Constantine 1x06

Constantine 1x06

In der Folge Rage of Caliban der US-Serie Constantine bekommen John und Chas es mit einem besessenen Kind zu tun. Serienschöpfer Daniel Cerone schrieb das Drehbuch, welches von Neil Marshall inszeniert wurde und uns eine verspÀtete Halloween-Episode beschert.

Matt Ryan in „Constantine“ / (c) Daniel McFadden/NBC
Matt Ryan in „Constantine“ / (c) Daniel McFadden/NBC
© (c) Daniel McFadden/NBC

Fall der Woche

Kinder, die von einem DĂ€mon oder Ă€hnlichem besessen sind und plötzlich eine dunkle Seite mit ĂŒbernatĂŒrlichen FĂ€higkeiten zeigen, sind ein alter Hut. In den 1970er Jahren gab es mit „Der Exorzist“ (1973) oder „Das Omen“ (1976) bereits gute Vertreter der Sorte. Will man heutzutage mit einer solchen Geschichte punkten, dann muss da schon was Besonderes her, um den Zuschauer hinter dem Ofen hervorzulocken.

Rage of Caliban versucht sich daran, liefert am Ende aber lediglich eine durchschnittlich annehmbare Geschichte. Es gibt Momente, die funktionieren hervorragend. Die anfÀngliche Kamerafahrt durch das Haus von Emilys (Christa Beth Campbell) Familie, Henrys (Max Charles) Begegnung mit dem Hund, das Hantieren mit dem Messer zwischen Henry und seiner Mutter Claire (Laura Regan) oder auch der Vogel, der plötzlich gegen eine Scheibe fliegt. Das sind alles passende, wenn auch bekannte Zutaten, die dem Zuschauer etwas GÀnsehaut bescheren können und eine gute AtmosphÀre aufbauen.

Andererseits geht aber im Verlauf der Geschichte einiges an Spannung flöten. Es wird immer offensichtlicher, dass weder Henry noch Claire oder sein Vater Daryl (Niall Matter) dem Sensenmann entgegenblicken werden. Johns (Matt Ryan) Aufgabe ist es, den Jungen von dem bösen Geist Marcellos (Sean Freeland) zu befreien und nicht, von einem besessenen Kind zum nÀchsten zu gelangen, in der Hoffnung, einer Mordserie Einhalt zu gebieten. Abgesehen vom Anfang gibt es somit keine weiteren Tode und das ist bei einer Episode, die zu Halloween spielt, schon ein gewisses Armutszeugnis.

Im Vordergrund steht vielmehr die EntschlĂŒsselung und Hintergrundgeschichte zu den TodesfĂ€llen, die bereits stattgefunden haben und sich teils Jahrzehnte zurĂŒck erstrecken. Es geht um die Suche nach dem Namen des Wesens, was von Henry Besitz ergriffen hat. Die Auflösung, dass Marcello dahintersteckt, ist durchaus originell, denn damit wird uns kein Rachegeist eines Verstorbenen prĂ€sentiert, wie sonst bei solchen Geschichten ĂŒblich. Schade nur, dass John am Ende wieder einmal mit Leichtigkeit und in Sekundenschnelle den Exorzismus durchfĂŒhren kann. Das macht wieder den Eindruck „oh, die Sendezeit ist um, wir mĂŒssen jetzt schnell Schluss machen“.

Henry

Zu der Familiengeschichte der Nebenfiguren der Woche sollten auch noch ein paar Worte verloren werden. Henry ist anfangs ein Beispiel fĂŒr einen Ă€ngstlichen Jungen, dem in der Schule zugesetzt wird und der sich nachts im eigenen Zimmer fĂŒrchtet. Durch mit Marcellos Geist (oder Seele) wendet sich dann das Blatt und er wird derjenige, der austeilt. Das bekommen (in einer recht lĂ€cherlichen Kinderspielplatz-Szene) seine MitschĂŒler zu spĂŒren, aber auch Daryl, der seinerseits ein Paradebeispiel fĂŒr einen Bully ist und nur zu gerne sehen wĂŒrde, wie sich sein Sohn zur Wehr setzt und mehr Selbstbewusstsein an den Tag legt.

Daryl ist erfreut, als Henry seine Angst ablegt und hofft, dass sich sein Sohn endlich zum Mann entwickelt. Claire macht sich hingegen Sorgen aufgrund der VerĂ€nderungen, die sie bei ihrem Sohn bemerkt und das zu Recht, womit John schließlich auch die Möglichkeit erhĂ€lt, Henry zu helfen.

Diese ganzen Charakterisierungen der Familienmitglieder liefern ein passendes GerĂŒst zur Geschichte, auch wenn sie sich bei diversen Klischees bedienen. Die Parallelen zum jungen Marcello (Kendall McIntyre) werden zudem am Ende offensichtlich, womit wir auch einen Grund dafĂŒr erhalten, weshalb Henry als nĂ€chstes ausgewĂ€hlt wurde. Was aber leider offen bleibt: Wird der frisch exorzierte Henry nun wieder in seine Ängstlichkeit zurĂŒckfallen? Wird Daryl weiterhin mehr Durchsetzungsvermögen von seinem Jungen verlangen? Geht der Streit zwischen Claire und Daryl ĂŒber die Erziehung ihres Sohnes weiter? Die Episode schließt die Geschichte auf Familienebene nicht ab, was ziemlich unbefriedigend wirkt. Als Zuschauer hĂ€tte man sich dort noch was gewĂŒnscht, eine letzte Szene vielleicht, in der klar wird, welche Folgen die Ereignisse bei Henry hinterlassen haben.

