Breaking Bad 5x01

Happy Birthday, Mr. Lambert
Die Zukunft: Walter (Bryan Cranston) hat Geburtstag. Aus Baconstreifen macht er sich in einem Diner, wie es an jedem beliebigen Highway vorzufinden ist, einen Geburtstagsteller zurecht. Er ist jetzt 52, wenn man seinem frittierten Tortenersatz Glauben schenken darf. Anstatt den Ehrentag mit seinen Lieben zu feiern, befindet er sich, fern vom heimischen New Mexico, irgendwo in New Hampshire.
Der Zeitsprung, mit dem die fünfte Staffel von Breaking Bad einsetzt, wird auch an dem Erscheinungsbild von Mr. White deutlich: Sein Haar ist gewachsen. Die neue Brille und der ungepflegte Bart lassen den ehemaligen Chemielehrer wie einen heruntergekommenen Intellektuellen wirken. Trotz seines glamourösen ĂuĂeren muss sich der Walt der Zukunft nicht um seinen Lebensunterhalt sorgen. So hinterlĂ€sst der verschwiegene Geselle der redseligen Kellnerin ein mehr als groĂzĂŒgiges Trinkgeld. Anstatt sein FrĂŒhstĂŒck zu verspeisen, wickelt Walter im Badezimmer des Restaurants mit dem WaffenhĂ€ndler seiner Wahl (Jim Beaver) ein krummes GeschĂ€ft ab. Insgesamt entsteht so ein unstimmiges Bild des Mannes, der sich als Mr. Lambert (Skylers MĂ€dchenname) ausweist.
Der Episodentitel Live Free or Die ist gleichzeitig das Motto des Staates New Hampshire, das auch das Nummernschild von Walters altem Volvo ziert. Diesen tauscht er jedoch auf dem Parkplatz vor dem Diner gegen ein neues Vehikel um - inklusive Maschinengewehr vom Typ M60 im Kofferraum. Das groĂe Kaliber wirft einen unheilvollen Schatten auf das aktuelle Selbst von Walt, der zuvor noch durch die groĂzĂŒgige Entlohnung der Kellnerin geglĂ€nzt hatte. Es sieht nicht so aus, als hĂ€tte der 52-jĂ€hrige Walt noch viel zu verlieren.
ZurĂŒck aus der Zukunft
In der Gegenwart, nach Gus Frings (Giancarlo Esposito) Tod, wird das Wesen von Walter durch seine AbgebrĂŒhtheit dominiert. Dabei lĂ€sst sich aus seiner wortkargen Stellungnahme auf Skylers (Anna Gunn) besorgte Fragen gar ein Anflug von GröĂenwahn entnehmen. Ăhnlich, wie einst Caesar nicht mehr als ein knappes „Ich kam, ich sah, ich siegte“ formulieren musste, lĂ€sst Walt mit „Es ist vorbei. Wir sind in Sicherheit. Ich habe gewonnen.“ keine Zweifel daran, wer sich dem Kampf mit dem Drogenmogul Gus gestellt hat. Doch anstatt von seiner Ehefrau mit Fanfaren begrĂŒĂt zu werden, weiĂ diese nicht mehr, was sie von ihrem einst so sanften Ehemann halten soll. Allein im Umgang mit seiner kleinen Tochter erlaubt sich Walter noch den Luxus von SensibilitĂ€t. Zu jedem anderen Moment schwingt seine bedrohliche Seite zwischen den Zeilen mit. Walter ist im Angesicht seiner Taten nicht lĂ€nger reumĂŒtig, sondern tut einfach streng kalkuliert, was getan werden muss. Ohne AnflĂŒge von EmotionalitĂ€t beseitigt er nicht nur die Bauutensilien der Bombe, mit der er seinen gröĂten Konkurrenten ins Jenseits befördert hat, sondern auch die „Lily of the Valley“, mit der er sich auf furchtbare Art und Weise das Vertrauen von Jesse (Aaron Paul) erschlichen hatte. Er scheint mit sich selbst trotz allem zufrieden zu sein: Seinen Drink hat er sich nicht zur BewĂ€ltigung eines Schocks, sondern eher zur Feier eines Triumphs eingeschenkt.
Hank (Dean Norris) stakst unterdessen noch etwas unbeholfen durch das, was die Flammen noch von Walters frĂŒherem Arbeitsplatz ĂŒbrig gelassen haben. Doch auch wenn er noch auf eine KrĂŒcke angewiesen ist, hat er seinen Tatendrang endgĂŒltig zurĂŒckerobert. So strahlt er in dem bedrĂŒckenden und eindrucksvoll durch eine Vogelperspektive in Szene gesetzten Exlabor eine kraftvolle PrĂ€senz aus. Und sein investigativer Riecher macht ihn ohne Umwege auf die Ăberwachungskamera aufmerksam, mit der Gus seine rebellischen Angestellten einst im Auge behielt.
