The Big Bang Theory 12x24

© as große Serienfinale von „The Big Bang Theory“: Sheldon (Jim Parsons) und Amy (Mayim Bialik) betreten den Olymp der Wissenschaften. (c) CBS
The Big Bang Theory ist vorbei. Die CBS-Sitcom, die als vielleicht letzte ihrer Art Einschaltquoten holte, wie man sie nur noch aus den 90ern kannte, präsentierte gestern Abend in den USA ihre zwei finalen Folgen: The Change Constant (12x23) und The Stockholm Syndrome (12x24). Insgesamt kamen in zwölf langen Staffeln satte 279 Episoden zustande - auch das ein Wert, der im Streaming-Zeitalter kaum noch realistisch erscheint. Es endet also nicht nur eine Serie, sondern eine ganze Ära. Eine Ära, die auch den Aufstieg der Nerdkultur zum Mainstream sah. Passend dazu verabschiedet sich in wenigen Tagen auch die Blockbuster-Fantasyserie Game of Thrones von den Bildschirmen.
Nicht nur The Big Bang Theory als erfolgreichste Comedy der Gegenwart, sondern auch Game of Thrones als (zumindest gefühlt) erfolgreichstes Drama hatte in den späteren Jahren oft mit der Enttäuschung der Fans zu kämpfen. Im Fall der Wissenschaftssitcom behaupten einige sogar, dass alles nach der vierten Staffel nichts mehr mit der Serie zu tun habe, in die sie sich verliebt hatten. Dabei vergessen aber viele, dass das Format überhaupt erst ab Staffel fünf zum echten Zuschauerhit wurde, wie die amerikanische Website Vox in einem äußerst lesenswerten Text zum Serienfinale noch einmal festhält.
Auch ich bin vor allem Fan der Anfangstage von The Big Bang Theory, wobei ich die Einführung der neuen Charaktere Bernadette (Melissa Rauch) und Amy (Mayim Bialik) damals sehr begrüßt hatte (und noch immer sehr begrüße). Tatsächlich kamen auch erst da die ersten Auszeichnungen für die Serie ins Spiel, darunter diverse Emmy Awards für Jim Parsons, der sich mit seiner Darbietung des Wunderlings Sheldon ein ganzes Lebenswerk geschaffen hat. Parsons war es auch, der nun entschied, dass nach der zwölften Staffel endlich Schluss sein soll. Denn für den Serienschöpfer Chuck Lorre und Showrunner Steve Holland wäre eine Fortsetzung ohne den Publikumsliebling natürlich niemals in Frage gekommen. Zum Glück...
Alles wird anders
Anders als vermutet, lassen uns die Serienmacher nicht lang zappeln, was die Auflösung der von langer Hand vorbereiteten Nobelpreis-Storyline betrifft. Gleich zu Beginn sehen wir, wie Sheldon und Amy den erlösenden Anruf aus Stockholm erhalten. Sie haben gewonnen. Doch, da das große Serienfinale nicht nur zwei, sondern 42 Minuten lang ist, kommt das Happy End an dieser Stelle viel zu früh. Was muss also passieren? Sheldon hadert mit der Erfüllung seines Lebenstraums. Für Leonard (Johnny Galecki) die Gelegenheit, sich selbst seinen Lebenstraum zu erfüllen und Sheldon mit voller Wucht eine Backpfeife zu verpassen. Eine Szene, die aufgrund ihrer Plötzlichkeit tatsächlich etwas sehr, sehr Lustiges hatte.
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Eines weiß Sheldon nun sicher: Der Nobelpreis ist real, allerdings weiß er noch nicht, ob er nun Fluch oder Segen ist. Die Auszeichnung der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften scheint eine Kettenreaktion in Gang zu setzen, die alles verändert. Erst unterzieht sich Amy eines Umstylings bei Raj (Kunal Nayyar), auf das man gern verzichten hätte können, und dann funktioniert nach mehr als zwölf Jahren Running Gag plötzlich auch der Fahrstuhl wieder. Wie man sich darüber hinaus schon denken konnte, blüht Sheldon im Scheinwerferlicht der Medien außerdem nicht auf, sondern erstarrt stattdessen wie ein scheues Reh. Nun kann nur noch eine helfen: seine beste Freundin Penny (Kaley Cuoco). Und was wären wir wütend gewesen, wenn diese beiden nicht noch ein letztes Vieraugengespräch im Finale erhalten hätten...
Noch einmal darf sie für ihn große Schwester spielen, da seine Mutter Mary (Lauren Mettcalf) zum Abschluss leider nicht vorbeischaut. Sie nimmt ihn mit in die Cheesecake Factory, so dass wir auch von diesem legendären Serienset Abschied nehmen können. Penny erklärt Sheldon, dass die einzige Konstante im Leben der Wandel selbst sei, womit nun auch der Episodenname erklärt wäre. Gleichzeitig hält sie aber mit der größten Veränderung für den Freundeskreis zunächst noch hinterm Berg, denn sie und Leonard haben ebenfalls Neuigkeiten zu vermelden...
