Awake 1x01

Awake 1x01

Was ist Traum? Was ist Wirklichkeit? Oder gibt es am Ende zwischen ihnen gar keinen Unterschied? Am Donnerstag startet auf dem US-Network NBC die neue Serie Awake, in der sich Jason Isaacs nach einem Unfall in zwei verschiedenen Realitäten wiederfindet.

Michael (Jason Isaacs, m.) ist gefangen zwischen zwei Realitäten: „Awake“ / (c) NBC
Michael (Jason Isaacs, m.) ist gefangen zwischen zwei Realitäten: „Awake“ / (c) NBC

Seit er mit seiner Frau (Laura Allen, Terriers) und seinem Sohn (Dylan Minnette, Saving Grace) einen Autounfall hatte, lebt der Polizist Michael Britten (Jason Isaacs, „Harry Potter“) in zwei verschiedenen Realitäten: In der einen ist sein Sohn gestorben und seine Frau hat überlebt. In der anderen ist seine Frau tot, dafür lebt sein Sohn aber noch. Wann immer Michael die Augen schließt, um einzuschlafen, wacht er plötzlich in der jeweils anderen Realität auf. Verschiedenfarbige Armbänder helfen ihm dabei, sich zu orientieren, in welcher Wirklichkeit er sich gerade befindet.

In jeder der beiden Realitäten hat Michael einen Psychiater beziehungsweise eine Psychiaterin (zum einen BD Wong, Law & Order: Special Victims Unit, zum anderen Cherry Jones, 24), der/die ihm klarzumachen versucht, dass die jeweils andere Wirklichkeit nicht mehr als ein elaborierter Traum ist, den Michaels Gehirn ersonnen hat, um die traumatische Verlusterfahrung zu kompensieren. Doch ist das wirklich alles, was hinter Michaels Erfahrung steckt? In beiden Realitäten arbeitet er an verschiedenen Fällen, bei denen ihm jedoch auf einmal mysteriöse Verbindungen ins Auge stechen...

Die größte Stärke von Awake (die aber nicht weit von der Achillesferse entfernt liegt...) ist die überaus faszinierende Grundidee der Serie: ein Mann, der gleichzeitig in zwei verschiedenen Welten lebt. Autor Kyle Killen hat so etwas in der vergangenen Season in einem etwas anderen Kontext und ohne Mystery-Spin schon einmal in Lone Star durchgespielt; damals, wie wir uns erinnern, mit nur sehr bescheidenem Erfolg „28651“, was allerdings wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass es in Lone Star um einen Betrüger ging.Awake zeigt dagegen eine Figur, die ganz ohne eigenes (bewusstes) Zutun in die außergewöhnliche Situation zweier Parallelexistenzen geraten ist.

Was wäre, wenn alles ganz anders gekommen wäre?“ ist eine Frage, die sich Menschen recht häufig stellen. Wir überlegen, wie unser Leben verlaufen wäre, wenn bestimmte Ereignisse nicht oder anders eingetreten wären. Wenn wir anders gehandelt oder wenn uns gewisse Geschehnisse nicht widerfahren wären. Wir können es uns ausmalen, erhalten auf die Frage aber nie eine definitive Antwort. Genau darin liegt die inhärente Faszination der Grundidee von Awake: Michael Britten erhält die Chance, selbst zu erleben, wie es wäre, wenn der Ausgang eines Schlüsselereignisses in seinem Leben ganz anders gewesen wäre.

Mit seiner Mischung aus Krimi und „Ist es Traum oder Wirklichkeit?“-Mystery erinnert Awake an die großartige britische Serie Life on Mars, wobei in der Pilotfolge vor allem die Szenen zwischen Michael und seinen Psychiatern eine ähnlich vergnügliche philosophisch-psychologische Reflektion entfalten („If this is just a dream, how can you quote the constitution word by word?“) wie seinerzeit die Dialoge zwischen Sam (John Simm) und Annie (Liz White).

Gegenüber Life on Mars hat Awake erzählerisch sogar einen Vorteil: Während Sam zumeist darauf bedacht war, in seine Gegenwart zurückzukehren, wodurch Life on Mars immer eine Orientierung auf ein Finale hin hatte, will Michael seine Situation gar nicht beenden. Solange er zwischen beiden Realitäten wandert, sind für ihn, zumindest in jeweils einer der beiden Welten, Frau und Sohn am Leben. Für die Autoren und Produzenten ist das gut: Denn damit fehlt der erzählerische Druck, all zu bald eine Auflösung herbeizuführen, welche die Grundsituation gefährden könnte. Auf dieser Basis - Cop wechselt zwischen den Realitäten, was ihm beim Lösen von Kriminalfällen hilft - ließen sich locker fünf, sechs Staffeln produzieren.

Für die Zuschauer, oder zumindest die Mysteryfans unter ihnen, ist das allerdings eine wohl weniger gute Nachricht. Und damit kommen wir zu der bereits angesprochenen Achillesferse: Von der dramaturgischen Anlage her, wie sie in der Pilotfolge von Awake vorgestellt wird, zeichnet sich bereits ab, dass wir kaum schnelle Antworten darauf erwarten dürfen, was mit Michael passiert ist. Im Vordergrund werden wohl eher die wöchentlichen Fälle und die Geschichten rund um Michaels Familie stehen (mit Michaela McManus als attraktiver Tennislehrerin, die bereits einen konfliktträchtigen romantic interest in der Sohn-Realität erahnen lässt).

Die Frage lautet: Wird das genug sein? Alcatraz hat auf FOX mit einem ganz ähnlichen Ansatz - faszinierende Grundidee, aber Fokus auf den Fall-der-Woche - gerade eine saubere Bruchlandung hingelegt. Das Rezept von Awake gegen diese Gefahr scheint vor allem darin zu bestehen, dass man ein sehr viel größeres Gewicht auf die Hauptfigur legt.

Tatsächlich verwendet der Pilot sehr viel Zeit und Mühe darauf, sorgfältig in die Figur und ihre Situation einzuführen (selbst um den Preis, dass manche die Folge deshalb zu ruhig und unaufregend finden werden). Das Ziel besteht offenkundig darin, wenn nicht unmittelbar unsere Sympathie, so doch auf jeden Fall unser Interesse an Michael zu wecken (beispielsweise als er mit der bangen Frage konfrontiert wird, ob er den Autounfall möglicherweise selbst verschuldet hat). Das kann auf keinen Fall schaden. Ob es ausreichen wird, um die Zuschauer an die Serie zu binden, wird man abwarten müssen.

Fazit

Interessant, aber noch nicht wirklich mitreissend. Eine Grundszenario, das man für spannende Handlungsbögen nutzen könnte, das aber genau so gut im Case-of-the-Week-Einerlei versanden kann. Mehr kann man eigentlich nach den ersten 45 Minuten von Awake noch nicht sagen. Allein Jason Isaacs ist allerdings Grund genug, der Serie über den Pilot hinaus eine Chance zu geben. Ob sie sich dieser als würdig erweist, werden die kommenden Folgen lehren.

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 1. März 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Awake 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Dies ist kein Traum!
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 1. März 2012 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 8. Januar 2014
Autor
Kyle Killen
Regisseur
David Slade

Schauspieler in der Episode Awake 1x01

Darsteller
Rolle
Laura Allen
Steve Harris
Dylan Minnette
B. D. Wong
Cherry Jones

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