Arrow 6x01

© tephen Amell auf einem Szenenfoto aus der „Arrow“-Episode „Fallout“ / (c) The CW
Die Lian-Yu-Ära von Arrow ist beendet, aber nicht ohne Verluste und die haben die Serienmacher rund um Marc Guggenheim und Wendy Mericle im Vorfeld gut geheim gehalten und in Trailern vermieden, allzu viel zu verraten. Ein solches explosives Ereignis kann nicht ohne Opfer enden und so gibt mindestens einen Todesfall, aber auch andere Schäden, die manche Teammitglieder und Schurken in Fallout, der ersten Episode der sechsten Staffel, davontragen.
Fünf Monate später
Das Arrow-Team ist wieder im Einsatz und Stück für Stück sehen wir, dass die meisten Mitglieder noch unter den Lebenden weilen. Rene (Rick Gonzalez) und Diggle (David Ramsey) helfen Oliver (Stephen Amell) gegen einen Schurken mit explosivem Vorhaben, der eine Rakete in die Stadt jagen möchte. Doch Mr. Terrific (Echo Kellum) Curtis kann seine T-Spheres einsetzen, um sie abzufangen. Diese Figuren sind also alle sicher.
Rene kann sich sogar über eine Beförderung freuen und seinem inneren Schriftsteller für die Polizeiakademie-Abschlussfeier freien Lauf lassen, während wir bald erfahren, dass Deputy Mayor Quentin (Paul Blackthorne) ebenfalls okay ist, aber psychologisch mal wieder nicht ganz auf dem richtigem Dampfer. Das hat mit einer gewissen Laurel (in diesem Fall Black Siren) zu tun...
Und ja, auch die von manchem Zuschauer gehasste Felicity (Emily Bett Rickards) hat die Insel überstanden und es sieht so aus, als könnten Oliver und sie nach dem Kuss auf der Insel es bald wieder miteinander versuchen. Aktuell muss sich der Green Arrow und Bürgermeister von Star City aber um seinen Sohn William kümmern, denn der lebt nun bei ihm. Warum, erfahren wir in den eingestreuten Flashbacks: Samantha (Anna Hopkins) ist gestorben, weil sie direkt in die Gefahr gelaufen ist und hat Thea (Willa Holland), die ihr gefolgt ist, ebenfalls in Gefahr gebracht. Zurück ist übrigens auch Haushälterin Raisa (Kathleen Gati), die Oliver bei der Kindererziehung hilft.
Bad Man

Denn bei ihren letzten Atemzügen hat Williams Mutter Samantha von Oliver das Versprechen eingefordert, dass er als Vater für ihn da sein wird. Allerdings ist das eine große Herausforderung, denn zeitlebens wurde ihm verschwiegen, wer sein Erzeuger ist, und nun plagen ihn wegen der traumatischen Erfahrung rund um die Entführung, die Explosionen und den Tod seiner Mutter Albträume. Darüber, dass der böse Mann - Oliver - sein Leben, wie er es kannte, zerstört hat.
Die Autoren gehen nicht gerade subtil bei der Vorstellung des Themas der sechsten Staffel, Vaterschaft und Väter, vor. So beißen Quentin wieder seine Gewissensbisse bezüglich Laurel, die er auf Lian Yu zum Schutze Dinahs (Juliana Harkavy) angeschossen hatte und danach dachte, dass er sie getötet hat. Nun taucht sie allerdings wieder auf und arbeitet mit Sprengmeister Alex Faust zusammen daran, das Team auf Trab zu halten. Nach der Rakete, die offenbar ein Teil des Plans war, um ins Polizeirevier zu kommen, wird dieses nämlich in die Luft gesprengt und später auch das Arrow-Lair mit Diggle in der Kommandozentrale angegriffen.
Oliver versucht sein Bestes, um beim Teenager durchzudringen, doch der flüchtet lieber in Einsilbigkeit und Videospiele. Oliver würde ihn sogar lieber bei den Großeltern mütterlicherseits einquartieren, weil er in fünf Monaten wohl keinen Durchbruch erlebt hat, während Rene im Einsatz gegen Black-Sirens-Männer schwer verletzt wird. Das führt Oliver vor Augen, dass Renes Tochter Zoe ohne Vater dastünde, wenn ihm etwas Ernstes passieren würde, so dass er per District Attorney dessen Sorgerechtsverfahren neu aufrollen lässt.
Thea stellt sich an anderer Stelle ebenfalls als noch lebendig, wenn auch an Beatmungsgeräten angeschlossen, heraus. Es scheint eigentlich recht logisch, dass ihre Rolle noch weiter limitiert wird, hatte sie doch bereits vorher einen Vertrag mit begrenzten Auftritten. Ob die Autoren noch Storys für sie haben? Es schien zuletzt weniger so oder vielleicht möchte sie auch selbst etwas anderes machen. So wird Oliver jedenfalls nicht zum letzten überlebenden Queen.
Interessant an der Thea-Offenbarung ist aber etwas gänzlich anderes: nämlich das Gespräch mit Slade Wilson (Manu Bennett). Seine Wandlung zum Guten und zum väterlichen Freund ist offenbar vollzogen. Oliver hat ihn mit Informationen zu seinem Sohn Joe versorgt und er gibt ihm nun Ratschläge zum Leben mit einem Alter Ego und als Vater. Aus seiner Sicht lässt sich das auf Dauer nämlich nicht vereinbaren, ohne irgendwann seinen Tribut zu fordern. Ollie hat aber schon immer auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig getanzt, zuletzt eben als maskierter Rächer und Bürgermeister, nun kommt die neue Aufgabe als Vater dazu. Postulieren die Autoren hier so etwas wie seine bisher größte Herausforderung? Wir werden sehen. Aus dem Big-Bad-Bereich gibt es neben Black Siren bislang nur Andeutungen, nämlich die Person, die sie in den Flashbacks aus Lian Yu abholt.
Geheimnisse

