The Big Bang Theory 10x01

Mit der Episode The Conjugal Conjecture startet die CBS-Sitcom The Big Bang Theory offiziell in ihre zehnte Staffel. Damit zieht die Erfolgsserie am 90er Klassiker Seinfeld vorbei und begibt sich auf die Spuren von Friends. Ein fester Platz im großen Kanon der beliebtesten Fernsehkomödien aller Zeiten haben Penny und die Nerds damit sicher - ob die Serie in ihren späten Jahren noch überzeugen kann, steht derweil infrage.
We are not white trash!
Die zehnte Staffel beginnt an einem Punkt, an dem viele andere Sitcoms vermutlich enden würden. Leonard (Johnny Galecki) und Penny (Kaley Cuoco), das zentrale Liebespaar der Serie, heiraten. Allerdings ist die Hochzeit eher symbolischer Natur, da sich die beiden bereits Anfang der neunten Staffel heimlich in Las Vegas getraut haben. Diese zweite Zeremonie ist nur für die Familie. Und so lernen wir endlich auch den Rest von Pennys Sippschaft kennen: ihre Mutter Susan (Katey Sagal, Sons of Anarchy) und ihren vorbestraften Bruder Randall (Jack McBrayer, 30 Rock). Papa Wyatt (Keith Carradine) kannten wir schon vorher.
Eigentlich hätte die Einführung der neuen Figuren zum Höhepunkt der Episode werden müssen, da aber zu viele andere Handlungsstränge auf dem Programm standen, ging das Ganze etwas unter. Spektakulär war schon das Casting der Figuren, so verpflichtete man mit Katey Sagal eine Schauspielerin, die schon 2002 in der Sitcom 8 Simple Rules als Fernsehmutter von Kaley Cuoco zu sehen war. Jack McBrayer als Methkoch und Exknacki Randall erschien nicht weniger aufregend, allein wegen seiner herrlich ulkigen Ausstrahlung.
Tatsächlich glänzten beide in den wenigen Szenen, die man ihnen gab. Insgesamt gefiel mir Pennys Familie, wie auch immer ihr Nachname nun lautet, sehr gut. Die Dynamik, vor allem die zwischen Tochter und Vater, stimmte haargenau. Der einzige Kritikpunkt, dass Susan zu wenig tun durfte, außer sich für den unterlegenen Intellekt ihrer Familie zu schämen, ist allein auf das schwache Zeitmanagement der kreativen Strippenzieher zurückzuführen.

So musste man die interessantesten Implikationen, die der erste Auftritt von Mutter und Sohn mit sich brachte, zwischen den Zeilen lesen. Eine davon betrifft die Beziehung zwischen Penny und ihrem Bruder, der offenbar genauso ein Sonderling wie Sheldon (Jim Parsons) ist. Dies könnte erklären, wieso Penny in all den Jahren stets so gekonnt mit Sheldon umging. Bei der Hochzeitszeremonie spielten Susan und Randall jedoch leider keine besondere Rolle.
Dieser Moment gehörte Leonard und Penny. Und, als sich die beiden vor den strengen Augen Bernadettes (Melissa Rauch) ihre Gelübde vortrugen, wurde es tatsächlich etwas emotional. Penny erklärte, wie glücklich er sie mache und Leonard, wie überwältigt er sei, dass eine Frau wie sie ihn liebt - seinen Minderwertigkeitskomplex wird er wohl niemals los. Das Sahnehäubchen liefert dann ihr Nochmitbewohner Sheldon. Mit einer seiner wenigen aufrichtigen Gesten der Liebe und Freundschaft bricht er alle Dämme. Sogar Leonards getrennte Eltern lassen sich zu sentimentalen Bekundungen hinreißen. Alles in allem also eine sehr gelungene Hochzeitsfeier, die man uns allerdings auch schon vor einem Jahr hätte geben können.
You made God sad today, Mom
Ein großer Teil der Episode drehte sich natürlich auch um den Cliffhanger des vergangenen Staffelfinales, in dem sich Leonards Vater Alfred (Judd Hirsch) und Sheldons Mutter Mary (Laurie Metcalf) auffällig nahe kamen. Für die beiden Söhne stellte sich deshalb nur eine Frage: Haben die zwei miteinander geschlafen? Sheldon ging sogar noch einen Schritt weiter: Ist Leonard jetzt sein Bruder?
Als sich schließlich die erste Gelegenheit ergibt, Alfred und Mary zu konfrontieren, zögert Sheldon keine Sekunde. Leonard und Penny hätten das Thema lieber vertagt, um die Hochzeit nicht noch unangenehmer zu machen, als sie es eh schon geworden wäre - und um die Gefühle von Leonards Mutter Beverly (Christine Baranski) zu schützen, sofern sie welche hat. Doch Alfred beteuert, dass zwischen ihm und Mary nichts gelaufen sei. Wirklich sicher sein kann man sich bei seiner Aussage aber nicht.

