Star Trek: Enterprise 4x15

© zenenbild der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Affliction“ / (c) UPN
Was passiert?
Während die Enterprise die Erde besucht, um den Start des neuen Schiffes Columbia zu feiern, wird Phlox entführt, um den Klingonen bei der Bekämpfung einer mysteriösen Bedrohung zu helfen...
Dies & Das
- Dies war der vierte Arc der Season (nach Augments, Vulkaniern und dem Vulkan-Andoria-Romuluskonflikt). Diesmal drehte sich alles um die Klingonen und um deren Verwandlung zwischen den Serien und Filmen.
- John Schuck kehrte unter das Klingonen-Make-up zurück - er war der Botschafter in „Star Trek IV“ und „Star Trek VI“ gewesen.
- Ada Maris spielte zum zweiten Mal Captain Hernandez, Archers alte Flamme. Neu in ihrer Crew ist der aus „The Forgotten“ bekannte Ensign Rivers, erneut gespielt von Seth MacFarlane, Schöpfer der Serie Family Guy und langjähriger Trek-Fan.
- Eric Pierpoint hat bisher in allen Trek-Serien seit „TNG“ mitgewirkt - in „Enterprise“ war er ebenfalls schon dabei („Rogue Planet“). Brad Greenquist war mehrmals in „Star Trek“ zu sehen. Marc Worden durfte zuletzt Worfs Sohn Alexander darstellen.
- Autor Mike Sussman war eigentlich der Qualitätsgarant des Stabs. Was ihn hier jedoch geritten hat - keiner weiß es.
- Regisseur Michael Grossman war vorher für „Hatchery“ und „The Forge“ aktiv - keine schlechte Auswahl.
- Die Story für den Arc lieferte jedoch Manny Coto, der somit zuletzt auch vermehrt in den Credits auftauchte. Dennoch ist sein Beitrag zur gesamten Season natürlich größer als anhand einer derartigen Statistik zu erkennen.
Zitate
„When I asked you to bring me a body for dissection I assumed it would be dead.“ (Phlox)
„Captain there are some loyalties that go beyond my loyalty to you and this crew.“ (Reed)
„This may come as a shock but not everything revolves around you.“ (Trip)

Wenn der Klingone wieder klingelt…
Die Klingonen also - wieder einmal. Hierzu sei gesagt, dass ich zu Zeiten der Serie bereits schlicht keine Lust mehr auf die stolzen Krieger hatte. Während der Classics waren sie spannend, in „TNG“ jedoch schon viel zu oft eingesetzt und verheizt worden, auf der Voyager dann zum Glück nur dosiert dabei und auf DS9 dank Worf, Martok und einigen anderen (Grilka) wieder völlig überzeugend geraten. Hier jedoch hat mich ihre Beteiligung größtenteils nur noch ermüdet. Warum gegen Ende der letzten Season noch ein ganzer Zweiteiler rund um die tot geschriebenen Kriegstreiber? Warum nicht der Bau der ersten Sternenbasis? Warum nicht eine endgültige und zufriedenstellende Auflösung des Temporal Cold War? Warum nicht der versprochene Besuch auf Denobula? Es gab so viele Möglichkeiten. Hier spielt natürlich auch das Wissen um die Absetzung der Serie hinein. Somit war das Abfrühstücken von uninteressanten Handlungsansätzen schlichtweg frustrierend je näher das endgültige Ende kam.
Zum Glück passieren aber doch noch einige interessante Dinge in „Affliction“ - so dass ich die Präsenz meiner klingonischen Freunde ertragen kann.
So ist die Verbindung des Ganzen zum Soong-Arc eine wirklich tolle Idee. Hier wäre es fast zwingend notwendig gewesen, Brent Spiner noch einmal auftreten zu lassen. Aber gut. Die Verbindung an sich verdient bereits Lob.
Positiv anzumerken ist auch die Thematik rund um Trips Versetzung auf die Columbia. Sowohl der Abschied von Trip als auch die schwere Eingewöhnung an Bord des neuen Schiffes überzeugen - und Ada Maris spielt einen wundervoll stillen, intelligenten und hintergründigen Captain. Kompliment!

