The Big Bang Theory 8x17

In den Sachen des anderen zu spionieren, sich gegenseitig Zukunftspläne vorzuenthalten, sich als Paar langweilig zu fühlen, die Frau die Steuern machen lassen - mit der Episode The Colonization Application kommt die The Big Bang Theory-Clique an einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Aus der Freundescomedy ist eine Beziehungsserie geworden, gespickt mit ziemlich statischen Charakterelementen. Leonard (Johnny Galecki) ist der Unsportliche, Raj (Kunal Nayyar) der Pechvogel und so weiter. Neben kleinen Lachern hat die Episode kaum etwas zu bieten.
Kalter Kaffee überall
Beginnen wir mit Penny (Kaley Cuoco-Sweeting) und Leonard, deren Storyline besonders enttäuschend ist. Sie wagen ein Spiel aus dem Sexladen und werden dabei von dem Gefühl bekommen, im Bett langweilig zu sein. Auch die Story, dass jemand in den Sachen seiner Partnerin schnüffelt und sich dabei durch Dummheit selbst verrät, hat einen ziemlichen Bart. Beide Geschichten kann man wohl bei so ziemlich jedem Paar finden, das wir aus Beziehungscomedys kennen. Für viele ist die Einsicht, dass The Big Bang Theory immer stärker in die Richtung Pärchen steuert, schon schlimm genug. Doch es kommt noch schlimmer.
Manche Serienautoren schaffen es, alte Muster zu nehmen und sie mit neuen Ideen und Twists zu füllen, ein gutes Beispiel dafür ist Zooey Deschanels New Girl. Doch die The Big Bang Theory-Crew spielt schon oft gesehene Klischees einfach steif ein weiteres Mal durch. Leonard und Penny stehen enttäuscht vor einem Laken, das als Beweis dienen soll, wie langweilig ihr Sexleben ist. Sie sind kurz niedergeschlagen, reden sich gegenseitig wieder hoch und beschließen, zu beweisen wie jung sie noch sind. Anschließend stehen sie vor einem Laken, dass auf eine Weise bemalt ist, die nicht von zwei sich darauf wälzenden Menschen zu stammen scheint. Aber egal, es geht ja nur um den einen, lahmen Witz, dass sie sich dieses Mal besondere Mühe gegeben, wild und ungezwungen zu sein. Es hätte nur noch gefehlt, dass sich einer von beiden, vermutlich Leonard während des zweiten Versuchs den Rücken verletzt. Doch der typische Komödienpechvogel der Clique ist ja schon länger Raj. Darum darf er auch im Apartment seiner Freundin Emily (Laura Spencer) herumschnüffeln bis er ihre Schublade zerstört. Der einzige Teil dieser Story, der immerhin mit ein bisschen Originalität punkten kann, ist Emily. Wenn die Nebendarstellerin, mit der sich die Autoren sowieso keine Mühe geben, schon das Unterhaltsamste ist, dann ist etwas falsch.
Und dass die The Big Bang Theory-Macher keinen Finger rühren, um Emily weiter in die Story zu holen, sieht man ja wieder einmal an dieser Episode. Wir sehen zwar die Klischeeszenen, in denen Raj schnüffelt, die Schublade zerbricht und versucht, sie mithilfe seiner Freunde zu reparieren, doch das, was wirklich mal neu hätte sein können, nämlich den Streit und die Versöhnung der beiden, die sehen wir natürlich mal wieder nicht. Da auch Bernadette (Melissa Rauch) und Howard (Simon Helberg) ihren Charakter an der Eingangstür abgegeben haben, ist auch dort nichts zu holen. Sie lauschen einem peinlichem Eingeständnis wie es Sitcomfreunde seit Urzeiten tun.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer
Bleiben noch Sheldon (Jim Parsons) und Amy (Mayim Bialik). Die Story der beiden macht zwar ebenfalls nichts Besonderes her, fußt aber immerhin etwas mehr in der Charakterentwicklung und hat vor allem einige Lacher zu bieten. Falls den Autoren in der Zukunft mal wieder einfällt, Sheldon aus angeblichen Humorgründen zum Beziehungssadisten zu machen, sollten sie sich noch einmal an die Episode The Colonization Application erinnern. Sheldon kann im gleichen Maße amüsant sein, wenn er die Beziehung an sich anerkennt und Amys Ansprüche nicht mit außerordentlich sadistischen Aktionen begegnet, sondern sich in Probleme manövriert, die zu ihm passen. Eine Marsmission würde seine beruflichen und privaten Interessen vereinen und wir haben schon mehrfach gesehen, dass er oft den einfachen Weg nimmt, um einer mögliche Konfrontation mit Amy aus dem Weg zu gehen: er sagt ihr einfach nichts davon. Das ist zwar langfristig gesehen nicht besonders clever, aber auch nicht explizit sadistisch. Es ist eher ein Beziehungsproblem, das in der Realität basiert ist, aber auf den Charakter zugeschnitten wird.
Fazit
Sich darüber lustig zu machen, dass man bei Netflix-Produktionen und anderen neuen Serien die Grenzen zwischen Comedy und Drama fließend sind, entschuldigt die billige Storys der Episode The Colonization Application nicht. Niemand erwartet dramatische Untertöne von The Big Bang Theory, aber uns ein Drehbuch umzusetzen, das sich anhört als wenn es aus Drehbüchern alter Sitcoms zusammengesetzt ist, ist nicht die feine Art.
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 6. März 2015(The Big Bang Theory 8x17)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 8x17
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