Gilmore Girls 8x01

Gilmore Girls 8x01

Sie sind zurück! Durch Netflix haben wir vier neue Gilmore Girls-Episoden vor uns und starten hier mit der Besprechung der ersten, betitelt Winter. Auch wir riechen nun den Schnee und hoffen das Beste.

„Gilmore Girls“ / (c) Robert Voets/Netflix
„Gilmore Girls“ / (c) Robert Voets/Netflix

Da sind wir also, fast zehn Jahre nach dem, was wir lange für das Serienfinale hielten - und nun sind wir nur einen Klick von vier neuen Gilmore Girls-Episoden entfernt. Überwiegt Angst vor Enttäuschung oder Freude über ein Wiedersehen? Egal, wir stürzen uns rein und treffen uns in fünf Minuten wieder.

Die ersten Minuten

Okay, hello again, schön, sich wiederzusehen nach dieser kurzen, aber heftigen Gefühlsachterbahn. Die ersten Minuten der Episode Winter bieten einen tollen Moment, für den sich das Warten gelohnt hat und einiges, was man befürchten konnte. Erst zum Guten: die Verfolgungsjagd, bei der Rory (Alexis Bledel) versucht, in Stars Hollow Handyempfang zu bekommen und Lorelai (Lauren Graham) Schritt halten will, funktioniert super, es ist wie damals, nur neuer, mit besserer Qualität, modernen Klamotten und zeitgemäßen Anspielungen auf die Popkultur.

Doch dann nimmt die Sache auch schon die Wende, einzelne Figuren wie Miss Patty (Liz Torres), Kirk (Sean Gunn) und selbst Lane (Keiko Agena), die Beförderung ihres Mannes, ihr Babyschwein oder anderes kurz in die Kamera halten dürfen, bis es dann weitergeht. Als dann der Satz fällt, dass Lorelai Schnee rieche, darf man befürchten, dass die neuen Episoden eine Einanderreihung von Fanservice werden. Das wäre nicht das Furchtbarste, was uns passieren kann, sicher. Wir hätten ja etwas davon, alle wichtigen Figuren, Storylines und Orte abzuklappern, aber man darf trotzdem auch auf mehr hoffen: auf eine neue Geschichte, auf Entwicklungen, die sich von einem kurzen Statusupdate auf der digitalen Pinnwand unterscheiden.

Aber, nicht entmutigen lassen, wir bleiben hoffnungsvoll und schauen weiter. Und da treffen wir auf Luke (Scott Patterson), der in Lorelais Küche steht und kocht. Gut, sie sind also zusammen, wunderbar, das ist etwas, was man erwarten durfte, aber trotzdem schön zu sehen, dass es auch so ist.

Luke ist den beiden schlagfertigen Frauen hilflos ausgeliefert und er scheint es zu genießen, auf seine Art. Das ist etwas zu glatt, so war Luke nie, auch wenn er Rory immer geliebt hat. Aber naja, wir wenden uns wieder den beiden Hauptfiguren zu, denn langsam stellt sich ein Bild von ihren Leben zusammen. Lorelai wohnt also mit Luke in Stars Hollow, geht die alten Wege, trifft die alten Bekannten und ist sich auch sonst treu geblieben. Das ist wohl auch der einzige Weg, den es gab, alles in Ordnung also auf dieser Ebene.

Wo sie sind

Rory hat gerade ihr Apartment in Brooklyn aufgegeben und hat nun ihre Kartons über Stars Hollow und Hartford verteilt. Sie arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat gerade eine Reportage im New Yorker platzieren können. Auch so weit alles, wie man erwarten durfte. Aber gerade haben wir uns daran gewöhnt, da klingelt es auch schon an der Tür und er steht vor der Tür: Jeffrey, Allen, Billy, nein, er heißt Paul (Jack Carpenter) und er ist Rorys Freund!

Während wir uns noch fragen, was hier eigentlich gespielt wird, dämmert es einem langsam: Aus dem zauberhaften Stil mit der unheimlich hohen Anzahl von Wörtern pro Minute ist zu Beginn der Fortsetzung ein durchschnittlicher Sitcomstil geworden. Der Witz an Paul ist, dass sich nie jemand an ihn erinnern kann, nicht einmal seine Freundin. Und dieser Gag wird durch die ganze Szene gezogen, nichts anderes passiert, bis man schließlich glaubt, bei The Big Bang Theory gelandet zu sein.

