Alphas 2x13

Was ist passiert?
Der angeschossene Dr. Lee Rosen (David Strathairn) humpelt in der Episode God's Eye der Serie Alphas für den Großteil der Folge quer durch die Stadt. Eine Vision seiner Tochter Danielle (Kathleen Munroe) begleitet ihn dabei. Angetrieben wird Rosen von dem unbedingten Willen, Stanton Parish (John Pyper-Ferguson) ausfindig zu machen, zur Rede zu stellen und ihn zu töten. Am Ende kreuzen sich die Wege von Stanton und Lee, es kommt zum Dialog und Dr. Rosen lässt Gnade walten.
Das restliche Alpha-Team hat derweil schon rosigere Zeiten erlebt. Kat (Erin Way) und John Bennett (Steve Byers) sind selbstverständlich alles andere als begeistert darüber, was ihnen letzte Woche in der Episode Need to Know - beziehungsweise für die Charaktere: gestern - passiert ist und entsprechend „gut“ auf Cameron (Warren Christie), Rachel (Azita Ghanizada) und Nina (Laura Mennell) zu sprechen. Trotzdem raufen sie sich zusammen und fassen zusammen mit Skylar (Summer Glau) und Bill (Malik Yoba) einen Plan, um Stantons Anschlag zu verhindern: Der Strom muss abgestellt werden. Skylars Fähigkeit ist dabei gefordert, denn so einfach lässt sich der Strom in ganz New York nicht abschalten. Es gelingt ihr zwar, etwas brauchbares zusammen zu basteln, aber der Erfolg ist nur von kurzer Dauer. Das große Problem stellt ein sehr alter Generator der Grand Central Station dar, mit dem halb Manhattan weiterhin mit Strom versorgt werden kann, selbst wenn alle anderen Stromquellen versagen. Zufällig ist das auch der Treffpunkt von Rosen und Parish, so dass das Alpha-Team in den letzten Minuten vor dem Anschlag wieder vereint ist.
Gary (Ryan Cartwright) wird anfangs zu seiner Mutter ins Krankenhaus bestellt. Sie ist wieder zu sich gekommen und Rosen taucht hier auch kurz auf, um auf Garys Hilfe zurückzugreifen. Nachdem Gary Dr. Rosen den Weg zu Parish weisen konnte, fasst er schließlich den Entschluss, die anderen zu informieren und Rosen zu folgen. Somit ist am Ende auch Gary in der Grand Central Station.
Die Verbindungen des Generators zum Rest der Stadt können zwar am Ende unterbrochen werden, aber die Grand Central Station selbst wird von einem Blitzlicht-Gewitter heimgesucht. Bis auf Gary fallen alle zu Boden und es ist nicht klar, wer nur bewusstlos und wer tot ist. Cliffhanger.
Der alte Mann a.k.a. John J. Rambo
Am Ende der Episode Need to Know sah es alles andere als gut für Dr. Lee Rosen aus. Er ist am Verbluten und schafft es, sich bis zu einem „Alpha-Doktor“ zu retten. Nach der Behandlung und trotz der Warnung, dass er einer Operation bedarf, schleppt er sich bis zum Treffen mit Parish durch die Folge. Die Vision von Danielle hilft ihm dabei, aber für die New Yorker sieht er wie ein verrückter, vor sich hinbrabbelnder alter Mann aus. Und den Eindruck bekommt der Zuschauer ebenfalls.
Lee besorgt sich einen Medikamenten-Mix, mit der Absicht, Stantons Alpha-Fähigkeit auszuschalten und diesen danach endgültig auszuschalten. Sein Motiv ist somit klar: Er sucht keine Hilfe bei einem Krankenhaus, er sucht keine Hilfe bei seinem Alpha-Team. Er will Parish töten, koste es, was es wolle und alleine. Diese Verbissenheit ist alles, was ihn weiter voran treibt. Er ist besessen davon, seinen Gegenspieler und Danielles Mörder auszuschalten.

Soweit, so gut. Auch wenn es kaum nachvollziehbar ist, dass Lee bis zum Ende überhaupt durchhält, kommt es schließlich zur Konfrontation mit Parish. Die Spritze ist gezückt, die Schusswaffe in der anderen Hand. Und was passiert? Er sieht ein, dass er keinen Deut besser als Parish ist, wenn er ihn umbringt. Bravo, er schließt mit Cameron einen Pakt auf Rache, brennt Parishs Farmhaus nieder, foltert Cornell, sucht und findet unbeirrt einen Weg, um Stanton den Garaus zu machen und hat am Ende einen Sinneswandel? WTF?! Da gab es nichts, aber auch gar nichts, was diesen Sinneswandel erklären könnte. Dass Rosen anschließend noch Cameron davon abringt, Stanton endgültig zu töten, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
Der Generator
Bei Sichtung der Folge fragt man sich unweigerlich, ob New York wohl die einzige Stadt gewesen ist, die über ein Notstromaggregat (auch wenn es noch so antiquiert ist) verfügt. Kann eine Stadt wie L.A. problemlos allen Strom abstellen? Was ist mit Gebäuden, die generell mit Notstromgeneratoren versehen sind, zum Beispiel Krankenhäuser? Und hat man den anderen Orten auf Parishs Karte, die außerhalb der Staaten liegen, Bescheid gegeben?
New York wird mit Ausnahme der Grand Central Station vor dem Anschlag gerettet, wobei das Gerät, was Skylar zusammengebastelt hat, der eigentliche Grund ist - damit wurden alle Transformatoren in New York (und nur New York und Umgebung) unschädlich gemacht. Der Generator unterhalb des Bahnhofs soll eine einmalige Ausnahme sein. Aber jede andere Großstadt dürfte doch ähnliche Probleme haben, oder nicht? Und was ist eigentlich so schwer daran, einen Generator außer Betrieb zu nehmen? Hätte eine einfache Metallstange im Getriebe des Generators nicht ausgereicht, um das Gerät lahm zu legen?
Was zu gefallen wusste
Lässt man mal die gerade angesprochenen Ungereimtheiten außer Acht, so sind es in erster Linie Gary und Kat, die diese Folge sehenswert machen. Vor allem Gary wächst über sich hinaus und lässt sich von Rosen nicht abschütteln. Und zwar genau aus den richtigen Gründen. So naiv, wie der Charakter manchmal wirkt und dem Zuschauer einige Lacher damit bescheren kann, so zielstrebig geht er am Ende Rosen hinterher. Für die Trennung der beiden ist am Ende indirekt Parish verantwortlich, als er Rosen ein Handy zukommen lässt, während Gary gerade den Überwachungskameras nachgeht.