Ein kleines Geheimnis
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Ich hatte mir geschworen, die Qualität des Finales von The Big Bang Theory hauptsächlich daran zu messen, ob die Serienmacher tatsächlich den Mut beweisen, Penny ohne Baby glücklich zu machen. Immer wieder hatte die Figur bekräftigt, dass sie einfach keine Kinder wolle und Leonard hatte das irgendwann dann sogar eingesehen. Nun ist es aber doch passiert und beide, also auch Penny, sind offenbar im siebten Himmel. Hoch über den Wolken platzen sie mit der Kunde schließlich auch gegenüber ihren Freunden heraus, als sich die gesamte Clique im Flugzeug nach Stockholm befindet. Dass Sheldon es als Erster erfährt, weiß dieser leider nicht zu schätzen. Schlimmer noch: Er degradiert die Schwangerschaft im Angesicht seines eigenen Erfolges, da ja „jeder Idiot“ Kinder kriegen könne. Für Leonard der Punkt, an dem er (mal wieder) endgültig mit Sheldon bricht. Der Egozentrismus seines besten Freundes verletzt ihn so sehr, dass er nach der Landung schnurstracks wieder abreisen will. Penny hingegen nimmt das Ganze locker und erfreut sich stattdessen am schwedischen Essen. Droht dennoch kurz vor Schluss das Ende einer langjährigen Freundschaft?
Auch Howard (Simon Helberg) und Bernadette wollen übrigens nach Pasadena zurückkehren, da Stuart (Kevin Sussman) scheinbar mit dem Babysitten überfordert ist. Zum allerersten Mal in der Geschichte von The Big Bang Theory kriegen wir die Wolowitz'schen Kinder Halley und Michael nun sogar zu sehen (siehe oben). Anfangs wurden sie genau wie Howards Mutter nie im Bild gezeigt, eine nette kleine Hommage an die damals verstorbene Darstellerin Carol Ann Susi.
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Dass das Finale von The Big Bang Theory trotz der uninspirierten Babybombe in meinen Augen kein Fiasko ist, hat mit einer anderen Szene zu tun. Die Rede ist von Sheldons großer Dankesrede vor der Welt der Wissenschaften, der letzten Chance für Parsons, um noch einmal unter Beweis zu stellen, warum er das Herzstück dieser Serie war. Zugegeben: Wenn ich für eine kitschige TV-Trope anfällig bin, dann für große Reden, die „improvisiert“ werden - am besten noch, nachdem das Originalpapier demonstrativ zerrissen wird. Und genau das bieten uns die Serienmacher hier.
Freunde sind Familie
Statt sich selbst zu feiern, nutzt Sheldon den Moment, auf den er sein Leben lang gewartet hat, um die Menschen zu würdigen, ohne die all das unmöglich gewesen wäre: seine besten Freunde Dr. Rajesh Koothrappali, Dr. Bernadette Rostenkowski-Wolowitz, Astronaut Howard Wolowitz, Penny Hofstadter und Dr. Leonard Hofstadter. Nur dank der Darbietung von Parsons wirkt die Entschuldigung so ehrlich, dass man Sheldon tatsächlich für sämtliche Feindseligkeiten verzeihen will. Und was für ein Opfer von ihm, wenn man bedenkt, dass es für ihn von Kindesbeinen an keinen größeren Wunsch gab, als an diesem Tag an diesem Ort zu stehen. Er teilt die Ehre und tötet damit endgültig seinen Egoismus.
Noch wirkungsvoller wird die Szene in Kombination mit dem im Anschluss ausgestrahlten Staffelfinale der Spin-off-Serie Young Sheldon, die sich einen wunderschönen Tribut an The Big Bang Theory überlegt hat. Dort sehen wir, wie der kleine Sheldon (Iain Armitage) nachts der Nobelpreisverleihung lauscht und sich ausmalt, wie er eines Tages ausgezeichnet wird. Anschließend sehen wir eine Montage aller anderer Figuren, als sie im selben Alter waren. Damals war die Clique noch Jahrzehnte davon entfernt, sich zu treffen. Doch der Song im Hintergrund wusste bereits: „Someday will be together.“
Insgesamt liefert The Big Bang Theory einen äußerst versöhnlichen und überraschend emotionalen Abschluss. Selbst für den oft so schäbig behandelten Raj gibt es noch ein sehr ungewöhnliches Happy End, das ich aber gern bereit bin, anzunehmen. Im Flugzeug lernt er den Buffy the Vampire Slayer-Star Sarah Michelle Gellar kennen - so wie Howard einst Summer Glau im Zug - und nimmt sie kurzerhand als Date zur Zeremonie mit. Auch dieses Cameo passt irgendwie zur DNA der Serie, da es die bewährte Mischung aus oberflächlichen Popkulturreferenzen und Beziehungsfragen widerspiegelt.
The Big Bang Theory mag zwar nie die innovativste oder mutigste Sitcom gewesen sein, wie die Penny-Schwangerschaft nun noch mal beweist, aber die bewährten Formeln beherrschten die Serienmacher stets hervorragend, was auch daran deutlich wird, wie rührend das Finale nun doch ausfiel. Und wie gesagt: Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass mit der Serie nicht nur eine Serie, sondern etwas Größeres sein Ende findet. Eben eine Ära.
Der zuckersüße Tribut von „Young Sheldon" an die dahinscheidende Mutterserie „The Big Bang Theory":
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 17. Mai 2019The Big Bang Theory 12x24 Trailer
(The Big Bang Theory 12x24)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 12x24
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