Star Trek: Enterprise 4x07

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Was passiert?
Die Botschaft der Erde auf dem Planeten Vulkan fällt einem Bombenanschlag zum Opfer. Die nachfolgenden Untersuchungen führen Captain Archer und T'Pol auf die Spur einer religiösen Gruppierung, die sich in der Wüste versteckt hält...
Dies und das
- Hiermit beginnt der zweite große Arc der Season - und erneut handelt es sich um einen Dreiteiler, der aus den Episoden „The Forge“, „Awakening“ und „Kir'Shara“ besteht.
- Autor Michael Grossman war bisher ausschließlich für die Episode „Hatchery“ verantwortlich und fing dort als Kontrapunkt zur vorhersehbaren Handlung die Interaktion der Crew und die Alienatmosphäre sehr treffend ein.
- Für die Romanautoren Judith und Garfield Reeves-Stevens war „The Forge“ die erste „Trek“-Episode überhaupt. Sie sind bisher neben anderen Romanprojekten hauptsächlich als Co-Autoren von William Shatner bei diversen erfolgreichen und hochwertigen Erzählungen bekanntgeworden.
- Robert Foxworth ist aus Babylon 5, besonders aber natürlich als Admiral Leyton aus dem grandiosen „DS9“-Zweiteiler „Homefront“ / „Paradise Lost“ bekannt.
Zitate
„If I'd designed that bomb, I'd make it detonate the instant a scanner beam hit it.“ (Reed)
„A husband needs a reason to visit his wife?“ (Koss)
„It's a Vulcan Desert. I expect it to be hot.“ (Archer)

You ain't seen nothing yet
Nachdem Brent Spiner den ersten Dreiteiler der Serie veredeln durfte, präsentiert Showrunner Manny Coto den zweiten Arc der Season. Dieses Mal setzt der neue Chef jedoch nicht auf einen teuren Gaststar, sondern auf eine nähere Beleuchtung der vulkanischen Geschichte. Dabei ist es natürlich eine besondere Freude, nach Home mehr von der Heimat der beliebtesten Spezies des „Trek“-Universums zu sehen. Ein Umstand, der bisher in allen Serien und Filmen erstaunlich selten zum Tragen kam.
Und, wie es sich für einen zünftigen Dreiteiler gehört, bietet gleich die erste Szene in verschiedener Hinsicht Bemerkenswertes: So gibt Soval gegenüber Forrest zu, dass die Vulkanier vielleicht Angst vor den Menschen haben, weil diese ihnen zu ähnlich seien. Eine interessante Sichtweise. Kurz darauf dann der Schock: Durch die Explosion in der Botschaft stirbt Forrest bei dem Versuch, Soval zu retten.
Das sich direkt anschließende Basketballmatch ist zwar ein harter Bruch, stellt jedoch auch eine willkommene Abwechslung für die Crew dar. Es bietet einen extremen Kontrast zu den gezeigten Ereignissen auf Vulkan und zu der immer noch sehr präsenten und düsteren Mission der Enterprise im letzten Jahr.
Von hier an entwickelt sich die Episode jedoch fernab jeglichen Humors in ein Gemisch aus Politik, Intrigen, Geschichtsstunde und kompetenten Wortwechseln - dabei können jedoch gerade die Antagonisten nicht vollends überzeugen. V'Las ist schlicht kein besonders überzeugender Vulkanier, was man unter Umständen Darsteller Robert Foxworth ankreiden darf. Und auch sein undurchsichtiger Assistent Stel hätte sicherlich einen besseren Schauspieler verdient gehabt - dennoch stören die wenigen Momente mit den genannten Personen nicht. Sie taugen als informelle Szenen - mehr nicht.

Eine besonders effektive Szene bietet sich jedoch, als Reed und Mayweather die Unglücksstelle untersuchen. Untermalt von wundervoll-melancholischen Klängen steigert sich die Spannung Sekunde um Sekunde. Maßarbeit!
Auch danach gibt es keine Verschnaufpause - erneut eingeleitet von großartiger Musikuntermalung spielen sich Scott Bakula und Gary Graham die Seele aus dem Leib. Soval erklärt Archer, dass dieser seine Unterstützung hat - uneingeschränkt. Was für ein Schritt voran - vielleicht hat auch die letzte Unterhaltung mit Forrest und dessen heldenhaftes Opfer etwas im weisen Botschafter ausgelöst.
Generell gilt für „The Forge“: Keine Szene ist überflüssig oder austauschbar. Diese Art von perfektioniertem Storywriting hat der Serie oft gefehlt - hier zeigt sich die außergewöhnliche Klasse des Autorenpaares Reeves-Stevens.
Ein besonderer Verdienst dieses Auftakts ist jedoch, dass endlich eine Erklärung geboten wird, warum sich die Vulkanier in der Serie so stark von den uns bekannten späteren Artgenossen unterscheiden - sie haben den wahren Pfad, den Pfad Suraks verlassen. Bereits der Auftritt von Arev, der sich später als Anführer der Syrannites herausstellt, verdeutlicht den Unterschied. Hier haben wir es mit einem der uns bekannten Vertreter zu tun - Gleiches gilt übrigens für T'Pols Mutter T'Les.

