Star Trek: Enterprise 4x12

Star Trek: Enterprise 4x12

Schau dir das an, Arschgeige! Archer übt sich in liebenswerten Beleidigungen und versucht, seinem verliebten Antennenfreund zu helfen. Dass im Hintergrund böse Buben finstere Pläne schmieden, ist da fast obligatorisch.

Szenenbild aus der Episode „Babel One“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „Babel One“ / (c) UPN
© zenenbild aus der Episode „Babel One“ / (c) UPN

Was passiert?

Die Crew der Enterprise reist zum Planeten Babel One, um den Botschafter der Tellariten zu Friedensgesprächen mit den Andorianern zu bringen. Doch ändert sich der Plan überraschend, als plötzlich ein Notruf eingeht... von Shran!

Dies & Das

  • Der Grundstein für den Auftritt der Romulaner wurde am Ende des Vulkanier-Dreiteilers gelegt.
  • Valdore war der Name des Schiffes in Star Trek: Nemesis - sicher kein Zufall. Hier trägt eine romulanische Schlüsselfigur diesen Namen. Brian Thompson könnte als außerirdischer Attentäter aus The X-Files ein Begriff sein.
  • Jeffrey Combs - der wohl beliebteste Gastdarsteller aller Trek-Serien - kehrte als Shran zurück und leistete seinen siebten Auftritt ab.
  • Molly Brink alias Talas war uns ebenfalls schon mit Antennen begegnet - sie war als Shrans Assistentin zum ersten und bis jetzt einzigen Mal in "Proving Ground" dabei.
  • Mike Sussman und Andre Bormanis hatten bereits bei "Hatchery" zusammengearbeitet. Darüber hinaus stammten die meisten Highlights von Sussman. In dieser Season fügte er seiner beeindruckenden Liste bereits "Home", "The Augments" und "Kir'Shara" hinzu.

Szenenbild aus der Episode „Babel One“
Szenenbild aus der Episode „Babel One“ - © UPN

Zitate

Now we're a shuttle service?“ (Trip)

Vulcans are expert liars, perhaps your people are behind this?“ (Shran)

I'm told this ship is the pride of Starfleet, I find it small and unimpressive. - Funny, I was going to say the same thing about you.“ (Gral & Archer)

Szenenbild aus der Episode „Babel One“
Szenenbild aus der Episode „Babel One“ - © UPN

It ain't over till it's over, baby

Es war in der Woche vor der Original-Ausstrahlung dieser Episode, dass mich die Nachricht von der Einstellung der Serie nach der vierten Staffel erreichte. Nachdem die Classic-Serie in den Sechzigern nur drei Staffeln überlebt hatte, konnten die drei Folgeserien allesamt mit sieben Staffeln aufwarten. Star Trek: Enterprise hatte man ursprünglich das Gleiche prophezeit - und doch sollte es anders kommen.

Die Serie hatte mit der dritten und vierten Season definitiv das Tempo aufgenommen, welches in den ersten beiden Jahren so oft gefehlt hatte. Zunächst mit einer schlichten aber spannenden und durchaus wirkungsvollen Mission zur Rettung der Erde, hier nun durch Umsetzung des Prequelgedankens, der endlich seitens der Autoren verinnerlicht und konsequent weitergedacht wurde. Showrunner Manny Coto hat in diesem Zuge einige Register gezogen - und ist letztlich doch gescheitert.

Nicht unbedingt inhaltlich jedoch, sondern an den Altlasten und der Politik bei Paramount und UPN. Viele vergleichbare Programme auf anderen Sendern hatten damals kaum bessere oder sogar schlechtere Quoten, trugen aber eben auch nicht die Bürde, einer so langen und einst erfolgreichen Franchise-Geschichte auf ihrem Rücken. Und sie liefen nicht auf einem Sender, der sich derart verändert hatte, dass Star Trek fast wie eine Programmanomalie eines Brannon Braga wirkte.

Somit endete die Serie mit einer Season, die sich zumindest teilweise mit den Höhepunkten der anderen Serien messen konnte und dennoch leider nicht die Chance erhielt, durch stetige Verbesserung vielleicht sogar noch zu einem herausragenden Eintrag in der Trek-Historie zu werden. Schade.

Can't say they did not try, though

„Babel One“ ist in diesem Kontext eindeutig Kind der Bemühungen Cotos und Auftakt zu einer intensiven Behandlung der Föderationsthematik. Die Enterprise soll Abgesandte der Tellariten zu einem Treffen mit den Andorianern bringen und sozusagen in die undankbare Rolle des unparteiischen Beobachters rücken. Eine klassische Geschichte über Diplomatie und Fingerspitzengefühl, Ränkespiele und verborgene Intentionen. Irgendwie komplett überraschungsfrei, im Zusammenhang mit den beteiligten Parteien aber sinnvoll und unterhaltsam präsentiert.

