Star Trek: Enterprise 4x18

Star Trek: Enterprise 4x18

Bound, Part 2? Zum Glück nicht. In Sachen Guilty Pleasure ist die Episode zwar fast ein Zwilling, begeistert aber durch clevere Einfälle, ein grandioses Ende und garniert das Ganze mit viel harmlos-hübschem Spaß.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror, Darkly (Part 1)“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror, Darkly (Part 1)“ / (c) Paramount
© ffizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror, Darkly (Part 1)“ / (c) Paramount

Was passiert?

Die ISS Enterprise ist nach einer verlorenen Schlacht auf der Suche nach einem Schiff aus der Zukunft. An Bord geht jedoch alles bei weitem nicht seinen gewohnten Gang...

Dies & das

  • Die Folge spielt auf die Classic-Episode „The Tholian Web“ an.
  • Die Episode unterscheidet sich von anderen Folgen aus den Classics und „DS9“ dadurch, dass niemand aus unserem Universum in das Paralleluniversum reist. Sie beginnt und endet komplett auf der anderen Seite.
  • Vaughn Armstrong darf noch mal als Forrest zurückkehren, obwohl sein eigentlicher Charakter bereits Anfang der Staffel verstorben ist.

Synchron oder weniger synchron

Die deutsche Übersetzung von „Empress“ lautet als weibliche Form nicht „Imperator“ sondern „Imperatrix“.

Zitate

You don't want to end up like me, do ya? I've absorbed enough delta rays to guarantee my grandchildren glow in the dark.“ (Parallel-Trip)

I wonder how history would have played out if Cochrane hadn't turned the tables on your invasion force. Humans might be your slaves instead of the other way around.“ (Parallel-Archer)

I think you enjoy your work too much, Doctor.“ (Parallel-Forrest)

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror - © Darkly (Part 1)“ Paramount

Was wäre, wenn...

... Zephram Cochrane beim ersten Kontakt nicht die Hand gereicht, sondern eine Pumpgun gezückt hätte, um den Vulkanischen Botschafter mir nichts, dir nichts umzunieten? Was der Auftakt für eine Trek-typische Alternativrealität hätte sein können, ist vielmehr ein Ausflug ins wohlbekannte Paralleluniversum, das wir in Star Trek und Star Trek: Deep Space Nine schon mehrmals besuchen durften. Der Teaser weckt dabei wundervolle Erinnerungen an „Star Trek: First Contact“ (inklusive des tollen Soundtracks), um uns dann clever und unvermittelt die Wendung zum Desaster zu liefern.

Effektiv und ein großer Spaß für Fans. Gleiches gilt auch für die veränderte Titelsequenz, die Errungenschaften der Kriegsindustrie zeigt und eine dramatische Musikuntermalung präsentiert, die zum Beispiel auch dem Xindi-Arc viel besser zu Gesicht gestanden hätte als die überarbeitete Calypso-Version des eigentlichen Titelsongs. Schwamm drüber. Spannend ist noch, dass es im Bildermix sogar einen Schnipsel aus Star Trek: Voyager („Dragon's Teeth“) und aus dem Film „Jagd auf Roter Oktober“ zu sehen gibt.

Was Autoren so als Story bezeichnen...

... nenne ich an dieser Stelle mal lieber das Abhaken von grenzdebilen Einfällen, die allesamt eine Grundstimmung gemeinsam haben: die der Redundanz. Nicht, dass das in einer Episode über das Paralleluniversum etwas Neues wäre - oh nein. Auch „DS9“ ging einige Male (besonders zu späteren Zeitpunkten) deutlich über die Grenze des Erlaubten hinaus und ließ die Episode dann eher wie ein reines Funvehikel aussehen, dem keine gute Idee zugrunde lag, sondern nur der Wille, einen weiteren Ausflug in diesen regelarmen Bereich des Universums zu unternehmen.

Das heißt nun jedoch auch nicht, dass das Ganze keinen Spaß machen würde. Das macht es! Den vollkommen auf links gedrehten Crewmitgliedern dabei zuzusehen, wie sie sich durch irre Situationen chargieren und ihre dämonische Seite herauslassen, hat auch schon bei den Vorgängerserien bestens funktioniert. So auch hier.

Chargiert, ihr Schauspieler! Die Arbeitslosigkeit naht!

