American Crime Story 1x08

American Crime Story 1x08

Die American Crime Story-Episode A Jury in Jail erzählt vom Kuhhandel zwischen Verteidigung und Anklage um die Auswahl der Juroren. Bevor am Ende eine Bombe platzt, muss sich die Jury mit allerlei Unnanehmlichkeiten zurechtfinden - und das über mehrere Monate.

Bob Kardashian (David Schwimmer, r.) und OJ (Cuba Gooding Jr.) entfernen sich allmählich voneinander. / (c) FX
Bob Kardashian (David Schwimmer, r.) und OJ (Cuba Gooding Jr.) entfernen sich allmählich voneinander. / (c) FX

Bisher wählten Ryan Murphy und Konsorten eine mitunter auffällige, größtenteils aber unaufgeregte Herangehensweise, um ihre American Crime Story über The People v OJ Simpson nachzuerzählen. Drehbuchautor Joe Robert Cole und Regisseur Anthony Hemingway begeben sich in der Episode A Jury in Jail auf einen anderen Pfad, was daran liegen könnte, dass das Verfahren zu diesem Zeitpunkt noch mehr als zuvor schon den Anschein einer Zirkusnummer hatte. Die Anklage war kurz vorher über das Handschuh-Fiasko gestolpert und die Aussage von DNA-Experte Fung (Jun Hee Lee) sollte ein weiteres Desaster bereithalten.

This is a smoker's lounge. Day care's on the first floor

Entsprechend unterschiedlich ist die Stimmung in den beiden Lagern. Während sich die Verteidigung vergnügt zuprostet, kriegt sich Oberstaatsanwalt Garcetti (Bruce Greenwood) gar nicht mehr ein vor lauter Ärger. Darden (Sterling K. Brown), der Verantwortliche für das Handschuh-Debakel, versucht, den Tobsuchtsanfall seines Vorgesetzten mit Schweigen auszusitzen, während Marcia (Sarah Paulson) auf die bevorstehende DNA-Analyse verweist. Garcetti lässt sich dadurch aber nicht beruhigen: „Nobody understands goddamn DNA.

Dass er damit Recht behalten wird, stellt sich erst später heraus - und dann auch nur teilweise. Zunächst rückt nämlich die Jury in den Fokus der Episode. Zu Beginn des Verfahrens - es ist auf zwei Monate angesetzt - befinden sich die Juroren in Hochstimmung. Sie sind Teil des größten Medienspektakels der damaligen Zeit und werden in einem luxuriös anmutenden Hotel untergebracht. Schon am ersten Tag ihres Dienstes beschleicht sie jedoch das Gefühl, dass dieses Verfahren auch für sie eine Zeit der Entbehrung bedeuten könnte.

Im Hotelzimmer gibt es keinen Fernseher, Zeitungen dürfen nur gelesen werden, wenn vorher sämtliche verfahrensrelevante Artikel ausgeschnitten wurden, und die Unterbringung gleicht eher einem Gefängnis denn einer Gaststätte. Die Juroren dürfen mit niemandem sprechen, auch nicht untereinander. Sie werden ständig überwacht, und wenn sie einmal miteinander Zeit verbringen können, streiten sie sich ums richtige Fernsehprogramm: „Seinfeld“ oder „Martin“? An dieser Dichotomie wird denn auch offensichtlich, welch großen Einfluss die Hautfarbe der Juroren auf das Verfahren hatte.

Die Jury tritt in einen stillen Streik. © FX
Die Jury tritt in einen stillen Streik. © FX

Genau darüber bekriegen sich folglich Anklage und Verteidigung. Als herauskommt, dass einer der Juroren seine kriminelle Vergangenheit verschwiegen hat und deswegen entlassen werden muss, beginnt ein regelrechter Kuhhandel um die Jurybesetzung. Woher genau die Tipps zu vergangenem oder gegenwärtigem Fehlverhalten einzelner Juroren kamen, lässt die Episode im Dunkeln, was wohl der einfachen Tatsache geschuldet ist, dass sie sich nah an einem Kapitel („Stockholm Syndrome“) auf Jeffrey Toobins Book orientiert.

The Juror Revolt

Jedenfalls lichten sich die Reihen, weshalb Richter Ito (Kenneth Choi) die Reißleine zieht. Er hatte sich so sehr auf das Verfahren und damit auf seinen Aufstieg zur Person des öffentlichen Interesses gefreut, dass er nun entsetzt darüber ist, zu welch einer Lachnummer er in den Augen der Öffentlichkeit verkommen ist. Also bemüht er sich eigenhändig um die Sorgen und Nöte der Juroren, was jedoch nicht die gewünschten Resultate erzielt. Auf die Bedenken einer Jurorin, die schwarzen Jurymitglieder würden von den Justizangestellten benachteiligt, reagiert er, indem er den Austausch ebenjener Beschäftigten anordnet.

