Gilmore Girls 8x03

Dritte Episode, die Enttäuschung nimmt enorme Ausmaße an, aber wir bleiben ja tapfer dran, denn aus der alten Gilmore Girls-Serie haben wir gelernt, dass man zusammenhalten muss und sich nicht einfach von denen, die einem nahe sind, abwenden darf. Wir folgen Lorelai (Lauren Graham) und Rory (Alexis Bledel) auch in die dritte Jahreszeit, Summer.
Gemeinheiten
Doch da, oh Schreck, müssen wir feststellen, die Gilmores sind gemein geworden! Und zwar auch die, von denen man es bisher nicht gedacht hat. Im Schwimmband von Stars Hollow schaffen die beiden es in wenigen Minuten, ein uninteressantes Thema noch belangloser zu machen und einen Mann wegen seines Körpers zu beschämen. Das kann doch nicht wahr sein, das gab es früher in dieser Kälte aber nicht. Die Enttäuschung sitzt tief und es wird nur schlimmer als April (Vanessa Marano, Switched at Birth) die Bühne betritt.
Sie war schon damals eine ungeliebte Figur, aus dem Nichts stellte sie sich als Lukes Tochter vor und war weniger ein Charakter als einzig ein Hindernis für Lukes und Lorelais Happy End. Doch was machen die Serienautoren aus einer schlecht geschriebenen Figur, die sie nicht ignorieren können? Sie versuchen sie an eine der beliebtesten Serienfiguren derzeit anzulehnen. Wer hätte gedacht, dass man die Gilmore Girls-Macher eines Tagen vor seinem inneren Auge dabei zu beobachten glaubt, wie sie sich Notizen zu Sheldon während eines The Big Bang Theory-Reruns machen? Und wer erst hätte erwarten können, dass man ihnen raten möchte, sich vielleicht noch ein paar mehr Tipps bei den Machern der Sitcom abzuholen?
Doch dann, als die Elterngeneration aus dem Raum ist, stellen wir fest, nein, April ist nicht Sheldon, denn sie springt auf den Zug der Lebensangst auf, der in den neuen GG-Episoden um sich greift. Da zeigt sich dann doch langsam ein Motiv, alle wichtigen Frauen der Serie stecken tief in der Krise, haben ihre Ziele, ihre Richtung und ihre Zuversicht verloren. Alles scheint furchtbar und der Moment, in dem Rory dazu gezwungen ist, Aprils Angstattacke zu ertragen während sie selbst nicht mit sich klarkommt, ist wie das Gegenprogramm zu dem, was man sich von der Serie erhofft hat. Sicher, auch in den sieben Staffeln hatten Lorelai und Rory nicht alles im Griff, ganz im Gegenteil, ihre Liebesleben waren oft ein einziges Chaos und auch sonst gab es immer wieder Probleme. Doch das Schöne war doch, dass sie sich hatten und einen untrüglichen moralischen Kompass - ausgenommen wieder mal in Liebesangelegenheiten - dazu, was wichtig ist im Leben.
Immerhin, in diesem winzigen Moment, in dem Lorelai April mit Woody-Allen-Zitaten verwirrt, scheint das alte Gefühl durch; diese Lebensfreude aneinander, füreinander, am Wortwitz, die Gewissheit, sich nicht unterkriegen zu lassen, selbst wenn alles nach hinten losgeht.
Aber dafür muss man auch zwischendurch Entscheidungen treffen, die nicht automatisch eine Katastrophe nach sich ziehen. Die Geliebte eines Mannes auf einem anderen Kontinent zu sein und dort nachts anzurufen und zu sagen, dass man spontan am nächsten Tag einfliegen möchte, gehört definitiv nicht zu der Art von Ideen, aus denen etwas Gutes entspringt. Man möchte Rory das Telefon aus der Hand schlagen und sie auf den Stars Hollow Tanzmarathon schleppen, um mal den Kopf frei zu bekommen.
Musical und Zeitung
Selbst die Stadtversammlungen sind keine Safe Zone mehr. In dem Treffen der Episode Summer lernen wir zum Beispiel die Um-die-30-Gruppe kennen, wir sind zurück in Sitcom-Gewässern angekommen, und leider in wirklich seichten. Doch da kommt auch die Frage auf, will man sich von Seiten der Macher über dieses Phänomen lustig machen oder es aufzeigen oder will man Rory, die ebenfalls dazugehört, ernst nehmen und sich zur Auflockerung über die anderen amüsieren? Nach zwei Episoden ist der Elan, darüber nachzudenken, nicht mehr so groß und wir gehen über zum nächsten Tagesordnungspunkt: ein Musical über Stars Hollow. Klingt erstmal nicht besonders originell, besitzt aber durchaus Potential. Doch die Freude darüber wird direkt von der Verwirrung überdeckt, die man fühlt als niemand in der ganzen Halle einfach das absolut Naheliegende ausspricht: „Dann mach du die Zeitung doch weiter, Rory!“ Sieben Staffeln lang haben wir gesehen, wie alle in der Stadt die kleine Gilmore verhätschelt haben und gerade Taylor (Michael Winters) hat sie von der Eiscremekönigin bis zum Werbegesicht für alles aufs Podest gestellt. Und nun kommt kein einziger auf die Idee, dass die in der echten Welt gescheiterte Rory, die schon immer Journalistin werden wollte, eine Zeitung weiterführen könnte, die keine Geldprobleme hat.
