Star Trek: Enterprise 4x09

Star Trek: Enterprise 4x09

Eingetütet! Mit einem starken letzten Akt toppt die vierte Staffel Star Trek: Enterprise den Soong-Dreiteiler am Ende noch knapp und liefert zudem ein Lehrstück in Sachen Behandlung fremder Kulturen und Kanonbezug. Sauber!

Star Trek: Enterprise
Star Trek: Enterprise
© UPN

Was passiert?

Während Archer, T'Pol und T'Pau versuchen, die Originalschriften des Surak in die vulkanische Hauptstadt zu bringen, gerät die Enterprise unter dem Kommando von Trip mitten in einen vulkanisch-andorianischen Kampf...

Dies & das

  • Mike Sussman durfte hier erneut, wie bei „The Augments“, das Abschlussstück des Arcs liefern.
  • Gary Graham alias Soval war auch beim Abschluss dabei. Es war der zehnte Auftritt der Figur. Und zur großen Freude sahen wir auch Fanliebling Jeffrey Combs alias Antennenmann Shran wieder! Sein letzter Auftritt durfte in Zero Hour bestaunt werden. Hier war er nun bereits zum sechsten Mal dabei.
  • Robert Foxworth durfte zum dritten Mal hintereinander den Vulkanier V'Las verkörpern. T'Pau alias Kara Zediker war nach „Awakening“ zum zweiten Mal mit von der Partie.
  • Michael Reilly Burke alias T'Pols Ehemann Koss war nach Home genauso wie Jack Donner als Priester zum zweiten Mal dabei.

Zitate

I'll rip the antennas off your head!“ (Soval)

Ever since the meld I've never felt more centered, it's hard to explain. My whole life I've never understood Vulcans. Why they worked so hard to suppress their emotions. Now it all makes perfect sense... next you know I'll be taking up meditation.“ (Archer)

I'll save you a seat at my court-martial.“ (Trip)

Trip, der Draufgänger

Auf der Enterprise geht es weiter hoch her. Trip und Reed sind sich nicht gänzlich über die korrekte Vorgehensweise einig, der Vertreter des Captains setzt sich jedoch mit seinem Plan, Shran zu warnen, durch. Schade, dass Shran aber noch viel paranoider ist, als Trip es sich vorgestellt hatte. So hält er die Sache vielmehr für einen Komplott der Menschen und Vulkanier als für eine gut gemeinte Warnung.

Für Shran gibt es nur einen Weg, seine Zweifel zu zerstreuen. Er entführt Soval und foltert ihn - wobei das Wort Folter hier eine spannende Nuance hinzugewinnt: Er lässt Sovals Emotionen zum Vorschein kommen. Gary Graham nutzt diese schauspielerische Freiheit, um uns einen ganz anderen Soval zu zeigen, der seinen ganzen Frust und seinen aufgestauten Ärger herauslässt und Tacheles redet.

Auch sein Unverständnis über Shran, welches er mit einer schönen Geschichte über einen vulkanischen Soldaten anreichert, dessen Name als Synonym für „Dummkopf“ in die Kultur der Vulkanier eingegangen ist, macht Spaß. Doch Shran ist eigentlich weder ein Folterer noch ein Dummkopf. Er ist schlicht ein Mann, der genau weiß, dass er 100 Prozent Sicherheit benötigt, um hier eine Entscheidung zu treffen. Jeffrey Combs spielt diese Gratwanderung mit Würde und Leichtigkeit und reichert den Andorianer somit um viele Nuancen an. Für einen zweiten Weyoun reicht es zwar noch nicht ganz, für einen wunderbar eigenständigen Charakter aber allemal.

Archer, der Neckpinscher

Auf Vulkan setzt sich das bisher Gesehene währenddessen nahtlos fort. Gerade die Szenen rund um Kriegstreiber V'Las, der weiterhin ohne ein Eingreifen seiner Kollegen sein eigentlich kaum tragbares und wenig logisches Spiel spielt, bergen dabei eine gewisse Redundanz, die mit jeder Szene augenscheinlicher wird. Interessanter sind aber ohnehin die Erlebnisse von Archer und T'Pol in der Wüste Vulkans. Ersterer ist durch seinen Mind-Meld nicht mehr derselbe Mann wie zuvor. Sein Verständnis für die Vulkanier an sich hat sich grundlegend verändert und wird seine Wertschätzung für das einstige Feindbild in Zukunft sicher befeuern. Dass er zudem nun zum vulkanischen Nervengriff fähig ist, reicht für einen dicken Schmunzler.