Überraschend auch, dass Soval eine Gedankenverschmelzung vornimmt - nachdem dieses Verhalten bisher noch als unnatürlich bezeichnet worden war. Wir wissen nun also sicher: Alle Vulkanier können es, vermutlich liegt hier der Grund in der Abkehr von den Lehren Suraks. Erfreulich auch, dass die Problematik um T'Pol, ihre Mutter und ihren neuen Ehemann Koss aufgegriffen und weitergesponnen wird.
Und auch der Cliffhanger funktioniert effektiv: Archer scheint alles (oder zumindest mehr) zu wissen und T'Pol muss ungläubig zuschauen, wie er sprichwörtlich ins offene Messer läuft - sehenden Auges und mit Pokerface.
Oops, they did it right
Oberflächlich betrachtet könnte man Judith und Garfield Reeves-Steevens vorwerfen, aus ihrer ersten Arbeit für die Serie eine 43 Minuten lange Expositionsepisode gemacht zu haben, in der eine Informations-, Zitate- und Querverweisflut auf den geneigten Zuschauer einströmt. Genau hier liegt jedoch auch die wahre Stärke. Keine Episode der Serie konnte den Prequelgedanken bisher in diesem Maße erfüllen wie „The Forge“. Alle Zahnräder der „Trek“-Historie greifen spielerisch ineinander und verknüpfen die Generationen auf spannende und mitreißende Weise.
Außerdem sind es letztlich eben noch die besonderen Momente, die eine Episode auf Kinoniveau heben - der Anschlag auf die Botschaft, 43 Opfer, darunter ein liebgewonnener und hinlänglich bekannter Charakter, Sandstürme, eine undurchdringliche Wüste, der Tod eines bedeutenden Anführers und die Stabilität der Galaxis - all das findet sich hier, all das macht „The Forge“ außergewöhnlich. Einzeln betrachtet handelt es sich hier gar um eine der besten Episoden der Serie.

Technisch betrachtet
Doch nicht nur die Story, auch die technische Umsetzung sammelt fleißig Punkte: Gar nicht genug kann man dabei den großartigen Score von John Frizzell loben, der sich so perfekt an bekannte Klänge aus „Star Trek VI“ anlehnt, dass es eine wahre Freude ist. Auch dort war Diplomatie in schwierigen und unsicheren Zeiten eines der Hauptmotive, auch dort löste eine Explosion bedeutende Ereignisse aus. Frizzell klaut jedoch nicht - er interpretiert. Und das auf eine magische Art und Weise, die langjährigen Fans sofort durch Mark und Bein gehen muss.
Schauspielerisch verdienen sich Bakula, Graham und Nouri Bestnoten. Robert Foxworth, Larc Spies und leider auch Jolene Blalock fallen hingegen eher durch Durchschnittsleistungen auf. Ein Umstand, der die Episode glücklicherweise nicht groß belastet. Bedenklich ist aber schon, dass Jolene Blalock es nicht mehr schafft, an ihre starken Leistungen der Vorsaison anzuknüpfen.
Die Effekte der Episode sind größtenteils schlicht atemberaubend. Besonders die Wüstenszenen verdienen - bis auf eine Ausnahme, in der die drei einsamen Wanderer auf eine Schlucht blicken, die den Blue-Screen-Test leider nicht bestehen kann - uneingeschränktes Lob.
Gib dem Kind einen Namen
The Forge: Benennt auf der einen Seite den Ort der Handlung auf Vulkan und steht im Englischen für das Wort „Glühofen“ oder „Glutofen“. Eine wirkliche Metaebene sehe ich darin nicht - es ist heiß dort, das muss wohl gereicht haben.
Der Anschlag: Wie so oft konzentriert sich der deutsche Titel auf das dramatische Element, das die Handlung in Fahrt bringt. Dass nach dieser Logik schon diverse Episoden diesen Titel hätten erhalten können, sei freundlicherweise verschwiegen.
Fazit
Ein furioser Auftakt in den Vulkanischen Arc bringt schönstes „DS9“-Feeling zurück. „The Forge“ zieht seine Urgewalt aus einer dichten Story, liebevollen Details, der höchst interessanten Thematik, geschliffenen Dialogen und einer perfekten Umsetzung des Prequelgedankens. Religion, politische Intrigen, Mythologie, Charakterdrama - eine explosive Mischung, die Judith und Garfield Reeves-Stevens virtuos zum Leben erweckt haben. Dazu eine großformatige Umsetzung durch Regisseur Michael Grossman und ein dynamischer Score von John Frizzell, der in seiner Intensität an den sechsten Kinofilm erinnert - großes „Star Trek“, das absolut in die Klassikerriege gehört!
Mit dem Dreiteiler geht es kommendes Wochenende weiter - morgen jedoch gibt es erst mal das bereits angekündigte Goodie. Ich bin gespannt, was Ihr dazu sagt...
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 11. Februar 2017(Star Trek: Enterprise 4x07)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x07
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