Defiance 1x08

Ein Besucher aus der Vergangenheit - das ist nicht gerade neu für eine Serie, die in der Zukunft spielt. Auffällig an der Episode I Just Wasn't Made for These Times ist allerdings, dass die Serienmacher keine Zeit verlieren, den Gast aus der Vorzeit einzubringen.
Der Gast
Eines erfreut an der Geschichte um den Astronauten: Die Serienautoren sind nicht den vorhersehbaren Weg gegangen, Szenen, die man auch genüsslich hätte ausschlachten und übertreiben können, werden gar nicht gezeigt, zum Beispiel wenn Nolan (Grant Bowler) Gordon (Brian J. Smith, Gossip Girl, Stargate Universe) die ganze Sache erklärt. Das erspart uns Zeuge eines künstlich aufgeblähten Dramas zu werden, wenn jemand ausrastet als er von der Existenz verschiedener Arten Aliens erfährt. Stattdessen wird der Fokus auf eine andere Frage verlagert: Wann ist ein Mensch noch ein Mensch?
Gordon ist Teil eines Projekts aus den Anfängen des Aufeinandertreffens von Außerirdischen und Menschen, bei dem Votans versucht haben, einen Menschen so zu verändern, dass er einer Indogene-Kopie seiner selbst entspricht. Die Erinnerungen an seine Vergangenheit auf der Erde sind eine Lüge, sein Aussehen entspricht dennoch seinem alten menschlichen Ich.
Es ist eine interessante Frage, für die in der Episode I Just Wasn't Made for These Times kein Platz ist, sie näher auszuführen, aber da wir wissen, dass er nicht tot ist, könnte es eine Chance geben, dass sich auch Gordon zu den Figuren gesellt, die irgendwann wiederkehren.
Charakterentwicklung oder auch nicht
Wir sind erst in der achten Episode Defiance, kaum hatte man Zeit, sich an den Hauptcast zu gewöhnen, schon bringen die Serienmacher immer wieder neue Figuren ein, die jedoch bald wieder bis auf Weiteres verschwinden. So war es unter anderem in der Episode The Serpent's Egg mit Botschafterin Olfin Tennty (Jane McLean) und der Gefangenen Rynn (Tiio Horn). An und für sich ist es keine schlechte Idee die Welt der Serie Stück für Stück zu erweitern. Und es hat einen vorteilhaften Wiedererkennungswert wenn Connor (Gale Harold, The Secret Circle, Desperate Housewives) Amanda (Julie Benz) in Hinsicht auf Olfin warnt, die Bedrohung ist zwar noch weit weg, doch der Zuschauer weiß: Mit Olfin hat Amanda sich eine echte Feindin gemacht.
Doch die übermäßige Einführung von Nebenfiguren scheint in der Serie Defiance zu Kosten des Hauptcast zu geschehen. Nur langsam entwickeln sich die Figuren zu echten Charakteren. Der einzige, der in der Episode I Just Wasn't Made for These Times positiv hervorsticht, ist überraschenderweise Rafe McCrawley (Graham Greene), den wir bisher fast ausschließlich als sorgenden Vater kennengelernt haben.
Die melancholische Party aus Gordon, Nolan, Amanda und ihm bringt vor allem ihn näher an den Zuschauer. Er hat eine eigene Meinung während viele der Hauptfiguren seltsam blass bleiben, darunter in dieser Episode auch Nolan.
Amanda hingegen macht kleine Schritte Richtung Eigenständigkeit. Bisher war sie ein Stück zu glatt, hatte kaum richtige Eigenheiten und nur unbedeutende Vergangenheitsgeschichten. Nun kommt Connor wieder und diesmal zeigt er sich hartnäckiger. Amanda ist die Bürgermeisterin und innerhalb der Stadt bleibt sie mit diesem Amt immer ziemlich leblos. Sie tut, was getan werden muss und langweilt den Zuschauer hin und wieder gar mit ihrer Korrektheit.
Doch nach und nach wird um Amanda ein Konstrukt aufgebaut, das demnächst wohl in Aktion treten wird. Sie ist die einzige, die richtige Verbindungen zur Republik Erde hat. Mittlerweile hat sie eine Feindin und einen Fürsprecher, der sich auch als love interest gut macht.
Das seltsame Dreieck
Zurück zu alter Form findet Stahma (Jaime Murray), die sich wieder als kontrollierte und eiskalte Ehefrau zeigt, so wie wir sie zu Beginn der Serie kennengelernt haben. Was ist nun aber aus der verletzlichen, sehnsüchtigen Frau geworden, der Kenya (Mia Kirshner) in der vergangenen Episode gegenüber saß?
Dass eine sonst starke Figur einen schwachen Moment hat, ist eigentlich sogar eine gute Sache, doch in Stahmas Fall fühlt es sich mehr an wie eine charakterliche Achterbahn, auf der die Autoren sie fahren lassen, wie es gerade in die Geschichte passt. Dass das Dreieck aus ihr, Kenya und Datak (Tony Curran) nun eine echte Storyline wird, ist eigentlich begrüßenswert. Andernfalls hätte das seltsam eingeleitete Verhältnis zwischen Kenya und Stahma überhaupt keinen Sinn gehabt.
Doch so richtig spannend wird es noch nicht zwischen den dreien. Neben der Astronauten-Geschichte kann das Liebesdreieck in dieser Defiance-Episode nicht mithalten.
Undurchsichtige Konstrukte
Das Zusammenspiel zwischen der Stadt Defiance und den anderen Gebieten auf der Erde wird immer seltsamer. Sicher, hätten die Verantwortlichen der Republik Erde den alten Helden direkt abgeholt, dann hätte es keine Episode über Gordon geben können, aber trotzdem muss man sich fragen: Eine Stadt findet vor den Augen eines Republik-Erde-Vertreters einen totgeglaubten Helden, dessen wahre Erlebnisse die gesamte gemeinsame Geschichte der Menschen und Aliens umschreiben könnte. Und niemand außerhalb der Stadt scheint auch nur einen Finger zu krümmen. Ob als totgeglaubter Held oder als umgepolter Mensch-Indogene, müsste er nicht von äußerster Wichtigkeit für alle sein?
Fazit
Die Geschichte des Astronauten gehört zu den besseren Ideen, die den Defiance-Autoren bisher gekommen sind. Sie vermeiden zu viele Klischees und bringen die spannende Frage danach auf, was einen Menschen ausmacht. Das ist besonders interessant in einer Stadt, die von mehreren verschiedenen Spezies bevölkert wird.
Auch wenn Defiance immer noch Schwächen in der Figurenzeichnung zeigt, entwickelt sich die Gemeinschaft kontinuierlich weiter und in der Episode I Just Wasn't Made for These Times sticht besonders Rafe heraus. Wenn wir nach und nach jeder Figur so nahe kommen könnten, dann wäre schon einiges gerettet.
Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 11. Juni 2013(Defiance 1x08)
Schauspieler in der Episode Defiance 1x08
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