Arrow 5x23

© zenenfoto aus der „Arrow“-Episode „Lian Yu“ / (c) The CW
In der fünften Staffel der Serie Arrow hatte es Oliver Queen (Stephen Amell) mit einem Gegner zu tun, der ihm oft mehrere Schritte voraus war, ihn lesen konnte wie ein offenes Buch und ihn zu gewissen Dingen getrieben hat. Die Rede ist von Prometheus aka Adrian Chase (Josh Segarra), obwohl das Kostüm nach der Offenbarung fast nicht mehr benutzt wurde. Im Staffelfinale Lian Yu aka der Insel, die auch Fegefeuer respektive Purgatory heißt und auf der Olivers Reise vor 10 Jahren mit dem Selbstmord seines Vater begonnen hat, wird nun der Kreis geschlossen und dafür auch ein gewisses Best-of mit alten Bekannten präsentiert. Positiv sticht hervor, dass diesmal nicht Star City oder die USA im Visier eines größenwahnsinnigen Schurken stehen, sondern die Insel und deren unfreiwillige Besucher, was quasi alle aktuellen Verbündeten Olivers einschließt und den Showdown intimer und persönlicher werden lässt.
You and me, kid. Like old times.
Tatsächlich hat das Argus-Verließ auf Lian Yu auch Wächter, wie die Autoren diesmal (und vielleicht zum ersten Mal überhaupt?) zeigen. Denn einen davon muss Oliver ausknocken, ehe er sich Hilfe bei Slade Wilson (Manu Bennett) aka Deathstroke holt, der beteuert, dass sein Mirakuru - welches ihn durchdrehen ließ - schon vor einer Weile die Wirkung verloren hat. Trotzdem erinnert er sich aber noch an seine Missetaten, wie etwa den kaltblütigen Mord an Moira (Susanna Thompson).
Oliver glaubt nach all seinen jüngsten Erlebnissen aber offenbar an zweite Chancen und versorgt Slade mit Informationen zu seinem Sohn (ob das andeutet, dass wir Jericho bald bei Arrow sehen könnten?) und seinem alten Outfit und vertraut in seinen ehemeligen Freund und Widersacher. Zudem befreit Oliver auch den anderen Gefangenen, der allerdings weitaus weniger auf dem Kerbholz hat, als Wilson. Es handelt sich um Captain Boomerang Digger Harkness (Nick E. Tarabay).
Als jemand, dem die ersten beiden Arrow-Staffel mit Abstand am besten gefallen haben, ist es eine Wonne Wilson zu sehen und dann auch noch als Bad-Ass an der Seite von Ollie, was schon einmal Pluspunkte verdient. Hätte man wegen der Twitter-Querelen rund um Bennett im Vorfeld glauben können, dass es vielleicht beim kurzen Auftritt in der Vorepisode bleibt, wird man hier eines besseren belehrt, auch wenn es manchmal scheint, dass Bennett nur begrenzt Zeit hatte, da doch viele Szenen unter der Maske entstanden sind, die man leicht synchronisieren kann. Glücklicherweise ist sie aber auch einige Male ab.

Auch die Streithähne Nyssa (Katrina Law) und Malcolm Merlyn (John Barrowman) werden im widerwilligen Zusammenspiel gezeigt, wobei Nyssa argumentiert, dass die Auflösung der League of Assassins beide befreit hat, auch wenn es Malcolm eine Hand gekostet hat.
Oliver hat wegen Chases starker Armee rund um Talia (Lexa Doig) und ihrer Gefolgschaft, Black Siren (Katie Cassidy), Evelyn (Madison McLaughlin) kein Interesse an einem fairen Kampf. Das basiert jedoch auf Gegenseitigkeit, denn per Raketenwerfer zerstört Chase das Flugzeug, das sie auf die Insel brachte, um seinen kranken Plan weiterzuverfolgen. Offenbar soll niemand entkommen können.
Trust and Betrayal
Während Oliver Slade vertrauen kann, ist es die richtige Entscheidung Boomerang nicht mit einer Waffe auszustatten, denn bei der ersten Gelegenheit fällt er ihm in den Rücken, weil Chase ihn vorher schon rekrutiert und ein besseres Angebot gemacht hat - und das obwohl Oliver angeboten hat, ihn frei zu lassen, wenn er hilft. Unbewachte Käfige mit Thea (Willa Holland), Felicity (Emily Bett Rickards) und Samantha, Williams Mutter, erweisen sich nämlich als Falle von Talia und Evelyn. Doch durch Slades Täuschungsmanöver (es soll nicht das einzige bleiben), gelingt es zumindest Evelyn einzusperren, während Talia mit einer Rauchbombenablenkung davonkommt.
Ein kurzer Exkurs zu Rauchbomben sei mir an dieser Stelle gestattet. What the hell? In einem Stadtsetting oder einem engen Raum kann ich glauben, dass man damit seine Flucht erleichtern kann, aber auf einem offenen Inselareal ohne Wände oder Gebäube zum Anseilen wirkt es dann doch etwas komisch auf mich. Zumal einige Figuren in der Nähe waren. Ich schiebe es einfach darauf, dass man einen dramatischen Moment wollte und die Folge natürlich noch lange nicht vorbei war. Unfreiwillig witzig wirkte es dennoch.
Die befreiten Frauen sollen im Anschluss vom erfahrenen Piloten Malcolm Merlyn in Sicherheit gebracht werden, wofür das Flugzeug von Chase genutzt werden soll. Thea ergreift die Gelegenheit um zu fragen, warum Oliver mit seinen alten Big Bads Merlyn und Wilson gemeinsame Sache macht, doch das Argument, dass der sich ohne weiteren mentalen und emotionalen Ballast auf Chase und das Finden von William konzentrieren will, zeigt dann doch Wirkung.