Auch interessant ist die überraschende Reed-Story. Seine Verbindung zur Sektion 31 (die aber nicht explizit benannt wird) wäre sicherlich für einiges an Drama gut gewesen. Hier wirkt die Enthüllung jedoch unpassend, gehetzt und lächerlich. Auf einmal ist der gute Malcolm also ein verschlagener Ex-Agent einer Geheimorganisation - na gut. Ein wenig merkwürdig war er ja schon immer. Schlimm wird es jedoch erst, als er innerhalb von nur zehn Folgenminuten enttarnt und ins Gefängnis geworfen wird. Archer hat nur Vermutungen und doch ist ihm wie so oft alles klar. Warum dieses Misstrauen? Sollte Malcolm nicht genügend Kredit besitzen? Das Ganze ist - auf diese Weise präsentiert - vollkommen überzogen und peinlich. Ein Kompliment geht hier einzig an Dominic Keating, der alle Register zieht. Scott Bakula hingegen spielt so schwach wie lange nicht - aber wen wundert es bei diesem Drehbuch.
Dafür bietet wenigstens der Phlox-Teil ein Mindestmaß an Substanz. In Kooperation mit dem einzig erträglichen Klingonen (stark: John Schuck) gelingen die besten Dialogszenen der Folge. Schade, dass der gute Doktor seinen größten Auftritt seit langem ausgerechnet in dieser Episode erhält.
Und schließlich: Der alberne und unnötige Cliffhanger. Fünf Minuten vorher passiert rein gar nix und dann fliegt die Enterprise dramatisch vorbei und explosionsgefährdet davon.
Spannung? Suspense? Drama aus der Handlung heraus? Hallo?

Die Idee, das Mysterium des wechselnden klingonischen Erscheinungsbildes über die Serien und Filme hinweg zu erklären, ist sicher charmant und geschickt gelöst worden, wäre jedoch nicht zwingend notwendig gewesen. Hier wurde das Franchise eines kauzig-niedlichen Running-Gags beraubt. Schade.
Mit Episoden wie „Affliction“ zeigte Coto, dass Prequel-Verliebtheit auch zu weit gehen kann. Wenn man eine unausgegorene Geschichte nur erzählt, um sie zu erzählen, ist der Punkt erreicht, aufzuhören. Weder Berman & Braga, noch Coto haben in letzter Konsequenz die wahre Identität der Serie gefunden. Beide Seiten zog es in unterschiedliche Richtungen, aber nur selten kam dabei etwas wirklich Bedeutendes heraus. Die Serie fühlte sich an dieser Stelle für mich an wie die siebte Voyager-Season - ausgepowert, leer, enttäuschend und auf Autopilot. Den guten Arcs um die Augments und die Vulkanier steht Durchschnittsware wie der Andorianer/Romulaner-Arc, sowie Rohrkrepierer wie „Storm Front I+II“, „Daedalus“, „Observer Effect“ und nun „Affliction“ gegenüber. Und selbst die Arcs bedienen sich ständig wiederkehrender Motive: Das Schiff gerät verlässlich in Gefahr, wird verlässlich schwer beschossen, es wird hier und da immer viel gedroht und nur das Drumherum rettet vor dem Knockout. Keine Frage: Cotos Ideen und Einfälle waren oft recht gut - die Ausführung kam jedoch oft nicht mit. Und dafür ist „Affliction“ leider erneut ein viel zu gutes Beispiel.

Gib dem Kind einen Namen
Affliction: Man spielt hier sicherlich auf „die Krankheit“ oder „das Befallensein“ an. Viel besser passen jedoch folgende Übersetzungen: Elend, Trübsal, Kummer und Altersbeschwerden.
Die Heimsuchung: Ist zwar ein wenig kreativer als sonst, aber - nun ja - irgendwie stimmt das ja dann auch.
Fazit
Schade. Manny Coto & Mike Sussmann erleiden mit einer eigentlich netten Idee Schiffbruch: "Dank" einer nur leidlich spannenden Inszenierung, viel heißer Luft, schwachem Storyaufbau und ausgelutschten Charakteren ruiniert Affliction (1) den Klingonen-Arc bereits im Ansatz. Das Setup hätte für ein gutes Abenteuer reichen können. Doch so ist das eben manchmal mit Idee und Ausführung.
Nächste Woche schließen wir das Klingonendilemma ab.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 15. April 2017(Star Trek: Enterprise 4x15)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?