Dann wird Richard angesprochen und es wird ernst, denn die Abwesenheit des Großvaters ist durch den Tod des Darstellers Edward Herrmann bedingt. Doch die Trauerverarbeitung hält nicht lange an, denn wir gehen in Luke's Diner! Tyler (Michael Winters) und Kirk geben sich alle Mühe, uns zurück in die alte Stars-Hollow-Stimmung zu holen und auch Luke ist gleich viel besser zu erkennen, wenn er hinter dem Tresen steht. Doch dann holt uns der Paul-Gag wieder ein, nicht schön.

Der nächste große Punkt, den es zu besprechen gibt, ist die Abwesenheit einer weiteren Hauptfigur. Kurz dazwischen: Michel (Yanic Truesdale), wunderbar wie immer, nein, noch besser, er lässt uns und Lorelai in sein Privatleben und betont, dass er kein Kind brauche, weil er Lorelai habe. Chapeau, wunderbar, Michel, volle Punktzahl. Dann Lorelai, die sich in der Tat anstellt wie ein Kleinkind, weil Sookie nicht mehr da ist und daher lieber alle anderen Köche feuert.

Sookie ist unterdessen auf einen noch näher zu bestimmenden Ausflug in einen ökologischen Lebensstil, der mit alternativen Arten von Lebensmittelanbau zu tun hat. Okay, passt auf den ersten Blick nicht zu ihr, aber wer weiß, wir haben sie ja ewig nicht gesehen. Hoffentlich gibt es für diese Entwicklung eine bessere Erklärung als die, dass Darstellerin Melissa McCarthy nicht zur Verfügung stand und Sookie ja nun Koch ist, sich daher also für Lebensmittel interessieren sollte.

Mithilfe der Carpenters holt Kirk eine wunderbare Atmosphäre auf den Bildschirm, wir sind eine halbe Stunde in der ersten Episode, auf dem Weg zu Emily (Kelly Bishop) und es könnte schlimmer sein, aber eben auch besser.

Emily, die Beste

Hach, alleine Emilys Stimme zu hören, ist wunderbar. Aber dann stellen wir fest, dass in ihrem Haus eine Familie lebt, die zu ihrer Haushälterin gehört, vermutlich. Erst Rory, die einen Freund hat, den sie immer wieder vergisst und jetzt Emily mit ihrem Rekord an verschiedenen Hausmädchen, die sich nun von einer auf dem Kopf rumtanzen lässt. Hier ist etwas falsch. Und es könnte der große Abwesende sein, der daran Schuld trägt.

Der Abschied von Richard, die Musikmontage der Beerdigung erwischt uns überraschend, es ist ein bisschen überrumpelnd und man wünscht sich, mehr Zeit dafür zu haben. Von einem Castmitglied Abschied zu nehmen, ist nie leicht und wenn man dann auch nur vier Episoden für dieses und tausend andere Anliegen ist, dann ist das sicher nicht einfach. Aber Jason (Chris Eigeman) an dieser Stelle einzubauen und auf diese Art, das wirkt seltsam. Sprüche über heiße Witwen auf der Trauerfeier für den Vater, nun ja. Dann doch lieber Luke, der aus Hilflosigkeit heraus versucht, alles im Haus zu reparieren.

Mitten in der Episode kommt dann die Frage auf: Bin ich zu kritisch? Finde ich alles blöd, weil es nicht mehr die alte Serie ist? Diese Fragen werden besonders drängend, als sich der Konflikt zwischen Emily und Lorelai auf der Trauerfeier zuspitzt. Doch zwischen so vielen Seltsamkeiten, die wohl dem Zeitdruck geschuldet sind, kommt das Gefühl von Unverstandenheit auf. Denn im Konflikt zwischen Mutter und Tochter war die Großartigkeit oft, dass man beide verstehen konnte, aber sie sich gegenseitig nicht. Und dass sie sich dadurch einsam gefühlt haben, besonders Lorelai. Dass sie im Bruchteil einer Sekunde wieder zu der jungen Tochter wird, die in diesem großen Haus untergeht.

Der Streit in der Episode Winter tut schon beim Zuschauen weh. Manches, weil verschiedene Themen in der Kürze der Zeit zusammengequetscht werden, aber auch, weil die großen Streits der beiden immer schmerzhaft waren, auf die Art, wie sie sein sollten.

Als dann jedoch die Kamera auf Kirk gleitet, kommt die Erinnerung an die Sitcoms wieder auf. Als dann Luke kein Stuhl angeboten wird, muss man wohl einsehen, dass das kein Zufall mehr sein kann.

Kinder?

Doch dann kommt die Unterhaltung zwischen Lorelai und Luke im nächtlichen Diner über Kinder. Die beiden zeigen, wie man auf wunderbare Weise Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen kann, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Wir hören von Jess, von April, von Rory, wir bekommen eine urkomische Geschichte davon, dass Luke es akzeptabel findet, zu sagen, das ist das Kind, um zu zeigen, dass er vielleicht gerne ein eigenes Kind hätte.

