Star Trek: Enterprise 4x10

© UPN
Was passiert?
Der Entwickler des Transporters, Emory Erickson und seine Tochter Danica, besuchen die Crew der Enterprise. Erickson ist jedoch nicht nur ein großer Denker seiner Zeit, sondern auch väterlicher Freund des Captains. Der Forscher plant, in Zukunft auch Langreichweiten-Transporter zu realisieren. Doch was ist wirklich seine Agenda?
Dies & das
Die erste wirkliche „Bottle-Show“ der vierten, in der sich alles an Bord des Schiffes und mit wenigen Gaststars abspielt.
Alan Brennert und Ken LaZebnik arbeiteten hier erstmals zusammen - Brennert schrieb vorher „Cold Station 12“, LaZebnik „Borderland“. Nach dieser Episode verließen beide den Stab.
Zitate
„At least the engines still need me“ (Trip)
„I admit, given the choice, I'd rather use a good old fashioned Shuttlepod.“ (Archer)
„I have to admit I have Butterflies.“ (Trip)
SleepyCreepy
Ein wunderschöner Spätnachmittag im Februar. Der Rezensent erwacht peinlich berührt auf seiner Couch. Der Inhalt der Chipstüte ist auf den Fußboden gefallen und wurde ordnungsgemäß von den umsichtigen Hunden des Hauses verspeist. Die Eiswürfel im Gin-Tonic sind geschmolzen. Auf dem Fernsehschirm ist das Menü einer Star Trek: Enterprise-BluRay zu sehen. Im Haus ist es totenstill. Was ist hier nur passiert?
Wir formulieren es mal drastisch: Dieses kurze Stimmungsbild wäre vermutlich Setup für eine deutlich unterhaltsamere Episode gewesen als das vorliegende Material.
Und eigentlich ist es kaum zu glauben: Gerade ist der phantastische und großformatige Vulkanische Arc zu Ende gegangen, da schaffen es die Autoren LaZebnik und Brennert, die euphorisierten Zuschauer so richtig zu überraschen. Mit einer Episode, die gemächlicher, schwafeliger, bekannter, vorhersehbarer und schlichtweg langweiliger nicht sein könnte.
Dabei liegt die Crux nicht einmal ausschließlich in der dutzendfach gesehenen Story, die sich so ziemlich aus allen Trek-Serien ihre Versatzstücke zusammenklaut. „The Visitor“ hatte in DS9 zum Beispiel mit dem Verlust einer geliebten Person und dem lebenslangen Ringen um die Rückkehr dieses Menschen ein Feuerwerk der Emotionen abgebrannt. Hier beginnt das Problem jedoch schon damit, dass die handelnden Personen, namentlich Emory Erickson, seines Zeichens berühmter Schöpfer des Transporters und seine Tochter Danica, zwei dermaßen schwache Darsteller abbekommen haben, dass niemand - ich wiederhole nochmal verdeutlicht: niiieeeemand - auch nur eine Sekunde in Gefahr gerät, gefesselt zu sein.
Der durchaus renommierte Bill Cobbs schafft es in keiner seiner Szenen auch nur annähernd die richtigen Töne zu treffen. Die emotionale Tiefe, die ein Charakter wie Erickson erfordern würde, kratzt er nicht einmal an. Im Gegenteil: Wirklich bedeutende Szenen erhalten durch Cobbs irritierende Darbietung einen Hauch von Lächerlichkeit, die keiner beabsichtigt haben kann. Dagegen ist Leslie Silva als seine Tochter schlicht unterbeschäftigt und in ihren wenigen gehaltvollen Szenen auch noch flach. Da es sich bei den beiden ausgerechnet noch um wichtige Menschen im Leben von Captain Archer handelt, ist es ein umso größeres Dilemma.
Was also kann man also überhaupt aus diesem Machwerk ziehen?
Erstens: Archers Verhalten, so irrational, befremdlich und deplatziert es wirken mag, ist sicherlich unter seinen persönlichen Umständen und Gefühlen verständlich menschlich. Er versucht, seinem Ersatzvater den einzigen großen Wunsch zu erfüllen und ignoriert dabei seine Verantwortung - ein Stoff, der zu interessanten Wortwechseln mit Trip führt. Dennoch ist sein erneut konsequenzloses Ignorieren eigener Regeln auf Dauer wirklich ermüdend.
