Avenue 5 1x01

© zenenbild von Avenue 5: Die Crew an Bord... (c) HBO
Der schottische Satiriker Armando Iannucci schuf mit Veep eine der besten Fernsehkomödien des vergangenen Jahrzehnts. Für ihre Verkörperung der US-Vizepräsidentin Selina Meyer gewann die Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus gleich sechsmal in Folge den Emmy Award (ein historischer Bestwert für die Ewigkeit). Nach sieben Staffeln endete die Serie 2019, wobei sich Iannucci schon 2015 neuen Projekten widmete, darunter beispielsweise der Kinostreifen „The Death of Stalin“, welcher eine ähnlich hohe Dichte an Cleverness und Wortwitz aufwies wie das HBO-Format.
Mit Avenue 5 präsentiert der Officer of the Order of the British Empire beim amerikanischen Kabelsender nun sein jüngstes Werk. Eher untypisch für den sonst eher politisch interessierten Drehbuchautor handelt es sich um eine Sci-Fi-Comedy, die auf einem Kreuzfahrt-Raumschiff spielt (was dank Visionären wie Elon Musk gar nicht mehr allzu futuristisch erscheint). Für die Hauptrolle des Kapitäns konnte Iannucci niemand Geringeres als den House-Star Hugh Laurie engagieren, der auch bei Veep mitwirkte. Ebenfalls im Cast: Josh Gad („Die Schöne und das Biest“), Zach Woods (Silicon Valley), Suzy Nakamura (Dr. Ken) und die BAFTA-Preisträgerin Rebecca Front, die Iannucci noch durch „The Thick of It“ kennt.
Worum geht's?
Die halbstündige Pilotepisode namens I Was Flying hat zunächst alle Hände voll damit zu tun, uns das bunte Ensemble der Serie vorzustellen, zumal mancher Protagonist schon jetzt ungeahnte Schattenseiten durchscheinen lässt. Der wichtigste Akteur ist Capt. Clark, gespielt von Laurie, der als graue Eminenz für Stabilität und Anmut an Bord sorgt. Gad tritt derweil als exzentrischer Milliardär Judd auf, der mit dem Gedanken spielt, die Avenue 5 zu kaufen. Nakamura und Woods alias Iris und Matt gehören zur Besatzung und sind vor allem für die Betreuung der Passagiere zuständig. Front mimt eine dieser wohlhabenden Weltraumtouristinnen - und, da ihr Charakter Karen heißt, kann man sich schon denken, welche Belastungsprobe sie für die ohnehin schon entnervte Crew darstellt.
Die Namen der folgenden Figuren kann man sich aber auch gerne merken: Nikki Amuka-Bird (Luther) als Rav Mulcair, die verrückt frisierte Kommandeurin der Mission Control auf Erden; Lenora Chrichlow (Black Mirror) als Billie McEvoy, die zweithöchste Ingenieurin auf dem Raumschiff; Himesh Patel („Yesterday“) als Jordan Hatwal, Haus- und Hofnarr der Avenue 5 beziehungsweise Stand-up-Comedian; und Ethan Phillips (Star Trek: Voyager) als Spike Williams, ehemaliger Astronaut, Alkoholiker und Womanizer. Kann einer dieser Helden das sich anbahnende Chaos wieder unter Kontrolle bringen?

Die meisten würden ihr Geld vermutlich auf den Kapitän setzen, doch, als die Avenue 5 vom Kurs abkommt und die neu berechnete Reisedauer für den Rückweg zur Erde plötzlich drei Jahre beträgt, ist er der Erste, der die Nerven verliert. Nun stellt sich heraus, dass er tatsächlich nicht viel mehr kann, als in einer Uniform gut auszusehen. Ein Schock für die wenigen Besatzungsmitglieder, die der Hochstapler in sein dunkles Geheimnis einweiht. Als dann auch noch die ranghöchste Ingenieurin verstirbt, scheint jegliche Hoffnung verloren zu sein. Und es kommt noch schlimmer: Karen lauscht bei der Krisensitzung heimlich mit und verbreitet die Hiobsbotschaft wie ein Lauffeuer. Anarchie droht auszubrechen.
Es passiert also sehr viel im Piloten von Avenue 5. Da verwundert es kaum, dass Iannucci und seine langjährigen Kollegen Simon Blackwell und Tony Roche im Skript nur wenig Platz für wirklich gute Witze fanden. Was mich persönlich angeht, habe ich bei dieser ersten Episode in der Tat kein einziges Mal wirklich gelacht, während man bei Veep manchmal sogar zurückspulen musste, wenn man nicht die Hälfte der großartigen Gags verpassen wollte. Ruft man sich das in Erinnerung, fällt es leicht, den Serienmachern ein gewisses Vorschussvertrauen entgegenzubringen und fest daran zu glauben, dass sich die Sci-Fi-Comedy nach ein paar Wochen eingroovt. Zumal der illustre Cast fraglos in der Lage wäre, auch solche Punchlines gut rüberzubringen, die auf dem Papier nicht gerade genial, sondern vielleicht eher halbgar erscheinen.
Zukünftige Zuschauerinnen und Zuschauer sollten sich ohnehin dessen bewusst sein, dass der Humor von Avenue 5 vermutlich etwas anders ausfällt als beispielsweise bei The Orville - also einer Serie, die sich aufgrund ihrer genretechnischen Artverwandtschaft automatisch als Vergleichsobjekt aufdrängt. Was die Schauwerte angeht, die bei Weltraumreisen ja immer eine große Rolle spielen, muss sich das HBO-Produktion aber ebenfalls erst noch als würdige Konkurrenz für das FOX-Format erweisen. Die Sets sehen zwar alles andere als billig aus, doch in einer Szene, als es an Bord der Avenue 5 etwas turbulenter zugeht, wirken die Spezialeffekte dann doch eher albern. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt.
Fazit
Alles in allem kann man im Fall von Avenue 5 sicher nicht von einem Raketenstart sprechen. Im Pilot zünden letztlich nur die wenigsten Witze, doch da Armando Iannucci und Konsorten hier offensichtlich etwas Größeres vorbereiten, ist man gern gewillt, geduldig zu sein. Acht Episoden stehen uns in der Auftaktstaffel bei HBO bevor (übrigens erscheint die Sci-Fi-Comedy hierzulande parallel bei Sky). Und allein die Aussicht, Hugh Laurie als eine Art Anti-Picard zu sehen, sprich als völlig inkompetenten Kapitän eines Raumschiffs, sollte für viele schon ausreichen, um dem vielversprechenden Format durchaus eine Chance zu geben. Als optimale Zielgruppe erweist sich vermutlich die Schnittmenge der Fans von Veep und The Orville.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen HBO-Sci-Fi-Serie Avenue 5:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 20. Januar 2020Avenue 5 1x01 Trailer
(Avenue 5 1x01)
Schauspieler in der Episode Avenue 5 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?