Der rauhe Umgangston des neuen Teams und die noch engere Bewachung lässt bei besagter Jurorin endgültig die Sicherungen durchbrennen. Sie ist so verzweifelt - unter anderem darüber, dass das Verfahren statt der angekündigten zwei nun schon acht Monate andauert -, dass sie einen völlig aussichtslosen Fluchtversuch unternimmt. Eine andere Jurorin lässt sich indes eine eigene Form des Protests einfallen - sie kleidet sich eines Tages ganz in Schwarz, was ihr große Teile der Jury nachmachen. Diesem stillen Protest hat Ito nichts anderes entgegenzusetzen, als das Verfahren zu vertagen - was es natürlich erneut in die Länge zieht.

Von Feierstimmung ist da bei der Verteidigung schon lange nichts mehr zu spüren. Sie hat zwar dank des energischen Auftritts von Barry Scheck (Rob Morrow) den Aussagen des DNA-Experten der Staatsanwaltschaft weitgehend ihre Glaubwürdigkeit nehmen können, jedoch ist durch das Geschacher eine Ersatzjurorin in die Jury gelangt, die von Cochran (Courtney B. Vance) nur ehrfürchtig als „The Demon“ bezeichnet wird. Überdies ist sich Lee Bailey (Nathan Lane) nicht sicher, wie der Protest der Jury zu werten ist. Er hält es sogar für möglich, dass sich die Juroren anhand ihrer schwarzen Kleidung mit dem Justizapparat solidarisieren.

OJ (Cuba Gooding Jr.) gibt sich siegessicher. © FX
OJ (Cuba Gooding Jr.) gibt sich siegessicher. © FX

OJ (Cuba Gooding Jr.) selbst will hernach unbedingt von seinem Team in den Zeugenstand gerufen werden, weil er glaubt, die Sympathien der Jury wieder auf seine Seite ziehen zu können. Ein Probelauf im Gefängnis bescheinigt diesem Ansinnen aber keine guten Aussichten. Nun kann ich mich nicht erinnern, ob er damals wirklich in den Zeugenstand berufen wurde, will das zu diesem Zeitpunkt aber auch gar nicht wissen, weil die Geschichte so viel spannender ist. Nach all den Verwerfungen macht Cochran indes ein wortloses Friedensangebot an Marcia, das sie nach kurzer Bedenkzeit annimmt.

Back home

Obwohl die Verteidigung die Aussagen von DNA-Experte Fung als Punktsieg verbuchen kann - kurioserweise schüttelt er danach sowohl Darden als auch den Vertretern der Verteidigung die Hände -, haben dessen eindeutige und bestimmte Äußerungen gegenüber der Anklage einen verheerenden Effekt auf die Beziehung von OJ und Bob Kardashian (David Schwimmer). Der hatte ja in früheren Episoden bereits angedeutet, dass es ihm schwerfällt, die Beweislage gegen seinen Freund zu missachten, die eine so deutliche Sprache zu sprechen scheint. Hier bricht er nun gegenüber seiner Exfrau Kris (Selma Blair) endgültig zusammen - ihr verspricht er, nach dem Verfahren sämtliche Verbindungen zu OJ abzubrechen. Und er ist nicht der Einzige: Aus der fröhlichen Pokerrunde im Knast hat sich außer ihm jeder verabschiedet.

Die letzte Szene der Episode gibt einen Vorgeschmack auf das, was in den beiden ausstehenden Folgen thematisiert werden wird. Ein Telefonist der „OJ-Hotline“ bekommt darin einen Tipp mit ungeheurer Sprengkraft. Eilig kritzelt er Folgendes auf seinen Notizblock: „Tape Recordings Fuhrman's Own Voice Frame Niggers.“ Auch hier weiß ich nicht mehr genau, welche explosiven Aussagen Fuhrmans gemeint sind, aber offensichtlich ist er auf Band aufgenommen worden, als er rassistische Äußerungen tätigte.

Dies dürfte ein weiterer wichtiger Bestandteil in der Strategie der Verteidigung sein, dem LAPD eine rassistisch motivierte Festnahme anzulasten. Die Zweiteilung in Schwarz und Weiß ist das dominierende Thema des Verfahrens, was sich in A Jury in Jail vor allem in der Betrachtung der Jury niederschlägt. Dabei wird bisweilen ein leichterer Ton angeschlagen als in vorhergehenden, nüchterner erzählten Folgen. Das lässt sich auch an der Musikauswahl erkennen, die zum Beispiel „Another One Bites the Dust“ einspielt, während ein Jurymitglied nach dem anderen entlassen wird, oder „Fight the Power“ zur Unterlegung des stillen Protests der Juroren.

Das Verfahren gegen OJ Simpson drohte von Beginn an, zur Zirkusnummer zu verkommen, obwohl es dabei wortwörtlich um Leben und Tod ging. Leider ließ sich das nicht immer verhindern.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 23. März 2016
Episode
Staffel 1, Episode 8
(American Crime Story 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Kampf um die Jury
Titel der Episode im Original
A Jury in Jail
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 22. März 2016 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 24. Februar 2017
Autor
Joe Robert Cole
Regisseur
Anthony Hemingway

Schauspieler in der Episode American Crime Story 1x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?