Aus Frust ignorieren wir die Therapeutin, die plötzlich für das Musical vorsingt und freuen uns darüber, als nach einer weiteren seltsamen Schwimmbadszene Rory endlich den Mund aufmacht und sich selbst als Chefredakteurin ins Rennen bringt. Und dann natürlich Michel (Yanic Truesdale), der jedes Mal die Laune hebt. Die Szenen mit ihm und Lorelai zeigen, wie Wiederbelebung einer alten Story auch gehen könnte. Sie haben die schnellen und witzigen Austausche, aber ihre Beziehung hat sich auch entwickelt. Das fängt auch die fehlende Freundschaft zu Sookie (Melissa McCarthy) auf. Dazu noch die geheime Bar und ein paar Minuten lang ist alles wunderbar.
Auch der Start für Rory in der Zeitung läuft gut an, Taylor spielt dabei eine wichtige Rolle, auch die beiden müssen eine neue Ebene der Beziehung finden. Da ist noch Luft nach oben, aber es scheint als ob die Puzzleteile nun endlich zueinander finden würden. Dann auch noch Luke, der in der Küche des Dragonfly Inn ausrastet und dabei ein Best-of-Luke-und-Sookie gibt. Und was könnte nicht durch eine Musikmontage besser werden? Zu Nancy Sinatra flammt die Liebe zu Stars Hollow wieder auf und selbst die Unterbrechungen, die die Um-die-30-Gang betreffen, kann man so tolerieren.
Pu-Pu-Pu-Putin
Das Musical ist unterhaltsam, das Working-on-Building-Stars-Hollow-Lied hat Potential zu einem Ohrwurm und die Tatsache, dass Sutton Foster vor nicht allzu langer Zeit in Bunheads eine Version von Lorelai gespielt hat, macht die Sache ebenfalls attraktiv. Besonders weil die echte Lorelai angesichts ihrer Doppelgängerin gar nicht begeistert ist. Überhaupt ist sie nicht von dem Musical zu überzeugen. Und da fällt einem auch auf, dass ihre freiwillige Anwesenheit in dem Komitee schon nicht ganz in den Charakter zu passen scheint.
„Nur weil es bei Hamilton Rap gibt, darf niemand mehr rappen?“ Taylor scheint alle die zu fragen, die bemängeln, dass die Gilmore Girls-Macher auf den Remake-Zug aufspringen? Doch es wäre schöner gewesen, wenn die Fortsetzung die eigene Existenz durch Großartigkeit rechtfertigen würde anstatt durch Meta-Kommentare.
Auftritt Jess Mariano
Und dann kommt er zur Tür rein. Jess (Milo Ventimiglia) ist bezaubernd wie immer. Er hat sein Leben im Griff und er bietet Rory Hilfe an. Denn - die Welt steht Kopf - Rory ist diejenige, die Hilfe und Rat braucht. Und nicht nur das, Jess ist in der Stadt, um auch seiner Mutter und dessen Mann zu helfen. Da hat jemand etwas gewaltig richtig gemacht. Schade, dass wir nur so kurz in den Genuss seiner Anwesenheit kommen.
Die Serienautoren steuern gegen mit einer Reaktion von Lorelai, die nicht nachvollziehbar ist. Sie stellt sich quer als ihre Mutter dank eines neuen Lebensgefährten die Lebensfreude wiederfindet. Wir haben Jack (Ray Wise) schon auf der Beerdigung gesehen, im kleinen Kreis, als er eine Geschichte über Richard erzählte. Woher kommt es, dass Lorelai sich da quer stellt? Hat sie Angst um das Erbe, darum, dass ihre Mutter verletzt werden könnte? Was ist denn da schon wieder los und was soll das? Der Konflikt, der entsteht als Emily (Kelly Bishop) in den Raum kommt, fühlt sich vertraut an, aber der Weg dahin ist doch arg bemüht.
Das Buch
Rory schreibt ein Buch über sich und ihre Mutter. Und die findet das gar nicht gut. Wohin soll uns das führen? Wohl einen schön abgeschlossenen Kreis, der altbekannt ist: Die Hauptfigur wird zur Schöpferin der Story, die wir schon so lange verfolgen. Na gut, wir werden sehen ob das als Ende funktioniert oder ob hier jemand mit einem Spin-off liebäugelt. Doch als dann auch noch Luke (Scott Patterson) und Lorelai in einen Streit über ihre Leben geraten, da fällt einem wieder ein, dass wir uns am Ende der vorletzten Episode befinden. Die großen, letzten Konflikte gehen los, Lorelai gegen alle, ihre Mutter, ihre Tochter, ihren Freund. Und dann ist da noch die unsägliche Sache zwischen Rory und Logan, von dessen Telefonnummer sie einfach nicht loskommt.
Lorelai, die Frau die uns sieben Staffeln lang durch vieles gebracht hat, die immer einen Spruch hatte, egal wie schlimm alles war und nie ihren Humor verloren hat. Und nun weint sie zu einem Song, der von Zerbrechlichkeit handelt. Und der erstaunlich wenig mit dem Rest des Musicals zu tun hat. Der große Plan der Serienmacherinnen für die Hauptfigur die wir lieben, ist also sie an den Rand der Verzweiflung zu bringen, um sie dann auf einen Selbstfindungstrip zu schicken. Der Start in die finale Episode könnte kaum klischeehafter wirken und das lässt nichts Gutes ahnen.
Fazit
Die dritte Episode des Gilmore Girls-Revivals hat einige charmante Momente zu bieten, aber auch die seltsamen Szenen, in denen man nicht weiß, was die Autoren sich dabei gedacht haben. Ob das alles am Ende noch Sinn ergeben wird? Hoffen kann man ja weiterhin.
Verfasser: Serienjunkies.de am Sonntag, 27. November 2016(Gilmore Girls 8x03)
Schauspieler in der Episode Gilmore Girls 8x03
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