Death Note (Live-Action) Staffel 1
Death Note (Live-Action) Staffel 1 Episodenguide
Review zu Death Note (Live-Action) Staffel 1
Als Death Note (Live-Action) 2015 herauskam, schrieb ich ein sehr wohlwollendes Pilotreview, weil mich der frische Ansatz trotz des schmalen Budgets auf den ersten Blick interessierte. Mittlerweile habe ich die Realserie zum viel populäreren Manga und Anime Death Note zum zweiten Mal komplett durchgesehen und kann das so nicht stehen lassen, zumal sie heute um 20.15 Uhr als deutsche TV-Premiere bei ProSieben Fun anläuft. The people have to know!
Live-Action-Verfilmungen des Mangas von Tsugumi Oba und Takeshi Obata haben spätestens seit dem Netflix-Film von 2017 einen schwierigen Stand. Dabei kann sich die japanische Filmreihe, in der ab 2006 Schauspieler wie Tatsuya Fujiwara als Light und Kenichi Matsuyama als L zu sehen waren, durchaus sehen lassen. Sie ist nicht perfekt, aber wunderbar besetzt, nah an der Vorlage und bietet ein paar interessante Abweichungen, die auch Kenner überraschen werden. Die Realserie von Nippon TV wartet ebenfalls mit einigen Änderungen auf, die dem Ganzen am Ende aber weniger zum Vorteil gereichen.

Anfangs hielt ich die unterschiedliche Charakterauslegung der beiden Hauptfiguren für spannend: Light Yagami (Masataka Kubota) ist hier kein genialer Überflieger, der sofort weiß, was zu tun ist, als ihm zufällig das Notizbuch eines Todesgottes in die Hände fällt. In der Originalgeschichte plant er fast sofort, Kriminelle mit Herzinfarkten hinzurichten, so dass die Welt von einem unsichtbaren Killer Notiz nimmt und in Furcht vor ihm rechtschaffen wird. In dieser Version ist er ein normaler Schüler mit einem Job, der das Death Note ohne Erwartungen ausprobiert und von dem Ergebnis völlig traumatisiert wird. Erst, als sein Vater, der Polizist Soichiro Yagami (Yutaka Matsushige), in Gefahr gerät, sieht er sich gezwungen, es ein weiteres Mal zu verwenden und wird daraufhin zum unsichtbaren Vollstrecker Kira.
Sein Gegenspieler, der mysteriöse Superdetektiv L (Kento Yamazaki, den man mittlerweile auch aus Alice in Borderland kennt), ist in dieser Serie auch kein exzentrischer Eigenbrötler, der fast mehr Süßigkeiten verschlingende Logikmaschine als Mensch ist, sondern ein arrogant wirkender Schönling mit Quetschbeuteldrinkobsession. Nett anzusehen, aber nicht der größte Sympathieträger, so dass sein in wirklich jeder Variante vorkommender Tod mitten in der Geschichte kaum an die Substanz geht. Von Anfang an dabei ist auch sein aus demselben Waisenhaus in England stammender Ersatz Near (Mio Yuki), dessen rabiatere Mello-Persönlichkeit manchmal zum Vorschein kommt. Zugegeben, eine ganz ulkige Abwandlung zu den beiden Charakteren aus dem Manga und Anime, auch wenn ich bis heute nicht sicher bin, ob Near in dieser Version auch ein Junge sein soll, obwohl er von einer jungen Frau gespielt wird (die japanische Originalfassung umgeht es, soweit ich es mitbekommen habe, identifizierende Personalpronomen zu verwenden).
Im Gegensatz zum Cast der Spielfilmreihe ist bei den beiden Hauptdarstellern der Serie leider nicht viel zu holen. Besonders Light-Darsteller Kubota mimt in entscheidenden Momenten entweder gar nicht, überdreht in anderen viel zu sehr oder wirkt in Szenen, in denen Light auf unschuldig machen soll, megaverdächtig. Viel besser besetzt sind sein Vater und dessen Polizeiteam, inklusive Matsuda (Goki Maeda), Aizawa (Tomohisa Yuge) und Mogi (Jiro Sato) sowie Ls Assistent Watari (Kazuaki Hankai) und vor allem der diabolische Staatsanwalt Teru Mikami (Shugo Oshinari). Dieser greift Kira später mit seinen Shinigami-Augen, die er mit der Hälfte seiner verbleibenden Lebenszeit gekauft hat, unter die Arme. Eine weitere Unterstützerin findet er wie immer in Kira-Fan Misa Amane (Hinako Sano), die in dieser Version kein Model, sondern eine Popsängerin ist, die das immergleiche Lied in der immergleichen Location vor den immergleichen Leuten zum Besten gibt.

Ich weiß, Ihr wartet alle darauf, dass ich über den billigen Look und das schlechte CGI der computeranimierten Todesgötter Ryuk und Rem herziehe, aber, um ganz ehrlich zu sein, kann ich mich darüber kaum aufregen. Dass bei einer japanischen dorama-Serie Kameras verwendet werden, die dem Ganzen einen „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Look verleihen und ein Effektbudget kaum vorhanden ist, war zu erwarten. Hier hat man sich weniger überlegt, wie man die bestmögliche „Death Note“-Serie auf die Beine stellt, sondern, wie das In-House-Team der Nippon Television Group (Ax-On) mit vorhandenen Mitteln den beliebten Stoff adaptieren kann, der auf jeden Fall für Zuschauerzahlen sorgt.
Das größte Manko liegt neben der Besetzung eher beim misslungenen Location-Scouting, denn bis auf das nett eingerichtete Hauptquartier von L finden fast alle Szenen in grauen oder braunen Konferenzräumen, Büros und Wohnzimmern statt, deren Trostlosigkeit nach einer Weile nur noch schwer mitanzusehen ist. Angenehm fällt lediglich die von Episodenregisseurin Marie Iwasaki inszenierte Folge 1x07 auf, in der fast der komplette Handlungsstrang mit der Yotsuba Group und Pseudo-Kira Higuchi abgehandelt wird. Diese sieht beinahe nach etwas aus, auch von der Beleuchtung und den Settings her.
Fazit
Wäre Death Note (Live-Action) ein TV-Film oder eine kürzere Miniserie gewesen, hätte sie als amüsante Abwandlung durchgehen können, die man sich hin und wieder als trashige Alternative zum Anime oder der besseren Realfilmreihe gibt. Mit elf fast einstündigen Episoden wird sie jedoch zur echten Geduldsprobe, in der es bis auf unfreiwillig komische Herzinfarkte (die sich immerhin für Trinkspiele eignen) und ein paar nett besetzte Figuren nicht viele Lichtblicke gibt. Ausgerechnet Lights Hauptdarsteller lässt zu wünschen übrig und die abgewandelte Variante der Geschichte ergibt nicht halb so viel Sinn wie die Vorlage. Besonders aberwitzig wirkt zum Beispiel, wie viele vorbereitete Videotapes von L noch lange nach seinem Tod hervorgekramt werden oder wie wenig Misa und Rem hier das Geschehen beeinflussen.
So sollte diese Version eher genau wie der Netflix-Film im Giftschrank weggeschlossen werden und schon gar nicht die erste oder gar einzige Fassung sein, die man sich von diesem modernen Klassiker zu Gemüte führt. Falls Ihr aber von einer überraschend gelungenen und oft übersehenen Adaption von Death Note erfahren wollt, schaut übermorgen noch einmal bei SERIENJUNKIES.DE vorbei, wenn ich Euch von meiner vermeintlichen Lieblingsversion erzähle...
Hier abchließend noch der Trailer zur „Death Note“-Realserie:
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