Wie zu erwarten war, ist Sheldon wenig erfreut über das vermeintliche Techtelmechtel seiner Mutter und lässt seinen Zorn deshalb an Alfred ab. Er beleidigt den Anthropologen als mittelmäßigen Wissenschaftler und elenden Mutterschänder. Später glaubt er sogar, der „alte Lüstling“ könnte sich an seine Freundin Amy (Mayim Bialik) ranmachen. Nun fühlt sich auch Leonard beleidigt und, kurz bevor die Situation eskalieren kann, gibt es einen Cut. Insgesamt ein ziemlich unbefriedigendes Ende für diese durchaus vielversprechende Storyline.
That's my happy Hebraic homeboy!
Ein weiterer interessanter Handlungsstrang, den man aus Zeitgründen jedoch lieber in die kommende Episode hätte implantieren sollen, ist der um Howards (Simon Helberg) Quantumgyroskop. Mit diesem hat er nämlich die Aufmerksamkeit der US Air Force auf sich gezogen und nun muss er befürchten, dass seine Arbeit von der Regierung beschlagnahmt und zu kriegerischen Zwecken missbraucht wird. Und so geben sich er und Raj (Kunal Nayyar) der Paranoia hin. Als schließlich ein kerniger Colonel namens Richard Williams (Dean Norris, Breaking Bad) vor der Tür steht, hat das Versteckspiel ein jähes Ende. Howard verabredet ein Treffen mit dem Colonel in der CalTech.
In meinen Augen ist diese Storyline derzeit der Silberstreif am Horizont für The Big Bang Theory, denn er bietet die Gelegenheit, das unpassende Kleid der Beziehungssitcom endlich abzustreifen (die Hochzeit wurde immerhin schon mal abgehakt) und sich wieder mit Wissenschaft und Technologie auseinanderzusetzen. Allerdings gibt es Gerüchte, wonach es sich bei Colonel Williams nicht um einen Interessenten an Howards Erfindung, sondern um seinen lange verschollenen Vater handeln könnte. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wäre es ein klares Statement der Serie, dass sie sich inzwischen vor allem als Familienkömodie und nicht länger als Sitcom für Geeks betrachtet. In der gesamten Episode gibt es keinen einzigen Witz, der ein Thema der „Nerdkultur“ betrifft.
Fazit
The Conjugal Conjecture wird wohl nicht als denkwürdige „TBBT“-Episode ins kollektive Gedächtnis einziehen - und das, obwohl sie mit zwei neuen Figuren, einigen Auftritte früherer Gaststars und einer Hochzeit aufwarten kann. Insgesamt erscheint die Episode völlig überladen, so dass die wenigen magischen Momente nur wenig Platz zur Entfaltung hatten. Trotzdem bin ich froh, dass The Big Bang Theory zurück ist. Als ich zum Beispiel nach guten Zitaten für die Zwischenüberschriften suchte, fiel mir auf, wie viele fantastische punchlines die Serie noch immer bietet: Von „What a joy it is to behold my genitals“ über „Forcinating like wrinkly old rabbits“ bis hin zu „Welcome to the family, don't lend your brother-in-law money“. Manches beherrschen der Showrunner Steven Molaro und Konsorten also immer noch in Exzellenz und am Rest kann man arbeiten.
Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 20. September 2016The Big Bang Theory 10x01 Trailer
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Schauspieler in der Episode The Big Bang Theory 10x01
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