Blindspot 1x04

Blindspot 1x04

Das FBI-Team um Kurt Weller nutzt die Episode Bone May Rot, um ein durchgeknalltes Forscherduo dingfest zu machen. Nebenbei wird die Verwirrung um Janes wahre Identität nach dem vermeintlichen Durchbruch aus der letzten Blindspot-Folge befeuert.

Erst im UV-Licht lassen sich einige Tattoos von Jane Doe (Jaimie Alexander, l.) erkennen. / (c) NBC
Erst im UV-Licht lassen sich einige Tattoos von Jane Doe (Jaimie Alexander, l.) erkennen. / (c) NBC

Bevor ich die Blindspot-Episode Bone May Rot in den Player warf, überlegte ich mir, wie ich die Figur von Jaimie Alexander in meinen Aufzeichnungen fortan nennen sollte. Nach den DNA-Erkenntnissen in Eight Slim Grins schien ausgemacht, dass Jane Doe fortan als Taylor Shaw durchs Leben gehen würde. Doch auch wenn ich kein Procedural-Experte bin, so hatte ich doch den leisen Verdacht, dass ich mich nicht zu schnell auf den neuen Namen einschießen sollte. Der Verlauf der neuen Folge bestätigte diesen Verdacht: Auffällig hielt sich Umstehenden zurück, Jane bei ihrem angeblichen Namen zu nennen.

You just vanished

Am Ende erhalten wir die - zumindest halbwegs offizielle - Bestätigung darüber, dass dieses Rätsel noch nicht zu seinem Ende gefunden hat. Laborratte Patterson (Ashley Johnson) hat da herausgefunden, dass die DNA aus den Zähnen nicht mit der übrigen übereinstimmt. Erstgenannte lässt den Rückschluss zu, dass Jane in einem afrikanischen Staat geboren wurde, was den bisherigen Befunden widerspricht. Nun steht natürlich zu befürchten, dass das Geheimnis um Janes wahre Identität in allerbester The Blacklist-Manier bis ins Unersträgliche ausgewalzt wird. Uns bleibt leider nichts anderes übrig, als auf das Gegenteil zu hoffen.

Neben dieser abschließenden neuen/alten Erkenntnis bekommen wir weitere minimale Einblicke in die Vergangenheit der Serienheldin - wenngleich wir uns nicht sicher sein können, was davon real ist und was imaginiert. Die Geschichte um ihr plötzliches Verschwinden bringt das Bild von einem Mann hervor, der sie als kleines Mädchen aus ihrem Kinderzimmer holt und aus dem Haus führt. Er legt dabei seinen Finger auf den Mund, um sie zum Schweigen aufzufordern. Ihre Bereitschaft, widerstandslos mit ihm zu gehen, legt indes nahe, dass sie weiß, wer sie da nachts abholt. Außer diesen vagen Informationen erfahren wir jedoch nichts weiter über Janes nebulöse Vorgeschichte.

Das liegt vor allem daran, dass sich Bone May Rot vorrangig um die Episodengeschichte rankt, die nicht besonders innovativ oder spannend vorgetragen wird, aber wenigstens keine allzu großen Logiklöcher enthält. Ein weiteres Tattoo, dessen Bedeutung von Patterson mit Hilfe ihres Freundes David (Joe Dinicol) entschlüsselt wird, führt das FBI-Team zum Center for Disease Control (CDC: Seuchenschutzbehörde), wo sich zunächst ein wirres Bild aus Zufällen und Unwahrscheinlichkeiten ergibt, bevor weitere Ermittlungen Klarheit bringen.

Die zweiköpfige Führungsebene des CDC hat offensichtlich beschlossen, dass es nur einen Weg geben könne, die Menschheit zu retten - indem man nämlich Teile von ihr ausrotte. Rebecca Fine (Natalie Thomas) und Frank Suri (Paul Fitzgerald) geben hier die amerikanische Version des „Network“ aus dem britischen Verschwörungsthriller Utopia. Sie haben ein Virus zusammengepanscht, das sie nun an verschiedenen Knotenpunkten der Welt ausstreuen wollen, um die rapide wachsende Erdbevölkerung entschieden zu dezimieren.

This laissez-faire approach isn't really doing it for me

Das alles ist natürlich großer Mumpitz und wird in Procedurals offensichtlich gerne regelmäßig eingesetzt - zuletzt in der „Blacklist“-Episode The Front. Hier wird jedoch neben der offensichtlichen geistigen Verirrung der beiden Hauptschuldigen glücklicherweise darauf verzichtet, eine tiefgreifende begleitende Ideologie aufzuspannen. Es handelt sich schlicht um zwei vom richtigen Pfad weit abgekommene Einzeltäter, womit der Fall schnell abgeschlossen werden kann.

Selbstredend sind es Weller und Jane, die den Bösewicht im Zusammenspiel überwältigen. Danach muss deren Kollege Reade (Rob Brown) wieder einmal aussprechen, was wir bisher noch nicht wirklich zu sehen bekommen haben - dass nämlich Weller einer der besten Agenten ist, mit dem man im gesamten FBI zusammenarbeiten kann. Es liegt leider an Stapletons fortgesetzt dürftiger Darstellung, dass es erneut einer solch nachdrücklichen Behauptung bedarf. Für dieses Dilemma gäbe es zwei unkomplizierte Lösungen: Entweder legt man die Weller-Figur so an, dass Stapleton damit besser zurechtkommt (als Vorbild könnte hier sein Charakter aus Strike Back dienen). Oder man lässt Brown auf den Fahrersitz.

Erstgenannte Option ist weitaus realistischer als zweitgenannte, aber jene ist ein durchaus interessantes Gedankenexperiment. Die wunderbare Chemie zwischen Reade und Zapata (Audrey Esparza) - die ihrerseits Wettschulden hat - übertrifft die kaum vorhandene zwischen Weller und Jane bei Weitem. Das tritt in Episoden wie dieser, in denen das Actionelement im Vordergrund steht, nicht ganz so eklatant hervor. Sollten zukünftige Folgen jedoch die Charakterarbeit fokussieren, dürfte sich das Problem deutlicher offenbaren. Wir wollen jedoch nicht allzu voreilig urteilen - im Moment befindet sich Blindspot auf niedrigem zufriedenstellendem Niveau.

Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 24. Oktober 2015

Blindspot 1x04 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 4
(Blindspot 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Zweifel
Titel der Episode im Original
Bone May Rot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 12. Oktober 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 9. August 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 8. September 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 14. September 2016
Autor
Christine Kim
Regisseur
Karen Gaviola

Schauspieler in der Episode Blindspot 1x04

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