American Crime Story 2x06

© orman (Michael Nouri, r.) ist einer der Wenigen, die Andrew Cunanan (Darren Criss) entkommen konnten. (c) FX
Meine Kritik an der zweiten Staffel von American Crime Story habe ich schon in den vergangenen Reviews wiederholt, weshalb sie hier nicht noch einmal zur Sprache kommen soll. Andrew Cunanan (Darren Criss) ist die eindeutige Hauptfigur und wird das vermutlich auch bis zum Ende der Staffel bleiben. Damit müssen wir also vorliebnehmen. Aber selbst das voraussetzend, ist Descent keine besonders gelungene Episode. Neben der Repetition von bereits Bekanntem taucht sie am Ende auch in Trashgefilde ab.
Too lazy to work and too proud to be kept
Ein Jahr vor seiner Mordserie feiert Andrew Geburtstag - natürlich nicht so, wie andere Leute feiern, sondern extravagant, pompös und protzig. Er lebt mit dem schwerreichen Geschäftsmann Norman (Michael Nouri) in dessen riesiger Villa im kalifornischen La Jolla zusammen. Zur Party sind all jene eingeladen, die wir aus vorherigen Episoden kennen. David (Cody Fern) ist extra aus Minneapolis angereist und Jeff (Finn Wittrock) aus San Diego. Andrews „beste Freundin“ Lizzie (Annaleigh Ashford) ist da, sogar Lee Miglin (Mike Farrell) ist der Einladung gefolgt.
Ehrengast ist allerdings David, den Andrew als die Liebe seines Lebens bezeichnet. Seine Versuche, ihm einen schönen Tag zu bereiten, fördern beim Zuschauen jedoch ein neues Level an Fremdscham zutage. Andrew schreibt Jeff beispielsweise vor, was er anzuziehen und ihm zu schenken hat. Als sich Jeff und David sofort gut verstehen, interveniert Andrew auf offensichtlichste Art und Weise. Dabei entsteht auch ein besonders unheimliches Foto: Andrew steht darauf inmitten seiner späteren Opfer - außer Norman wird ein Jahr später keiner von ihnen mehr am Leben sein.
Auf der Party findet nicht nur Jeff zum ersten Mal heraus, von welch düsterer Geltungssucht Andrew angetrieben wird, auch ein enger Freund von Norman weiß längst über ihn Bescheid und spricht deutliche Warnungen aus. Bald darauf muss Norman aber nicht mehr über das wahre Wesen seines viel jüngeren Liebhabers aufgeklärt werden. Als fähiger Geschäftsmann hat er Nachforschungen angestellt und herausgefunden, dass Andrews Vorgeschichte komplett erlogen ist. Dies koinzidiert mit Andrews Vortrag einer abstrusen Forderungsliste, von denen Norman gar eine, die günstigste, zu erfüllen bereit ist.
Aber Andrew wäre nicht er selbst, würde er nicht auf die Maximalforderung bestehen. Also trennen sich - zum großen Glück für Norman - die Wege der beiden, auch wenn sie sich kurze Zeit später noch einmal kreuzen werden, mit einer Extraportion Fremdscham. Andrews Abstieg, sein descent, der natürlich schon viel früher begonnen hat, ist nun in vollem Gange. Er wohnt wieder in seinem winzigen Apartment, ist aber trotz seines eigentlich doch so leicht zu durchschauenden Spiels immer noch nicht freundlos - und das selbst dann nicht, als herauskommt, dass er Jeffs Eltern eine Postkarte geschickt hat, um ihn zu outen.
Tired of being unhappy
Als Jeff ihn damit konfrontiert, erfährt Andrew, dass er plant, nach Minneapolis zu ziehen, ausgerechnet in die Stadt, in der seine große Liebe David wohnt. Natürlich brodelt er daraufhin vor Eifersucht, was in die nächste hochnotpeinliche Situation mündet. Um seine Scharade gegenüber David aufrechtzuerhalten, lädt er ihn zu einem pompösen Wochenende nach Los Angeles ein, inklusive Flug in der ersten Klasse, Übernachtung im Luxushotel, mondäner Shoppingtour und Hummerdinner mit Champagnerbegleitung. Für David ist das alles viel zu viel, er will jetzt die Wahrheit wissen.
Aber dazu ist Andrew nicht imstande, und das merkt David schnell. Als David endgültig signalisiert, nicht „the one“ zu sein, nach dem Andrew so verzweifelt sucht, nimmt sein Abstieg noch drastischere Form an. Nun reicht es nicht mehr, sich mit Alkohol die Sorgen wegzuspülen, nun muss eine härtere Gangart eingelegt werden. Im Heroinrausch halluziniert er sein späteres Mordopfer Gianni Versace (Edgar Ramirez), was uns die einzige Begegnung mit der Titelfigur in dieser Episode beschert. Vom Traum-Versace bekommt Andrew eingeflüstert, nicht geliebt zu sein.
Vielleicht ist es das, was ihn zurück in die Arme seiner Mutter treibt. Von Norman ein letztes Mal abgewiesen, flüchtet er zu seiner Erzeugerin. Dort wird er nicht nur gebadet und gefüttert, sondern uns auch ein erster Eindruck davon vermittelt, wie er geworden sein könnte und wer er ist. Die Mama will nämlich gar nichts davon wissen, wie schlecht es ihm wirklich geht, sondern palavert nur endlos davon, wie stolz sie auf all das ist, was er angeblich erreicht hat. Hier droht das Format, in küchenpsychologisches Trashterritorium abzutauchen. Ob uns weitere solcher Szenen fortan erspart bleiben, bleibt abzuwarten. Descent ist jedenfalls auch in qualitativer Hinsicht ein Staffeltiefpunkt.
Trailer zu Episode 2x07: „Ascent“
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 1. März 2018American Crime Story 2x06 Trailer
(American Crime Story 2x06)
Schauspieler in der Episode American Crime Story 2x06
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