Deception 1x01

Deception 1x01

Die neue NBC-Serie Deception begleitet eine Ermittlerin dabei, wie sie sich zur Aufklärung eines Verbrechens in eine reiche, aber verkommene Familie einschleust. Die Pilotepisode kann in ihrer Mischung aus Krimi und Soap noch nicht überzeugen.

Der Cast der neuen Serie „Deception“ / (c) NBC
Der Cast der neuen Serie „Deception“ / (c) NBC

Die Mischung aus Mysterydrama und Soap, die die Serie Deception seinen Zuschauern präsentiert, funktioniert nur zum Teil. Sowohl was die Schauspieleinlagen, die Dialoge als auch die generelle Handlung angeht, muss sich das Format nach der Pilotepisode noch kräftig steigern, um wahrhaft unterhaltsam zu werden.

Déjà vu

Die Szene, die in die Handlung einführt, war schon so oft in so vielen Formaten zu sehen, dass man sie bereits zu kennen scheint:

Eine hübsche Frau fühlt sich in einer dunklen Straße verfolgt. Die Geräusche ihrer hohen Absätze werden immer schneller, bis sie endlich ihr Auto erreicht. Der Mann, dem sie schließlich die unabdingbaren Worte „You scared me“ ins nicht erkennbare Gesicht sagt, ist ihr kein Unbekannter. Doch trotz der zwischenzeitlichen Entwarnung findet sich das Mädchen wenig später tot in einem Hotelzimmer wieder. Für ihr Ableben wird zunächst, aber nie wirklich überzeugend, eine Drogenüberdosis verantwortlich gemacht.

Das Grundgerüst

Die Tote hieß Vivian (Bree Williamson) und war eine der Sprösslinge der stadtbekannten Familie Bower, die einen profitablen Pharmakonzern betreibt. Vor Jahren war Vivian sehr eng mit Joanna Locasto (Meagan Good, Californication) befreundet, die mittlerweile für das San Francisco Police Department arbeitet.

Um die verworrenen Familienverhältnisse besser zu durchschauen und somit eine Chance zu bekommen, den Mord an Vivian aufzuklären, wird Joanna von ihrem früheren Partner Will Moreno (Laz Alonso) dazu überredet, sich verkabelt und verwanzt in die Familie Bower einzuschleusen. Schnell und wenig subtil wird deutlich, dass man es mit den Bowers nicht mit der harmonischsten Gemeinschaft zu tun hat.

Die Familie Bower

Der große Bruder Edward Bower (Tate Donovan) hatte in der Vergangenheit zu den Verdächtigen in einem Mordfall gehört. Das weibliche Opfer war damals auch vergewaltigt worden. Doch Edward war letztendlich nichts nachgewiesen worden. Selbst seine eigene Frau Samantha (Marin Hinkle) traut dem unfreundlichen Mann nicht über den Weg.

Immerhin erhält er bei der Identifizierung der Leiche seiner Schwester die Gelegenheit, sie posthum vor einem schmierigen Leichenbeschauer zu beschützen:

Excuse me? You are taking a picture of my dead, naked sister? Hey, why don't I jump in?“ Dann zerschmettert Edward das Fotohandy.

Auch der attraktive Julien (Wes Brown) verbirgt offenkundig so manches Geheimnis. Mit ihm hatte Joanna in ihrer Jugend eine Beziehung geführt. Diese Liebschaft war auch einer der Gründe dafür, dass die Freundschaft zwischen Vivian und ihr zerbrochen war.

Die jüngste Bower-Tochter Mia (Ella Rae Peck) zeichnet sich neben Pecks nur durchwachsenem Spiel besonders dadurch aus, dass sie Medikamente aus dem elterlichen Konzern an ihre Freunde verteilt. Außerdem glänzt das verzogene Mädchen durch ihre Unzugänglichkeit und ihre arroganten Umgangsformen. Jedoch schimmert bereits in der Pilotepisode auch etwas von ihrem weicheren Kern durch.

Auch erfahren wir Bruchstücke davon, was wirklich für Mias Kratzbürstigkeit verantwortlich ist. Dabei beraubt sie auch ihren Vater Robert (Victor Garber), den man als herzliches Familienoberhaupt eingeordnet hatte, seiner Sympathie. So handle es sich bei ihm doch um einen „really bad guy“.

