Star Trek: Enterprise 4x08

Star Trek: Enterprise 4x08

Machtspielchen, Pokerfaces und noch viel mehr Gluthitze sorgen auch im schwächeren Mittelteil des Vulkan-Arcs für einen Kessel Buntes und außerdem für viele Erkenntnisse über unsere Freunde mit den spitzen Ohren...

Star Trek: Enterprise
Star Trek: Enterprise
© UPN

Was passiert?

Die Crew der Enterprise unter der Führung von Trip muss sich auf diplomatisches Geplänkel nach vulkanischer Art einlassen, während Archer und T'Pol auf die Syrranites treffen, eine radikale Gruppe, die sich tief in der Wüste versteckt hält, und zu deren Anführern auch T'Pols Mutter T'Les gehört...

Dies & das

  • Roxann Dawson absolvierte hier in Sachen Regie ihre zehnte Episode - es war auch ihre letzte für die Serie.
  • Gary Graham alias Soval war natürlich ebenfalls weiterhin Teil des Arcs - sein neunter Auftritt in dieser Rolle. Joanna Cassidy nahm ihre Rolle aus „Home“ wieder auf. Robert Foxworth durfte erneut den Vulkanier V'Las verkörpern.
  • Als besonderes Bonbon erlebten wir hier noch die vulkanischen Ikonen T'Pau und Surak, gespielt durch Kara Zediker und Bruce Gray.

Zitate

There's a great deal to be said, excellency. Unfortunately, no one is willing to listen.“ (Soval)

The Vulcan Science Institute was just as skeptical about time travel.“ (Archer)

The son of a bitch hung up on us.“ (Trip)

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“ - © Paramount

The Bormanis-Paradox

Entgegen meiner Erwartung und auch entgegen der Erfahrung mit dem vorangegangenen Dreiteiler um Arik Soong, ist dieses Mal der Mittelteil das schwächste Glied der Kette. „The Forge“ hatte eine derart epische Klasse vorgelegt, dass Andre Bormanis mit seinem Skript vermutlich nur verlieren konnte. Das tut er aber natürlich nicht - „Awakening“ ist trotz diverser Makel eine starke Episode, die sich nur gegenüber dem großartigen Vorgänger ein wenig ducken muss. Für Bormanis-Verhältnisse muss man am Ende sogar sehr zufrieden sein, hatte der Autor doch bisher eher durch Ware von der Stange geglänzt.

Ein wenig fehlt der Dramaturgie schlicht die Weite. So plätschert die Hälfte der Spielzeit im Unterschlupf der Syrannites vor sich hin. Das ist alles nett anzusehen und hier und da erkenntnisreich, bleibt aber auch ein wenig statisch und redundant. Highlights sind dennoch die Visionen Archers, einige Unterhaltungen zwischen Archer und T'Pol, beziehungsweise T'Pol und T'Les sowie der Versuch der Katra-Übertragung durch T'Pau. Ansonsten herrscht in diesem Handlungselement eine Spur zu viel Stillstand - bis kurz vor Schluss.

An Bord der Enterprise hingegen erleben wir mit Soval den heimlichen Star der Episode. Seine Verwandlung zum Freund der Crew und der Menschen an sich ist der positivste Aspekt der Handlung. In seinen besten Szenen erreicht er Spock-Züge und macht deutlich, dass Jolene Blalock als Vulkanierin eben doch reichlich ungewöhnlich ist. Es ist genau dieses niedlich-naive, das auch Spock immer ausgezeichnet hat. Graham hat diese Spielweise inzwischen perfektioniert und liefert Würde, Weisheit und eben dieses zuweilen Kindliche in emotionalen Angelegenheiten.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“ - © Paramount

Die politischen Ränkespielchen um V'Las sind hingegen erneut das schwächste Glied in der Kette - V'Las ist als Oberhaupt des Oberkommandos schlicht zu sehr „Bad Guy“. Als Vulkanier bleibt er wenig überzeugend und seine Motive und eventuellen Hintermänner sind gänzlich unbekannt. Vielleicht hat am Ende noch alles Sinn, gegebenenfalls ist hier aber auch schlicht ein viel zu eindimensionaler Charakter entstanden.

Dabei wäre ein noch tieferer Einblick in die Seele der Vulkanier ein faszinierendes Element. Dieses Volk befindet sich offensichtlich an der Schwelle zu einem bedeutenden Umbruch und man kann sich gut vorstellen, dass Individuen wie T'Pau, T'Les oder Soval Beispiele dafür sind, wie dieser Umbruch sich ausgestalten wird.

Stattdessen schusterte man als Kern des Hauptplots der Episode aber lieber einen Plan, der auf den zweiten Blick eher wenig Sinn zu haben scheint. Warum will man einer Gruppe von Pazifisten den Bombenanschlag auf die Botschaft in die Schuhe schieben? Nur, um sie legal angreifen und auslöschen zu können? Das klingt nach einer wenig logischen und weit hergeholten Strategie. Überzeugen dürfte V'Las damit eigentlich niemanden. Gerade, weil V'Las damit eben auch noch die Sternenflotte anlockt und ins Boot holt und somit noch mehr Fragen zu beantworten hat, als ihm lieb sein dürfte...

