Gilmore Girls 8x02

Nach einem etwas zu sehr auf Humor setzenden Staffelauftakt fühlt sich die zweite Episode namens Spring wesentlich mehr wie einer klassische Gilmore Girls-Folge an, die zwar leider auch keine allzu nachhallenden Szenenschwergewichte aufzuweisen weiß, dafür aber recht kurzweilig und mit ein paar netten humoristischen Verweisen auftrumpft. Am Ende der Episode werde ich das Gefühl nicht los, dass diese neue Staffel zu sehr versucht, direkt an der siebten anzuknüpfen.
Memory Lane
Wir machen eine kleine Zeitreise in die Zukunft und setzen nun im Frühling ein, in dem Lorelais (Lauren Graham) und Emilys (Kelly Bishop) gemeinsame Therapie nur sehr schleppend vorangeht und schließlich zum Stillstand kommt. Nach einem Haufen Sitzungen voller Schweigeminuten und Zeitabsitzerei wirft Emily schließlich das Handtuch und lässt Lorelai alleine bei ihrer Therapeutin Claudia zurück.
Lorelai wiederum scheint diese Therapie sogar fortzusetzen, ohne Luke (Scott Patterson) darüber in Kenntnis zu setzen, dass sie nur noch alleine in die Therapie geht. Zwar widmet sie sich in dieser unter anderem ihrer aktuellen, etwas angestaubt wirkenden Beziehung, jedoch frage ich mich nach unzähligen Sitzungen ebenfalls, wozu diese nützen sollen, wenn nicht nur zur Erinnerung an vergangene Geschehnisse, an die wir uns alle noch recht gut erinnern können.

Doch auch Rory (Alexis Bledel) macht eine Reise zurück in die Vergangenheit, indem sie gemeinsam mit Paris (Liza Weil) einen Ausflug nach Chilton macht, um als Gastlehrerin den Schülern von heute was von damals zu erzählen. Neben einem Haufen überzeichneter Eskapaden ihrer diktatorischen Ader dient dieser Besuch vor allem dazu, das Jobangebot von Rektor Charlestons (Dakin Matthews) aufzuzeigen, dass Rory doch ihren Master nachholen und als Lehrer an der Privatschule anfangen könnte.
One-Night-Stand with a Wookie
Mag Rory dieses Angebot zunächst auch abschlagen, es könnte das beste sein, was die nicht mehr ganz so junge Journalistin noch bekommen könnte. Denn, nachdem sie ihren Job als Buchautorin in London verliert, versucht, einen mittelinteressanten Artikel übers Schlangestehen für die „GQ“ zu schreiben und am Ende noch von einem Onlinemagazin abgelehnt wird, stellt sich schon die Frage, was für eine Art Journalistin Rory wirklich ist.
Nicht nur, dass sie versucht, über ihre verlobte Affäre Logan (Matt Czuchry) und dessen Vater an einen neuen Job zu kommen, insgesamt wirkt Rory in dieser Episode dermaßen selbstüberschätzt und unprofessionell dargestellt, dass ich das Gefühl bekomme, dass vielleicht der Rückzug nach Chilton die beste Idee für sie wäre.

