Star Trek: Enterprise 4x11

Star Trek: Enterprise 4x11

Die Crew watet in der Star Trek: Enterprise-Episode Observer Effect durch einen Morast aus Depression, Todesangst und Erschöpfung und bringt dabei eine ganze Spezies dazu, Captain Kirk viel später mächtig auf die Nerven zu gehen...

Szenenbild aus der Episode „Observer Effect“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „Observer Effect“ / (c) UPN
© zenenbild aus der Episode „Observer Effect“ / (c) UPN

Was passiert?

Trip Tucker und Hoshi Sato kehren mit einem tödlichen Virus auf die Enterprise zurück. Getrieben von der Angst, dass sie oder alle anderen Crewmitglieder an Bord sterben könnten, entwickelt sich schnell eine bedrückende Stimmung. Dabei ahnt niemand, dass eigentlich etwas ganz anderes vor sich geht...

Dies & das

  • Das Ehepaar Reeves-Stevens war vorher für die grandiose Episode „The Forge“ verantwortlich gewesen. Eine hohe Messlatte.
  • Erneut kompensierte man die teuren Arcs mit einer kostensparenden Bottle-Show.
  • Regie-Veteran Mike Vejar hatte zuletzt mit „Cold Station 12“ geglänzt.

Zitate

Somebody always dies.“ (Reed)

Math is just another language.“ (Sato)

We barely have 5000 years to prepare.“ (Reed)

Die Frage

Kann eine Episode, die direkt nach dem Rohrkrepierer "Daedalus" angeschaut wird, überhaupt schlecht in der Kritik wegkommen? Vermutlich nicht. Umso mehr legte ich mir selber nahe, nicht zu euphorisch zu sein, sollte "Observer Effect" schlichtweg keine Müdigkeit bei mir auslösen.

Eindeutig ist: Die zweite Arbeit des Ehepaar Reeves-Stevens ist um Meilen besser als die komatöse Abhandlung über den Erfinder des Transporters, versumpft jedoch für meinen Geschmack trotzdem im gerade noch erträglichen Mittelmaß. Ein wenig angelehnt an die starke Voyager-Episode "Scientific Method" entwickelt sich das versteckte Spiel der Organier mit einer Lethargie, die der Handlung nie die notwendige Intensität verleihen kann. Wir wissen sofort, dass etwas nicht ganz Astreines vor sich geht - sind völlig im Bilde darüber, dass Hoshi und Trip, egal was man uns mühsam suggerieren möchte, am Ende überleben werden und schließlich - und hierbei handelt es sich um den wichtigsten Kritikpunkt - fehlt auch in Sachen Dialoge schlichtweg die emotionale Bindung. Alles läuft zu glatt, zu steril ab. Viel besser wurde das Thema "Warten auf den Tod" zum Beispiel in "Shuttlepod One" umgesetzt. Hier jedoch sind die Betroffenen einfach zu weit weg vom Geschehen. Die einzig relevante Frage bleibt die ganze Zeit, wer die Fremden sind und wie ihr kleiner Disput mit unseren Lieblingen wohl enden wird. Den Resetbutton riecht man zehn Lichtjahre gegen das Vakuum des Alls - richtig zu stinken fängt er aber dann spätestens mit Hoshis vermeintlichem Tod später in der Handlung an.

Zu den besten Szenen der Dreiviertelstunde gehören sicherlich die von Phlox bemerkte Unterhaltung zwischen den Organiern, als diese die betäubten Körper von Hoshi und Trip übernehmen und zur Kommunikation nutzen (spooky!), Hoshis Aussetzer, in dem sie halluzinierend alle möglichen Sprachen benutzt und Archers abschließende Rede über Mitgefühl (wenngleich man Archer wie auch Janeway zu diesem Zeitpunkt der Serie aufgrund seiner Wendehalseigenschaften schon keinen Standpunkt mehr wirklich glauben kann).

