House 7x21

In der aktuellen Folge der Serie House wimmelt es nur so von Patienten. Der offizielle Fall der Woche wird allerdings nur von dem Team bestritten, denn der Meister hat besseres zu tun: Er kümmert sich um die Gesundheit eines Verlierers und testet ein noch nicht zugelassenes Medikament - an sich selbst!
Blinder Aktionismus?
Unheilbare Leiden sind prima - in Serien jedenfalls, so kann man immer wieder darauf zurückkommen und neue Dramen entfachen... Eine neue muskelaufbauende Substanz lässt den missmutigen Muffel hoffen - blöd nur, dass sich die Arznei bisher ausschließlich bei Ratten als wirksam erwiesen hat. Doch House (Hugh Laurie) wäre nicht House, würde ihn das stören: Er beschafft sich etwas von dem Wundermittel und probiert es kurzerhand aus. Wie heißt es so schön: „Mut und Dummheit sind das Gleiche - es kommt lediglich auf das Resultat an...“
Aber was genau erhofft sich House davon? Ein gesundes Bein und somit ein unbeschwertes, schmerzmittelfreies Leben? Wilson (Robert Sean Leonard) bezweifelt, dass das kranke Bein die Ursache allen Übels bei House ist. Er glaubt vielmehr, sein Freund macht sich etwas vor, indem er seine Probleme vereinfacht. Wer einmal schmerzmittelsüchtig war, neigt dazu, in Krisensituationen rückfällig zu werden - selbst wenn die körperlichen Beschwerden nicht mehr gegeben sind.
Und haben die Misanthropie von House im Allgemeinen und die Rücksichtslosigkeit im Speziellen ihren Ursprung wirklich in der Beeinträchtigung durch das Bein? Stammen sie nicht vielmehr aus dem Betrug, den seine damalige Frau an ihm begangen hat?
Darüber hinaus hat House ein weiteres Problem: Verbissenheit. Seine ungewöhnlichen Wetten mit Wilson sind legendär, lustig und an sich harmlos. Doch der düstere Diagnostiker steigert sich jedes Mal geradezu zwanghaft hinein und kann nicht locker lassen. Diesmal muss es der Boxer Terry (Kevin Phillips) ausbaden: Der Sportler verlor einen Kampf, leider hatte House 50 Dollar auf ihn gewettet und jetzt will er beweisen: Terry konnte gar nicht gewinnen, weil er krank ist. Und noch ein Mal: House wäre nicht House, hätte er nicht Recht!
Menschen bestrafen Menschen
Der Fall der Woche, Wendy (Linda Park), ist nicht besonders ergreifend. Zwar verdient sie ihren Lebensunterhalt damit, Bomben zu entwickeln und reißt ihren männlichen Arbeitskollegen reihenweise die Herzen heraus - dennoch: die Patientin wirkt nicht böse-sexy-interessant sondern einfach nur blass. Und dann diese Bemerkungen von wegen „die Mörderin und Schlampe bekommt nur, was sie verdient“ - das ist wahlweise naiv, bigott oder Altweibergeschwätz.
Das Beste daran ist, dass diese Sprüche von 13 kommen: „I think if you spend your days designing ever more effective ways to blow people up, stuff's bound to come back to you“. So eine beschränkte Einstellung sieht Dr. Hadley (Olivia Wilde) gar nicht ähnlich. Es ist einfältig, Wendy als den Leibhaftigen zu stilisieren - was ist denn mit all den Schlächtern, Strafverteidigern etc.? Die Krankenhäuser müssten bersten. Zudem: wer im Glashaus sitzt... Diese bemühten, unglücklichen Belehrungen sollten den Diskussionen um die Diagnose wohl mehr Würze verleihen.
Passend zum schwachen Fall: eine schwache Lösung. Ein rachsüchtiger Ex hat Wendy vergiftet. Bei einer Serie wie Mord ist ihr Hobby oder Columbo wäre dies tauglich und wahrscheinlich sogar interessant, zu House passt es allerdings nicht. Zu banal und abgedroschen!
All die falschen Diagnosen, die das Team stellt, und die damit verbundenen Komplikationen bei der Patientin, offenbaren jedoch, wie aufgeschmissen die vier ohne ihren Boss sind. Die Verzweiflung ist groß und Foreman (Omar Epps) wendet sich sogar an Cuddy (Lisa Edelstein) - sie soll House zum Mitarbeiten bringen!
Medikament wirkt, Patient tot
Was uns in den noch verbleibenden zwei Episoden vor der Sommerpause erwarten könnte, ist vor allem das Medikament: Es wirkt nämlich tatsächlich auch bei Menschen - beziehungsweise zumindest bei House. Doch leider nicht ganz ohne Nebenwirkungen. Es zeigt sich, dass es nach einer Weile zum Tode führt: am Ende der Folge sehr eindrucksvoll durch eine tote Ratte im Labor dargestellt. Obwohl natürlich klar ist, dass der Oberdiagnostiker nicht sterben wird, bietet diese Situation einiges an Potential.
Genau wie Dr. Hadley: ihre unheilbare, grausame Krankheit, ihre dunkle Vergangenheit... Die Produzenten und Autoren werden dies mit Sicherheit geschickt ausschlachten und somit für ergreifend dramatische Momente sorgen.
Verfasser: Isabel Galindez am Montag, 16. Mai 2011(House 7x21)
Schauspieler in der Episode House 7x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?