T'Pol hat derweil auch Grund zur Freude. Ihr als unheilbar eingestuftes Pa'Nar-Syndrom stellt sich als simple Nebenwirkung eines „Mind-Melds“ mit einem unerfahrenen Vulkanier heraus. T'Pau kann mit einem weiteren „Meld“ die Schäden beseitigen und T'Pol heilen. Immerhin mal ein längerer Handlungsstrang der Serie, der effektiv auserzählt wurde. Schade nur, dass T'Pau dabei nicht auf T'Pols Suchtprobleme gestoßen ist - hier hätte sich noch manch potenter Dialog angeboten.

Das Ende hat's eilig

Nachdem das Drehbuch schließlich alle Dramen in Stellung gebracht hat, fehlt für das große Finale fast die Zeit. Zu viel wird überstürzt in den Topf geworfen, was der Glaubwürdigkeit abträglich ist und alles zu gehetzt erscheinen lässt. Die Kir'Shara überzeugt natürlich alle (außer V'Las), dieser wird abgesetzt und muss sich einer Untersuchung beugen, der Konflikt mit den Andorianern ist vorerst vom Tisch, Koss hilft Archer und T'Pol auf ihrem Weg noch schnell mit geheimen Codes aus (was des Guten definitiv zu viel ist) und gibt am Ende sogar noch T'Pol frei.

Puh. Dass die Vulkanier ohne V'Las und mit der Kir'Shara nun auf den richtigen Pfad zurückkehren können, bleibt da fast eine Randnotiz. Es bedeutet aber auch das Ende eines Handlungsstrangs, den die Serie mit dem ersten Erscheinen der Spitzohren aufgemacht hatte. Nun ist der Weg geebnet für die Vulkanier, die wir aus den „späteren“ Serien kennen. Viele Fans hatten sich jahrelang an der Andersartigkeit unserer Freunde gestoßen und konnten diese (eventuell sogar geplante) Entwicklung somit vermutlich kaum goutieren.

Ein letztes Ass hatte die Episode aber nach all diesen Entwicklungen sogar immer noch im Ärmel. Ganz zum Schluss ließ man tatsächlich noch die Romulaner von der Kette und läutete mit der Verwendung des Wortes reunification sogar noch eine Entwicklung ein, die erst in der Ära eines Captain Picards und von Botschafter Spock zum Tragen kommen sollte. Ein netter Verweis auf die später spielenden Serien und somit erneut gelungene Kontinuität à la Mike Sussman.

Technisch betrachtet

Neben den starken Kulissen, vielen guten Weltraumszenen und dem immer wieder schönen andorianischen Make-up finden sich diesmal sogar überzeugende Greenscreen-Aufnahmen auf Vulkan. Auch der Score gefällt wieder eine Nuance besser als in „Awakening“ - insgesamt technisch eine runde Sache.

Gib dem Kind einen Namen

Kir'Shara: Die Episode nimmt wieder das zentrale Handlungselement nach vorne und macht damit natürlich nichts falsch, ohne jedoch zu glänzen.

Kir'Shara: 1:1 übernommen im Deutschen - völlig okay.

Fazit

Der letzte Akt bringt den Vulkanischen Arc zu einem sehr befriedigenden Ende, ohne dabei jedoch ganz an das große Feuerwerk aus „The Forge“ heranzukommen. Das etwas überstürzte Ende, eine Spur Vorhersehbarkeit und hier und da etwas zu wenig Tiefe verhindern eine absolute Topbewertung. Diese kleine Einschränkung sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es hier mit einer spannenden Dreiviertelstunde zu tun hat, die wenig Wünsche offenlässt.

Kommende Woche gibt es mal wieder eine Einzelepisode bei Archer & Co. Ob das ein Vorteil für die Staffel ist? Bei „Babylon 5“ geht es morgen derweil mit dem lieben Londo in love weiter.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 25. Februar 2017
Episode
Staffel 4, Episode 9
(Star Trek: Enterprise 4x09)
Deutscher Titel der Episode
Kir'Shara
Titel der Episode im Original
Kir'Shara (3)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 3. Dezember 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 9. April 2006
Autor
Michael Sussman
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x09

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