Star Trek: Enterprise 4x14

© zenenbild der âStar Trek: Enterpriseâ-Episode âThe Aenar (3)â / (c) UPN
Was passiert?
Captain Archer besucht gemeinsam mit Shran dessen vereiste Heimaltwelt Andoria, um eine mysteriöse und verdĂ€chtige Spezies namens Aenar zu treffen. Die beiden mĂŒssen versuchen, deren Verwicklung in das Komplott der Romulaner und die Zerstörung vieler Schiffe zu klĂ€renâŠ
Dies & Das
- Dies war der dritte und letzte Teil des dritten Arcs der Season rund um Tellariten, Andorianer & Romulaner.
- Jeffrey Combs war als Shran wieder mit dabei und leistete seinen neunten Auftritt ab.
- Andre Bormanis litt im letzten Jahr der Serie nicht an UnterbeschĂ€ftigung: Nach âAwakeningâ und âBabel Oneâ war er hier schon zum dritten Mal als Autor aktiv.
Zitate
„I've never been able to sleep with someone at the foot of my bed before.“ (Shran)
„Looks like we went to Andoria for nothing.“ (Archer)
„They need me more.“ (Trip)
Travelling to Andoria for nothing
Der Ansatz der vierten und letzten Staffel, Einzelepisoden mit kleinen Arcs zu kombinieren, war grundsĂ€tzlich eine spannende Idee der Produzenten. Man konnte auf diese Weise tiefer in einige Themen eintauchen und dennoch auch schnell zwischendurch eigenstĂ€ndige Plots abfrĂŒhstĂŒcken. Was qualitativ bei den Einzelepisoden leider bisher gar nicht klappte, gelang den Mehrteilern von Beginn an besser. Der Soong-Arc machte es dabei schon ganz gut, der Vulkanier-Arc sogar noch eine Ecke besser. Nun jedoch steht mit dem dritten Versuch rund um Andorianer, Romulaner und Tellariten in der Summe ein eher wackeliges Gebilde vor uns. Wie es dazu kommen konnte, klĂ€ren wir ganz angemessen jetzt beim dritten und leider schwĂ€chsten Teil des Gesamtkonstrukts.
Hatte die erste Episode des vorliegenden Dreiteilers noch durchaus spannende politische Aspekte aufgeworfen und mit dem Kulturclash zwischen grundverschiedenen Völkern gepunktet, ging bereits dem Mittelteil durch die uninspirierte und unmotivierte Hereinnahme der Romulaner ein wenig der Sprit aus. Hier nun verschiebt sich der Fokus der Story erneut, so dass am Ende eigentlich gar nicht mehr wirklich ein Dreiteiler steht, sondern eine lose Abfolge von Episoden, die weniger zusammengehören, als man vermutlich geplant hatte.
Die Verhandlungen auf Babel One spielen hier kaum mehr eine Rolle und die plötzlichen Angriffe der Drohne verschieben das Interesse zu einem Nebenkriegsschauplatz, der so hemdsÀrmelig daherkommt, dass er kaum als roter Fade gedacht gewesen sein kann.
Man wollte im Kern offenbar eine Story ĂŒber die Romulaner machen, stellt diese eigentlich reizvolle Spezies aber derart vage dar, dass es nur fĂŒr schattenhafte Finsterlinge im Hintergrund reicht. Wir erfahren nichts ĂŒber ihre Motivation, können ihre Vorgehensweise kaum nachvollziehen und finden somit keinen Zugang zu ihrer Beteiligung an den interstellaren Konflikten dieser Zeit. FĂŒr diese Darstellung hĂ€tte es keine bekannte Spezies gebraucht. Verschenkt.