Vivians Stiefmutter Sophia Bower (Katherine LaNasa) findet selbst in ihrer Trauerphase keine allzu schmeichelhaften Worte für die Verstorbene: „Vivian was a drug-addicted, narcissistic black hole of need.“ Trotz einiger unterhaltsamer Sprüche wirkt ihre Figur dauerhaft sehr schablonenhaft und unecht.

Vorhersehbarkeiten

Wirkliche Authentizität ist in diesem soapesken Krimi ohnehin ebenso schwer zu finden wie mutige Innovation. Eine kleine Ausnahme bietet die Szene, in der Joanna ihre vorteilhaft zerrissene Bluse energisch mit einem Tacker repariert.

Neben den Querelen innerhalb der Familie offenbaren sich nach und nach weitere Handlungsstränge. Joanna erfährt nicht nur, dass ihre Freundin den Drogen wohl erfolgreich abgeschworen hatte. Es kommt gleichzeitig ans Licht, dass sie zum Zeitpunkt ihres Todes ein Kind erwartete - und das nicht zum ersten Mal. Bislang ist alles noch recht nachvollziehbar, auch wenn Joannas teils dämlicher Text sie bei der Entdeckung der Schwangerschaft furchtbar naiv erscheinen lässt.

Doch dass Vivian außerdem noch kurz davor stand, die neue Krebs-Wunderdroge ihres Familienunternehmens als einen lebensgefährlichen Betrug zu entlarven, erfordert schon eine geduldige Bereitschaft zum Glauben.

Mit der Entwicklung des Medikaments war ausgerechnet Julien betraut, der von allen Geschwistern noch den liebenswertesten Eindruck hinterlassen hatte. Insgesamt ist es schwer, abseits der Hauptfigur Charaktere zu finden, denen man etwas Positives abgewinnen könnte.

...!

Der Journalist Remy bietet Joanna seine Hilfe an und verspricht, im Gegenzug ihre Tarnung geheimzuhalten: „You get to solve, I get a Pulitzer. You scratch my balls, I'll scratch yours. See you later, lady cop.“ Leider muss sich Meagan Good als Antwort darauf ein ermüdendes „Not if you ever mention your balls again“ abringen.

Gerade als Kratzer Nummer 1 Joanna mit Informationen über Vivians Verbündeten im Unternehmen beglücken will, stößt ihm etwas furchtbares zu...!

Fazit

Wie aus dem Recap-Teil des Reviews ersichtlich geworden sein dürfte, kommen die Elemente, durch die sich eine typische Seifenoper auszeichnet, nicht zu kurz: Die Charaktere werden bislang nur dadurch am Leben erhalten, dass man Stück für Stück Neues über sie erfährt. Dabei tritt aber keine Figur aus ihrem stereotypischen Schatten heraus. Außerdem sind die aufgezeigten Wendungen nie so innovativ oder realistisch, dass sie den bequemen Zuschauer überfordern würden: Die Wiederbelebung von Joannas Affäre mit dem Kollegen Will Moreno kommt nur aus dem Grund ins Spiel, Joanna die Entscheidung zu erschweren, ihre Nachforschungen - insbesondere im Umfeld des zutraulichen Julian - fortzuführen. Bevor dieser Bower-Spross vor dem Ende der Pilotepisode mit einem exotischen Ring herumhantiert, wird extra noch einmal ein Foto eingeblendet, auf dem die - zuvor bereits eindringlich thematisierten - Wunden auf Vivians Wange gezeigt werden. Dass die Verantwortlichen aus dem Umfeld der Serienschöpferin Liz Heldens ihren Zuschauern derartig wenig Kombinationsgabe zutrauen, ist enttäuschend.

Die Rückblenden, in denen die Beziehung der Mädchen Joanna und Vivian beleuchtet werden, gehören zu den gelungenen Sequenzen der ersten Folge von Deception. Doch wenn die übrigen Charaktere nicht bald einen Entwicklungssprung absolvieren und die Handlung nach der Einführung der Figuren nicht subtiler wird, werden auch die interessanten Einblicke in die turbulente Vergangenheit aus dem Format nicht mehr machen als eine durchschnittliche Soap.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 18. Dezember 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Deception 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 7. Januar 2013 (NBC)
Regisseur
Peter Horton

Schauspieler in der Episode Deception 1x01

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