Auch die Verbindung zum geplanten Angriff auf Andoria bleibt hier vage und wenig stimmig. Dennoch ist es natürlich eine Freude, die Antennenträger wiederzusehen. Der Verweis auf die Verhandlungen von vor zwei Jahren („Cease Fire“) und die vollkommen offene Situation sorgen für einen spannenden Cliffhanger. Archer muss sich in die Hauptstadt durchschlagen, während seine Crew Kontakt zu den Andorianern aufnehmen muss. Zwei Handlungsebenen, die darauf abzielen, einen interstellaren Krieg zu verhindern, zwei Wege die sich bedingen und gegenseitig beeinflussen werden.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“ - © Paramount

Die besten Szenen bleiben Archer vorbehalten. Seine Begegnungen mit Surak sind beseelt von einer eindringlichen Anmut, die bisher selten erreicht wurde. Die Musikuntermalung ist märchenhaft und reduziert, die Ausleuchtung faszinierend. Scott Bakula spielt weiterhin mit einer inneren Ruhe, die seinem Charakter sehr gut zu Gesicht steht und Bruce Gray ist eine perfekte Besetzung für die Rolle des berühmten vulkanischen Vordenkers. Doch auch Jolene Blalock erhält mit der emotionalen Sterbeszene ihrer Serienmutter einen gewichtigen Moment, den sie schauspielerisch gut zu nutzen weiß.

Awakening“ ist summa summarum eine würdige Fortführung des Dreiteilers, kann aber, möglicherweise bedingt durch den schwächeren Autor, keine gänzlich fesselnde Wirkung entfalten, sondern taugt in erster Linie als notwendige Mitte einer großen Geschichte.

Technisch betrachtet

Neben Scott Bakula machen besonders Gary Graham und Joanna Cassidy diesmal viel Freude. Soval ist inzwischen der am besten ausgearbeitete Nebencharakter der Serie - und Graham spielt den von Moral und Überzeugung getriebenen Botschafter mit genau der richtigen Dosis Würde und der notwendigen Distanz. Der Tod von T'Les ist angesichts ihrer starken Präsenz bedauerlich - Cassidy hätte eine dauerhafte Bereicherung für die Staffel werden können.

Weitere Pluspunkte sind die kompetent-zurückhaltende Regie von Roxann Dawsons sowie die kreativ-verspielte Kameraarbeit. Der Score bleibt bis auf die interessante Untermalung der Visionen blass - ein typischer Chattaway und in der Summe eine ganze Ecke schwächer als John Frizzels Arbeit in „The Forge“. Schade!

Der Blick auf die vulkanische Hauptstadt ist aber wieder vom Feinsten - „Star Wars“ lässt grüßen!

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Awakening“ - © Paramount

Gib dem Kind einen Namen

Awakening: Hier geht es im Kern natürlich primär um das Erwachen einer potentiell neuen (alten) Identität für unsere spitzohrigen Freunde und somit global betrachtet für das ganze Volk. Doch auch im Kleinen lässt sich der Titel anwenden: Für Soval ist die Offenlegung seiner Fähigkeit, die Allianz mit der Enterprise-Crew und seine Bereitschaft zum offenen mind meld ein Neuanfang und ebenfalls das Erwachen einer neuen Identität. Und ebenso natürlich auch für T'Pol, die viel über sich und ihre Mutter lernt.

Zeit des Erwachens: In Vermeidung eines Ein-Wort-Titels entstand hier eine hübsche Version der englischen Fassung, die sogar die diversen Brandherde in einen Topf wirft und den Titel somit gezielt umfassender anlegt, als er es im Englischen war.

Fazit

Nachdem beim ersten Dreiteiler der Mittelteil das Filetstück gewesen war, erleben wir hier nun die andere Variante: „Awakening“ kann das hohe Niveau des Auftakts nicht vollständig halten. Ohne die schier unerschöpfliche inhaltliche Flut von „The Forge“ bleibt aber immerhin noch ein atmosphärisch dichtes und mystisches Stück „Star Trek“ übrig. Für einen Mittelteil bietet „Awakening“ zudem eine kompetente Dosis aus Information, Action und Handlung - nur die bombastische Magie des Vorgängers kann Andre Bormanis leider nicht einfangen.

Mit dem Dreiteiler geht es am kommenden Wochenende zu Ende - bei „Babylon 5“ geht es dazu morgen um ein Alien, das frappierende Ähnlichkeit mit einem Ferengi hat.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 18. Februar 2017
Episode
Staffel 4, Episode 8
(Star Trek: Enterprise 4x08)
Deutscher Titel der Episode
Zeit des Erwachens
Titel der Episode im Original
Awakening (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 26. November 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 2. April 2006
Autor
André Bormanis
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?