Star Trek: Enterprise 4x21

© UPN
Was passiert?
John Frederick Paxton und seine Terra-Prime-Schergen sind weiterhin gewillt, ihre finstere Agenda durchzusetzen: Alle Außerirdische sollen umgehend das Sonnensystem verlassen, sonst droht Waffengewalt. Archer und seine Crew müssen noch mal alles geben, um den Tag und auch das Baby von Trip und T'Pol zu retten...
Dies & das

- Eigentlich sollte T'Pol für ihr Baby ein Gute-Nacht-Lied auf Vulkanisch singen. Ob man das dann nach Testläufen mit Jolene Blalock lieber wegließ, ist nicht überliefert.
- Komponist Jay Chattaway setzte sich damit durch, Archers Rede und die finale Unterhaltung von Trip und T'Pol mit Musik zu unterlegen. Darüber hatte es vorher einige unterschiedliche Ansichten gegeben...
- Die Episode These Are the Voyages lief in den USA bei der Erstausstrahlung am selben Abend.
Zitate
„There are protesters chanting outside the Andorian embassy... and they're using words that aren't in the universal translator.“ (Thoris)
„Hello. I'm your mother. You're going to need a name. We should discuss that with your father.“ (T'Pol)
„Up until about a hundred years ago, there was one question that burned in every human, that made us study the stars and dream of traveling to them. Are we alone? Our generation is privileged to know the answer to that question. We are all explorers driven to know what's over the horizon, what's beyond our own shores. And yet the more I've experienced, the more I've learned that no matter how far we travel, or how fast we get there, the most profound discoveries are not necessarily beyond that next star. They're within us, woven into the threads that bind us, all of us, to each other. A final frontier begins in this hall. Let's explore it together.“ (Archer)
Alle gegen das arme Baby

