Star Trek: Enterprise 4x20

Star Trek: Enterprise 4x20

America First? Nein. Terra Prime! Zum Ende vermengt die Serie schwelende Themen mit gesellschaftlichen Beobachtungen unserer Zeit und liefert den Auftakt für ein inhaltlich rundes, aber qualitativ nicht immer überzeugendes Serienende.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“ / (c) Paramount
© ffizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“ / (c) Paramount

Was passiert?

Die Enterprise kehrt zur Erde zurück, wo eine neue Koalition der Planeten entstehen soll. Doch gefährdet eine radikale Pro-Erde-Bewegung mit einem perfiden Plan die ambitionierten Ziele, an denen auch die Crew der Enterprise fleißig mitzuarbeiten versucht...

Dies & Das

  • LeVar Burton kehrte hier ein letztes Mal auf den Regiestuhl zurück.
  • Dies war das erste Mal, dass man die (pseudo-echte) Oberfläche des Mars zu sehen bekam. In „Star Trek: Voyager“ hatte es immerhin mal zu einer Simulation gereicht.
  • Harry Groener kennt man als Tam Elbrun aus TNG oder als Magistrat aus „Star Trek: Voyager“. Peter Weller ist den Genrefans sicher als „Robocop“ in Erinnerung.

Zitate

You're behind this.“ (Tucker hat einen hellen Moment)

Clap louder. That's an order!“ (Archer übertreibt)

You'll also be interested to know that she has your eyes...and T'Pol's ears.“ (Phlox kalauert)

If you're going to San Francisco...

Die Crew der Enterprise kehrt nach den diversen Krisen und Abenteuern der Serie und besonders der vierten Staffel zurück zur Erde, um die Früchte der Arbeit (auch) ihrer Mission gemeinsam mit den Politikern der Erde zu ernten. Minister Samuels hält dabei eine positive Rede über Völkerverständigung und die Zukunft einer Koalition der Welten. Da darf man auch mal heftiger klatschen, meint Archer. Da vergisst aber einer die wichtige Rolle der Enterprise, äußert Trip. Recht haben wohl beide.

Mit dem Auftritt einer verwirrten, schwer verletzten Frau, die zudem aussieht, als würde sie unter Drogen stehen (und die einfach so in einen Raum voller Politiker, Botschafter und Offiziere spaziert), kommt dann jedoch die eigentliche Story in Gang. Eine geheime Organisation namens Terra Prime (das Äquivalent zu Trumps „America first“) möchte die Unterwanderung der Erde durch Außerirdische stoppen und die Welt den Menschen zurückgeben.

Ein Motiv der Xenophobie, das sich wie ein Krebsgeschwür durch die Geschichte der Menschheit frisst und auch heute traurige Relevanz besitzt. Somit ist es gerade für Trek natürlich richtig und wichtig, dieses heiße Dauereisen (immer wieder) anzupacken. Gerade wenn es im Kontext mit der anstehenden Gründung der Föderation so viel Sinn macht wie hier.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“ - © Paramount

Bei der Frage nach dem Wie gilt es dann jedoch auch ein paar Abstriche zu machen. Peter Weller gibt als Paxton zwar einen durchaus charismatischen Anführer, der sich sogar einen Moment der Selbstzweifel gönnt, bleibt ansonsten aber Phrasendrescher und arroganter Widerling. Dass er zudem ein Baby in seiner Gewalt hat, welches offenbar von Trip und T'Pol ist, macht ihn da auch nicht sympathischer. Eine Erklärung für die Existenz des Babys finden an dieser Stelle übrigens weder wir, noch die vermeintlichen Eltern. Nebulös, das Ganze.

Auch Paxtons Schergen bieten wenig Raum für tiefergehende Analysen. Bei einer Kampfrede in den Minen des Mondes reicht es nur für hohle „das kann so nicht weitergehen“-Parolen, die aber immerhin auf den Terrorübergriff auf die Botschaft der Erde auf Vulkan und den Xindi-Zwischenfall eingehen. Ansatz gut, Ausführung mittelprächtig.

So endet dann auch die Undercovermission von Trip und T'Pol zum Mond schnell und unaufgeregt in den Händen von Paxton und seinen Leuten. Angekommen, verlaufen, enttarnt, entführt - war scheinbar eine super Idee.

Mit der ganzen Mondbasis geht es fix rüber zum Mars, der offenbar als neue Basis dienen soll. Hier übernimmt man auch gleich eine Vorrichtung zur Zerstörung von Kometen, die offenbar genug Power hat, Mond, Erde und andere Raumschiffe zu bedrohen, aber trotzdem nicht bewacht wird. Wäre ungefähr so, als würde Donald Trump einen Raketenwerfer vor dem Weißen Haus auf der Straße parken - mit Zündschlüssel im Schloss.

Paxton hat nun also den Mars, riesige Feuerkraft, Trip, T'Pol und deren gemeinsames Baby (von dem wir immer noch nicht wissen, warum es überhaupt existiert) unter seiner Kontrolle und hält direkt eine Rede auf allen Kanälen. Kernpunkte: Die Erde den Menschen, Aliens raus, sonst Boom! Terra Prime! Für immer! Das ist zwar Comic-Stil der Extraklasse, gibt aber immerhin einen schmissigen Cliffhanger ab.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“ - © Paramount

Das ist wie fliegen, dich einfach zu lieben...

Bleibt noch die Geschichte rund um Travis Mayweather. An dieser Stelle gilt es vor dem Schreiben aber noch einmal tief Luft zu holen. Bereits die Tatsache, dass der Steuermann der Enterprise von Beginn der Episode an derart viele Szenen und Dialogsequenzen bekam, dürfte viele stutzig gemacht haben. Eine eigene Storyline um eine Ex-Freundin, Gedanken zu seiner Zukunft und der Raumfahrt an sich - sollte Autor Manny Coto dem seit Jahren unterforderten Crewmitglied hier wirklich endlich mal ohne jegliche Hintergedanken einen netten, kleinen Handlungsstrang ins Drehbuch geschrieben haben?

