Star Trek: Enterprise 4x19

© ild aus der Episode „In a Mirror, Darkly, Part 2“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) Paramount
Was passiert?
Zwischen Festsitzen im Tholianischen Netz und fiesen Gorn-Übergriffen entspinnt sich eine Reihe aus Intrigen und Privatfehden zwischen Archer und seinen Leuten aus dem Paralleluniversum, die die handelnden Personen an den Rande von Tod und Untergang führen könnte...
Dies & das
- Mike Sussman wollte eigentlich keinen Zweiteiler machen - er wird geahnt haben, warum...
- Ein kurzer Cameo-Auftritt von Sussman als Leiche wurde leider geschnitten.
- Majel Barrett-Roddenberry durfte nun also auch in Star Trek: Enterprise noch mal die Computerstimme geben - genauer gesagt die der Defiant.
Zitate
„These people had some strange ideas about uniforms.“ (Parallel-Hoshi)
„Great men are not 'peacemakers'. Great men are conquerors!“ (Parallel-Archer)
„You're confusing our universe with someone else's!“ (Parallel-Archer)
Es war einmal ein gutes Setup...
Der erste Teil hatte wirklich positiv vorgelegt. Mit der epischen Abschlusssequenz an Bord der Defiant schuf man zudem einen emotionalen Klimax, den es nun zu bestätigen galt. Doch war in diesem Fall das Wunderbare der Feind aller niedrigeren Qualitätsstufen. Soll heißen: Es konnte nur abwärts gehen. Also ab in den Fahrstuhl des Grauens und runter mit uns ins Tiefgeschoss.

Doch was passiert eigentlich? Evil Archer hat nun die Defiant als ultimative Waffe gegen die Rebellion in seinen Händen und will mit aller Macht selbige an sich reißen. Hier denke man sich ein blechernes Lachen aus dem Off. Dabei muss er sich gegen viele Intrigen wehren und sogar einen Gorn bekämpfen - den ich fälschlicherweise bereits im ersten Teil erwähnt hatte. Dieser Gorn steckt nicht wie Anno Kirk in einem peinlichen Latex-Anzug, sondern besteht nun aus peinlich-schlechten CGI-Effekten direkt aus dem Asylum-Jurassic-Park. Schade.
Der Rest ist lahmes Trallala. Story vom Reißbrett ohne jegliche Tiefe. Krise, Lösung, Drohung, Gegendrohung, Gewalt, Gegengewalt. Da könnte man selber fast handgreiflich werden vor Ärger ob des Gezeigten beziehungsweise eben Nichtgezeigten.
Ein schönes Beispiel ist in diesem Zusammenhang, wie Parallel-Archer über seinen Gegenpart liest. Was dieser nicht alles erreicht, geleistet und geschafft hat... Was für ein gänzlich anderes Leben dieser lebte. Was hätte diese Information mit der Psyche eines ernsthaften Charakters doch alles anrichten können? Was für wunderbare Dialoge hätten sich mit seinen Vertrauten ergeben können? Hier jedoch verpufft die Information, da man uns nur einen schlichten Cartoon-Hero ohne Substanz präsentiert.
Überhaupt überdreht in Sachen Darstellung niemand so sehr wie Scott Bakula - seine Darstellung ist so dermaßen over the top, dass man Kate Mulgrew für ihre Farce in „Bride of Chaotica!“ nachträglich heiligsprechen möchte. Overacting à la Shatner - muss man wohl mal machen.

Der Rezensent hatte eine Vorahnung...
Als ich mich bei meiner Review-Arbeit zu Star Trek vor geraumer Zeit dazu entschied, Mehrteiler in Einzelteilen zu besprechen, um zum Beispiel die jeweils beteiligten Personen (Autoren, Regisseure, Darsteller, Komponisten uns andere) für ihre tatsächliche Arbeit zu würdigen und nichts in einen Topf zu werfen, was nicht zusammen dort hinein gehört, hatte ich, ohne es zu wissen, vermutlich genau einen solchen Fall vor meinem inneren Auge. Ein bockstarker erster gefolgt von einem hemdsärmeligen zweiten Teil. Ein Pay-off, das dem Setup nicht würdig ist. Ein Ganzes, das exakt mittig qualitativ zerbricht.
Was sich bei Mike Sussman in den ersten 45 Minuten durchaus noch story credit nennen durfte, war bei Manny Coto zu einem reinen Verwaltungsakt geworden, den der arme Sussman dann auch noch in ein drehfähiges Buch umarbeiten musste. Wie presst man heiße Luft in ausreichend Seiten? Hier scheiterte auch Sussman. Gerade, weil er selber ja gar keine Idee für eine Fortführung hatte.
Die Story des Gesamtwerkes hätte man locker in einer Episode abhandeln können - ja, müssen. Dann wäre aus „In a Mirror, Darkly“ ein Event geworden, das man nicht so leicht vergessen und in die Klassikerriege hätte aufnehmen können. In der Summe beider Teile jedoch bleibt der Ausflug ins Paralleluniversum nun immer auch eine Spur Ärgernis. Und das ist wirklich schade.
Ganz auffällig ist dieser Umstand übrigens tatsächlich, wenn man beide Episoden direkt hintereinander schaut. Wie plötzlich alles zu nerven beginnt, sich Intrige an Intrige kettet, die Charaktere immer wieder die gleichen, hohlen Phrasen dreschen: Es ist ein Elend. Dass das Ganze dann noch in wunderbaren Sets und mit tollen Kostümen und Props dargebracht wird, kann man fast als seelische Grausamkeit gegenüber den Fans bezeichnen. In diese Sets gehören Forscher, keine anarchischen Brutalos mit Schnurrbart und Betthäschen.
Gib dem Kind einen Namen
„In a Mirror, Darkly“: Genau wie die Vorgängerepisoden aus dem Paralleluniversum erhält auch diese Episode einen stimmungsvollen Titel, der jedoch nur auf die düstere Machart des Schauplatzes abzielt. Klingt jedoch definitiv nett und cool.
„Im finsteren Spiegel / Die dunkle Seite des Spiegels“: Die deutsche Version macht mit ihrer Übersetzung alles richtig. Egal, ob man die erste oder zweite Version meint oder kennt.

Fazit
Das war nun leider gar nichts. Auf dem Niveau der unsäglichen „DS9“-Klamödie „The Emperors New Cloak“ dümpelt die eigentlich gute Ausgangssituation ihrem vorhersehbaren Ende entgegen, lässt dabei weder Klischees noch Fettnäpfchen aus und segelt komatös in den Abspann. Verschenkt wäre noch untertrieben.
Es wird langsam ernst. „Demons“ eröffnet nächsten Samstag den wahren Abschlusszweiteiler der Serie. Dass danach noch ein „Geschenk“ an die Fans kam, thematisieren wir dann lieber in Ruhe in drei Wochen.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 3. Juni 2017(Star Trek: Enterprise 4x19)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?