Blindspot 1x05

Die Verwirrung, die ich in der letzten Review zu Blindspot offenbarte, setzt sich gleich zu Beginn der Episode Split the Law fort. Da folgt Jane (Jaimie Alexander) einer Einladung ihres Kollegen und vermeintlichen Bekannten Weller (Sullivan Stapleton), der mit seiner Schwester Sarah (Jordana Spiro) und deren Sohn Sawyer (Logan Smith) zusammenwohnt. Sie erzählen alle ein bisschen von früher, schließlich gehen sie davon aus, dass Jane ihre ehemalige Nachbarin Taylor ist.
This place doesn't exist
Der wird das alles irgendwann zu viel, weshalb sie das Abendessen überhastet verlässt. Auch deshalb legt sich Weller am nächsten Tag mit seiner Chefin Mayfair (Marianne Jean-Baptiste) an. Die beiden streiten sich um die Validität verschiedener Verfahren der Identitätsfeststellung. Die überwältigende Wahrscheinlichkeit (99,9 Prozent) des DNA-Tests lässt kaum einen anderen Schluss zu, als dass Jane tatsächlich Wellers ehemalige, mit fünf Jahren entführte Nachbarin Taylor Shaw ist. Die Isotopenuntersuchung der Zähne widerspricht dieser Theorie jedoch, was laut Mayfair Beweis genug ist, die Identität noch nicht als gegeben hinzunehmen.
Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es sich das Autorenteam um Serienschöpfer Gero nicht nehmen lassen wird, die Lösung dieses Rätsel über mindestens 22 Episoden hinauszuzögern. Das ist angesichts der herrschenden Networköknomie akzeptabel, aus erzähltechnischer Sicht aber nicht gerade prickelnd. Immerhin bekommen wir kleine Häppchen in Form von Rückblenden serviert, die immer dann auftauchen, wenn Janes Gehirn ein aktuelles Ereignis mit vergangenem Erlebtem assoziiert. In dieser Episode dient eine Geiselnahme der weiteren Aufklärung über ihre Vergangenheit. Von ihrem Entführer - der ihr wohl bekannt war - wurde sie offensichtlich in eine Art Kellerverlies gebracht, wo viele weitere Kinder in erbärmlichen Zustanden hausten.
Als sie Weller davon erzählt, sieht er sich zu einer Entschuldigung bemüßigt, wenngleich er wohl nichts hätte unternehmen können, um ihre Entführung zu verhindern. Jane sieht das ebenso und bittet ihn eindringlich darum, sich keine Vorwürfe zu machen. In Anlehung an eine frühere Aussage ihres Schicksalsgenossen bekräftigt sie das innige Zutrauen, das sie in kurzer Zeit zu ihm aufgebaut hat: „You're my starting point.“ Kurz flammt sogar etwas mehr als gegenseitige Zuneigung zwischen den beiden auf, was Weller aber sogleich zu unterdrücken weiß. Wer derzeit darauf wetten wollte, dass sich die beiden noch vor Ende der ersten Staffel näherkommen, der müsste wohl eine miserable Quote hinnehmen.
Der FBI-Teamleader schleppt neben der vermeintlichen Schuld für das Verschwinden seiner besten Freundin eine weitere schwere Last mit sich herum, die Jane bei ebenjenem Abendessen anspricht. Was mit ihrem Vater sei, will sie von den Geschwistern wissen. In einer früheren Episode hatte sich ja bereits angedeutet, dass der etwas mit der Entführung zu tun gehabt haben könnte. Sarah wertete das Wiederauftauchen Janes hernach als Beweis für seine Unschuld. Bei Kurt sieht das anders aus - als sein Vater am Ende der Episode auftaucht, lässt er ihn wortlos stehen.
Turning friends into enemies
Das alles geschieht vor und nach dem Fall der Woche, der unsere Helden mitten ins Kompetenzengerangel zwischen FBI und CIA stürzt. Dabei wird ein weiterer Handlungsbogen aufgespannt, der interessant werden könnte, bislang aber nur angedeutet wurde. Mayfairs mysteriöser Kontaktmann aus den letzten Episoden entpuppt sich als stellvertretender Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA. Tom Carter wird von Michael Gaston mit köstlicher Arroganz gespielt.
Er würde Jane am liebsten eigenhändig beseitigen, weil eines ihrer Tattoos erneut sein Tagesgeschäft beeinträchtigt hat und diese mutmaßlich einen Hinweis auf die strenggeheime Mission Daylight enthalten. Mayfair, die sich immer stärker auf die Seite ihres Teams schlägt (und von Jean-Baptiste mit fantastischem Charisma ausgefüllt wird), tritt diesem rabiaten Vorgehen jedoch entschieden entgegen, wobei sie jedoch Zugeständnisse machen muss. Sie muss mitansehen, wie der soeben festgenommene Terrorist Dodi (Ayman Samman) von namenlosen CIA-Anzugträgern abgeführt wird - wahrscheinlich, um ihm mittels Folter in einer blacksite Informationen über seine Hintermänner zu entlocken.
Am Ende stellt sich heraus, dass Carter vor kaum einem Mittel zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Die mit Wettschulden belastete Zapata (Audrey Esparza) wird von ihm als Maulwurf engagiert, um tiefere Einblicke in die Funktionsweise dieser FBI-Einheit, vor allem aber in Janes jüngere Vergangenheit zu bekommen. Dies ist beileibe kein innovativer dramaturgischer Schachzug, sorgt jedoch für eine zusätzliche Spannungsebene, die das Format angesichts schablonenhafter Episodengeschichten bestens gebrauchen kann. Vor allem dank überwiegend guter schauspielerischer Leistungen und einem nicht allzu behäbigen Drehbuch weiß Blindspot derzeit durchschnittlich gut zu unterhalten.
Verfasser: Axel Schmitt am Sonntag, 25. Oktober 2015Blindspot 1x05 Trailer
(Blindspot 1x05)
Schauspieler in der Episode Blindspot 1x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?