So wie man das als wohlmeinender Drehbuchautor für die Charaktere eines Ensembles eben so zu tun pflegt? Das wäre ja zu schön um wahr zu sein! Nein! Es wäre leider zu schön, um glaubhaft zu sein. So riecht man die Enthüllung, dass Genna für Terra Prime spioniert, leider bereits Meilen gegen den Wind. Nur Travis ist am Ende völlig perplex und der begossene Pudel, der einer Terroristin Zugang zum Schiff gewährt hat. Nun - immerhin hatte er mal wieder Sex. Und der war auch noch so gut wie Fliegen! Das ist doch auch irgendwie Charakterentwicklung.

Apropos Fliegen: Der in der Überschrift zitierte Lotto King Karl wäre übrigens ganz sicher sehr begeistert von Gannets Post-Sex-Ausspruch „Das fühlte sich in jedem Fall wie fliegen an“, dem Rezensenten samt Gattin fielen hier allerdings fast die Drinks aus der Hand.

Beobachtungen

Als Beiwerk wird noch erwähnt, dass Hoshi einen ersten Universalübersetzer mitentwickelt hat, der nun bei den Verhandlungen zum Einsatz kommt und natürlich auch storyrelevant wird, als plötzliche Fehlfunktionen als Versuch der Spionage durch Genna enttarnt werden. Regel für schlüssige Drehbücher: Keinen Charakter und kein Gadget einführen, was nicht immanenten Storynutzen besitzt. Man könnte das Publikum schließlich überfordern, wenn Dinge erst in späteren Episoden wichtig werden. Dennoch ist es natürlich eine nette, wenn auch überstürzte Idee, die eine gute Brücke zu den späteren Serien schlägt und Hoshis Rolle geschichtliche Relevanz verleiht.

Reed wird zudem erneut in seiner Funktion als Agent der Sektion 31 gezeigt, da Archer ein paar Insiderinfos benötigt. Dieser Handlungsstrang hätte in einer fünften Staffel durchaus noch Potential gehabt, hier ist er immerhin eine nette Notiz am Rande.

Die Geschichte um das Baby wird zwischen Trip und T'Pol ebenfalls in ein paar intimen Momenten thematisiert, kommt aber nicht über Soap-Niveau („wenn du noch irgendwelche Gefühle für mich hast...“) hinaus. Das war bei diesem Handlungsstrang aber leider ohnehin nie anders. Zudem hat Jolene Blalock wieder ein paar dieser Momente am Start, die jegliches Gefühl für Schauspiel vermissen lassen - man beachte die Szene, in der Phlox enthüllt, dass es sich um ihr und Trips Baby handelt.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Demons“ - © Paramount

The Reviewer's Wife

Viele haben sie bei „Star Trek: Enterprise“ zuletzt vermisst, zum Finale nahm sie wieder auf dem heißen Stuhl Platz. Die Episode drang jedoch emotional nicht zu ihr durch, zu vorhersehbar und ausgelatscht waren ihr die Storypfade, zu eindimensional die Charaktere. Für sie haben die diversen Trek-Serien oft besser und subtiler auf aktuelle Probleme angespielt als hier. Und was Travis und sein Ex-Freundinnen-Drama angeht: Beim oben zitierten Satz zum „Fliegen“ kippte sie wie gesagt fast vom Sofa, als der Verrat enttarnt wurde schaute sie mich nur bierernst an und meinte: „Das ist aber jetzt wirklich total überraschend.“ - ja, sie kann gemein sein.

Technisch betrachtet

Die Aufnahmen aus San Francisco sehen wie auch die Landung auf dem Mars ganz gut aus, das Mondpanorama birgt dagegen „Space: 1999“-Charme. Viele Kulissen sind stimmig, die Minen auf dem Mond hingegen kommen etwas schlaff daher. Der Score ist leider viel zu beliebig und kann keine großen Emotionen schüren. „Mixed bag“ trifft es technisch wohl.

Gib dem Kind einen Namen

Demons: Tja, die inneren Dämonen sind schon echte Schweinehunde. Paxton hat sie, Samuels hat sie, die Menschheit hat sie. Und Archer und Co sicher auch. In diesem Fall ist die Titelwahl fast schon subtil - gemessen an vielen Versuchen der Serie zuvor.

Dämonen: 1:1 übersetzt - passt.

Fazit

Das ganz große Drama bricht zwar noch nicht aus, dennoch ist „Demons“ eine stimmige Einleitung für das (eigentlich) letzte Kapitel der Serie, weil es sich richtigerweise auf die Hintergrundgeschichte der Serie, die Situation auf der Erde und die Charaktere konzentriert, sowie dabei spannend bleibt und durchweg unterhält. Wenn man schon mal vorsichtig auf die allerletzte Episode der Serie vorausschielt, muss man sagen: Man darf froh sein, dass man diesen Zweiteiler noch bekommen hat.

Nächste Woche beenden wir den Zweiteiler mit „Terra Prime“ - witzigerweise geht es morgen bei „Babylon 5“ übrigens auch um eine Pro-Erde-Bewegung und die Ängste der Menschen vor zu vielen Aliens.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 10. Juni 2017
Episode
Staffel 4, Episode 20
(Star Trek: Enterprise 4x20)
Deutscher Titel der Episode
Dämonen
Titel der Episode im Original
Demons (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 6. Mai 2005 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 25. Juni 2006
Autor
Greg Ellis
Regisseur
LeVar Burton

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x20

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?