American Crime Story 2x05

© eff Trail (Finn Wittrock, l.) macht die verhĂ€ngnisvolle Bekanntschaft von Andrew Cunanan (Darren Criss). (c) FX
Jede Episode der zweiten Staffel von American Crime Story, in der Andrew Cunanan (Darren Criss) nicht die alleinige Hauptrolle spielt, ist eine Wohltat. In âDon't Ask, Don't Tellâ rĂŒckt ein Mordopfer aus der letzten Episode, Jeff Trail (Finn Wittrock), in den Mittelpunkt, inklusive seiner dĂŒsteren Vorgeschichte. AuĂerdem tritt mit Gianni Versace (Edgar Ramirez) endlich wieder die titelgebende Hauptfigur der Staffel auf. Das bringt jedoch auch einige Probleme mit sich.
Surrounded by beauty and kindness
Zum einen fĂ€llt es als Zuschauer schwer, innerhalb nur einer Episode groĂe Emotionen fĂŒr eine Figur zu entwickeln, die man erst vor kurzem kennengelernt hat. Zum anderen versucht Autor Tom Rob Smith auf Biegen und Brechen, Parallelen zwischen Versace und Trail herzustellen. Dabei lĂ€sst sich seine Motivation leicht durchschauen. Weil diese aber von edler Gesinnung ist, nĂ€mlich aufzuzeigen, welch zerstörerische Kraft die Homophobie haben kann, sei ihm dies verziehen. Manchmal muss man eben ein wenig SubtilitĂ€t aufgeben, um eine Botschaft zu verdeutlichen.
Die Handlung der Episode spielt in den Jahren 1995 und 1997. In Mailand eröffnet Gianni seiner entgeisterten Schwester Donatella (Penelope Cruz), sich in einem Interview öffentlich zu seiner HomosexualitĂ€t bekennen zu wollen. Sie befĂŒrchtet einen immensen Imageschaden fĂŒr das gemeinsame Unternehmen, dringt mit ihren Vorbehalten aber nicht durch, weil Gianni nach unverhofft ĂŒberstandener Krankheit neuen Lebensmut gefunden hat und keine Angst mehr haben will. Beim Interview holt er dann sogar seinen langjĂ€hrigen Partner Antonio (Ricky Martin) mit dazu.
Das war es dann aber auch schon wieder mit dem Versace-Handlungsbogen. Der Rest der Folge widmet sich dem inneren und Ă€uĂeren Kampf von Jeff Trail mit der eigenen HomosexualitĂ€t sowie den damit einhergehenden, massiven beruflichen und gesellschaftlichen Nachteilen. Im Jahr 1997, einige Tage vor seinem gewaltsamen Tod durch Cunanan, ist Jeff, der Vollblutsoldat, bereits nicht mehr Angehöriger der Marine. Er arbeitet jetzt in einem Industriebetrieb, in dem es seine Aufgabe ist, schweres GerĂ€t auf Regale zu hieven. Mit der glanzvollen MilitĂ€rkarriere, die ihm eigentlich in die Wiege gelegt worden war, hat das alles lĂ€ngst nichts mehr zu tun.

Entsprechend dĂŒnnhĂ€utig reagiert er auf die neugierigen Nachfragen seines Kollegen Samson (Al Coronel), mit dem er die Soldatenvergangenheit teilt. Der will wissen, warum Jeff trotz Offizierskarriere nicht mehr Marineangehöriger ist. Es sei seine eigene Entscheidung gewesen, zischt Jeff daraufhin voller Frust und Selbstverachtung. Seine gesamte Familie, Vater, Schwester und Bruder, dienten ihrem Heimatland als Matrosen, er selbst besuchte die prestigetrĂ€chtige Akademie in Annapolis. GenĂŒtzt hat das alles nichts. Als seine sexuelle Orientierung bekannt wurde, wurde er augenblicklich ausgebremst.
In the shadows
Die Verzweiflung darĂŒber treibt ihn beinahe in den Selbstmord, im letzten Moment entscheidet er sich aber fĂŒr das Leben. Wenige Szenen spĂ€ter macht er jedoch die verhĂ€ngnisvolle Bekanntschaft mit Andrew Cunanan. Der erkennt sofort, dass Jeff zum ersten Mal eine Schwulenbar betreten hat, und wickelt ihn sogleich um den Finger. Ein paar Monate spĂ€ter, wenige Tage vor seinem Mord, wird Jeff den notorischen LĂŒgner lĂ€ngst durchschaut haben und seinen Freund David Madson (Cody Fern) vor ihm warnen. Helfen wird es den beiden nicht.
Es sind wohl zwei Ereignisse, die das endgĂŒltige Aus fĂŒr Jeffs militĂ€rische Ambitionen bedeuten. Er verhindert als diensthabender Leutnant in seiner Kaserne, dass ein schwuler Kamerad im „Full Metal Jacket“-Stil umgebracht wird. Weil er hernach den verzweifelten Kameraden tröstet und dabei beobachtet wird, fliegt seine geheime IdentitĂ€t auf. SpĂ€ter wird er sich anonymisiert im Fernsehen zur fragwĂŒrdigen âDon't Ask, Don't Tellâ-Politik der Armee Ă€uĂern und dabei wohl erkannt werden, wenngleich das nicht aufgeklĂ€rt wird.
Der ĂŒbrige Teil der Episode widmet sich den schmerzhaft peinlichen Details von Andrews Versuch, David fĂŒr sich zu gewinnen. Mir wĂ€re es ab jetzt allerdings recht, wenn ihm in den ausstehenden Episoden genauso viel oder am besten noch weniger Zeit gewidmet wĂŒrde. Ich habe wahrlich kein Interesse daran, fĂŒr diesen Psychopathen so etwas wie Mitleid zu empfinden. Hoffentlich bleibt die Serie so ausgewogen wie in den letzten beiden Episoden, die sich auch dank der hervorragenden Darbietungen der Gastdarsteller auszeichnen. Eine erhöhte Dosis Cunanan wĂ€re zu diesem Zeitpunkt unertrĂ€glich.
Trailer zu Episode 2x06 der US-Serie âAmerican Crime Storyâ, âDescentâ
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 15. Februar 2018American Crime Story 2x05 Trailer
(American Crime Story 2x05)
Schauspieler in der Episode American Crime Story 2x05
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