American Crime Story 2x04

© nbarmherzig wie eh und je lässt Cunanan sein Opfer um sein Leben betteln. (c) FX
Die American Crime Story-Episode House by the Lake spielt eine Woche vor der letzten, in der Andrew Cunanan (Darren Criss) den Chicagoer Bauunternehmer Lee Miglin (Mike Farrell) ermordet hatte. Nun widmet sich die Serie seinen ersten beiden Opfern aus Minneapolis, David Madson (Cody Fern) und Jeff Trail (Finn Wittrock). Autor Tom Rob Smith und Regisseur Daniel Minahan entscheiden sich dabei für eine leicht surreale Herangehensweise, wodurch der furchtbare Gemütszustand widergespiegelt wird, in dem sich Madson in seinen letzten Stunden befunden haben muss.
Are you gonna kill me?
David ist ein junger, ambitionierter und bereits sehr erfolgreicher Architekt, den Andrew als die Liebe seines Lebens bezeichnet hat. Auf ähnliche Gefühle seitens David kann der Mörder in spe allerdings nicht hoffen. Den mit der Liebesbekundung verbundenen Heiratsantrag hat David abgelehnt. Andrew vermutet, dass sich dahinter dessen Affäre mit Jeff verbirgt. Also muss Jeff sterben, so einfach ist das im abgefuckten Hirn des designierten Serienmörders. Nach vollbrachter Tat wird er gegenüber David behaupten, dass es eine Affekthandlung war. Aber das ist gelogen und das erkennt David auch bald.
Cunanan hat die Tat eiskalt geplant, er wollte, dass David bei der grausigen, blutrünstigen Ermordung mit einem haushaltsüblichen Hammer zusieht. Auch wenn er es selbst nie zugeben würde, so sind es doch diese Momente, die Andrew das größte sadistische Vergnügen bereiten. Es reicht ihm nicht, seine Opfer zu töten, er muss sie auch noch demütigen - oder sich eine perverse Befriedigung dadurch holen, dass andere ihm vollends ergeben sind, und sei es nur aus Angst um ihr eigenes Leben. Besonders perfide sind überdies Cunanans Einschüchterungsmethoden.
Unterbewusst weiß er wahrscheinlich längst, dass er David wird umbringen müssen. Es wird ihm nicht gelingen, ihn ständig zu überwachen, und auch wenn er es sich sehnlichst wünscht, dass sich David vielleicht doch noch auf seine Seite schlägt, so muss ihm doch auch klar sein, dass dies niemals der Fall sein wird. Eventuell ist er in seinem Wahnsinn schon so weit fortgeschritten, dass er tatsächlich an eine erfolgreiche gemeinsame Flucht nach Mexiko glaubt. Viel eher kommen mir seine aberwitzigen Ausführungen aber so vor, als würde er sie zu Zwecken der Einschüchterung einsetzen.

Ich hadere weiterhin und in steigendem Maße damit, besonderes Interesse für Cunanan aufzubringen. Wie ich bereits in dem Review zur ersten Episode der zweiten Staffel geschrieben habe, geben Psychopathen nur sehr begrenzt interessantes Material für fiktionalisierte Stoffe her. Umso besser also, dass hier zumindest versucht wird, die Vorgeschichte eines Opfers zu erzählen. Meinetwegen hätte dies einen noch viel größeren Teil der Episode ausmachen können. Je weniger Cunanan, desto besser - vor allem dann, wenn der Versace-Klan gar nicht auftaucht.
Why couldn't you run away with me?
Die Rückblenden in Kindheit und Erwachsenwerden von David Madson fördern ein zunächst sehr gutes, dann komplizierteres Verhältnis zum Vater zutage. Als Kind wurde er von ihm mit zu Jagdausflügen genommen, offenbarte aber bald Angst und Ekel davor, Tiere zu töten. Für den Vater war das gar kein Problem, er bot seinem Sohn an, stattdessen Wander- oder Campingausflüge zu machen. Als wir David später erneut in einem Flashback sehen, hat er bereits die Uni als Jahrgangsbester abgeschlossen, was er zum Coming-out gegenüber seinem Vater nutzt: „Good news, bad news.“
Sein Erzeuger reagiert nicht wie erwünscht, aber auch längst nicht schlecht. Er habe ein Problem damit (wohl aus Glaubensgründen?), liebe David aber weiterhin mehr als das eigene Leben. Wie das Verhältnis zum Zeitpunkt seines erzwungenen Horror-Roadtrips mit Cunanan war, erfahren wir nicht. Allerdings halluziniert David im Augenblick seines Todes von seinem Vater, was zumindest ein Hinweis darauf ist, dass es sich bei ihm um die wichtigste Person in seinem Leben gehandelt haben könnte. So ergreifend diese Szene auch ist, so abstoßend ist der eigentliche Mord, den Cunanan abermals begeht, ohne mit der Wimper zu zucken.
Tiefer als er kann man kaum sinken. Er hat nicht bekommen, was er wollte, und deshalb ermordete er mehrere Menschen. Absolutes Unverständnis herrscht aber nicht nur gegenüber diesem Monster, sondern auch hinsichtlich der Polizei, die ganz offensichtlich überall versagt hat, wo Cunanan wütete. Dieses Mal dauert es mehrere Tage, bis sie die Leiche richtig identifiziert hat und Mordermittler Tichich (Michael Shamus Wiles) verzögert die Ermittlungen mit kaum nachvollziehbarer Beamtenhaftigkeit. So kann Cunanan nahezu ungestört weiter morden, in Chicago, North Carolina und schließlich Miami. Und wir sind dabei. Irgendwie komisch.
Trailer zu Episode 2x05: „Don't Ask Don't Tell“
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 8. Februar 2018American Crime Story 2x04 Trailer
(American Crime Story 2x04)
Schauspieler in der Episode American Crime Story 2x04
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