Mike (Jonathan Banks), der sich in der WĂŒste seine Genesungszeit scheinbar zufrieden mit dem FĂŒttern von HĂŒhner vertreibt, wird durch die Nachricht von Gus' Tod aus der hitzigen Idylle gerissen. Er begibt sich unmittelbar auf den Weg gen Walt. Das Aufeinandertreffen der Haarlosen zeichnet sich durch eine spektakulĂ€re Bildsprache aus, als die Autos der beiden wie in einer WĂŒstenvariante von „HasenfuĂ“ aufeinander zu rasen. Nicht minder energetisch ist das KrĂ€ftemessen der beiden von Angesicht zu Angesicht. Mike hat es satt, mit dem „Arschloch“ Walter zu reden und hĂ€tte dessen Leben wohl ohne zu zögern beendet. Doch Jesse wirft sich lange genug als Puffer zwischen die Fronten, um den versierten „Geradebieger“ zum Zuhören zu bewegen. Es gilt, mit dem Videomaterial aus dem Labor auch die Beweislast zu beseitigen, die jeden der Drei bedroht. Trotz der ernsten Lage schafft es der Routinier Mike in der Hitze der Debatte, seinen authentisch-grimmigen Humor zu behalten.
Operation Asservatenkammer
Weder Walt noch Mike gelingt es, mithilfe der jeweiligen Expertise eine Lösung fĂŒr das gemeinsame Problem zu finden. WĂ€hrend sich die beiden Glatzen im Vordergrund verbal duellieren, kommt ausgerechnet Jesse auf die rettende Idee: Ein kraftvoller Magnet soll den Laptop, auf dem sich die belastenden Videos befinden, noch im Inneren der hochgesicherten Asservatenkammer unschĂ€dlich machen. So bietet sich die Gelegenheit, den Schrottplatzbesitzer Old Joe (Larry Hankin) wieder ins Spiel zu bringen, der Walt und Jesse bereits bei der Beseitigung des Wohnmobils in der dritten Staffel zur Seite gestanden hatte.
Der superb besetzte Joe, der in Anbetracht seines grobschlĂ€chtigen Berufs nicht nur geschĂ€ftstĂŒchtig, sondern auch erstaunlich belesen ist, erklĂ€rt sich zu der Zusammenarbeit mit dem unwillig zusammengeschweiĂten „Trio Infernal“ bereit. Nach einer kurzen, nicht ohne Augenzwinkern in Szene gesetzten, Testphase kann so die âOperation Asservatenkammerâ beginnen.
Skyler hadert unterdessen mit den Geistern, die sie rief, als sie ihrem Exliebhaber Ted Beneke (Christopher Cousins) die SchlĂ€ger auf den Hals gehetzt hatte. Doch nach dessen herzzerreiĂender Beteuerung, niemandem die Wahrheit ĂŒber die UmstĂ€nde seines „Unfalls“ zu erzĂ€hlen, sieht Skyler von einer Entschuldigung ab. So wĂ€chst auch sie - offensichtlich nicht ohne inneren Zwiespalt - in die Rolle hinein, die ein Beruf jenseits der LegalitĂ€t mit sich bringt.
Hail Walter
Der Plan von Walt, Mike und Jesse geht auf - auch wenn sie den Transporter zurĂŒcklassen mĂŒssen, der den Magneten transportiert hatte. Bei allem Teamwork gelingt es Walter dabei, souverĂ€n und strotzend vor neuem Selbstbewusstsein, sich zum AnfĂŒhrer des Trios aufzuschwingen. Diese neue PrĂ€senz des Walt bringt sogar den sonst nie um eine Antwort verlegenen Rechtsmodifizierer Saul (Bob Odenkirk) zum Schweigen. Selbst die einst bockige Skyler ist nur noch das, was Walter ihr zugesteht. Mr. Walter White ist ganz oben. Welchen Preis er dafĂŒr bezahlen wird, werden die kommenden Episoden offenbaren.
Fazit
Welch ein fulminanter Auftakt! Die Zusammenarbeit zwischen Walt, Jesse und Mike ist stimmungsvoll inszeniert und packend mit anzusehen. WĂ€hrend sich auch die anderen ErzĂ€hlstrĂ€nge wohl durchdacht in das Gesamtbild einfĂŒgen, ist es besonders die Kollaboration der drei, die die Sucht nach Breaking Bad auch in der fünften Staffel wieder auflodern lassen. Das Gespann der glatzköpfigen „Ocean's Three“ ist dank Mikes krimineller Routine, Walts wissenschaftlichem Genie und Jesses StraĂenschlĂ€ue nicht nur effektiv, sondern dabei auch unterhaltsam und zuweilen witzig. Trotz der Blutarmut in diesem verhĂ€ltnismĂ€Ăig friedlichen Staffelauftakt gibt es nichts, was der Episode Live Free or Die fehlt. BrutalitĂ€t kommt zwar nicht physisch zum Einsatz, ist aber unterschwellig so prĂ€sent wie die Ermittlungen der DEA. Diese unterschwellig bedrohliche Grundstimmung wird von jedem Kameraschwenk und jeder Passage der akustischen Untermalung gekonnt reflektiert... und ĂŒber allem schwebt die Aussicht, dass das Ende nicht ohne das verheerende Geknatter eines Maschinengewehres auskommen kann.
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 16. Juli 2012Breaking Bad 5x01 Trailer
(Breaking Bad 5x01)
Schauspieler in der Episode Breaking Bad 5x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?