Kat war verständlicherweise drauf und dran, das Alpha-Team zu verlassen. Nur Bill kann sie zum Bleiben überzeugen. Und sie macht sich richtig gut. Nicht nur, dass sie durch ihre Fähigkeit auf den Generator aufmerksam macht, sie darf auch aktiv Stantons Gefolge ausschalten und Rachel, Skylar und Bill damit retten (grandios: „I need you to throw me.“ - Bill: „What?“ - Kat: „I need you to throw me.“).
Ohne die beiden wäre dieses Staffelfinale die reinste Zumutung gewesen, denn die anderen Figuren bewegen sich entweder im üblichen Durchschnitt oder sind John J. Rosen auf den Fersen.
Der komische Bösewicht
Stantons Plan ist klar: Alle Nicht-Alphas töten oder mittels des Blitzlicht-Gewitters zu solchen machen. Einzig für Lee scheint er etwas übrig zu haben. Als dieser ihn zur Rede stellt und nachfragt, weshalb gerade er verschont bleiben soll - Parisch hatte Lee zuvor genau gesagt, wo und wie er sich verstecken muss, um nicht vom Stroboskop-Effekt getötet zu werden), gibt er als Antwort, dass er Lee als Anführer nach dem Anschlag vorgesehen hat. Weitere Erklärungen bleiben aus.
Nochmal zusammengefasst: Stanton hat nichts für normale Menschen übrig, aber er ist auch bereit, Alphas zu opfern und hat Danielle - die er mochte - bereitwillig umgebracht. Rosen hat allerdings einen speziellen Platz in seiner Vorstellung. Dabei wird aber nie klar, was Stanton überhaupt genau will. Einerseits will er alle Nicht-Alphas töten, andererseits lässt er zumindest eine Ausnahme zu. Alphas sind ihm oft auch egal oder wie in The Devil Will Drag You Under gesehen, ihr Tod als Kollateralschaden akzeptabel. Stantons Ansichten wirken in dieser Staffel nicht nur konfus, sie sind es auch. Was über den Staffelverlauf für einen gut geschriebenen Bösewicht mit halbwegs nachvollziehbaren Zielen aussah, wurde in den letzten Folgen wieder zu Nichte gemacht und bekommt hier noch ein i-Tüpfelchen in Form von Rosen.
Wie geht es weiter? Alle tot, außer Gary?
Das Ende der Episode wirft selbstredend einige Fragen auf: Weshalb bleibt Gary vom Effekt verschont? Die meisten Menschen werden tot sein, auch Rosen? Was ist mit den anderen Alphas, inklusive Parish?
Sofern es eine dritte Staffel geben wird, werden diese Fragen wohl beantwortet. Aber die Aussichten darauf sind nicht gerade rosig. Die Quoten sprechen eher Richtung Absetzung (Need to Know hatte ein Rating von 0,4 in der Zielgruppe und in den Wochen davor sah es ähnlich aus). Also eine weitere Serie, die mit einem Cliffhanger endet?
Fazit: Ein eher unterdurchschnittliches Finale einer Staffel, die soviel mehr hätte sein können. Kat und Gary alleine reichen nicht aus, um über die Ungereimtheiten hinweg zu sehen. Sehr schade, aber in Anbetracht der letzten Folgen vorhersehbar. Ein Auge zugedrückt, gibt es von mir 2,5 von 5 Sternen.
In eigener Sache: Wie man vielleicht schon in den letzten Reviews gemerkt hat, ist meine Begeisterung für die Serie seit Folge 9 dieser Staffel geschwunden. Dabei sah es zwischenzeitlich - Stichwort Gaslight - mal so aus, als wenn Alphas das Zeug dazu hätte, eine All-Time-Favourit Sci-Fi Serie auf meiner Liste zu werden. Pustekuchen. Sollte es also eine dritte Staffel geben, liegt mein Interesse daran nicht sehr hoch. Für wöchentliche Reviews jedenfalls eindeutig zu niedrig. Mag sein, dass sich das im Falle einer eventuellen dritten Staffel noch mal ändert, aber da müsste schon ein Wunder passieren.
Verfasser: Christian Schäfer am Mittwoch, 24. Oktober 2012(Alphas 2x13)
Schauspieler in der Episode Alphas 2x13
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