Ihr Masterplan fĂ€llt zudem bei genauerer Betrachtung geradezu auseinander. Dass diese stolze Rasse zu einem derart sinnfreien Vorgehen fĂ€hig ist, bleibt kaum glaubwĂŒrdig. Warum ĂŒberhaupt einen telepathisch begabten Piloten fernsteuern? Warum nicht direkt eine Fernsteuerung fĂŒr die Drohnen entwickeln oder verwenden? Warum ausgerechnet einen Aenar benutzen? Und warum nur einen entfĂŒhren und diesen an den Rand der HirnschĂ€digung treiben? Was wĂ€re nach seinem Tod geschehen? Wer gibt solche Befehle und entwickelt solche PlĂ€ne?
Auch das Hineinwerfen der Aenar in die Andorianer-Geschichte wirkt dabei Ă€hnlich kreativitĂ€tsfrei wie das der Remaner in die Backstory der Romulaner in „Star Trek: Nemesis“. Hier war seitens der Autoren offenbar schlicht ein Katalysator nötig, obwohl man bei den Zuschauern viel lieber mehr ĂŒber die eigentlichen Player und ihre Kultur erfahren hĂ€tte. Schade.
Somit kann man zusammenfassen: Romulaner nicht gut ausgearbeitet und ihre Beteiligung am Ende sinnlos. Andorianer nicht gut ausgebaut und ihre Beteiligung nicht ausgereizt. Die Aenar wird man zudem vermutlich nie mehr wieder sehen, da sie als reines McGuffin fĂŒr den vollkommen logikfreien Plan der Romulaner herhalten mussten. Ja, diese Episode hatte sicher viel Zeit ihre Story zu erzĂ€hlen, genutzt hat man es aber in diesem Fall leider nicht.
Bauen konnte man aber immerhin auf das Team Archer/Shran, das derart unterhaltsam harmoniert, dann man sich alleine fĂŒr Shrans Beteiligung eine fĂŒnfte Staffel gewĂŒnscht hĂ€tte.
Das Ende, als Trip um Versetzung auf die Columbia bittet, ist zudem gut gespielt und eine nette Plot-Idee, auch wenn seine emotionalen Probleme mit der unerfĂŒllten Liebe zu TÂŽPol eher in den Bereich Wunschdenken seitens der Autoren fallen. Verdeutlicht haben diese uns die Problematik, abgesehen von nacktem Popo zeigen und endlosen Massagen, leider eben nicht. Dennoch ist die Unterredung mit Archer kompetent geschrieben und gespielt - die Serie ist nur leider auch im vierten Jahr noch nicht zu einem konsequenten Aufbau von emotionaler Resonanz fĂ€hig. Wiederum: Schade.
Technisch betrachtet
Rein visuell sieht das PrÀsentierte durchaus nett aus, wenn auch die Aufnahmen von Andoria jede Weite vermissen lassen. EiskanÀle, enge RÀume und ein paar nette Effektshots reichen lÀngst nicht aus, um uns diese spannende Kultur wirklich nÀher zu bringen. Das Make-up der Aenar ist hingegen ebenso gut wie das der anderen Spezies und der Score streut hier und da ein paar heimelig-vertrÀumte Töne in die Einheitssuppe ein. Verschenktes Potential allerorten also.
Gib dem Kind einen Namen
The Aenar: Doppeldeutigkeit, wo bist du?
Die Aenar: In der deutschen Version zumindest auch nicht.
Fazit
Unerwartet mystisch und inhaltlich zu holperig und unentschlossen beendet The Aenar (3) einen wenig kohĂ€renten und in der Summe kaum ĂŒberzeugenden Arc. Bonuspunkte gibt es aber dennoch fĂŒr das wohl beste Duo (Archer & Shran) der Season. Was ĂŒbrig bleibt, riecht wie Dienst nach Vorschrift.
NĂ€chste und ĂŒbernĂ€chste Woche geht es um den Klingonen-Zweiteiler, danach folgt noch âBoundâ, bevor ich mich in eine kleine UrlaubsfrĂŒhsommerpause verabschiede. Bei Babylon 5 wird es vor dieser Pause auch noch mit einem oder zwei Reviews weitergehen. Stay tuned!
Verfasser: Björn SĂŒlter am Samstag, 8. April 2017(Star Trek: Enterprise 4x14)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?