Blindspot 1x11

Weil es ganze drei Monate her ist, dass wir neue Geschichten aus dem Blindspot-Land gesehen haben, hier zunächst eine kurze Auffrischung der wichtigsten Ereignisse: Die volltätowierte, nahezu komplett erinnerungslose Jane (Jaimie Alexander) wurde im Mid Season-Finale Evil Handmade Instrument von ihrer Traumerscheinung Oscar aka „Typ mit Baumtattoo auf Unterarm“ (Francois Arnaud) aus der Folterumklammerung von CIA-Vizedirektor Carter (Michael Gaston) gerettet.
Even the birds don't like it here
Statt sie - und uns - hernach aber darüber aufzuklären, wer sie ist, woher sie kommt, und warum ihr Körper voller Tattoos ist, die alle Hinweise auf künftige oder vergangene Verbrechen enthalten, zeigt er ihr ein Video von sich, das all diese Rätsel noch weiter befeuert. Diverse Kommentatoren haben ja bereits angemerkt, dass es sich hier um eine kaum kaschierte Kopie eines anderen erfolgreichen NBC-Formats handelt: The Blacklist. Auch dort wurde uns Zuschauern die wahre Herkunft von Liz Keen (Megan Boone) nie wirklich erklärt, obwohl stets ein Staatsgeheimnis daraus gemacht worden war.
(An alle Leser, die der „Blacklist“ treu geblieben sind, eine kurze Frage: Wissen wir mittlerweile, wer Liz' Vater ist?)
Am Ende der neuen Episode, die den gewohnt verschwurbelten Titel Cease Forcing Enemy trägt, gibt Oscar seiner angeblichen Befehlsgeberin vermeintliche Gewissheit darüber, dass sie Taylor Shaw ist. Weil Jane aber niemandem vertrauen kann, sollten wir nicht annehmen, dass es sich dabei um die Wahrheit handelt. Um ihre Verwirrung weiter zu verstärken, bekräftigt Oscar nochmal eine Aussage, die er bei ihrer Befreiung schon getroffen hatte. Demnach könne sie niemandem beim FBI trauen, stattdessen solle sie die Missionen ausführen, die er ihr von ihrem Vergangenheits-Selbst überbringt: „We're the good guys.“
Was das Ziel dieser Missionen ist, bleibt nebulös. Weniger enigmatisch präsentiert sich indes die Episodengeschichte, die das Team um Jane und Weller (Sullivan Stapleton) auf eine Insel ins Schwarze Meer verschlägt. Dort hält eine Terrorgruppe die Passagiere einer gekaperten Maschine fest, wobei die an Bord anwesende Dr. Albright (Sakina Jaffrey) damit beauftragt wurde, ein Gerät zu bauen, das bei entsprechender Flughöhe fähig ist, die gesamte Kommunikation der amerikanischen Streitkräfte außer Gefecht zu setzen.
Wenig überraschend gelingt es dem Team, diesen Plan zu vereiteln. Mehrmals entgehen sie dabei aber einer Katastrophe, wobei es stets Jane zufällt, das Schlimmste zu verhindern. Sie ist es, die Weller das Leben rettet, als ihm die Terroristen vor laufender Kamera die Kehle aufschlitzen wollen - und sie ist es, die das Flugzeug zur Landung bringt. Seine amouröse Bewunderung für die neue Kollegin - wir erinnern uns an den Kuss der beiden im Winterfinale - dürfte mittlerweile bis ins Unermessliche gestiegen sein. Zu seinem Verdruss erscheint sie am Ende aber nicht an dem von ihm vorgeschlagenen Treffpunkt.
Pieces of Pi
Unerwähnt bleiben sollen indes keinesfalls die heroischen Rettungsmaßnahmen der weiterhin vornamenlosen FBI-Alleskönnerin Patterson (Ashley Johnson). Sie operiert dieses Mal mit zusätzlichem Schwierigkeitsgrad, wird sie doch auf Schritt und Tritt von ihrem Wachhund Inspector Fischer (John Hodgman) verfolgt. Er sieht in ihrem jüngsten Fehlverhalten, das indirekt zum Tod ihres Freundes David geführt hatte, die Chance, die New Yorker Bürochefin Mayfair (Marianne Jean-Baptiste) von ihrem Thron zu stoßen.
Die beiden Frauen erwehren sich jedoch in mitreißender Entschlossenheit den Attacken dieses bornierten Bürohengsts. Patterson findet inmitten des Chaos sogar noch die Muße, Witze zu reißen: „I told you this was a terrible idea.“ Sie ist meine Lieblingsfigur in Blindspot, auch wenn es bisweilen erschreckend ist, über welch allumfassende Fähigkeiten sie verfügt. Trotzdem bleibt lobenswert, dass Showrunner Martin Gero, der auch das Drehbuch zu dieser Episode schrieb, in sämtlichen neuralgischen Positionen weibliche Charaktere installiert hat. Die Männer könnten einem da fast schon leid tun, würden sie nicht weiterhin den Rest des Fernsehens dominieren.
Die Entledigung Carters zeitigt indes einen erfreulichen Nebeneffekt für Agentin Zapata (Audrey Esparza). Sie erfährt davon gerade rechtzeitig, um ihr Rücktrittsgesuch an Mayfair doch nicht übergeben zu müssen. Für künftige Episoden wäre wünschenswert, wenn aus ihrer Figur und der von Edgar Reade (Rob Brown) mehr gemacht werden würde. Überdies bleibt mein Anliegen an das Autorenteam bestehen, Sullivan Stapleton besseres Material zu schreiben. Er kann ein solch witziger Schauspieler sein, verhungert aber mit dieser staubtrockenen Figur, die ihm da Woche für Woche vorgesetzt wird.
Ansonsten gibt es an Cease Forcing Enemy nicht viel auszusetzen. Die Episode bewegt sich auf solidem Blindspot-Niveau.
Auf der nächsten Seite findet Ihr den Trailer zur nächsten Episode und die Auflösung des Anagramms im Episodentitel.
Trailer zur Episode 'Scientists Hollow Fortune' (1x12)
Bedeutung des Anagramms im Episodentitel
Cease Forcing Enemy = In Case of Emergency
Daraus ergibt sich also ingesamt: Who Is Jane Doe? Taylor Shaw, the missing girl - or maybe not. Will the past cloud our eyes? Trust no one, suspect everyone, lift the curtain and unveil the mastermind. In Case of Emergency...
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 2. März 2016Blindspot 1x11 Trailer
(Blindspot 1x11)
Schauspieler in der Episode Blindspot 1x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?