Innerhalb weniger Minuten nimmt die Storyline um möglichen Nachwuchs dann jedoch wieder eine seltsame Wendung. Paris (Liza Weil) hat sich beruflich dazu entschieden, ins Leihmutterbusiness einzusteigen, wieder mehr Sitcom als Dramedy und wieder eine verschenkte Figurenrückkehr. Nichts fühlt sich natürlich an, alles zu sehr bemüht. Doch ist Paris nun Leihmuttermagnatin, weil Luke und Lorelai darüber sprechen sollten oder denken die beiden über Nachwuchs nach, damit wir Paris in ihrer neuen Profession erleben können? Man weiß es nicht und es macht auch keinen Unterschied. Wir machen es wie Luke und sagen einfach „Nein.

Unterdessen weilt Rory in einem Privatclub mit einer Figur, die besser in eine Shonda-Rhimes-Serie passen würde und mit der sie fortan wohl einiges zu tun haben wird, schließlich schreibt sie eine Biografie über Naomi (Alex Kingston; Doctor Who, Arrow). Und dann: Rory, Logan (Matt Czuchry) und anders als die Gilmores können wir Paul nicht vergessen! Sie betrügt ihren Freund, sie vergisst immer wieder, Schluss mit ihm zu machen und nimmt das dann noch auf die leichte Schulter?!?

Muss man alles vergeben, um wenigstens alle Figuren in die Story zu pressen? Nein! Was ist aus der moralischen Rory geworden, die sich schlecht gefühlt hat, wann immer Lorelai und Emily sich darauf einigen konnten, Richards Junggesellenbude zu durchsuchen? Gut, sie war in Hinsicht auf Beziehungen nie die einfachste und sie hat einen großen Fehler mit dem damals bereits verheirateten Dean gemacht, aber das hatte dann ja auch Konsequenzen. Nun ist es ein Witz für alle, dass Rory einen Mann an der Nase herumführt, der einfach freundlich ist und den sie dann auch noch betrügt. Worüber sie dann auch noch ihre Mutter anlügt. In welcher Serie sind wir hier?

Annäherung

Schön hingegen ist die Annäherung von Luke und Taylor und die kurze, amüsante Szene mit den beiden Stadtsängern, bis wir dann sehen, wie Paris mit Rory durch die Stadt gefahren wird. Und dann, der Moment, an dem klar wird, dass der schnelle Witz den Serienautoren in dieser Episode wichtiger ist als der Wortwitz und der Inhalt! Kirk fragt Rory, ob sie fragen kann, ob Lane ein Verlängerungskabel hat, doch drei Sekunden später kann sich niemand mehr daran erinnern. Das fühlt sich falsch an, das ist das Gegenteil von Gilmore Girls. Kann ein Lied von Hep Alien darüber hinwegtäuschen? Zumindest ein bisschen den Schmerz lindern kann das Lied.

Doch, Auftritt Emily, immerhin sie kann mit ihren Monologen über Leichenverschiffungen und Stühle, die keine Freude bringen, noch begeistern. Jetzt, wo Rory offensichtlich in einer schweren Charakterkrise steckt und viele Menschen in ihrer Umgebung anlügt, konzentrieren wir uns auf Lorelai und Emily, denn die beiden bringen noch den alten „GG“-Vibe auf die Mattscheibe.

Fazit

Wenn Erwartungen so groß sind, dann ist es schwer, zu liefern. Und allen kann man es ohnehin nicht recht machen. Die erste Episode der Gilmore Girls-Fortsetzung ist - und das sind die guten Neuigkeiten - keine Katastrophe. Sie ist holprig, stellenweise seltsam und bisher mehr unzusammenhängender Fanservice als echte Story. Aber es ist ja auch erst der Einstieg, es kann alles noch werden, aber am Ende der Episode Winter ist man erst mal ein bisschen abgekühlt, denn die in den wunderbaren Rhythmus aus Wortwitz, Schnelligkeit und magischen Realismus haben die Serienmacher nicht so schnell wieder hineingefunden.

Trailer zur US-Serie „Gilmore Girls: Ein neues Jahr“

Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 25. November 2016

Gilmore Girls 8x01 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 1
(Gilmore Girls 8x01)
Titel der Episode im Original
Winter
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 25. November 2016 (The WB)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 25. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 25. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 25. November 2016
Autor
David S. Rosenthal
Regisseur
Lee Shallat Chemel

Schauspieler in der Episode Gilmore Girls 8x01

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