Dabei ist das gewachsene Verhältnis zwischen Archer und Shran der interessanteste Part. Zwei vollkommen unterschiedliche Männer, die sich dennoch schätzen und helfen. Einer der Punkte, die Star Trek: Enterprise definitiv in Hinblick auf Charakterentwicklung gelungen ist. Bezogen auf die Absetzung und die Idee, Shran in einer fünften Staffel zum Hauptcast zu befördern, ein klarer Fall von verschleudertem Potential.

Dass zudem noch die bereits bekannte Talas mit von der Partie und inzwischen sehr eng an Shrans Seite aktiv ist, kann man zudem als erfreuliches Leckerli für die Fans ansehen.

Die Tellariten sind - entgegen ihrem Auftreten in „Bounty“ - dieses Mal um einiges interessanter geraten, wenngleich sie von Beginn an stark in die unsympathische und verschlagene Ecke gedrängt werden. Das anfängliche Necken ist jedoch äußerst charmant - wenn auch irgendwie albern.

Das größte Fragezeichen bilden die Romulaner.

Szenenbild aus der Episode „Babel One“
Szenenbild aus der Episode „Babel One“ - © UPN

Okay - es ist ein Vergnügen, sie intrigant wie immer die Fäden ziehen zu sehen. Ihre politischen Ränkespiele verpuffen jedoch, da wir über die aktuelle Situation auf Romulus nichts wissen und auch viel zu wenig erfahren. Sie scheinen einzig die Funktion der finsteren Gestalten im Hintergrund zu erfüllen.

Die Nebenhandlung um Reed und Trip auf dem feindlichen Phantomschiff ist größtenteils by-the-number-action, gewinnt aber immerhin durch schicke Dialoge und einige Querverweise, die fast in Vergessenheit geraten waren (T'Pols Hintern - „Shuttlepod One“).

Auch die endgültige Auflösung der Ehe zwischen T'Pol und Koss, viele Infos über den Werdegang von Shran (der nach zwölf Jahren als Captain der Kamari zeitnah nicht mit einem neuen Kommando rechnet) und Archers und T'Pols Rückbesinnung auf die Geschehnisse in „Minefield“ machen Spaß.

Alleine an Momenten dieser Art spürt man, dass Autor Mike Sussman seine Finger im Spiel hatte. Keiner außer ihm baut so geschickte Kontinuitätsbrücken innerhalb der Serie. Eine Kleinkunst, die sonst nur „DS9“ derart kompetent erreichte. 

Dabei ist „Babel One“ aber sicherlich insgesamt noch nicht in einer Liga mit den absoluten Highlights der „DS9“-Geschichte anzusiedeln. Es fehlt einfach die Reife, die Eleganz, die Tiefe. Vor allem die mangelnde Ausarbeitung der Gegenspieler macht Sorge.

"Babel One" beginnt gemächlich, steigert die Taktfrequenz jedoch zusehends und enthüllt nach und nach sein spannendes Mysterium. Mit dem Twist am Ende der Episode, den ich wahrlich nicht kommen sah, erreicht das Interesse an der Fortsetzung seinen Höhepunkt.

Abträglich ist der Folge somit in der Summe einzig noch, dass wir die Fortführung der Romulaner-Thematik über die Staffel hinaus nicht mehr erleben durften.

Ach ja - als kleine Notiz am Rande: Wie in der Classic-Episode „Journey to Babel“ erreicht auch hier die Enterprise den titelgebenden Planeten Babel One am Ende nicht.

Szenenbild aus der Episode „Babel One“
Szenenbild aus der Episode „Babel One“ - © UPN

Technisch betrachtet

Effekte, Score und schauspielerische Leistungen laufen auf hohem Level. Besonderes Lob gebührt jedoch den Masken der Tellariten, die erneut wirklich wunderbar auf ein neues Level gehoben wurden, ohne das Bekannte zu verneinen.

Gib dem Kind einen Namen

Babel One: Der Weg ist das Ziel. Mehr Subtext lese ich hier leider nicht heraus.

Babel One: 1:1 eingedeutscht - völlig okay.

Fazit

„Babel One“ eröffnet einen verschachtelten Arc mit geschicktem Spannungsaufbau, Suspense und guten Charakteren und liefert somit - auch dank des gelungenen Cliffhangers - ein packendes Setup für die kommenden zwei Episoden.

Mit dem Dreiteiler geht es nächsten Samstag weiter - Babylon 5 hat morgen entgegen der ursprünglichen Planung etwas früher Pause und kehrt in zwei Wochen zurück.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 18. März 2017
Episode
Staffel 4, Episode 12
(Star Trek: Enterprise 4x12)
Deutscher Titel der Episode
Babel
Titel der Episode im Original
Babel One (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 28. Januar 2005 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 30. April 2006
Regisseur
David Straiton

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x12

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?