Felicity küsst Oliver vor dem vermeintlichen Abschied dann in Anwesenheit von Samantha noch. Das führt später zu einem Dialog, in dem Samantha meint, dass sie ihren Sohn nicht zurücklassen möchte, während Malcolm Thea erneut seine Vaterliebe predigt. Alles nimmt eine dramatische Wendung als Thea auf eine Landmiene tritt und Malcolm sie zwingt ihren Platz einzunehmen, damit der Rest zum Flieger entkommen kann. Wenig später erscheint Boomerang bei Malcolm und soll so aus dem Verkehr gezogen werden. Wir sehen zwar eine Explosion, aber keine Leichen, können also nicht annehmen, dass das schon das Ende der Fahnenstange für die Beteiligten war (etwas, was sich später noch einmal wiederholt) - besonders da Malcolm schon anderes überlebt hat.
Forgive yourself for your fathers sins
Oliver ist derweil mit Slade und Nyssa unterwegs um Chase und William zu finden. Dabei fällt auf, dass Nyssa die zielgerichtete Person ist, die den Plot immer wieder vorantreiben will und das Ziel vor Augen hat, während Slade und Ollie ein wenig in alten Zeiten schwelgen. Wilson hatte viel Zeit in seiner Zelle zu büßen, nachzudenken und scheint mit seiner Vergangenheit abgeschlossen zu haben, was er auch Oliver rät. Er kann sich nicht auf ewig vom Tod seines Vaters belasten lassen und soll sich selbst vergeben und sein Überlebensschuld-Syndrom hinter sich lassen.
Diggle (David Ramsey) und Quentin (Paul Blackthorne) sind derweil in Sirens Gefangenschaft, wo sie bald wieder auf die zuletzt verschwundenen Rene (Rick Gonzalez) und Dinah (Juliana Harkavy) treffen. Letztere kann ihren Schrei wegen eines Schallblockers jedoch nicht einsetzen.
Während es kurz so aussieht, als würde Slade Oliver verraten, ist es doch nur Teil des Plans um Dinah mit einer Gerätschaft von Curtis (Echo Kellum) auszustatten, um den Schrei zu reaktiveren und die Gefährten zu befreien. Andernorts fühlt sich Thea nun schlecht, weil sich ihr Vater offenbar für sie geopfert hat, was einen Bondingmoment mit Felicity schafft, die auch einen kriminellen Vater hatte, der sich aus Liebe zu ihr geopfert hat. Curtis macht leider wieder zum unpassendsten Momente veraltete Fantasy-Island-Witze, während klar wird, dass die ganze Insel mit Bomben versehen ist, deren Zünder natürlich Chase hat.
Final Flashback: Flucht von der Insel
Im Flashback kann Oliver aus der Zelle fliehen, wird von Kovars (Dolph Lundgren) Männern aufgelesen, kann seine Uhr finden, die ihm sagt, wann sein Boot kommt, holt mit einem Maschinengewehr noch eben einen Heli vom Himmel und macht dann kurzen Prozess mit Kovar, ehe er sich in seine Verkleidung wirft und von Fischern mitnehmen lässt. Sorry für den Telegrammstil, aber alles schon mal gesehen.
So weit so unspektakulär, aber einen schönen Moment gibt es noch. Den Anruf an seine Mutter Moira, die nach fünf Jahren im Glauben lebt, dass ihr Sohn tot ist und nun wieder seine Stimme hören kann. Damit sind die Flashbacks in dieser Form auch endlich vorbei und eigentlich kann ich auch dazu kaum etwas schreiben, was ich nicht vorher schon geschrieben habe. Darum nur ganz kurz: Seit Staffel drei haben sie ihre Daseinsberechtigung eigentlich verloren und man hätte sie in wenigen Episoden gebündelt erzählen können, statt sich sklavisch daran zu halten, sie einzubauen, auch wenn es nicht den geringsten Sinn ergibt . Ich denke hier in dieser Staffel an die „Bravta on Ice“ - Coming to a Stadium near you!
Als Dolph Lundgren als Flashback-Schurke verkündet wurde, hatte ich mich auf ihn gefreut, wurde aber schnell ernüchtert, denn mehr als ein muskulöser 08/15-Schurke war er dann doch zu keiner Zeit.
Der Fakt, dass Oliver sich ein Kostüm anzieht, sich etwas schmutzig macht und eine Perücke aufsetzt, ist ebenfalls nicht die stärkste Idee, sondern wirkt vielmehr wie eine Notlösung, weil man irgendwann eingesehen hat, dass seine Haare in so kurzer Zeit nicht mehr entsprechend wachsen. Allerdings frage ich mich dann: Gab es keine bessere Variante trotz fünfjähriger Planungszeit? Ich kann die Flashbacks einfach nicht mehr ernst nehmen.
Schwesternduell
Seit Talias Debüt fragten sich die Arrow-Zuschauer, ob es deswegen irgendwann unweigerlich zum Schwesternduell kommen wird. Im Staffelfinale passiert es dann. Ironischerweise hat Ra's al Ghul (Matt Nable) beide Töchter in gewisser Weise für unwürdig gehalten, was Talia dazu zwang ihren eigenen Weg zu gehen, während Nyssa meint, dass er sich für sie geschämt hat. Doch während der stolze Ex-Anführer der League of Assassins tot ist, haben es beide seiner Nachkommen zu etwas gebracht.
Das Duell der beiden ist dann vielleicht etwas kürzer als mir lieb ist, aber die gute Nyssa hat die Oberhand und erhält, als Talias Unterstützter einschreiten, dann Hilfe von Deathstroke. Ein Team, was ich durchaus gerne öfter sehen würde.
Ten steps behind

