House 7x22

Was macht man, wenn die ungeliebte Vergangenheit an die Türe klopft? In der Episode After Hours der Serie House lässt Dr. Hadley (Olivia Wilde) sie rein. Die Ärztin hat aber nicht wirklich eine Wahl - ihre frühere Mitinsassin Darrien (Amy Landecker) taucht blutend auf und appelliert an die Medizinerin in 13. Zudem erwartet sie bedingungslose Loyalität und bringt Hadley in Gefahr - die wiederum zieht Chase (Jesse Spencer) mit hinein und wird dadurch gezwungen, ihre Motive zu hinterfragen...
Chase ist nämlich der Meinung, seine Kollegin stehe nur deswegen so energisch zu ihrem Versprechen, weil sie ihrem Bruder einst zusagte, ihn aufgrund seiner Chorea Huntington-Erkrankung zu erlösen - und es schließlich auch tat. Er nimmt des Weiteren an, 13 werde von Schuldgefühlen geplagt, so dass sie als Rechtfertigung nun zu all ihren Versprechungen stehe. Es ist erstaunlich, wie schnell und treffend Chase Hadley psychoanalysiert, denn sie erzählt ihm aus der Not heraus lediglich eine Telegramm-Fassung ihrer Vergangenheit. Wahrscheinlich ist es leichter, bei anderen klar zu sehen als bei sich selbst - Chases Verhalten zeugt im Allgemeinen auch nicht gerade von (Selbst-)Reflektion.
Wie man es auch macht...
Sehr schön: die Parallele zu 13s Vergangenheit - Darrien musste ebenfalls jemanden töten, wird ebenfalls nicht fertig damit sowie davon verfolgt und geprägt. Wie überzeugend ist es jedoch, dass ein kleiner Schubs von Chase die sonst so standfeste Hadley zum Einlenken bringt? So brav und zahm - das sieht ihr eigentlich gar nicht ähnlich. Oder hat ihr hilfsbereiter Kollege einen wunden Punkt getroffen? Möglicherweise brauchte 13 jemanden, der ihr einen Spiegel vorhält und sie von ihrem ungesunden Packt befreit?
Trotzdem - ist das wirklich sinnvoll? Rechtlich gesehen ist es natürlich Hadleys Pflicht, Darrien der Polizei auszuliefern. Ist es aber tatsächlich das Richtige? 13 sagt abschließend selbst: „You're lashing out...I get it. But in a month, you'll thank me. Or maybe you won't, I don't know. But... I know I saved your life.“ Schön und gut, hätte sie das nicht auch tun können, ohne sie zurück ins Gefängnis zu bringen? Wird eine erneute Haft Darrien läutern und drogenfrei machen? Ist das nicht nur eine weitere Illusion, eine weitere lahme Rechfertigungsaktion, um nachts besser schlafen zu können?

Wäre es nicht verantwortungsvoller - wenn auch auf recht unkonventionelle Weise - zu einem Versprechen zu stehen und auf die Eigenverantwortung einer Freundin zu vertrauen? Darrien ist erwachsen und somit in der Lage, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen - sollte man diese nicht respektieren? Doch hier kommt wieder die Schuld mit ins Spiel: Was, wenn Darrien mithilfe von 13 auf freiem Fuß geblieben wäre und weiteren Schaden angerichtet hätte? Wäre Hadley dann mitschuldig? Oder spielt das vielleicht gar keine Rolle - denn Schuldgefühle sowie Selbstvorwürfe entbehren nicht selten jeder rationalen Grundlage.
Die arme 13 steckte aber auch in einem Dilemma erster Güte: Hätte sie die Verwundete gleich an der Tür weggeschickt, wäre sie vermutlich gestorben. Hätte Hadley ihre Knastschwester laufen lassen, würde sie wahrscheinlich von ihrem Gewissen geplagt werden. Und mit ihrer tatsächlichen Entscheidung hat sie eine Freundin schwer enttäuscht.
Der Sinneswandel
Taubs (Peter Jacobson) Beweggründe, das vermeintlich Richtige zu tun, sind noch fragwürdiger als die von 13: Eine seiner Gespielinnen ist schwanger von ihm, er hat allerdings keine Lust auf das Kind und lenkt sich in einem Strip-Club von der Schreckensnachricht ab. Ausgerechnet dort wird ihm aufgrund einer Nahtoderfahrung klar: Er will doch Vater werden! Welch unsinniger Sinneswandel: Extreme Erfahrungen verändern Menschen meist nur kurzfristig - ein Mann in Taubs Position (Intellekt & Alter) sollte das wissen.
Taub übertrifft sich immer wieder selbst: Jedes Mal, wenn man denkt, erbärmlicher, idiotischer und verantwortungsloser geht es nicht mehr, fällt den Machern von House etwas ein, um den kleinen Mann noch kleiner erscheinen zu lassen. Ein Kind ist schließlich keine Gratisprämie, wie etwa eine Entsaftermaschine, die man mal eben so mitnimmt und sieht, was passiert.
Sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden, ist eine ernste Angelegenheit und der Entschluss sollte aus tiefster Überzeugung heraus kommen und/oder die persönlichen Gegebenheiten berücksichtigen. Taubs Launen sind lächerlich: vom Lotterleben zum treusorgenden Familienvater in nur wenigen Stunden... wie herrlich (amerikanisch) harmonisch!
Do it yourself!
House (Hugh Laurie) ist der einzig Konsequente in dieser Folge: Er hat sich die Suppe selbst eingebrockt und will sie nun selbst auslöffeln. Die von ihm illegal benutzte „Rattenmedizin“ regeneriert nicht nur Muskeln, sie generiert auch Tumore! Der mutige Mediziner lokalisiert drei davon im Alleingang, und entschließt sich zu einer Do-It-Yourself Operation in der heimischen Badewanne! Ist das Irrsinn? Natürlich! Ist es zudem nicht konsequent? Nicht unbedingt: Der Grund für den Versuch, seine selbstverschuldeten Probleme alleine zu lösen, könnte auch Stolz oder Scham sein.
Was passiert, wenn das Richtige falsch und das Flasche richtig wird? Es wird blutig! Sehr blutig und qualvoll! Liebe Zuschauer, falls ihr die Episode After Hours noch nicht gesehen habt und unter einer Blutphobie leidet - lasst es! Die verzweifelte Selbst-Operation von House ist wirklich zum Ohnmächtig-Werden beziehungsweise zum Erbrechen, je nach Veranlagung...
Verfasser: Isabel Galindez am Montag, 23. Mai 2011(House 7x22)
Schauspieler in der Episode House 7x22
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