Während Paxtons Brandrede vom Ende der letzten Episode noch weiterläuft (aber keine neuen Erkenntnisse bringt) und Archer keine Chance hat, ihm den Saft abzudrehen, wird klar: Das Baby von Trip und T'Pol befindet sich im Zentrum seiner Argumentation. Am Beispiel des unschuldigen Säuglings möchte er verdeutlichen, wie gefährlich die Vermischung der Spezies ist - vornehmlich natürlich für die Menschen. Dass die meisten beim Anblick eines Babys jedoch eher in gefühlsduseliges Schwärmen geraten, scheint er dabei aber nicht bedacht zu haben...
Auch zeigen sich sowohl der Anführer als auch sein Hauptscherge schnell als in ihrer Simpelideologie verrante Spinner, die bar guter Gründe nur ihre populistische Soße verbreiten. Besonders entlarvend ist der Dialog mit Trip, als auf die Frage, warum der Hass auf die Vulkanier so groß sei, geantwortet wird: weil sie keine Menschen sind. Die AfD wäre stolz.
Doppelmoral und Heuchlerei offenbart Paxton später noch, als klar wird, dass er an einer schweren Krankheit leidet und sich mit Alienmedizin behandeln lässt. Seine lapidare Entgegnung lautet sinngemäß: Auch andere große Männer haben so was nicht ganz so genau genommen. An dieser Stelle zerfällt der Charakter dann leider auch und offenbart ein gepflegtes Nichts als Antrieb oder Vision. Paxton ist schlicht ein charismatischer Schaumschläger - damit ist er zwar in der Geschichte der Menschheit nicht alleine, für einen starken Antagonisten reicht das aber an dieser Stelle leider nicht aus.
Doch es gibt auch noch eine Bedrohung abseits jener für das Baby: Paxton plant, den Herd allen Übels, das Hauptquartier der Sternenflotte, zu vernichten, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden und sich die Außerirdischen nicht von der Erde verdünnisieren. Wie immer gilt also: „The stakes are high and time is running up.“
Archer schickt Reed daher mal wieder zu Sektion 31 und plant einen Angriff auf die Marsbasis. Hier liefert die Episode Action, Rasanz und eine nette Sequenz im Schweif eines Kometen. Dass alles ein wenig wie malen nach Zahlen wirkt, ist zu verschmerzen. Der Serie war zu diesem Zeitpunkt der Sprit leider schon fast ausgegangen.
Einen spannenden Aspekt erwähnt man jedoch immerhin noch nebenbei: Als den Botschaftern auf der Erde die Situation klarwird, stellt der Andorianer die Frage auf, ob die Menschen nicht vielleicht noch in sich als Volk zu zerrissen sind, um wirklich gute Gastgeber für diese Gespräche zu sein. Da dieser Gedanke jedoch nach erfolgreicher Eliminierung Paxtons zerfällt, bietet sich auch an dieser Stelle wenig Chance für eine inhaltliche Beleuchtung. Die Menschen sind dann wohl doch bereit: Weiter geht's.
Apropos: Der finale Showdown zwischen Archer und Paxton bietet leider auch nur rhetorisches Gewäsch. Auf einmal paraphrasiert der Terra-Prime-Guru aus dem Nichts über Väter und was sie uns mitgeben oder von uns erwarten - ohne Vorarbeit hat dieser Gedanke aber auch keinen wirklichen Sinn. Ein Faustkampf muss her, Archer triumphiert, die Waffe wird dennoch gezündet (oh Schreck!) und Paxton stirbt mit einem pathetischen „Terra Prime für immer“ auf den Lippen. Dass der Abschuss jedoch nur stilvoll neben der Golden Gate Bridge ins Meer trifft, erfährt er nicht mehr. Er stirbt im Glauben des Erfolges. Na, herrlich.
Archer hingegen darf als Belohnung für sein Tun noch mal eine richtig schmissige Rede halten. Und so wandelt Scott Bakula ein letztes Mal mit kantiger Gestik durch einen Monolog, der zwar typisch „Trek“ ist, aber auch irgendwie an seine mehr als sonderbare Gazellenrede aus der zweiten Season erinnert. Der Gute hatte einfach nie richtig Glück mit den Dialogschreibern. Den Tag und die Gespräche hat er jedoch gerettet - und diesmal meint ausgerechnet Soval: Ja, da darf man gerne Klatschen. Ein Kreis, der sich zum Beginn der Doppelfolge schließt und dem vulkanischen Botschafter einen letzten Sympathiepunkt einbringt.
Travis zwischen Liebe und Übellaunigkeit
Sympathisch war auch Travis Mayweather immer. Doch alleine die Tatsache, dass er hier am Ende sogar noch mal eine Überschrift von mir spendiert bekommt, zeigt, dass man den freundlichen Steuermann zumindest erneut gut eingesetzt hat. Nachdem er in der ersten Dreiviertelstunde noch der dumme war, wird er hier nun zumindest teilrehabilitiert, als Genna sich als Agentin der Sternenflottensicherheit herausstellt, die den echten Terra-Prime-Terroristen an Bord fassen sollte. Dass man dafür kurzzeitig noch mal den bedauernswerten Kelby heranzog, um ihn zu verdächtigen, schmerzt.
Am Ende war der Bösewicht innerhalb der Crew dann aber doch nur ein austauschbares Michgesicht, das sich unter Tränen mit dem Phaser selbst tötet. Wie so oft: Resonanzfreies Drama mangels emotionaler Grundierung. Trotz drastischer Darstellung wirkt hier leider nichts nach. Immerhin besteht bei Travis aber nun doch noch die Hoffnung, die Beziehung zu Genna wieder aufnehmen zu können. Schön für ihn. Weniger schön, dass er kurz vorher auf dem Flug über die Marsoberfläche noch mal einen richtig fiesen Kalauer raushauen musste.
Irgendwie tröstlich?
Bleibt uns noch das emotionale Zentrum der Episode: Die Geschichte rund um Trip, T'Pol, das Baby und Phlox. Viel erfahren wir zwar nicht, erleben aber T'Pol immerhin emotional angefasst in ihrer neuen Rolle als Mutter und spüren den Schmerz, den der Tod der kleinen Elizabeth den beiden bereitet. Auch Phlox erhält eine herzergreifende Szene, in der er Archer gesteht, dass ihm der Tod des Babys nahegeht, als wäre es sein eigenes Kind - eben, weil er in der Enterprise-Crew selbst Familie gefunden hat.
In einer wirklich herausragenden Episode hätten solche Momente die Cocktailkirsche auf der Sahnetorte sein können, hier fallen sie fast ein wenig aus dem Gesamtkorsett heraus, wirken gehetzt, erzwungen und nicht gänzlich rund. Ein wenig mitnehmen konnten sie aber dennoch.
Technisch betrachtet
In dieser Disziplin gab es leider noch mal einige böse Aussetzer: Die Landung auf dem Mars sah so fake aus wie lange nichts mehr und wurde am Ende dann doch noch durch die reißende Scheibe in Paxtons Büro überboten. Schade.
The Reviewer's Wife
Die Frau des Rezensenten hätte nie gedacht, dass es sich bei dieser doch recht konventionellen Episode um das eigentliche Serienfinale handeln könnte. Viel zu stereotyp und spannungsfrei kam ihr das Geschehen daher. Zumindest aber gefiel ihr der zweite Teil besser als der erste. Guter Flow, aber inhaltlich flach. So klangen ihre Worte.
Gib dem Kind einen Namen
Terra Prime: Wem der Name der finsteren Organisation bisher entgangen war, erhielt hier noch mal Gelegenheit mitzuschreiben. Und das sogar zweisprachig!
Fazit

Und so endet es? Mit einer Träne im Knopfloch verarztet die Serie den abschließenden Zweiteiler und ihre vierte Staffel mit einer angemessenen Handlung, emotionalen Worten und großen Gesten. Nicht großformatig, aber erfreulich in sich selbst ruhend. Zumindest würde dieses Statement in einer fairen Welt gelten - doch sendete man damals leider direkt danach noch das wirklich richtig echte Serienfinale, das zwar die Qualität von „Terra Prime“ nicht schmälert, der Episode aber den Status als abrundendes Element raubte.
Und exakt darum geht es am kommenden Samstag. Das große Geschenk der Bermans und Bragas an die Trekkies dieser Welt. Morgen ist bei B5 der Himmel für Sinclair voller Sterne.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 17. Juni 2017(Star Trek: Enterprise 4x21)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?