Aus dem Schwesternduell wird dann der offene Schlagabtausch zwischen Team Oliver gegen Team Adrian und in üblicher Arrow-Manier kämpfen dann alle gegen alle. Ein Schlüsselmoment ist dann im Kampf Siren gegen Canary, dass Quentin Dinah aushilft und die böse Laurel ausknockt, während er ihr auch nun den Namen Black Canary überträgt.
Im Main Event ist Oliver Chase körperlich zwar überlegen, aber sein Gegner will ihm partout nicht verraten, wo sein Sohn William ist, auch wenn Oliver Chase im potentiell tödlichen Würgegriff hat. In der Anwesenheit seiner Freunde realisiert Oliver aber, dass er seinem Gegner nicht da geben kann, was er will: Den Tod nämlich. Denn sein perfider Plan ist an sein Ableben gekoppelt, die platzierten Bomben gehen hoch, wenn er stirbt und damit würden alle auf der Insel sterben.
Felicity und Curtis versuchen sich zwar etwas auszudenken, aber es sind einfach zu viele Bomben. Chase entkommt ebenfalls per Rauchbombe (siehe oben) und flüchtet auf ein Boot. Oliver nimmt die Verfolgung auf und sieht, dass William sich dort befindet. Die einzige Hoffnung für Olivers Verbündete ist ein Argus-Boot, das sich jedoch fernab von ihrem Aufenthaltsort befindet.

Oliver versucht derweil Chase zu beschwichtigen William zu verschonen. Während er seinen Bogen senkt, schießt er Chase ins Bein und kann William in die Arme schließen. Im Auge des Psychopathen hat Oliver seine Wahl also getroffen: Sohn vor Verbündete und so spiegelt sich die Situation aus dem Piloten in bizarr verdrehter Weise wieder, als Chase sich selbst richtet und somit alle Bomben auf der Insel aktiviert. Der Cliffhanger soll uns im Glauben lassen, dass Oliver mit seinem Nachkommen allein ist und seine Freunde tot sind.
Fazit
Prinzipiell ermöglicht das explosive Ende von Lian Yu den Arrow-Autoren für das zweite große Kapitel der Serie einen Neustart - die Insel hat ausgedient und müsste nie wieder Teil der Serie sein, die Flashbacks sind vom Tisch, einige Altlasten wie Malcolm sind erledigt und ein positiverer und optimistischer Oliver, der den Ballast von früher abstreift, kann loslegen.
Nach dem Best-of im Staffelfinale kann man einige Figuren in die Rente schicken, Schauspieler, die vielleicht keine Lust mehr haben aussteigen lassen (Thea?). Da wir nur Explosionen und keine Leichen gesehen haben, kann es aber auch passieren, dass wie durch ein Wunder alle überleben.
Vielleicht ist auch nur Samantha gestorben und Oliver muss nun seinen Sohn selbst groß ziehen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und man wünscht sich fast, dass vielleicht auch einmal andere Showrunner eine Chance erhalten der Serie ihren Stempel aufzudrücken. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Das Wiedersehen mit den Figuren, allen voran Slade Wilson, hat mir gefallen, genauso wie das Spiel mit seiner Loyalität, auch wenn ich nicht an einen Verrat geglaubt habe, weil das schon durch Boomerang abgehakt wurde. Die Folge besteht aus sehr viel Action, was für ein Finale vollkommen okay ist.
Ohne die sinnlosen Flashbacks hätte sich die Folge vielleicht auch noch ein halbes Sternchen mehr verdient.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 25. Mai 2017Arrow 5x23 Trailer
(Arrow 5x23)
Schauspieler in der Episode Arrow 5x23
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?