Darüber hinaus reicherten die Autoren das Drehbuch mit ein paar kleinen Verweisen an, die zwischenzeitlich Freude machen. Da wäre zum Beispiel die erneute Erwähnung von Hoshis früherem Job in Brasilien, ihre Anekdote über einen Zwischenfall auf der Akademie, T´Pols Wunsch, noch einmal mit Trip sprechen zu wollen, und natürlich die Hommage an die Classic-Episode "Errand of Mercy", in der die Organier verhindern, dass zwischen Menschen und Klingonen ein Krieg ausbricht.

 

Die Antwort

Hier liegt dann auch am Ende der Hund begraben. Nein, keine Sorge - auch Porthos überlebt die Krise. Es ist vielmehr die feine Ironie, mit der hier gezeigt wird, warum die Organier später in der Trek-Zeitlinie eingreifen werden. Dies ist sicherlich der Antrieb hinter der ganzen Episode gewesen. Umso netter ist dieses Wissen, da Kirk und Kor später kein Verständnis dafür aufbringen werden, dass die Organier sich einmischen. Sie sollten mal mit Archer darüber sprechen - wenn überhaupt ist er Schuld am Sinneswandel der Außerirdischen.

Manny Cotos Freude daran, die klassische Serie immer mehr in den Vordergrund zu zerren mag erfreulich sein - hier jedoch reicht es nur zu einer stilistisch ansprechenden Episode, die leider zu viele Versatzstücke aus anderen Serien klaut (wie auch direkt vorher "Daedalus") und dabei niemals die emotionale Wirkung erzielt, die vermutlich im Bereich des Möglichen gelegen hätte. Schlimmer noch: Wer die Classic-Episode gar nicht kennt, wird eher ratlos zurückbleiben.

Technisch betrachtet

Bei der Umsetzung geben sich alle Beteiligten durchaus Mühe. Scott Bakula gibt eine treffende Vorstellung voller Emotionen und Tiefe. Connor Trinneer und Linda Park holen alles aus ihren zu spärlichen Szenen heraus und sogar die oft vernachlässigten Dominic Keating und Anthony Montgomery bekommen Szenen, mit denen man arbeiten kann. 

Der Score trägt die Stimmung an Bord mit Leichtigkeit, ohne dabei jedoch zu glänzen. Besondere Effekte sind nicht vorhanden und auch was Regie und Kameraarbeit angeht, ist "Observer Effect" eben genau die kostensparende Bottle-Show, die man erwartet hatte.

Gib dem Kind einen Namen

Observer Effect: Hier breche ich fast in Euphorie aus, taugt der Titel doch tatsächlich als Brücke zwischen den Serien, wenn man unterstellt, dass der Effekt der Observierung eben jener Sinneswandel ist, den wir aus der Classic-Episode rund um die Organier kennen. Auf einer zweiten Ebene werden natürlich auch noch die Effekte auf das Objekt der Observierung beleuchtet. Hach, ich bin wirklich leicht glücklich zu machen.

Beobachtungseffekt: ein etwas sperriges deutsches Wort, das man aber fraglos nehmen kann.

Fazit

Leider kann auch die zweite Stand-alone-Episode hintereinander den Arcs nicht das Wasser reichen. Auf dem Niveau der ersten beiden Enterprise-Jahre entwickelt sich somit eine gut gemeinte, letztlich aber viel zu durchschnittliche Hommage an die Classics, die sich ausschließlich über Atmosphäre, Darsteller und Wehmut definieren lässt. Dass die emotionale Resonanz fehlt, ist jedoch einer besseren Wertung nicht zuträglich.

Nächste Woche starten wir in den nächsten Dreiteiler - bei B5 geht es nächstes Mal um Liebe, Sex, Religion und Auftragsmörder. Klingt nach Trash? Ist es nicht.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 11. März 2017
Episode
Staffel 4, Episode 11
(Star Trek: Enterprise 4x11)
Deutscher Titel der Episode
Beobachtungseffekt
Titel der Episode im Original
Observer Effect
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 21. Januar 2005 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 23. April 2006
Regisseur
Michael Vejar

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x11

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