Blindspot 1x10

Das Mid Season-Finale der NBC-Dramaserie Blindspot lässt sich lange Zeit, bevor es zu den interessanten Handlungskomplexen vordringt. Davor muss jedoch der Mord an David, dem Freund von FBI-Analystin Patterson (Ashley Johnson), aufgeklärt werden. Hierbei ergeht sich das Autorenteam um Showrunner Martin Gero in maximal gewöhnlichen Handlungsabläufen, die stets dem gleichen Muster folgen: Eine neue Spur führt zu einem neuen Hinweis, der von Patterson entschlüsselt wird, damit der nächste Verdächtige gejagt und verhaftet werden kann.
It's useless now
Das alles geschieht in Rekordzeit und ist ziemlich unglaubwürdig. Die festgesetzte russische Schläferin Olivia Delidio (Amy Hargreaves) bricht mit ihrem Schweigen, sobald minimaler Druck auf sie ausgeübt wird. Ständig wird in Nebensätzen abgehandelt, was in anderen Formaten zum zentralen Thema einer einzigen Episode, Staffel oder gar Serie taugen würde. Patterson hackt und knackt Geheimcodes, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Nebenbei ist sie das Sprachrohr dieses Expositionswusts: „Als ich X gefunden habe, wusste ich, dass Y das oder der sein muss, weshalb mich die nächste Spur zu Z führte, dessen E-Mail-Postfach ich gehackt habe, um seinen aktuellen Aufenthaltsort zu finden.“
Von solchen wenig eleganten Schwurbelmonstern bekommen wir in Evil Handmade Instrument gleich mehrere vorgesetzt. Drahtzieher hinter den jüngsten Angriffen ist der russische Geheimdienst, der in Putins Auftrag Dissidenten und Regierungskritiker ermordet. Der Plot schreitet dabei so atemlos voran, dass kaum Zeit bleibt, darüber nachzudenken. Es ist ja nun kein Geheimnis, dass exilierte russische Regimekritiker selbst im Ausland nicht besonders sicher leben, wie die Fälle von Alexander Litwinenko und Anna Politkovskaya zeigen.
Blindspot ist an einer eingehenderen Analyse nicht interessiert und das ist auch völlig okay so. Warum muss jedoch so viel Spielzeit (der sowieso schon sehr kurzen Episoden) mit vergessenswerten, expositionsdurchtränkten Dialogen über vergessenswerte Figuren verbrannt werden? Gibt es nicht viel interessantere Geschichten zu erzählen? Der Trauerprozess von Patterson vielleicht, der mit einer kurzen - wenn auch eindrücklichen - Szene abgehandelt wird?

Nachdem wir es also geschafft haben, eine Expositionslawine nach der nächsten zu überstehen, ohne dabei einzuschlafen, werden wir an die dramaturgischen Futtertröge gelassen. Jane (Jaimie Alexander), die sich zu Beginn der Episode die Schuld für Davids Tod gegeben hatte, leiht der trauernden Patterson ein offenes Ohr. Die bereut es, David keine weitere Chance gegeben zu haben, denn sie habe ihn - entgegen ihrer Beteuerungen - geliebt. Inmitten dieser tiefen Trauer bringt sie sogar die Größe auf, Empathie für Janes Schicksal auszudrücken: „I feel the same, just empty. Solving this didn't change anything. Is that what it's like for you, with the tattoos? That's awful.“
A moment that was just us
Solche Szenen bestärken mich in der Ansicht, dass diese Figur viel bessere Szenen bekommen müsste als die der ständigen Stichwortgeberin und des gelegentlichen comic relief. Jane sieht sich nach diesem flammenden Plädoyer für die Liebe jedenfalls dazu veranlasst, den eigenen Schwarm über ihre wahren Absichten aufzuklären. Unangekündigt küsst sie Kollege Weller (Sullivan Stapleton), der darüber zunächst überrascht ist, dann aber ganz offensichtlich nichts dagegen hat - bis sein Neffe den Moment zerstört.
Hernach ist endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem die „RomCom“ Blindspot zur Dramaserie wird. Jane wird von den Handlangern des CIA-Vizedirektors Carter (Michael Gaston) entführt und gefesselt. Die anschließende Befragung inklusive Folter übernimmt Carter selbst (er war übrigens auch derjenige, der in der letzten Episode den Mord an Sal Guerrero angeordnet hatte - nicht FBI-Vizechefin Mayfair (Marianne Jean-Baptiste), wie von mir fälschlicherweise angenommen). Er waterboardet sein Opfer so lange, bis in ihrem Kopf Bilder aus der Vergangenheit auftauchen, die sie als Soldatin zeigen. Jane kennt Carter von damals und kann sich daran erinnern, dass er einst von einer „Operation O'Ryan“ sprach.
Ihre Nachfragen diesbezüglich fallen bei ihm auf verständlicherweise wenig fruchtbaren Boden. Jedoch erhält sie unerwartete und schussstarke Unterstützung von ihrem geheimen Verfolger und ehemaligen Liebhaber: dem Mann mit dem Baumtattoo. Er zeigt ihr ein Video von ihr selbst, in dem sie sich Folgendes verkündet: „If you're watching this, the mission is going as planned.“ Weiter verrät die langhaarige Vergangenheits-Jane, dass der Baumtattootyp Oscar (Francois Arnaud) heißt und - noch viel wichtiger - sie selbst für alles verantwortlich sei, was ihr seit dem Aufwachen auf dem Times Square passiert ist: „You did this to yourself.“
Es ist ein gelungener Mid Season-Abschluss einer bisher äußerst wechselhaften ersten Staffel des erfolgreichsten Networkneustarts. Nun dauert es drei Monate, bis der Sender am 29. Februar neue Episoden von Blindspot zeigt - genug Zeit für das Autorenteam, die derzeitigen Mängel zu beheben.
Auf der nächsten Seite findet Ihr den Trailer zur nächsten Episode und die Auflösung des Anagramms im Episodentitel.

Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „Blindspot“:
Bedeutung des Anagramms im Episodentitel
Evil Handmade Instrument = And Unveil the Mastermind
Daraus ergibt sich also ingesamt: Who Is Jane Doe? Taylor Shaw, the missing girl - or maybe not. Will the past cloud our eyes? Trust no one, suspect everyone, lift the curtain and unveil the mastermind.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 25. November 2015Blindspot 1x10 Trailer
(Blindspot 1x10)
Schauspieler in der Episode Blindspot 1x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?