Während vorher Oliver der große Geheimniskrämer war, ist diesmal Diggle an der Reihe, vor dem Rest zu verbergen, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Auf der Insel wird er von Explosionstrümmern getroffen, die auch fünf Monate später noch für starke Einschränkungen sorgen. Kann er seine Schusshand nicht mehr benutzen? Lediglich Dinah scheint das aufzufallen. Warum Diggle sich nicht traut, das zu verraten, wird uns wohl noch beschäftigen. Zunächst nimmt er im großen Kampf gegen Black Siren und ihre Gang den Platz an den Monitoren ein, gerät damit aber erneut in die Schusslinie. Immerhin führt das für einen zuletzt seltener gewordenen Moment, in dem Diggle mal seine Qualitäten zeigen kann, auch wenn er seine Fähigkeiten zu schießen eingebüßt hat.
Dinah ist derweil in einen ewigen Konkurrenzkampf mit Black Siren verwickelt, spielt Quentins Sponsor, als er nicht zu einem Termin erscheint, und deckt Quentins Mordanschlag auf Siren, während sie als Lieutenant für die SCPD arbeitet. Es ist also viel Stoff da für die Staffel.
Dabei fällt auf, dass die Last mehr auf die Charaktere verteilt wird und Oliver zwar im Zentrum steht, aber nicht die volle Aufmerksamkeit erhält. Vielleicht ist das nach der Einführung des neuen Teams in Staffel fünf die konsequente Weiterentwicklung, um die Serie noch etwas am Leben zu halten. An dieser Stelle wurde die The CW-Produktion oft dafür kritisiert, dass sich bestimmte Muster oft wiederholt haben und wie so oft lebt am Anfang einer neuen Staffel die Hoffnung neu auf, dass diesmal neue Wege gefunden werden, um die 23 Folgen sehenswert zu machen.
Probleme gibt es weiterhin: Beispielsweise finde ich, dass sich der William-Darsteller in die Tradition der nervigen und schauspielerisch unterdurchschnittlich bis schlechten jungen Schauspieler nahtlos einreiht. Dabei wirken gerade die emotionalen Szenen oder solche, die so herüberkommen sollten - beispielsweise Samanthas Tod -, nicht so packend, weil uns von allen Figuren ihre wahrscheinlich vollkommen egal ist.
Dass man Thea und Diggle für Schicksalsschläge ausgesucht hat, passt da schon eher, wobei Quentins ewiges Leid um seine Töchter und deren Ableben und Wiederauftauchen (erst Sara, dann Laurel, dann wieder Sara und nun noch einmal Laurel) eine unendliche Geschichte ist. Ein großes Geheimnis ist auch, was Black Siren mit der gestohlen T-Sphere-Technik möchte, das dürfte sich aber schon bald klären...
Outing
Am Episodenende von Fallout lässt man uns dann mit dem öffentlichen Outing von Oliver als Green Arrow zurück und der bangen Frage, was man nun macht. Persönlich hatte ich schon früher damit gerechnet, aber die Türen sind auf und es gibt mehrere Möglichkeiten. Entweder man ist ehrlich und versucht, die Situation für sich zu nutzen (was eigentlich gesetzliche Konsequenzen nach sich ziehen würde), setzt auf eine Brandmarkung als Fake News oder Bildmanipulation oder enthebt Oliver seines Amtes als Bürgermeister, damit er sich mehr um William kümmern kann. Wobei letzteres bisher immer eine Position für Lebensmüde war, so hoch wie dieser Verschleiß von Politikern in Star City ist. Vielleicht wird es auch eine Mischung sein.
Ich würde mir wünschen, dass das Geheimnis draußen bleibt und Oliver sich damit abfinden und arrangieren muss. Die Rezeption durch die Öffentlichkeit macht dieses Szenario spannend, wobei es natürlich direkt William als dessen Sohn in Gefahr bringt und zur Zielscheibe macht.
Fazit

Ein interessanter Auftakt in die neue Arrow-Staffel, wobei man nach sechs Staffeln sicherlich einige Erwartungsabstriche machen muss, da gewisse Schwächen der Serie wohl immer vorhanden bleiben werden und eine herausragende Folge eher die Ausnahme denn die Regel ist. Das vorherige Staffelfinale ist die Grundlage für viele interne und externe Konflikte, die unter der Oberfläche brodeln und das Team vor neue Herausforderungen stellen - während Oliver als Vater noch viel lernen muss, dabei aber einige teilweise überraschende Berater in seinem Umfeld hat.
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 13. Oktober 2017Arrow 6x01 Trailer
(Arrow 6x01)
Schauspieler in der Episode Arrow 6x01
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