The Big Bang Theory 11x12

© heldon (Jim Parsons, r.) und Amy (Mayim Bialik, l.) wählen ihre Trauzeugen. (c) CBS
Zu Beginn des neuen Jahres will ich ausnahmsweise kurz mit offenen Karten spielen: Keine meiner Aufgaben bei SERIENJUNKIES.DE® ist so anstregend wie die wöchtlichen Kritiken zu The Big Bang Theory - das heißt, falls Fernsehen gucken und darüber schreiben überhaupt anstregend sein kann. Abgesehen von kleinen Graustufen ist im Prinzip jede Episode gleich. Als einfache Sitcom wagt die Serie verständlicherweise keine großen Experimente und bietet so nur wenig Stoff für Diskussionen.
Ob mir eine Episode gefällt oder nicht, hängt am Ende vor allem davon ab, ob sie mich zum Lachen bringen konnte. Das Problem: Jeder hat einen anderen Humor, weshalb ich niemals objektiv sagen könnte, dass eine Episode lustig oder langweilig ist. Zumal meine eigene Anfälligkeit ebenfalls stark von der Tagesform abhängt. Fazit: Ignoriert die Sternebewertungen und habt einfach Spaß am Diskutieren. In Zeiten, in denen Internetdebatten immer hitziger werden, ist es vielleicht ganz gut, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass nicht jedes Thema Euer Herzblut verdient.
Mit all dem im Hinterkopf muss ich sagen, dass mir die neue Episode, The Matrimonial Metric (11x12), die erste im Jahr 2018, ziemlich gut gefallen hat. Der Grund ist denkbar einfach: Sie brachte mich zum Lachen. In einem der witzreichsten und durchdachtesten Drehbücher dieser elften Staffel suchen Sheldon (Jim Parsons) und Amy (Mayim Bialik) nach den passenden Trauzeugen für ihre bevorstehende Hochzeit. Und wie die beiden eben sind, gehen sie dabei äußerst methodisch vor und führen kleine Experimente mit ihren Freunden durch. Ergo: Alle Figuren sind in ihrem Element.
Take emotion out of the process
Da sich die Serienmacher darüber im Klaren sind, dass die Trauung Sheldons und Amys das vielleicht wichtigste Ereignis in der Geschichte von The Big Bang Theory sein dürfte, kosten sie die letzten Wochen vor dem großen Tag natürlich voll aus. Diese Woche gilt es für das künftige Ehepaar, die perfekten Hochzeitshelfer zu finden. Leider kommt diese Entscheidung allerdings auch einer Beliebtheitsbewertung ihrer Freunde gleich. Und da beide mehr als einen möglichen Kandidaten im Rennen haben, muss die Wahl gut überlegt sein.

Um niemanden zu verletzen, tun die beiden das, was am Ende ironischerweise jeden verletzen wird: Sie verwandeln die Angelegenheit in einen Wettkampf und zugleich in ein wissenschaftliches Experiment. Will man die objektiv besten Trauzeugen finden, hat man keine andere Wahl, als die in Frage kommenden Freunde diversen Tests zu unterziehen. Wer kann einen Cateringnotfall am schnellsten lösen? Wer kann ein Geheimnis für sich behalten? Und wer kann einem am besten Mut zureden, wenn im letzten Moment die Füße kalt werden? Für jede dieser Aufgaben, die Sheldon und Amy heimlich in gewöhnliche Alltagssituationen einbauen, gibt es Punkte - und am Ende stehen zwei ganz oben.
Regisseur Mark Cendrowski nutzt die Vorlage, um in kürzester Zeit ein Feuerwerk an Punchlines abzubrennen. Es gibt viele Schnitte und viele Sprünge und teilweise gibt es sogar Rückbezüge auf frühere Pointen der Episode - etwas, was The Big Bang Theory aus Angst vor zu hohen Ansprüchen an die Zuschauer nur sehr selten wagt. Der Hauptgrund, warum der Großteil der Witze zündet, hängt einmal mehr mit Parsons Performance und dem Charakter Sheldon an sich zusammen. Kein Szenario scheint für die Figur passender, als penibel auf die Schwächen seiner Freunde hinzudeuten. Doch auch Howard (Simon Helberg) ist als selbstironischer Witzbold voll in seinem Element genauso wie Leonard (Johnny Galecki) als angesäuerter Trauerkloß oder Penny (Kaley Cuoco) mit ihrer altbewährten Alles-Egal-Haltung.
Am Ende kommt es natürlich wie es kommen musste: Die Versuchskaninchen durchschauen das Experiment und steigen aus. Nun ist die Auswahl an möglichen Trauzeugen für Sheldon und Amy plötzlich deutlich kleiner, sodass Sheldon, um nicht seinen Bruder Georgie fragen zu müssen, sogar auf den Außenseiter Stuart (Kevin Sussman) zurückgreift. Dieser hat kein Problem damit, als Notnagel zu dienen, zumal er schon immer mal im Zentrum stehen wollte. Doch „TBBT“ wäre nicht „TBBT“, wenn dem depressivem Comicbuchverkäufer ein Happy End vergönnt wäre. Als Leonard, Howard und Raj (Kunal Nayyar) von Sheldons Entschluss erfahren, verzeihen sie ihm kurzerhand und bieten erneut ihre Dienste an.
Am Ende wählt Sheldon denjenigen, den es ohnehin von Anfang an hätte treffen müssen, nämlich seinen besten und ältesten Freund Leonard. Doch für Amy ist die Sache noch ein bisschen komplizierter: Zwar ist Penny ihre beste Freundin, allerdings durfte sie selbst bei Bernadette (Melissa Rauch) Trauzeugin sein. Folgt sie nun ihrem Herzen oder geht sie nach der Devise Quidproquo? Um sie nicht länger zu quälen, zumal ihr im Gegensatz zu Sheldon die Gefühle ihrer Freunde nicht egal sind, wird ihr schlussendlich die Entscheidung abgenommen. Trunken vor Liebe und Neid stürmt Penny in ihre Wohnung und hält eine emotionale Rede mit dem Fazit, dass sie die einzig richtige Wahl sei. Unfassbar, aber wahr: Bis zu diesem Moment war Penny gar nicht klar, dass Amy ihre beste Freundin ist. Doch nun sind die Fronten geklärt und die Hochzeit kann kommen.
Der Trailer zur „The Big Bang Theory“-Episode „The Solo Oscillation“ (11x13): Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 5. Januar 2018The Big Bang Theory 11x12 Trailer
(The Big Bang Theory 11x12)
Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 11x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?