American Crime Story 2x03

© as nach außen perfekte Bild von Ehepaar Miglin bekommt bei näherem Betrachten Risse. (c) FX
Dass eine Episode der zweiten Staffel von American Crime Story, die den Untertitel „The Assassination of Gianni Versace“ trägt, ganz ohne die Titelfigur auskommen würde, kann nur diejenigen überraschen, die die ersten beiden nicht gesehen haben. In diesen wurde nämlich schnell klar, dass es hauptsächlich um Andrew Cunanan (Darren Criss), den Versace-Mörder, gehen würde. A Random Killing widmet sich hierbei nun seinem dritten und vierten Opfer.
Not like most anybody
Nur einer der beiden Morde geschieht jedoch zufällig. Derjenige, über den später die betroffene Familie behaupten wird (und das übrigens bis heute tut), er sei aus heiterem Himmel passiert, war - zumindest teilweise - geplant. Cunanan wird bereits für zwei Morde gesucht, die er beide in Minnesota begangen hat. Er dürfte wissen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis ihn die Polizei und das FBI ergreifen. Also kann er seinen perversesten Fantasien nun freien Lauf lassen. Für den Chicagoer Immobilienmagnaten Lee Miglin (Mike Farrell) bedeutet das nichts Gutes.
Glücklicherweise widmet sich die Episode größtenteils den innerfamiliären Turbulenzen der Miglins. Nach außen führt das leicht in die Jahre gekommene Unternehmerpaar das perfekte Leben, die ultimative Vollendung des „American Dream“. Miglin träumt davon, als Krönung seines Lebenswerks das höchste Gebäude der Welt zu errichten, wobei er laut eigener Aussage nicht nach großem Ruhm strebt, sondern danach, Kinder zum Träumen zu inspirieren. Seine Ehefrau betreibt ein erfolgreiches Homeshopping-Parfümbusiness, der gemeinsame Sohn träumt von einer Karriere in Hollywood.
Gespielt wird Marilyn von der phänomenalen Judith Light (Transparent), die der Figur eine gebrochene Komplexität verleiht, wie sie heutzutage in den anspruchsvollsten TV-Serien nicht mehr fehlen darf. Nach dem Mord verwandelt sich Marilyn in eine Eiskönigin. Schon kurz darauf, als sich Polizeichef Rodriguez (Alex Fernandez) persönlich um sie und den Fall kümmert, kann sie aufzählen, was Cunanan alles hat mitgehen lassen. Sie will möglichst schnell die These etablieren, dass es sich um eine Zufallstat gehandelt hat. Lee sei von einem herkömmlichen Einbrecher überfallen und getötet worden.

Die Polizei und und bald auch die Öffentlichkeit wissen natürlich, dass dies nicht der Fall gewesen sein kann. Dafür ist die Botschaft viel zu eindeutig, die Cunanan mit der Leiche hinterlassen hat. Er will an Miglin nicht nur seine Mordlust ausleben, sondern ihn auch bloßstellen - diesen Mann, der es trotz seiner Homosexualität geschafft hat, ein beachtliches Leben aufzubauen, mit vermeintlich glücklicher Familie, hohem Ansehen in der Gesellschaft und großem Reichtum. Cunanan, der das alles auch möchte, aber nicht weiß, wie er es bekommen soll, kann das nicht ungestraft hinnehmen.
A fairytale life
Natürlich hatte das Miglin'sche Familienleben auch Risse, und zwar tiefere, als sich das Cunanan vielleicht vorgestellt hat. Marilyn wusste ganz offensichtlich schon lange über die wahre sexuelle Orientierung ihres Ehemanns Bescheid. Das wird in der Episode zwar nicht offen ausgesprochen, aber zumindest stark angedeutet. Einmal spricht Marilyn gegenüber Lee von seinen blue moods, die ihn schon früher überkommen seien. Trotz großer Verbundenheit und mancher zärtlicher Geste scheint etwas zwischen ihnen zu stehen. Dies tritt am deutlichsten in dem Moment zutage, als eine Nachbarin Lees Leiche findet und schreit. Marilyn raunt daraufhin nur: „I knew it.“
Vor allem im Vergleich zu Light bleibt Criss in dieser Episode blass, was jedoch nicht an seiner schauspielerischen Darbietung liegt, sondern an der Tatsache, dass er eine solch einseitige Figur zu spielen hat. Den Mord an Lee zeigt Regisseurin Gwyneth Horder-Payton in allen grausigen Details, wobei die Konzentration auf Cunanans Bemühungen liegt, sein Opfer zu demütigen. Hernach bricht er im gestohlenen Lexus nach New York auf, um sich in der Versace-Boutique in eine andere, glamourösere Welt zu träumen. Wären Polizei und FBI damals mit besserer Technik ausgestattet gewesen, hätten sie ihn wohl viel früher schnappen können.
Das hätte Gianni Versace und William Reese (Gregg Lawrence) das Leben gerettet. Letztgenannter ist das wirkliche Zufallsopfer dieser Episode. Er muss sterben, weil Cunanan seinen Jeep als nächstes Fluchtfahrzeug nutzen will. Den Lexus gibt er überhaupt nur auf, weil er im Radio hört, dass er via Autotelefon verfolgt wird. Wäre es der Polizei gelungen, hier gegenüber den Medien dichtzuhalten, wäre wohl kurz darauf Schluss für ihn gewesen. So wird er jedoch bald nach Miami aufbrechen, um dort die tituläre Tat zu begehen.
Wir Zuschauer werden indes tiefer in Cunanans Vergangenheit eintauchen. Zwei Morde stehen noch aus. Sollten diese so behandelt werden wie in A Random Killing, steht nicht zu befürchten, dass es langweilig wird.
Trailer zu Episode 2x04: „House by the Lake“
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 1. Februar 2018American Crime Story 2x03 Trailer
(American Crime Story 2x03)
Schauspieler in der Episode American Crime Story 2x03
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