Und wenn man eben ganz genau hinschaut, wie alle Darsteller ihre veränderten Rollen interpretieren, könnte man gar auf die Idee kommen, sie versuchen, sich noch einmal kollektiv mit völliger Überinszenierung ins Gespräch für neue Jobs zu bringen. Welche das dann sein würden, möchte ich mir an dieser Stelle aber lieber nicht ausmalen. Oder sie hatten einfach nur Spaß an dieser anarchischen Version ihrer selbst.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror - © Darkly (Part 1)“ Paramount

Ob Archer als schief grinsender Gernegroß, Trip als psychisches und physisches Wrack, der sadistische Phlox, die Kampfschweine Reed und Mayweather oder Hoshi als Dauermätresse der wechselnden Captains - jeder erhält seine Nische und Zeit, sich zu zeigen. T'Pol ist übrigens - wie seinerzeit auch Mirror-Spock - am nächsten bei sich, was ihren eigentlichen Charakter angeht. Zum Glück verzichtete man an dieser Stelle aber auf den Bart.

Und sogar Vaughn Armstrong alias Admiral Forrest darf nach seinem Tod zu Beginn der Staffel diesmal den Captain geben - wenn auch nicht allzu lange. Dennoch schön für den beliebten „Trek“-Dauergast.

Man merkt es vielleicht - immer noch drücke ich mich um den Inhalt der Episode herum. Nun, er spielt schlichtweg keine Rolle. „Style over substance“ ist hier ganz klar das Motto gewesen. Doch eine Sache muss am Ende doch noch explizit erwähnt werden...

Der letzte Akt reißt alles raus

Es war wirklich kurz vor knapp, doch zum Schluss packt die Episode dann noch die ganz große Kanone aus, feuert einen gezielten Schuss in unsere Herzen ab und trifft mit der Präzision eines Autors, der schon oft für Highlights gesorgt hat. Mike Sussman hat es an dieser Stelle jedoch nur niedergeschrieben, was die vielen Kreativen jedoch vollbracht haben, indem sie mit der Brücke der USS Defiant (nicht zu verwechseln mit der Defiant aus „DS9“) ein Abbild der Brücke der Kirk-Serien-Enterprise neu erschufen, ist wahrlich famos.

Als die Lichter angehen und das bekannte Zirpen der Instrumente einsetzt, rollen Wellen von Gänsehaut den Körper hinauf und hinunter. Serienkontinuität, Selbstreferenz, liebevolle Verbeugung - alles kommt zusammen, als unsere Helden dieses bekannte Terrain betreten. Großartig!

Und so endet eine Dreiviertelstunde Gaga-Trek mit einer magischen Sequenz. Da drückt man doch gerne mal ein Auge zu.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „In a Mirror - © Darkly (Part 1)“ Paramount

Fremdschämen und Tränen verdrücken

Die Classic-Uniformen an unseren Helden sind wunderbar. Die neu gebaute Brücke ringt dem geneigten Fan ein paar Tränen und mindestens ein Wow ab. Nicht so gut schneiden die Kostüme der weiblichen Besatzungsmitglieder der Enterprise ab, die nahe am Abgrund zur Peinlichkeit wandeln. Hier hätte lieber noch mal eine Frau im Produktionsteam drüber schauen können.

Auch die Gorn hätte man gerne ein wenig mehr dem Original anpassen dürfen - hier haben sich die CGI-Spielkinder im Team schlicht zu sehr ausgetobt. Das Ergebnis ist dann auch eher wie aus einem Computerspiel denn Trek-TV. Dafür kommen aber die Tholianer und ihr Netz wieder sehr gut weg. In der Summe - wie auch inhaltlich - ein bunter Mix aus „Hit and Miss“.

Gib dem Kind einen Namen

In a Mirror, Darkly“: Genau wie die Vorgängerepisoden aus dem Paralleluniversum erhält auch diese Episode einen stimmungsvollen Titel, der jedoch nur auf die düstere Machart des Schauplatzes abzielt. Klingt jedoch definitiv nett und cool.

Im finsteren Spiegel/Die dunkle Seite des Spiegels: Die deutsche Version macht mit ihrer Übersetzung alles richtig. Egal, ob man die erste oder zweite Version meint oder kennt.

Fazit

Hier darf man keinem böse sein. Nicht den wild chargierenden Darstellern, nicht den hirnlos dahinschreibenden Autoren. Der erste Ausflug durch den Spiegel seit „DS9“ macht Spaß und bietet diverse Momente, die für einen kleinen Klassiker reichen. Dass es mangels Substanz und Tiefe nicht zum ganz großen Wurf reicht, ist zwar schade, sollte aber das Vergnügen nicht unnötig schmälern.

Nächste Woche geht es dann um den zweiten Teil des Spiegelausflugs und auch „Babylon 5“ kehrt endlich aus der Zwangspause zurück. Es wird Zeit für Bester!

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 27. Mai 2017
Episode
Staffel 4, Episode 18
(Star Trek: Enterprise 4x18)
Deutscher Titel der Episode
Die dunkle Seite des Spiegels - Teil 1
Titel der Episode im Original
In a Mirror, Darkly (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 22. April 2005 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 11. Juni 2006
Autor
Fyvush Finkel
Regisseur
James L. Conway

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x18

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