Und da kommen wir bereits zum nächsten Problem der neuen Staffel: Man bekommt ständig das Gefühl, dass sich keiner der zentralen Charaktere seit dem Finale der letzten Staffel wirklich weiterentwickelt hat. Die Beziehung zwischen Lorelai und Luke hätte ebenso gut erst seit ein paar Jahren laufen und Rory könnte ebenso gut erst letztes Jahr aus Stars Hollow abgereist sein können.
Starting an Empire
Von allen diesen Charakteren trägt sicherlich Emily noch das größte Entwicklungspotential nach dem Ableben Richards (Edward Herrmann), dennoch verkommt sie leider in dieser Episode nur zu dessen verlängertem Arm, indem sie Luke von Richards potentiellem Erbe in Kenntnis setzt, welches dieser jedoch ausschließlich für einen Ausbau seines Diners zu einem Franchise nutzen sollte. Falls sich hier jemand nicht mehr daran erinnern kann, ist dieser Ansatz eine Erweiterung der Idee, die Richard in der Episode You Jump, I Jump, Jack entwickelte und mit der er bei dem bescheidenen Luke scheiterte.
Also warum wird dieser Plot wieder aufgegriffen, als sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich Luke dieser Idee hingeben müsste? Warum wird die Idee der Therapie nicht für mehr als für bloße Emily-Lorelai-Schnippigkeiten genutzt und warum lässt man somit die uns bekannten Charaktere auf der Stelle treten? Sicherlich ist die Geheimniskrämerei Lorelais Luke gegenüber bereits ein Indiz dafür, dass es zwischen den beiden noch kriseln wird, ähnlich wie ein potentielles Kind der beiden in der letzten Episode, jedoch kann man sich schon fragen, wie die Beziehung der beiden denn in den letzten Jahren so verlaufen ist.
There are just not enough gays in Stars Hollow
Doch in einer Stadt wie Stars Hollow ging es noch nie wirklich um Entwicklung, wie auch anhand der gescheiterten „Gay Pride Parade“ deutlich wird. Und weil Gilmore Girls sich zu einem Großteil des besonderen Charmes der Kleinstadt bedient, sind es natürlich oft die Besonderheiten dieser Kleinstadt, die in der Serie zwar nicht immer originell sind, dafür aber besser funktionieren.

Das wird besonders an dem Filmabend bei Kirk (Sean Gunn) deutlich, der dazu genutzt wird, dass dieser endlich seinen neuen, nie geforderten, Kurzfilm präsentieren darf. Dieser Film stellt für mich das humoristische Highlight dieser Episode dar und zeigt mir vor allem wieder auf, dass die Serie dann am besten funktioniert, wenn sie sich der abstrusen Zeichnung des stillstehenden Ortes Stars Hollow widmet.
Also ist es natürlich kein Wunder, dass Rory am Ende der Episode wieder bei Lorelai einzieht und etwas Schutz in diesem warmen Nest sucht. Vielleicht ist sie am Ende des Tages eben doch nicht viel mehr als der große Fisch in einem kleinen Teich und vielleicht sollte sie das langsam auch einfach mal akzeptieren. Für eine wirkliche Überfliegerkarriere hätte es dagegen vielleicht doch etwas mehr Selbstständigkeit und Flexibilität gebraucht.
Zuletzt bleibt natürlich der noch kleine, aber äußerst feine Cameo-Auftritt von Mae Whitman zu erwähnen, die in Parenthood die Tochter der von Lauren Graham dargestellten Sarah mimt und somit quasi zum Rory-Pendant geworden ist. Da diese für mich immer die wesentlich besser passende Tochter Grahams darstellte, wirkt jedoch auch dieser Auftritt für mich eher wie ein Hinweis darauf, dass in der Charakterzeichnung Rorys wesentlich mehr drin gewesen wäre.
Fazit
Auch in dem zweiten Teil der vierteiligen achten Staffel bleibt der große Sprung nach vorne aus, was vor allem daran liegt, dass die Serie weiterhin zu viel Fokus auf den Besuch alter Gilmore-Girls-Fanorte legt, statt den Plot wirklich interessant voranzubringen. Neben einer Handvoll charmanter Szenen in Stars Hollow sind es jedoch vor allem die nicht vorhandenen Entwicklungen unserer Protagonistinnen, die negativ ins Gewicht fallen.
Schauen wir also gerade dabei zu, dass Lorelai jetzt plötzlich feststellt, dass Luke doch nicht mehr der Richtige für sie ist, dass Rory die Welt doch nicht dermaßen im Handumdrehen verändert hat, wie sie es gerne hätte, und dass Richards Wille, Luke müsse aus seinem Diner ein Franchise machen, jetzt doch noch umgesetzt wird?

Meiner Meinung nach fühlt sich das nicht nur zu sehr danach an, dass man versucht, so direkt wie möglich an der siebten Staffel anzuknüpfen, es hinterlässt bei mir vor allem den faden Beigeschmack, dass da bezüglich der Charakterentwicklung wesentlich mehr drin gewesen wäre, als wir zu sehen bekommen. Hoffen wir mal, dass der Sommer etwas heißer daherkommt.
Verfasser: Henning Harder am Samstag, 26. November 2016(Gilmore Girls 8x02)
Schauspieler in der Episode Gilmore Girls 8x02
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