Zweitens: Die Nachwirkungen der Geschehnisse auf Vulkan für T'Pol und auch ihre Beziehung zu Trip sind - so losgelöst sie hier vom Rest präsentiert werden - der einzige wirklich interessante Aspekt der Episode. Hier wird ein Konfliktpotential heraufbeschworen, das immerhin ausbaufähig ist. Nebenbei ist die kurze Szene über Pa'Nar und die Folgen der Kir'Shara für Vulkan ein kleines Highlight. Schön, dass ein wenig Kontinuität zurück bis „Stigma“ in eine ansonsten vollkommen belanglose Episode eingeflochten wurde. Schade drum, wenn man nicht gerade in diesen Momenten aus dem gerechten Dösen erwacht ist.
Was hätte eine Episode über den Schöpfer des Transporters nicht alles sein können? Ken LaZebnik und Alan Brennert hatten offenbar keine Ahnung und liefern die beste Begründung dafür, dass sie den Autorenstab nach „Daedalus“ verließen. Füllerfolgen müssen sein - keine Frage. Aber dermaßen uninspiriert vorzugehen ist fahrlässig.
Technisch betrachtet
Die Episode gefällt sich als reine Bottleshow, die mit den bekannten Kulissen und den üblicherweise gute Effekten auskommt. Der Score ist ähnlich ermüdend wie die Dramaturgie. Hier hat man also vermutlich alles richtig gemacht.
Gib dem Kind einen Namen
Daedalus: Warum man die Episode ausgerechnet nach einem Stargate-Raumschiff, einem Maxikatamaran und einem Riff im Roten Meer benennen musste, bleibt ein Rätsel. Hier hätten sich doch in bester Serientradition viel eher Titel wie „The Transporter Incident“, „The Man Who Built the Transporter“, „The Search for the Son of the Man who Built the Transporter“ oder gleich mit voller Wucht „The Sad Journey of a Father who Killed his Son and Wanted him Back“ angeboten. Im Ernst: Daedalus ist natürlich eine Gestalt der griechischen Mythologie und dort als Tüftler, Künstler und Baumeister bekannt. Mit seinem Sohn Ikarus war er in einem Turm eingesperrt und konnte nur dank seiner Erfindergabe fliehen. Aus Federn und Wachs fertigte er Flügel und entrann so gemeinsam mit seinem Sohn dem Gefängnis. Nur war sein Sohn zu übermütig und stürzte ins Meer. Der trauernde Vater musste sich daraufhin von Perdix in Gestalt eines Rebhuhns verspotten lassen. Doch diese Anekdote rund um Perdix, den Daedalus auf dem Gewissen hatte, erspare ich euch an dieser Stelle. Im Kontext der Episode fand dieser Teil der Geschichte ohnehin keinen Platz, wobei ein CGI-Rebhuhn vielleicht ein wenig Schwung in die Sache gebracht hätte. Als Metapher taugt der Titel aber natürlich, wenn er auch aufdringlich naheliegend war.
Daedalus: 1:1 - klingt nach einem trostlosen Unentschieden, meint aber natürlich, dass man im Deutschen nicht weiter kreativ wurde oder werden musste. Geht so durch.
Fazit
„Daedalus“ ist nichts als lauwarme Luft. In diesem Dunst des Bekannten und Ermüdenden spielen die Gastdarsteller ihr Laientheater, während der Rest der Crew unangenehm berührt zusieht und sich für Bruchteile auf andere, mal mehr, mal weniger interessante Dinge konzentriert. Wer die Episode noch nicht gesehen hat - er möge ihre Existenz schlicht und ergreifend ignorieren oder sie beim Rewatch einfach auslassen. Gute Nacht.
Nächste Woche probiert man es auf der Enterprise glatt nochmal mit einer Einzelepisode. Bei Babylon 5 ist morgen Monsterhorror angesagt.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 4. März 2017(Star Trek: Enterprise 4x10)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?