John Constantine

Was das Team Constantine angeht, hĂ€tte diese Episode auch die zweite aus der Reihe sein können (die wĂ€re dann auch zu Halloween gelaufen und nicht am Thanksgiving-Wochenende). Mit Blick auf die Produktionsnummern war das wohl ursprĂŒnglich auch so geplant, was sich leider bemerkbar macht. Johns AffĂ€re mit Nora (Elyse Dufour) oder auch die Hilfe einer weiteren uns unbekannten Person (Amy Parish) lassen da die Stirn runzeln. Da kommen diese Woche zwei neue Gesichter dazu, die uns bislang vorenthalten wurden und vielleicht auch nicht mehr auftauchen werden. WĂ€re es nicht besser, uns erst einmal die Leute nĂ€her vorzustellen, mit denen John in den ersten fĂŒnf Episoden unterwegs war?

Laura Regan als Claire; Matt Ryan als John Constantine und Charles Halford als Chas in %26bdquo;Constantine%26ldquo; © Daniel McFadden/NBC
Laura Regan als Claire; Matt Ryan als John Constantine und Charles Halford als Chas in %26bdquo;Constantine%26ldquo; © Daniel McFadden/NBC

Gut, von Chas (Charles Halford) kriegen wir wieder ein wenig zu sehen und durch die Szene mit dem „Wahrheitsschwert“ gab es zumindest ein paar AnsĂ€tze zum VerhĂ€ltnis zwischen den beiden spendiert. Aber da muss noch mehr kommen.

Bei Manny (Harold Perrineau, Jr.), der sich zweimal blicken lĂ€sst, gibt es auch ein paar Fortschritte zu verzeichnen. Er darf also nicht direkt ins Geschehen eingreifen, sondern nur anleitend und beratend zur Seite stehen. Womit schon einmal erklĂ€rt wĂ€re, weshalb er immer nur kurz auftaucht und sich lediglich kryptischer Hinweise bedient. Diese Information hĂ€tte man sich schon in der zweiten Folge gewĂŒnscht. Interessant waren auch die Andeutungen, dass er John schon seit seiner Kindheit beigestanden hat. Mit wenigen SĂ€tzen bekommen wir da mehr erklĂ€rt als in den letzten fĂŒnf Episoden zusammen und können Manny nun aus einem leicht verĂ€nderten Blickwinkel betrachten.

Zed (Angelica Celaya) taucht diese Woche ĂŒberhaupt nicht auf. Kunstunterricht. Muss wirklich anstrengend sein, mehrere Tage am StĂŒck daran teilzunehmen. Ernsthaft: Wieso wurde sie diese Woche nicht mit in die Handlung genommen? Ihre FĂ€higkeiten hĂ€tten sich hier prima angeboten und John einiges an Spurensuche abnehmen beziehungsweise erleichtern können. Oder wĂ€re es dann zu einfach geworden, den Fall zu lösen? Die Angewohnheit, jede Woche eine der Hauptfiguren aussetzen zu lassen, sollten sich die Macher jedenfalls abgewöhnen - das kann man gar nicht oft genug betonen.

Aber nun zu John: Es gibt wieder ein paar neue Gadgets zu sehen und die Sache mit dem Rauchen wird tatsĂ€chlich verstĂ€rkt mit ins Bild genommen (auch wenn er sehr weit von einem Kettenraucher entfernt ist). Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Dilemma, dem sich John diese Woche gegenĂŒber sieht. Er soll einen Exorzismus an einem Jungen durchfĂŒhren, aber die Ereignisse von Newcastle stecken ihm noch in den Knochen. Wie die Geschichte damals ausging, wissen wir bereits. Die Sache ging schief und die kleine Astra (Bailey Tippen) landete in der Hölle. John befĂŒrchtet nun, auch Henry könnte so ein Schicksal ereilen, was ihn zunĂ€chst nach anderen Mitteln suchen lĂ€sst, um den Jungen zu retten. Erst gegen Ende und nachdem er weiß, dass Marcello der Ursprung ist, fĂŒhrt er doch den Exorzismus durch und hat damit Erfolg. Newcastle bleibt somit weiterhin ein bestimmendes Ereignis der Serie, an dem die Figuren noch lĂ€nger zu knabbern haben werden.

Fazit:

Rage of Caliban kann leider kaum punkten, obwohl sich in der Geschichte und den Figuren einige gute AnsĂ€tze und Szenen entdecken lassen. Die Bauchschmerzen dĂŒrften vor allem von der Ausstrahlungsreihenfolge herrĂŒhren, denn offensichtlich sollte diese Folge als zweite an den Start gehen, was auch mit Blick auf das Team um John Constantine besser gepasst hĂ€tte. Der Fall ist aber leider Durchschnittsware, woran sich auch mit der Reihenfolge nichts Ă€ndert. Von mir gibt es diese Woche zwei von fĂŒnf Sternen.

Constantine: Promo zur Episode 1x07:
Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 29. November 2014

Constantine 1x06 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 6
(Constantine 1x06)
Titel der Episode im Original
Rage of Caliban
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 28. November 2014 (NBC)
Autor
Daniel Cerone
Regisseur
Neil Marshall

Schauspieler in der Episode Constantine 1x06

Darsteller
Rolle
Charles Halford

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