Szene zwischen ihm, Lady Grantham und Rose erfahren. Wie so oft reagiert er schon beinahe cholerisch und handelt sich durch seine abwertende Bemerkung einige Minuspunkte ein: „So every time we enterain, we must invite this tin-pot Rosa Luxemburg?“ (Also jedes Mal, wenn wir zum Dinner bitten, müssen wir auch diese minderwertige Rosa Luxemburg einladen?“) Auch im späteren Verlauf und in einigen Szenen zwischen ihm und Lady Grantham scheint es, als sei es vor allem der Lord, der große Probleme mit den Veränderungen innerhalb des Gesellschaft hat. Zwar mussten sowohl seine Frau als auch seine Töchter den konservativen Lord schon immer von dies und jenem überzeugen, doch da diese Thematik zunehmend präsenter wird und seine Reaktionen immer heftiger ausfallen (so zumindest der Eindruck), kann es nicht mehr lange dauern, bis auf Downton Abbey ein grundsätzlicher Wandel vonstatten geht.
Tom Branson wünscht sich offensichtlich zunehmend in seine „alte Welt“ zurück. Die für damalige Verhältnisse progressiven Ideen teilt er nicht erst seit ihrem Auftauchen mit Sarah Bunting. So befürchtet Lord Grantham vor allem, er könne die kleine Sybbie von Downton Abbey wegnehmen wollen. Auch wenn sich die Zweifel in Tom immer stärker regen, wird es wohl noch eine Weile dauernd, bis er eine Entscheidung trifft.
Die verlorene Seele
Auch wenn sich Thomas Barrow (Rob James-Collier) überwiegend von seiner hinterhältigen und intriganten Seite zeigt, wird doch immer wieder offensichtlich, dass er in seinem Inneren ein sehr einsamer Mensch ist, eine „verlorene Seele“, wie Mrs. Patmore einst bemerkte. So geht ihm der Abschied vom gefeuerten Jimmy sehr nahe. Doch er wäre nicht Thomas, würde er seine Verletzungen nicht ins Gegenteil kehren. Denn auch wenn Mrs. Baxter (Raquel Cassidy) ihre Vergangenheit Lady Grantham gegenüber selbst offenbarte, bleibt Thomas immer noch die Möglichkeit, die „Beziehung“ zwischen ihr und Molesley zu zerstören. Im Laufe der Episode erinnert Mrs. Baxter in ihrer unnachgiebigen, sich selbst maßregelnden Art zunehmend an Mr. Bates (Brendan Coyle), der sich vor allem durch sein aufopferungsvolles Verhalten auszeichnet. Trotz anfänglicher, tiefer Enttäuschung kann und will Molesley nicht glauben, dass Mrs. Baxter eine „gewöhnliche“ Diebin ist - einige winzige Andeutungen scheinen ihm Recht zu geben.
Amüsanter ist in diesem Zusammenhang die Szene zwischen Carson und Mr. Molesley (Kevin Doyle), denn letzterer wittert seine Chance, endlich zum ersten Diener aufzusteigen. Der Pechvogel wird jedoch mit einem ironisch-trockenem Kommentar von Carson bedient: „Since you're the only footman, you're first, second, third and last. Make what you will of it.“ ( „Da Sie der einzige Diener sind, sind sie auch der erste, zweite, dritte und letzte. Machen Sie daraus, was sie wollen.“)
Zur verlorenen Seele wird hoffentlich nicht (schon wieder) Mr. Bates. Denn das Ende der zweiten Episode lässt nichts Gutes erwarten: Offenbar gab es Zeugen für den vermeintlichen „Unfall“ von Mr. Green, dem ehemaligen Kammerdiener von Mr. Gillingham und Vergewaltiger von Anna...
Fazit
Auch in dieser Episode wird die Handlung geschickt und interessant weiterentwickelt und verknüpft. Die Zweifel an der vollen Schuld von Mrs. Baxter mehren sich, Lady Ediths Geheimnis um ihre uneheliche Tochter steht zunehmen auf wackeligen Beinen, genau wie Lady Marys Ruf. Daisy kann sich über Lernerfolge freuen und Rose über ein Radio.
Während in der ersten Episode der fünften Staffel vordergründig die gesellschaftspolitischen Veränderungen behandelt wurden, sind es in dieser die technischen beziehungsweise medizinischen. Mit der üblichen Mischung aus humorvoller Distanz und gleichzeitiger Ernsthaftigkeit werden die Probleme der Zeit thematisiert und in Beziehung zu den persönlichen Problemen der Protagonisten gesetzt. Das gelingt in dieser Episode besonders gut; vor allem die Szenen rund um das Thema des Radios konnten überzeugen. Gleichzeitig berührt weiterhin das Schicksal von Lady Edith und die Zweifel von Tom Branson. Außerdem scheint es nahezu wahrscheinlich, dass Lady Mary und Lord Gillingham auf irgendeine Weise für ihren „Liebesausflug“ bezahlen müssen. Man darf gespannt sein auf die kommende Episode.
Verfasser: Hannah Klein am Montag, 29. September 2014(Downton Abbey 5x02)
Schauspieler in der Episode Downton Abbey 5x02
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